Der Limokrieg am Golden Gate

Es geht nur um 2 Cent. Nicht einen und nicht drei Cent. 2 Cent, was ist das schon, die liegen doch eigentlich auf der Straße und bedeuten so gar nichts beim Einkauf. Doch diese 2 Cent stehen für viel mehr. Diese 2 Cent öffnen Tür und Tor für eine größeren Kampf, der schon jetzt mit dem der Tabakindustrie verglichen wird. Auf Antrag von zwei Stadträten in San Francisco werden die Bürger der nordkalifornischen Metropole im November über eine lokale Sodasteuer abstimmen. Also 2 Cent auf jede Cola, Pepsi, Sprite, Mountain Dew, 7up, Dr. Pepper, Root Beer… Damit solle ein Zeichen gegen die Fettleibigkeit gesetzt werden, so die Initiatoren, stark gesüßte Getränke seien mitverantworlich am Dickwerden in den USA. Die erzielten Erlöse aus der 2 Cent Steuer sollten dann in Gesundheitsprogramme und Aufklärungskampagnen investiert werden.

Doch die Soda Industrie will sich das nicht bieten lassen. San Francisco wird zum Schauplatz einer Schlacht gemacht, die gewonnen werden muß. Massiv gehen die Limonadenabfüller gegen die Pläne aus dem Rathaus vor und machen Millionen Dollar locker für einen Wahlkampf am Golden Gate. Schon acht Monate vor dem Abstimmungstermin überschwemmen sie die Bürger von San Francisco mit Flugblättern und TV-Spots. Von einem „Nanny State“ ist die Rede, einer Regierung, die immer mehr die Bürger bevormunden will. Von hohen Mieten und hohen Preisen in der „City by the Bay“ wird gesprochen, um die sich die Damen und Herren in der „City Hall“ kümmern sollten. Stattdessen disktutierten sie um das leibliche Wohl der Menschen in San Francisco und wollten die Dinge mit zusätzlichen Steuern noch weiter verteuern.

Der Kampf der Cokes und Pepsis erinnert an den von Joe Camel und Marlboro Man vor etlichen Jahren. Damals erkannten sie, dass Versuche auf der lokalen Ebene Antiraucher Gesetze umzusetzen fatale Folgen haben könnte. Und genauso geschah es. In Contra Costa County, einem Bezirk östlich von San Francisco wurden anfangs Rauchverbote in Restaurants eingeführt, zum Schutz der Mitarbeiter. Die Tabakindustrie lief Amok, schmierte Politiker und Beamte, versprach Gelder für lokale Projekte und Initiativen, bot im Hintergrund Verantwortlichen lukrative Jobs und Gehälter. Doch alles half nichts, die Bürger stimmten für ein Rauchverbot in Restaurants. Alles andere ist Geschichte. Die Arbeitsschutz- und Nichtrauchergesetze breiteten sich im ganzen Land und auf allen Ebenen aus. Heute sind Raucher fast Aussätzige, die im Regen, Wind und Schnee schnell mal in einer Garageneinfahrt einen Glimmstengel durchziehen. Bemitleidenswert. In vielen amerikanischen Parks, vor Eingängen, sogar an manchen Stränden darf nicht mehr geraucht werden. Wer weiß, vielleicht sieht man schon bald ein paar Coca Cola Süchtige im Schutz der Dunkelheit einen Sixpack aus dem Corner Store tragen….the good old times, als Amerika noch von einem rauchenden Cowboy regiert wurde, der zur Erfrischung eine eisgekühlte Coke trank. Lang, lang ist es her.

Rauchverbot – wie alles anfing

2010 bringt einen Volksentscheid für Bayern. Soll das Rauchen in Kneipen erlaubt werden oder nicht, mit Nebenzimmer, Ausnahmen und Clubausweis? Was passiert in den Bierzelten auf der Wies’n und auf dem Volksfest? Wird es das Ende der Zivilisation, die Vernichtung der dörflichen Kneipenkultur sein, wenn der Volksentscheid zugunsten der Nichtraucher ausfallen wird? Fragen über Fragen, die Köpfe rauchen und in den bevorstehenden hitzigen Debatten werden so einige Schachteln Zigaretten verqualmt werden.

Hat sich aber schon mal jemand gefragt, wie eigentlich alles anfing? Hier ein Video, in dem Larry Cohen, der Gründer und Leiter des Prevention Institutes in Oakland, Kalifornien, von den ersten Schritten in Sachen Nichtraucherschutz berichtet.

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