Im Namen des… Mammon

Am heutigen Sonntag findet in San Francisco wieder das „Folsom Street Fair“ statt. Mehrere Hunderttausend Menschen kommen zu diesem größten Straßenfest der Leder,- Lack- und Fetischszene. Über fünf Straßenblocks zieht sich die Party, dicht an dicht schieben sich die Menschenmassen durch das Fest. Außenrum ist alles großräumig abgesperrt. „Folsom Street Fair“ ist ein gewagtes und sehr offenherziges Ereignis. Und dennoch, diese Party ist eine der größten im prall gefüllten jährlichen Partykalender von San Francisco. Von weither und aus Übersee kommen die Besucher. Politiker, vom Bürgermeister bis zu US Senatoren, wünschen den Teilnehmern einen schönen und sicheren Nachmittag.

Von Einkaufsmöglichkeiten im SM Bereich bis hin zum Benefiz-Auspeitschen für die AIDS Hilfe ist alles geboten. Nackte Tatsachen neben Latexganzanzügen, die etwas andere Kutschfahrt neben homosexuellem Körperkult. Es kann nicht schrill, schräg und abgefahren genug sein. Alles – und die Betonung liegt auf ALLES – ist hier möglich und zu beobachten. Wer denn will!

Deshalb wundert es umso mehr, dass ausgerechnet die Marriott Hotelkette als offizieller Partner der „Folsom Street Fair“ auftritt. Zur Erinnerung, Marriott ist in der Hand der Marriott Familie, die noch im letzten Jahr massiv den Wahlkampf ihres Glaubensbruders Mitt Romney unterstützt hat. Romney und die Marriotts sind konservative Mormonen und ausgesprochene Gegner von gleichgeschlechtlichen Ehen. Immer wieder wurde im Wahlkampf von Romneys Seite vor dem Verfall der Werte und den sogenannten „San Francisco Values“ gewarnt, also genau den Bildern, die man auf „Folsom Street Fair“ zu sehen bekommt.

Beobachter werten die Sponsorrolle von Marriott als Versuch in der durchaus wohlhabenden Gay-Community nicht als homophob gesehen zu werden. Fragt sich nur, wie diese Unterstützung der Fetischszene bei den erzkonservativen Glaubensbrüdern ankommt, die immer mal wieder gerne zu Boykotts gegen Firmen aufrufen, die auch nur ansatzweise Schwule und Lesben und deren Anliegen unterstützen.

Für eine Handvoll Dollar macht man also wohl alles, schaut mal weg, auch über das vermeintliche Sodom und Gomorra auf den Straßen San Franciscos. Immerhin zieht Jahr für Jahr ein Kleinflugzeug hoch oben am Himmel über dem Straßenfest seine Kreise und zieht eine Botschaft hinter sich her: „God Hates Fags“. Wer dafür wohl zahlt?