„Never Again“ ist nicht realistisch

Am Samstag waren Millionen von zumeist jungen Amerikanern auf der Straße. Sie protestierten, demonstrierten, forderten beim „March for our lives“ sichere Schulen und riefen laut „Never Again“. Niemals wieder soll es zu Schulmassakern und Amokläufen kommen. Ein Aufschrei, der gehört wird, der aber nicht realistisch ist.

Die Frage, die immer wieder gestellt wird, wird die gleiche bleiben, nicht ob, sondern wann und wo wird es wieder passieren? Amokläufe zu verhindern, Massenschiessereien zu beenden das ist utopisch, das wird nicht passieren. Amerika hat gelernt damit zu leben. Seit dem Blutbad an der Marjory Stoneman Douglas High School in Parkland, Florida, ist es in den USA zu zwanzig weiteren Massenschießereien gekommen. Der Aufschrei war kaum zu hören, denn es gab ihn nicht. Es wird also wieder passieren, die USA haben sich selbst das Fundament für diese brutale Lebensrealität geschaffen.

„March for our lives“ in Washington. Foto: Reuters.

Und es einfach auf die Waffenlobby „National Rifle Association“ (NRA) zu schieben, ist ein einfacher Ausweg. Erst in den 1980er Jahren hat die Gruppe mit ihrer politischen Lobby-Arbeit begonnen. Zuvor war sie ein Zusammenschluss von Jägern, Waffensammlern und -liebhabern. Die NRA erkannte einfach die Schwachpunkte in der amerikanischen Gesellschaft, im politischen System. Und die wurden ausgenutzt, die NRA wurde zur wichtigsten Lobby-Gruppe in Washington DC und in den Hauptstädten der Bundesstaaten. Das Problem ist also nicht einfach nur die NRA, das Problem ist ein System, dass einer Gruppe wie der NRA diesen Einfluss gewährt. Und daran will derzeit niemand etwas ändern. Strengere Waffengesetze, die nun verabschiedet werden sollen, wie ein Verbot der sogenannten „Bump Stocks“ oder ein Heraufsetzen des Mindestalters beim Waffenkauf von 18 auf 21 Jahren, werden zukünftige Amokläufe nicht verhindern, nicht verhindern können. Das ist die bittere Realität.

Ja, die NRA hat sinnvolle Gesetze blockiert und ausgebremst, hat sogar verhindert, dass es eine Zählung der im Umlauf befindlichen Waffen in den USA gibt oder, dass Waffengewalt als öffentliches Gesundheitsproblem angesehen wird und erforscht werden müsste. Keiner weiß, wie viele „Guns“ in Privatbesitz sind. Die Schätzungen gehen von 350 Millionen Schießeisen aus. Alleine diese Zahl drückt schon das ganze Problem aus, ein Ende der Waffengewalt wird es in den USA nicht geben.

Nein, ich belächele oder minimiere nicht den Aktionismus der Schülerinnen und Schüler. Ich finde ihn großartig, bewundernswert, mitreißend. Ich halte nur die Aussage „Never again“ für unrealistisch. Es wird wieder passieren, das steht fest. Die Bürgerrechtsbewegung in den USA hat nicht zur Ausmerzung des Rassismus geführt, aber zu einem langsamen Umbau der amerikanischen Gesellschaft. Noch heute, 50 Jahre nach dem Attentat auf Martin Luther King Jr., kämpft Amerika mit einem tief verwurzelten Rassismus. Die „Black Lives Matter“ Bewegung ist aus gutem Grund vor ein paar Jahren entstanden.

„Never again“ kann als Ruf ertönen, aber er sollte nicht als Ziel ausgegeben werden, denn so werden nur viele der jungen Leute, die gestern auf den amerikanischen Straßen protestierten, enttäuscht. Wichtig ist, die Stimmen nicht verhallen zu lassen, Schülerinnen und Schüler zu Wählerinnen und Wähler, zu aktiven Teilnehmern der Demokratie werden zu lassen. Wenn das gelingt ist viel gewonnen, denn nur so kann ein veraltetes und überholtes Politsystem in den USA überarbeitet und erneuert und an die heutige Zeit angepasst werden. Dazu zählt auch, ein vermeintliches Grundrecht auf den Besitz einer Muskete mit dem vermeintlichen Grundrecht auf den Besitz eines militärischen Sturmgewehrs anzupassen.

Kirchenasyl – man muss nicht jedes Gesetz beachten

Was verbinden Amerikaner heute mit Henry David Thoreau? Eine google- Suche auf amerikanischen News Seiten zeigt, dass Thoreau kaum Gesprächsthema ist, und wenn, dann geht es vor allem um sein Leben in und mit der Natur. Thoreaus Lehre vom zivilen Ungehorsam ist zwar weit verbreitet in den USA, doch wird die “civil disobedience” dieser Tage mehr mit anderen Personen in Verbindung gebracht.

Die Presbytarian Church in Montclair, Oakland, ist Teil eines Kirchenasyl Netzwerkes in der East-Bay.

Die Presbytarian Church in Montclair, einem Stadtteil am Rande von Oakland. Montclair ist gehobene Mittelschicht, heile Welt in einer Stadt, die oftmals als eine der gefährlichsten der USA beschrieben wird. Hier merkt man kaum etwas von den Alltagsproblemen in West- und East Oakland, wenn man sie nicht sehen will. Und doch, die Kirchenmitglieder hier haben erst kürzlich einer geflohenen Familie aus Guatemala Kirchenasyl gewährt.

Die Montclair Presbytarian Church ist Teil des Netzwerkes “East Bay Sanctuary Covenant”, einem Zusammenschluß von mehr als 30 Kirchen und Glaubensrichtungen in der East Bay, östlich von San Francisco gelegen. Schon seit 1982 gibt es das Netzwerk, gegründet nachdem die, zum Teil von den USA finanzierte Gewalt in Mittelamerika, Tausende Menschen vertrieben hatte. Viele von ihnen suchten in den Vereinigten Staaten Sicherheit. Kirchen im ganzen Land taten sich zusammen, um den Geflohenen zu helfen. Seitdem reißt der Strom der Hilfesuchenden aus Honduras, Guatemala, El Salvador und Mexiko nicht ab. Viele Glaubensgemeinschaften sehen hier ihre Aufgabe. Pfarrer Ben Daniel leitet die Presbytarian Gemeinde in Montclair: „Die Idee, dass Kirchen jenen Schutz bieten, die vor dem Gesetz fliehen, geht bis auf das frühe Judentum zurück. In den 1970er Jahren bot meine Gemeinde Kriegsdienstverweigerern desim Vietnamkriegs Kirchenasyl an. Und in den 1980er Jahren kamen die Flüchtlinge aus Mittelamerika, denen wir halfen. Die neue Asylbewegung begann vor etwa zehn Jahren und konzentriert sich darauf, Familien intakt zu halten. Es gibt da Familien mit einem legalen und einem illegalen Elternteil, manchmal sind auch beide Elternteile ohne gültige Papiere hier, ihre Kinder jedoch wurden hier geboren und sind damit amerikanische Staatsbürger. Wir wollen diese Familien zusammen halten, damit Eltern oder ein Vater oder eine Mutter nicht von den Kindern und der Familie getrennt werden.“

Es scheint, dass die Wahl von Donald Trump zum Präsidenten der USA viele Gläubige mobilisiert hat. Die Fronten sind klar, Trump will illegale Einwanderer ausweisen, wettert gegen Mexiko und seine Bürger. Doch Pastor Ben Daniel, der zuvor in San Jose gelebt hat, sieht das etwas kritischer: „Ich kann aufgrund meiner damaligen Nachbarschaft sagen, dass die Obama-Regierung so schlimm, wenn nicht sogar schlimmer war als die von George W. Bush in Bezug auf Abschiebungen, auf die Spaltung von Familien, auf das harte Durchgreifen an der Grenze. Aber viele progressive Kirchen wollten sich das nicht eingestehen, es war hart für viele Amerikaner zu akzeptieren, dass die Obama-Regierung eine ziemlich schlechte Rolle bei den Abschiebungen einnahm. Denn, er war ja unser Mann, nicht wahr?“

Die Wahl Trumps hat daher zumindest einen positiven Effekt gehabt. Es wird wieder offen und breit über Kirchenasyl und “Civil Disobedience”, dem zivilen Ungehorsam in den Gotteshäusern gesprochen. Doch als Vorbild gilt nicht Henry David Thoreau und seine Schriften: „Ich denke, für die meisten gläubigen Amerikaner hat die Verbindung von zivilem Ungehorsam mit dem Streben nach sozialer Gerechtigkeit ihre Wurzeln in der Bürgerrechtsbewegung und den schwarzen Kirchen im Süden, angeführt von Martin Luther King und anderen. Ich denke, die meisten in meiner Gemeinde und auch ich selbst, sehen es genau so, wenn wir mit Ungerechtigkeit konfrontiert werden. Man sollte nicht ein Gesetz befolgen, nur weil es ein Gesetz ist.“

Dem kann Sister Maureen nur zustimmen. Sie leitet das Netzwerk der “East Bay Sanctuary Covenant”. Die kleine, ältere Glaubenschwester wirkt mit ihren rund 70Jahren fragil in diesem Keller unterhalb einer Kirche direkt neben dem Campus der University of California in Berkeley. Doch Sister Maureen sprüht vor Energie und Kraft. In den Büros werden Tag für Tag Flüchtlinge beraten, ihnen wird auf verschiedenste Weise geholfen, manche werden direkt an Partnergemeinden weitervermittelt. Seit der Wahl Trumps ist die Zahl der Hilfesuchenden von täglich 30 auf 50-70 gestiegen. Sister Maureen sieht das, was sie und die anderen Gemeindemitglieder in ihren Kirchen, Tempeln und Moscheen tun deshalb auch nicht als rechtswidrig: „Das ist einfach, denn es gibt ein Gesetz, das größer ist als von Menschen gemachte Gesetze. Das Gesetz Gottes ist viel wichtiger. Es ist eine moralische Notwendigkeit, ein moralischer Wert für mich und unsere Gemeinden. Ich würde nie daran denken, dass wir das Gesetz brechen, denn wir erheben uns nur für Gottes Volk. Das hat auch Jesus getan. Wir sterben nicht gerade für andere, wir sind auf diesen Keller beschränkt. Es geht darum, dass jeder ein Recht auf Leben hat. Und die Ärmsten der Armen kommen mit gar nichts. Sie sind unglaubliche Menschen, die viel durchgemacht haben, als junge Menschen viel erlitten haben.“

Ein Gottesdienst unter der Discokugel.

Die Millionenmetropole San Jose ist die größte Stadt in der San Francisco Bay Area. Das Herz des Silicon Valleys, in dem vor allem viele Einwanderer aus Mexiko, Guatemala, El Salvador und Honduras leben. An diesem Sonntagmorgen treffen sich gleich mehrere Gemeinden zu einem gemeinsamen Gottesdienst in einer Veranstaltungshalle mitten in einem Industriegebiet. Die Diskokugel dreht sich, die Scheinwerfer kreisen an den Wänden. Man will zusammen kommen, beten und feiern. Alles beginnt mit einer Prozession in der Halle, die hinaus auf den Parkplatz führt und dann um das Gebäude herum. Eine Blaskapelle geht voraus, dahinter wird eine Figur von Jesus und das Kreuz getragen. Danach beginnt der Gottesdienst auf Spanisch.

Der katholische Geistliche Jon Pedigo arbeitet für die Diözese in San Jose, er wurde gebeten, den Gottesdienst zu halten. Für ihn ist klar, dass diese Veranstaltung vor allem der Gemeinschaft und dem Zusammenhalt innerhalb der Latino-Gemeinden dient. Die Angst vor Abschiebung und rassistischen Übergriffen sei bei allen groß, sagt er. Bei den legalen und illegalen Einwanderern gleichermaßen, denn jeder hier ist auf die eine oder andere Art mit Menschen in Verbindung, die nach amerikanischem Gesetz nicht legal im Land sind. In seiner Andacht spricht er ganz offen darüber, prangert jene Politiker als unchristlich an, die zwar von Liebe sprechen, sich aber dann gegen Einwanderer wenden. „Ich sehe das nicht als eine Politisierung des Evangeliums. Vielmehr denke ich, wenn die Leute Liebe nur auf eine persönliche Beziehung beschränken, dann ignorieren sie die tatsächliche Übersetzung des Evangeliums. Und sie ignorieren den historischen Kontext, in dem es geschrieben wurde. Für mich war es also kein politisches Predigen. Ich nannte es nur beim Namen, dass Menschen in diesem Moment leiden.“

Father Jon, wie ihn hier alle nennen, führt mich zu Rosa Valez, einer Frau Mitte 50. Ihre Enkelin steht neben ihr und übersetzt. Valez lebt seit 12 Jahren als “undocumented immigrant” in San Jose, d.h. sie hat keine Aufenthalts- und Arbeitsgenehmigung für die USA. 2005 kam sie illegal mit vier ihrer Kinder über die Grenze nach Kalifornien. Sie hofft, dass sie unentdeckt und hier bleiben kann. Doch jeder Tag könnte der letzte in Amerika sein. „Ich habe Angst, denn jeden Augenblick könnten die Immigrationsbeamten zu mir auf die Arbeit oder zu mir nach Hause kommen und mich mitnehmen.“

San Jose ist, wie eigentlich alle Städte in der Bay Area, eine “Sanctuary City”, das bedeutet, die lokale Polizei weigert sich, mit der Bundes- und damit der Einwanderungspolizei zusammen zu arbeiten. Die San Jose Police verhaftet niemanden, nur weil er illegal im Land ist. Wie lange das so bleiben wird ist unklar unter der derzeitigen Trump-Regierung. Die Angst geht um in der Community, wie die 21jährige Yadira erzählt. Eltern würden ihre Kinder nicht mehr zur Schule bringen, viele blieben nur noch zu Hause, aus Angst, aufgegriffen zu werden. Yadira wurde zwar hier geboren, doch sie sieht sich als Teil der gesamten Latino Community in San Jose: „Es ist meine Familie, meine Nachbarschaft, es ist ein Teil von mir. Wenn sie meine Familie holen, dann holen sie ganz sicher auch mich. Sie werden wegen meiner Hautfarbe nicht glauben, dass ich hier geboren wurde. Sie werden sagen, sie ist wahrscheinlich aus Mexiko, nehmen wir sie mit.“

An diesem Sonntag sprechen viele von der “Community”, der Gemeinschaft und über “civil disobedience”. Davon, dass man sich wehren muss, sich organisieren will. Und das heißt, sich als Wähler registrieren zu lassen und im kommenden Jahr wählen zu gehen. Aber auch denen zu helfen, die den Schutz brauchen. Für den Katholiken Father Jon und für viele andere hier ist der zivile Ungehorsam Bestandteil ihres Lebens. Sie haben dabei ganz konkrete Vorbilder, die den Kampf für mehr Bürgerrechte selbst gekämpft haben, wie Father Jon erklärt: „Ich werde beim zivilen Ungehorsam nicht von Henry David Thoreau inspiriert, seiner Idee des Aufbegehrens, mit der Natur im Einklang zu sein. Er kam aus einer priviligierten Umgebung, da ist es einfach, vom “edlen Wilden” und sowas zu sprechen. Diese Idee, die in der amerikanischen Romantik des 19. Jahrhunderts entstanden ist, den Kampf zu romantisieren. Ich dagegen komme aus der Cesar Chavez Bewegung, da wird der Kampf nicht romantisiert, er kommt aus der Wirklichkeit der Farmarbeiter in den 1950er Jahren, die auf den Feldern vergiftet, die wie Dreck behandelt wurden. Sie wurden schlecht bezahlt, manchmal gar nicht. Und dieser Kampf war ein gewaltloser Kampf, aber es ging um kulturelle Identität, um wirtschaftliche Rechte, um amerikanische Bürgerrechte.“

Viele Gemeinden und Gläubige in den USA organisieren und vernetzen sich in diesen Monaten. Gemeinsam will man nach dem Schock des Wahlabends und dem stürmischen ersten halben Jahr der Trump-Adminstration nach vorne blicken. Martha Smith kam nach Jahren ohne Glaubenszugehörigkeit zurück in die Kirche. Sie wurde aufgrund des sozialen Einsatzes der Montclair Presbytarian Church Mitglied der kleinen Gemeinde. Sie sei bereit, die Idee des zivilen Ungehorsams zu leben, sagt sie. „Nach der Wahl, waren ich und viele Leute am Trauern, es war wie das Ende einer Welt, in der wir leben wollten. Ich wollte eine Gemeinschaft, die wie ich darüber nachdachte, was passiert ist und die von Gerechtigkeit und Frieden träumte. All das mit unserem Glauben sah, dass wir uns verpflichten jeden zu lieben und der Welt zu dienen. Und dieser Glauben findet nicht nur in diesen vier Wänden statt, sondern in dem, wie wir uns in der Welt verhalten. Wie wir andere behandeln, uns für soziale Gerechtigkeit einsetzen, das Recht einer Frau über ihren Körper, Gay und Lesbian Rights, Antirassismus, wirtschaftliche Gleichberechtigung. Wenn wir uns dafür einsetzen, dann setzen wir uns für unseren Glauben ein.“

Gläubige aller Religionen stehen in diesen Tagen auf, organisieren und unterstützen sich. Cesar Chavez und Martin Luther King, der Kampf der Farmarbeiter, der gewaltlose Protest der Afro-Amerikaner gelten als Vorbild. Der Name Henry David Thoreau fällt dabei nur sehr selten. Die USA unter Donald Trump blicken zurück auf jene Bürgerrechtler, die das Amerika von heute massgeblich beeinflusst und verändert haben.

Der Blick zurück nach vorne

George Zimmerman ist ein freier Mann. Eine Jury in Florida kam zu dem Urteil, dass er den schwarzen Jugendlichen Trayvon Martin nicht ermordet hatte. Doch dieses Urteil löste erneut in den USA eine breite Diskussion über Bürgerrechte und Benachteiligung von Afro-Amerikanern, über Diskriminierung und Rassismus, über ein ungerechte Justiz und eine gespaltene Gesellschaft aus. Und das 50 Jahre nach dem Marsch auf Washington.

Am 28. August jährt sich der Tag, an dem 1963 Martin Luther King seine berühmte Rede vor dem Lincoln Memorial in Washington hielt:

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Rund 300.000 Menschen kamen damals nach Washington. 80 % davon, so schätzte man, waren Afro-Amerikaner, die ihre Rechte einforderten. Mahalia Jackson, Bob Dylan, Joan Baez umrahmten musikalisch dieses Ereignis. Der Marsch auf Washington wurde zum historischen Datum in der amerikanischen Geschichte, es war der Beginn einer Gewissheit für die Afro-Amerikaner, dass Veränderungen möglich waren, dass man gemeinsam den gesellschaftlichen Wandel schaffen kann.

In diesen Tagen wird zurück geblickt. Man erinnert sich, fragt, was ist seitdem geschehen? Der 28. August 1963 ist ein bedeutender Tag in der Geschichte der USA. Gerade auch, weil die derzeitige Debatte aufzeigt, dass die amerikanische Gesellschaft noch immer in Bewegung, noch lange nicht am Ziel angekommen ist. Die Bürgerrechtsbewegung ist nicht einfach etwas aus den 60er Jahren, sie ist ein lebendiger Part der USA.

Smithsonian Folkways hat eine interessante Sammlung an Originaltönen und Liedern aus der Zeit online gestellt, die man hier finden kann.

Der amerikanische Waffentag

Also besser konnte man den Tag doch nicht legen. Zwischen der Pressekonferenz von Barack Obama, auf der er anschließend vor ein paar Kindern die schärferen Waffengesetze unterzeichnete und seiner zweiten Amtseinführung. Das ist ein deutliches Zeichen. Am heutigen 19. Januar ist „Gun Appreciation Day“, quasi der Muttertag der Knarren. Man erinnert sich an seine Wumme, erzählt sich Geschichten von Wald, Wiese, Jagd und Ballerei. Ist dankbar für die vielen netten Stunden mit dem Schießgewehr. Oder man geht zum Shoppen in den Waffenladen seines Vertrauens und sucht sich am heutigen Tag der Knarre was neues aus. Man hat eine ins Auge gefasst, doch der nette Mann hinter der Theke meint „Schauen Sie mal hier, die hier hat eine bessere Durchschlagskraft, größeres Kaliber und liegt einfach besser in der Hand“. Man läßt sich beraten, tauscht sich aus, lacht über die hungrigen Medienvertreter vor der Tür, die natürlich ihre Story im Angesicht des Massakers von Newtown haben wollen.

Die National Rifle Association (NRA) macht in diesen Tagen mobil und droht Präsident Obama ganz offen mit einem „blutigen“ Kampf. Einige Waffennarren sprechen von der Vorstufe des Bürgerkrieges, kommen mit wahnwitzigen Ideen daher, so, als ob die Zukunft Amerikas vom Schnellfeuergewehr abhängt. So viel wie in diesen Tagen, habe ich noch nie Adolf Hitler als Beispiel für einen Grund zur Bewaffnung gehört. Und ja klar, wenn die Juden im Dritten Reich bewaffnet gewesen wären, hätten Hitler und seine Schergen keine Chance gehabt. Oder die schwarzen Sklaven aus Afrika, auch die wurden als Beispiel in einer Fernsediskussion angeführt. Wenn diese mit Schießeisen anstatt Fusseisen ausgerüstet worden wären, dann hätten die weißen Sklavenhalter ihre Baumwolle selber pflücken können. Sogar Martin Luther King wurde von der Gun Lobby herangezogen, auch der Bürgerrechtler sei für die Verfassung und das Recht auf Waffenbesitz gewesen. Kein Wort darüber, dass MLK selbst Opfer eines Todesschützen wurde.

Mit solchen Argumenten wird derzeit die Diskussion über schärfere Waffengesetze geführt. Aber darüber wollen wir heute nicht sprechen, es ist „Gun Appreciation Day“….man verweile, gedenke, freue sich an seinem Schießeisen.