Bernie trägt keine Anstecknadel

Ok, nun sitze ich also doch vor dem Fernseher. Und es ist besser als gedacht, denn es ist eine durchaus inhaltliche Debatte. Mal was ganz anderes im hohlen amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf. Auch, wenn die Unterschiede zwischen den Kandidaten nicht sehr groß sind. Das betonen Hillary Clinton, Bernie Sanders und Martin O’Malley immer wieder. Der Gegner dieser drei, das wird immer wieder klar gemacht, sind die Republikaner, die lauten, kurzsichtigen und gefährlichen Töne eines Donald Trump, der geplante Rechtsruck eines Ted Cruz und eines Marco Rubio. Auf dieser Bühne hört man oft „We“ und „I agree“, hier präsentieren sich drei Politiker der demokratischen Partei, die zwar teils unterschiedliche Ansätze haben, aber im Grunde eine Linie fahren.

Bernie Sanders fällt ohne Anstecknadel auf.

Bernie Sanders fällt ohne Anstecknadel auf.

Selbst der Zwischenfall mit Wählerdaten zwischen dem Clinton und dem Sanders Team wurde nicht groß breit getreten. Hier geht es wirklich um Politik, nicht um ein aufeinander Einschlagen, nicht um Entertainment für die Fernsehgemeinde am Samstagabend. Bernie Sanders macht Sinn, wirkt aber stets wie kurz vor dem Herzanfall. Hillary Clinton gibt sich schon ganz präsidial, sie ist einfach die erfahrendste Politikerin auf der Bühne. Martin O’Malley ist so ein bißchen der Reißnagel im Trio, er piekt die anderen immer mal wieder, sein einziges Anliegen scheint zu sein, sich als Alternative zu Hillary und Bernie zu präsentieren. Doch damit alleine kommt er nicht durch.

Bernie Sanders hebt immer mal wieder den Finger, er will was sagen. An seinem Revers keine US Flagge, das ist im hyper-patriotischen Amerika erfrischend. Auch Hillary tritt ohne Anstecknadel auf. Nur O’Malley ist im typischen US Politikergewand mit der „Stars and Stripes Pin“ über dem Herzen. Auch die Nationalhymne wurde nicht gespielt, wie sie bei den Republikanern am Dienstag in Las Vegas noch mit viel Pathos intoniert wurde. Hier setzt man auf ganz andere Töne, inhaltliche, wie es auch so sein sollte. Ob damit Wähler erreicht werden ist fraglich. Und doch, die Republikaner, die sich derzeit selbst zerfleischen, werden gegen die demokratische Kandidatin keine Chance haben. Hillary Clinton, das zeigt sie an diesem Abend durchaus überzeugend, wird die erste weibliche „Commander in Chief“ werden. Sie ist locker, lacht, ist entspannt, nicht mehr so verbissen, wie im Wahlkampf 2008 gegen Barack Obama. Hillary wird erneut ins Weiße Haus einziehen, diesmal ins Oval Office, daran wird kein Weg mehr vorbei führen.

War da was am Samstagabend?

Die Republikaner haben gewonnen. Zweifellos sind ihre Debatten unterhaltsamer als das Aufeinandertreffen von Hillary, Bernie und Martin. Politik ist Entertainment geworden. Das merken die Demokraten derzeit deutlich. Ihre Fernsehdebatten gehen im Abendprogramm zwischen Kochshows, Reality Hochzeitssendungen und anderen Programmen aus dem „wirklichen Leben“ unter. Der Obama-Partei fehlt einfach ein Pausenclown wie Donald Trump, der, so bald das Rampenlicht an geht, los posaunt, was ihm gerade durch den Kopf geht.

Eigentlich mögen sie sich ja: Hillary Clinton und Bernie Sanders. Foto: Reuters.

Eigentlich mögen sie sich ja: Hillary Clinton und Bernie Sanders. Foto: Reuters.

Am heutigen Abend trifft das demokratische Trio live auf ABC wieder aufeinander. Zuschauer wird es nicht viele geben. Irgendwie weiß ja eh jeder, wer am Ende die Kandidatin werden wird. Hillary Clinton liegt mit satten 59 Prozent vor Bernie Sanders mit 28 Prozent. Der frühere Gouverneur von Maryland, Martin O’Malley, hat nun schon fünf Prozent (!), zwei mehr als noch im Oktober. Zwei Gründe  mehr um im Rennen zu bleiben. Irgendwie müssen die Demokraten ja den Eindruck verkaufen, dass die Kandidatenauswahl demokratisch ist.

Hillary Clinton ist durch. Bernie Sanders stichelt noch ein bisschen. Für mich wäre er der richtige Kandidat, aber er ist chancenlos gegen die „Grand Lady“ im Rennen. Was für Bernie Sanders spricht ist, dass er weiter macht und seine Themen, seine Anliegen, seine Prioritäten offen anspricht. Damit wird auch Hillary Clinton unter Druck gesetzt, die am Ende ja die gesamte Partei vertreten soll. Sie wird nach der Kür versuchen, die fast 30 Prozent, die für Sanders stimmten, zu gewinnen. Das geht nur mit einem Schritt zur linken Seite der Partei. Der wird, der muß kommen. Bis dahin treffen sich die Demokraten noch ein paarmal vor den Fernsehkameras. Mal sehen, ob ich mir heute Abend die Debatte antun werde. Motivierend ist der demokratische Plauderclub eigentlich nicht…aber, das ist wohl mein Job dabei zu sein.

Die undemokratische Demokraten Partei

Martin O'Malley wirft seiner Partei undemokratisches Verhalten vor. Foto: AFP.

Martin O’Malley wirft seiner demokratischen Partei undemokratisches Verhalten vor. Foto: AFP.

Alle reden so ehrfürchtig über Hillary Clinton, so, als ob sie die Krone der eigenen Partei schon trägt. Doch da sind noch ein paar andere im Rennen, die sich immer lautstarker Gehör verschaffen. So auch gestern beim Sommertreffen des „Democratic National Committee“. Es sollte eine große Schmuseparty für Hillary werden, doch daraus wurde nichts. Gleich zwei weitere Kandidaten warfen dem Partei Establishment und Clinton vor, einfach die Mitglieder und Wähler vor vollendete Tatsachen stellen zu wollen. Senator Bernie Sanders und der frühere Gouverneur von Maryland, Martin O’Malley, griffen direkt an.

O’Malley meinte, das ganze sei ein abgekartetes Spiel. Die wenigen angesetzten Fernsehdebatten würden nur Hillary Clinton zugute kommen und nicht die demokratische Ausrichtung der Partei repräsentieren. “We are the Democratic Party, not the undemocratic party“, erklärte der Ex-Gouvnerneur in Richtung Parteispitze.

Auch Bernie Sanders machte deutlich, dass er das Vorgehen seiner Partei ablehne. Nach den niedrigen Wählerzahlen bei den „Midterm Elections“ im vergangenen Jahr müsse man nun versuchen, die gesamte Basis zu erreichen. Nicht „politics as usual“ führe zum Gewinn des Weißen Hauses, sondern ein harter Wahlkampf gegen die festgefahrenen wirtschaftlichen und politischen Strukturen im Land.

Sowohl Martin O’Malley wie auch Bernie Sanders fordern mehr Fernsehdebatten, um den Wählern eine sinnvolle Alternative zum Kandidatenzirkus der Republikaner zu bieten. Der Aufstand der Underdogs bei den Demokraten wird jedoch nicht zu viel führen. Hillary Clintons Team zieht schon seit langem in der Parteizentrale die Fäden und hat in den letzten Wochen den Kampf noch intensiviert. Die mögliche Kandidatur von Vize-Präsident Joe Biden könnte für Hillary gefährlich werden. Doch Biden ist sich noch unsicher. Wie die Dinge derzeit aussehen, droht ihr von innen keine Gefahr mehr, Hillary könnte nur noch von außen zu Fall gebracht werden. Und darauf hoffen die Republikaner, sie halten Skandale und Skandälchen von Hillary aus den letzten 25 Jahren in der aktuellen Debatte.

Kandidat von Hillarys Gnaden

Martin O'Malley will Hillary Clinton stolpern lassen.

Martin O’Malley will Hillary Clinton stolpern lassen.

Martin O’Malley? Ist das der Wirt einer Irish Bar? Nein, das ist der frühere Gouverneur von Maryland, einem der kleinsten Bundesstaaten in den USA. Und O’Malley will Präsident werden. Er meinte am Samstag bei seiner Kandidatenkür: „Die Präsidentschaft ist keine Krone, die zwischen zwei könglichen Familien hin und her gereicht wird“. Klare Aussage, er meint Bush und vor allem Clinton, denn der 52jährige Ex-Governor ist Demokrat. Ganz pathetisch meinte er, er wolle „wieder den wahren American Dream für alle Amerikaner schaffen“.

Am Freitag rief er Hillary Clinton an, um ihr persönlich zu sagen, dass er kandidieren wird. Vielleicht holte er sich auch nur ihre Erlaubnis ein. Am Samstag twitterte Hillary großzügig: „Willkommen im Rennen, Gouverneur O’Malley. Ich freue mich auf Diskussionen über Familien und Gemeinden“. Hillary gibt ihren Segen, dass da noch weitere in ihrem Schatten laufen dürfen. Immerhin sieht das dann nach einem richtigen Vorwahlkampf aus und nicht nach einer Krönungszeremonie ihrer Demokraten.

Nun also sind es schon zwei Herausforderer, Bernie Sanders und Martin O’Malley. Ein dritter, Lincoln Chafee, plant ebenfalls eine Kandidatur. Und Chafee ist auch nicht gerade im Land bekannt, obwohl er Gouverneur von Rhode Island war. Die Schwierigkeiten die O’Malley und Chafee haben werden sind vor allem die nötigen Gelder zu beschaffen, die für einen Wahlkampf in den USA und gegen die Überkandidatin Hillary Clinton nötig sind. Bernie Sanders hingegen hat von vornherein erklärt, keine Spendengelder von Unternehmen anzunehmen. Sein Wahlkampf und seine Strategie erinnern an Ralph Nader, der 2000 Al Gores Leben schwer machte und von vielen Demokraten dafür verantwortlich gemacht wird, dass am Ende George W. Bush gewählt wurde.

Hillary Clinton ist gewarnt. Sie muß sich auf Diskussionen und Debatten mit ihren Herausforderern einstellen und darf dabei nicht als überheblich und arrogant erscheinen. Und sie muß verständlich machen, wie sie, die Multimillionärin, sich für die Probleme der Normalsterblichen im Land der unbegrenzten Möglichkeiten einsetzen will und wird.