Freiheit nach 36 Jahren

Andrew Stewart, Alfred Chestnut und Ransom Watkins wurden am Montagabend nach 36 Jahren im Gefängnis freigelassen. Nach 36 Jahren unschuldig hinter Gittern. Die drei waren 1983 für den Mord an dem 14jährigen DeWitt Duckett verhaftet und schließlich zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Schon damals lagen Beweise und Zeugenaussagen vor, dass ein anderer junger Mann der Täter war, doch die ermittelnden Beamten konzentrierten sich gleich auf Stewart, Chestnut und Watkins.

Alfred Chesnut, Andrew Stewart und Ransom Watkins (v.l.n.r.) nach ihrer Entlassung. Foto: AFP.

Der Druck von außen war groß, das Medieninteresse gewaltig, denn es war der erste Mord in einer Mittelschule in Baltimore. Die drei Jungs schwänzten an dem Tag die Schule und hielten sich in der „Middle School“ auf, um Freunde und Geschwister zu sehen. Sie schließlich von einem Wachmann rausgeschmissen, der anschließend die Tür verriegelte. Die Staatsanwaltschaft allerdings erklärte den Geschworenen im Prozess, dass sie sich anschließend wieder Zugang zur Schule verschafften und dort den 14jährigen DeWitt Duckett trafen, ihm seine Jacke abnahmen und ihn erschossen. Ihr Glück im Unglück war damals nur, dass sie noch zu jung waren, um die Todesstrafe zu erhalten.

Über Jahre hinweg beteuerten sie ihre Unschuld. Zwei von ihnen, Andrew Stewart  und Ransom Watkins, gaben schließlich ihren Kampf auf. Afred Chestnut hingegen kämpfte weiter und fand im vergangenen Jahr bis dahin unter Verschluss gehaltene Berichte, die eindeutig die drei Verurteilten entlasteten und den 18jährigen Michael Willis als Täter und Todesschützen ausmachten. In einem handgeschriebenen Brief wandte sich Chestnut an die Staatsanwältin von Baltimore, die die Abteilung „Conviction Integrity Unit“ aufgebaut hatte. Diese war mit dem Ziel aufgebaut worden, unschuldig Verurteilte aus der Haft zu entlassen. Staatsanwältin Marilyn Mosby und ihr Team sahen sich den Fall genauer an und erkannten sehr schnell, dass etwas an den Ermittlungen und dem Urteil nicht stimmte.

Am Montag kamen die drei nach 36 Jahren frei. Ein Richter entschuldigte sich im Namen des Staates. Maryland hat bislang keinen rechtlichen Rahmen, um die Unschuldigen zu entschädigen. Der damals ermittelnde Kommissar in dem Fall, Donald Kincaid, steht nach wie vor, trotz der erdrückenden Beweise, zu seinen Ermittlungen. Er erklärte, er kannte die drei Jungs gar nicht, warum also hätte er sie unschuldig vor Gericht ziehen sollen. Vielmehr versuche die Staatsanwältin nun jeden Officer als Lügner und Betrüger darzustellen. „That’s crazy“, meinte er.

In den USA sind solche Fälle keine Seltenheit. Es wird davon ausgegangen, dass rund ein Prozent der Verurteilten die Tat, für die sie verurteilt wurden, nicht begangen haben. In einem Land, in dem es nach wie vor die Todesstrafe gibt, heisst das, dass auch Hunderte von Personen zu unrecht und unschuldig auf ihre Hinrichtung warten. Persönlich kenne ich Fälle, in denen der Staat Männer hinrichtete, die unschuldig zum Tode verurteilt worden waren.

Kandidat von Hillarys Gnaden

Martin O'Malley will Hillary Clinton stolpern lassen.

Martin O’Malley will Hillary Clinton stolpern lassen.

Martin O’Malley? Ist das der Wirt einer Irish Bar? Nein, das ist der frühere Gouverneur von Maryland, einem der kleinsten Bundesstaaten in den USA. Und O’Malley will Präsident werden. Er meinte am Samstag bei seiner Kandidatenkür: „Die Präsidentschaft ist keine Krone, die zwischen zwei könglichen Familien hin und her gereicht wird“. Klare Aussage, er meint Bush und vor allem Clinton, denn der 52jährige Ex-Governor ist Demokrat. Ganz pathetisch meinte er, er wolle „wieder den wahren American Dream für alle Amerikaner schaffen“.

Am Freitag rief er Hillary Clinton an, um ihr persönlich zu sagen, dass er kandidieren wird. Vielleicht holte er sich auch nur ihre Erlaubnis ein. Am Samstag twitterte Hillary großzügig: „Willkommen im Rennen, Gouverneur O’Malley. Ich freue mich auf Diskussionen über Familien und Gemeinden“. Hillary gibt ihren Segen, dass da noch weitere in ihrem Schatten laufen dürfen. Immerhin sieht das dann nach einem richtigen Vorwahlkampf aus und nicht nach einer Krönungszeremonie ihrer Demokraten.

Nun also sind es schon zwei Herausforderer, Bernie Sanders und Martin O’Malley. Ein dritter, Lincoln Chafee, plant ebenfalls eine Kandidatur. Und Chafee ist auch nicht gerade im Land bekannt, obwohl er Gouverneur von Rhode Island war. Die Schwierigkeiten die O’Malley und Chafee haben werden sind vor allem die nötigen Gelder zu beschaffen, die für einen Wahlkampf in den USA und gegen die Überkandidatin Hillary Clinton nötig sind. Bernie Sanders hingegen hat von vornherein erklärt, keine Spendengelder von Unternehmen anzunehmen. Sein Wahlkampf und seine Strategie erinnern an Ralph Nader, der 2000 Al Gores Leben schwer machte und von vielen Demokraten dafür verantwortlich gemacht wird, dass am Ende George W. Bush gewählt wurde.

Hillary Clinton ist gewarnt. Sie muß sich auf Diskussionen und Debatten mit ihren Herausforderern einstellen und darf dabei nicht als überheblich und arrogant erscheinen. Und sie muß verständlich machen, wie sie, die Multimillionärin, sich für die Probleme der Normalsterblichen im Land der unbegrenzten Möglichkeiten einsetzen will und wird.

 

 

 

 

Maryland endet die Todesstrafe

82:56 war am Freitag das Abstimmungsergebnis im Abgeordnetenhaus von Maryland. Ein klarer Sieg für die Todesstrafengegner. Bereits in der letzten Woche stimmte der Senat des Bundesstaates 27:20 für das Ende der Höchststrafe. Nun muß noch der Gouverneur unterschreiben, doch als Sponsor der Reform ist das nur noch eine Formsache.

Maryland ist damit der sechste amerikanische Bundesstaat in den vergangenen sechs Jahren, der die Todesstrafe abgeschafft hat. Am Freitag gab es erneut eine hitzige Debatte über den Sinn und die Notwendigkeit der „Death Penalty“. Doch am Ende setzten sich die Gegner der Todesstrafe mit ihrem Argument durch, dass die Gefahr einfach zu groß sei, einen Unschuldigen hinzurichten. Ganz aus der Welt war das nicht, denn Kirk Bloodsworth, Direktor der Gruppe „Witness to Innocence“ saß selbst mehrere Jahre unschuldig im Todestrakt von Maryland. Erst DNA Analysen bewiesen nach Jahren seine Unschuld im Mordfall an einem neunjährigen Mädchen. Danach setzte Bloodsworth alles daran, eine Reform der Todesstrafe durchzusetzen. Mehr zu seiner Geschichte kann man unten im youtube Video erfahren .

Die Reform ist nun da, die Höchststrafe in Maryland ist ab sofort die lebenslängliche Haft ohne Aussicht auf Begnadigung. In Maryland sitzen derzeit fünf Häftlinge im Todestrakt. Für sie gilt die Neufassung des Gesetzes nicht. Doch Gouverneur Martin O’Malley kann auch ihre Strafen umwandeln, was wahrscheinlich ist. Befürworter der Todesstrafe haben bereits angekündigt, mit Hilfe einer Volksbefragung im kommenden Jahr die Reform rückgängig zu machen.

Maryland hat zuletzt 2005 eine Hinrichtung durchgeführt. In 33 US Bundesstaaten ist die Todesstrafe noch in den Gesetzbüchern. Im vergangenen Jahr allerdings wurden im ganzen Land „nur“ 77 Todesurteile ausgesprochen, die zweit geringste Anzahl seit der Wiedervereinführung der Todesstrafe 1976.

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Das Ende einer Ära

Seit 1909 wurden Hunderttausende von Soldaten im Walter Reed Army Medical Center versorgt. Zuletzt rund 18.000 Verletzte aus den Irak und Afghanistan Feldzügen. Ihre erste Station zur Stabilisierung war meist in Deutschland die Air Force Base in Ramstein, bevor es weiter ging nach Washington DC. Präsident Dwight Eisenhower starb im Walter Reed Hospital genauso wie die Generäle J. Pershing und Douglas MacArthur. Walter Reed ist zweifellos eines der bekanntesten Krankenhäuser der Welt.

Doch nun ist Schluß. Nachdem 2007 ein Skandal die amerikanische Öffentlichkeit schockierte, werden nun endgültig die Tore des Hospitals geschlossen. Nach zahlreichen Beschwerden fand eine eingesetzte Kommission heraus, dass die Bedingungen für die verwundeten GIs im Walter Reed Medical Center nicht mehr zeitgemäß und alles andere als heilsam waren. Die Versorgung war schlecht, das Alter der Gebäude zeigte sich und bauliche Maßnahmen konnten nicht mehr den Verfall aufhalten.

Das Hauptgebäude wird allerdings nicht abgerissen, es steht unter Denkmalschutz. Die neuen Mieter stehen auch schon fest, das State Department und der District of Columbia werden die Räumlichkeiten nutzen. Das eigentliche Krankenhaus zieht um vor die Tore der Hauptstadt, nach Bethesda, Maryland und wird fortan „Walter Reed National Military Medical Center“ heißen.