20 Jahre und nichts gelernt

Am 20. April 1999 feierten einige unverbesserliche Kleingeister den 110. Geburtstag von Adolf Hitler. Es war ein Dienstag, ein normaler Schultag an der High School in Columbine, Colorado. Normal, bis das passierte, für was Columbine noch heute bekannt ist. Das damals schlimmste Schulmassaker in der Geschichte der USA. 12 Schüler und ein Lehrer wurden getötet, 21 weitere Personen zum Teil schwer verletzt.

Ein Bild von der Überwachungskamera an der High School in Columbine. Es zeigt die zwei jugendlichen Täter.

Eric Harris und Dylan Klebold kamen um 11:20 mit halbautomatischen Schusswaffen, abgesägten Schrotflinten und Rohrbomben zur Schule, um ein Inferno zu entfachen. Glück in dieser Katastrophe war noch, dass einige der versteckten Bomben nicht zündeten. Die 18 und 17jährigen Täter gingen in die unrühmliche Geschichte Amerikas ein. Es war ein „Witch Hunt“, eine Hexenjagd, die folgte. Alles und jeder wurde angeklagt, mitschuldig gemacht. Sogar ich erhielt Anrufe und Emails, warum ich in meiner Sendung noch KMFDM und Rammstein spielen würde, wo diese Bands doch von den Columbine Tätern gehört und viel zitiert wurden. Das eigentliche Problem, der leichte Zugang zu Waffen, auch für Jugendliche in den USA, die Sinn- und Hoffnungslosigkeit von Eric Harris und Dylan Klebold, das Nichterkennen der Warnzeichen, all das wurde unter den Teppich gekehrt.

Die große Frage an diesem Jahrestag ist, was Amerika aus dem Columbine Massaker gelernt hat. Die traurige Antwort lautet, nicht viel. Zwar wurden die Sicherheitsvorkehrungen an Schulen im ganzen Land verbessert, Sicherheitspersonal eingestellt, Kameras installiert, Türen verschlossen, Besucher werden nun verstärkt kontrolliert, regelmäßig proben Schulen nun, was bei einer Schulschießerei zu tun ist. Und doch, trotz all der Vorkehrungsmaßnahmen seit den tödlichen Schüssen in Columbine sind in den USA 349 Menschen an Schulen erschossen worden. Darunter 26, zumeist Kleinkinder, an der Sandy Hook Grundschule in Newtown, Connecticut und 17 vor allem Schülerinnen und Schüler an der Marjory Stoneman Douglas High School in Parkland, Florida. Die Frage seit Columbine ist also nicht mehr, ob eine Schulschießerei verhindert werden kann, sondern eher, wann es die nächste geben wird. 349 Kinder, Jugendliche, Lehrer, Betreuer starben seit dem Columbine Massaker durch Kugeln in amerikanischen Schulen!

Ich bezeichne das als eine nationale Krise, die jedoch in Washington nicht wahrgenommen wird. Weder vom Präsidenten, noch von den Republikanern und auch nicht von Teilen der Demokraten. Sie alle verteidigen dieses vermeintliche und schlichtweg dumme Grundrecht auf Waffenbesitz. Allein seit dem Schulmassaker an der Sandy Hook Grundschule im Dezember 2012, nach dem viele glaubten und auch hofften, dass ein Wendepunkt in dieser sinnlosen Gewaltspirale erreicht worden sei, gab es 2015 Massenschiessereien mit 2297 Toten und 8379 Verwundeten in den USA. Und dabei sind diese Massenschiessereien noch nicht einmal verantwortlich für den Großteil der Opfer. Offizielle Zahlen des „Centers for Disease Control“ (CDC) zeigen, dass allein im Jahr 2016 39.000 Menschen in den USA durch Schußverletzungen gestorben sind. An diese Zahlen sollte man an diesem Jahrestag des Schulmassakers von Columbine denken, wenn man die Gedenkveranstaltungen, die warmen Worte und Mitfühl-Tweets sieht, hört und liest. Amerika hat nichs aus Columbine gelernt.

Same procedure as every year

Jahrestage sind doch was schönes. Man kann sich erinnern, man hat was zum Reden, man kann betroffen sein. Und man kann zeigen, dass sich eigentlich nichts verändert hat. Als vor einem Jahr in Newtown, Connecticut, 20 Kinder und sechs Mitarbeiter einer Grundschule erschossen wurden, war der Aufschrei groß. Amerika, so hieß es, müsse endlich einsehen, dass man ein Waffenproblem habe und es so nicht weitergehen könne. Auf 300 Millionen Amerikaner, so schätzt man, kommen 350 Millionen Schießeisen.

Unzählige Protestveranstaltungen und Gedenkminuten, Trauerfeiern und Anhörungen später, 12 Monate sind vergangen und nichts hat sich getan. Vor einem Jahr schöpften all jene in den USA Hoffnung, die für strengere Waffengesetze kämpfen. Kinder in einer Grundschule waren Opfer, wurden kaltblütig erschossen, das müßte doch nun endlich das Fass zum Überlaufen bringen. 80 Prozent der Amerikaner sprachen sich in den Wochen danach für Verschärfungen der Gesetze aus. Doch schon damals schrieb ich „Laßt mir meine Knarre“ und leider behielt ich Recht. Am Freitag gab es erneut eine Schießerei in einer Schule in Colorado, am Samstag gedachte Präsident Barack Obama im Weißen Haus der Opfer von Newtown. Kerzen wurden angezündet und sogar die wöchentliche Radioansprache des Präsidenten erinnerte an die Tragödie ein Jahr zuvor.

Wöchentliche Radioansprache      

Die amerikanische Waffenlobby hat es mal wieder geschafft und ist stärker als je zuvor. Wenn noch nicht einmal das Abknallen von Kleinkindern zu Beschränkungen und Kontrollen und Verschärfungen im Waffengesetz führen, dann kann man Amerika nicht mehr helfen. Man kann nur warten, bis wieder ein Amoklauf passiert. Man kann nur hoffen, dass man dann nicht gerade zur falschen Zeit am falschen Ort ist.

Obama schießt scharf

Obama verabschiedet Waffengesetze     

Nach vier Wochen war Schluß mit lustig. Obama greift frontal die „National Rifle Association“ und die Waffennarren im Kongress an. Dabei kann er sich auf die Unterstützung in der Bevölkerung verlassen, denn nach keinem Amoklauf war der Ruf nach schärferen Waffengesetzen so laut wie nach dem Massaker von Newtown.

20 ermordete Kinder und sechs Erwachsene ließen das Land nicht mehr zur Ruhe kommen. Die Diskussion riss nicht ab, tagtäglich wurde in den Medien diskutiert, tagtäglich starben weitere Menschen in den USA durch Schußwaffen. Insgesamt mehr als 900 in den letzten vier Wochen.

Höchst fraglich ist jedoch, ob die Verfügungen des Präsidenten weitreichend genug sind, um weitere Amokläufe zu verhindern. Dazu der aktuelle Audiobericht.

Die NRA spinnt

Was die Waffennarren der NRA am Freitag da erklärt haben ist schlichtweg unfassbar. Der Vorschlag in Schulen bewaffnete Wachen zu positionieren und Lehrer im Umgang mit Knarren auszubilden grenzt schon an eine besonders weltfremde Sichtweise. Durchdacht ist das nicht, und was als Vorschlag zur Lösung der immerwiederkehrenden Massaker und Amokläufe gedacht war, ist eine einzige Witznummer. Realitätsnah ist es nicht. Allein in Kalifornien würde der Einsatz von bewaffneten Sicherheitsleuten in jeder der 10.200 Schulen rund eine Milliarde Dollar pro Jahr kosten. Geld, das der Staat nicht hat und Geld, das ehrlich gesagt zum Fenster rausgeschmissen werden würde.

Tatsache ist, die Argumente der NRA Waffenlobby hinken einfach. Die Mutter des Täters war selbst eine Waffenliebhaberin, die gleich mehrere Knarren besaß….die ihr schließlich nicht gegen den Täter, ihren eigenen Sohn, halfen. Der brachte sie um und nutzte die Waffen seiner Mutter seinen blutrünstigen Plan umzusetzen.

Nicht mehr Knarren helfen, sondern weniger. Mehr als 30.000 Menschen sterben jedes Jahr durch Schußwaffen in den USA. Amerika hat ein Problem mit Waffen. Nicht noch mehr Knarren sind die Lösung des Problems, sondern ein absolutes Umdenken. Doch das wird nicht kommen. Es wird geschätzt, dass 500 Millionen Schußwaffen in den USA in Umlauf sind. In den amerikanischen Großstädten von New York City bis Los Angeles ist das Tragen von Waffen verboten. In ländlichen Gegenden gehören Pistolen und Gewehre einfach zum täglichen Leben dazu. Großstädte sind vor allem in demokratischer Hand, im Landesinneren regieren die Republikaner. Weite Teile Amerikas sehen deshalb die Gewalt als Problem der demokratischen Anti-Waffengesetze in den Städten.

Was die NRA nun vorgeschlagen hat wirkt von außen betrachtet als unfassbar. Doch die National Rifle Association ist eine der einflussreichsten Lobbygruppen in den USA und das wird auch so bleiben. Waffen gehören zu Amerika wie Coca Cola und der Thanksgiving Truthahn. Es wird sich nichts ändern, das ist die bittere Realität, auch wenn jetzt von allen Seiten vom Wandel und vom Umdenken gesprochen wird. Die Pressekonferenz der NRA hat das nur noch einmal bestätigt.

Ich glaub‘ es hackt

In Newtown, Connecticut werden die Opfer des Amoklaufes beerdigt und in weiten Teilen der USA überlegt die Waffenlobby, wie sie mit diesem neuen Massaker umgehen soll. 20 ermordete Kleinkinder sind dann wohl doch etwas viel, um die Debatte über verschärfte Waffengesetze in den USA einfach mal schnell abzuwürgen. Doch auch dieser Amoklauf verlangsamt nicht das Interesse an den Schießeisen in den USA. Die Gun Stores sind überfüllt, die Gun Shows mehr als gut besucht. Noch schnell ein Sturmgewehr einkaufen, ein paar weitere Glocks besorgen und vor allem Munition bunkern, bevor der Sozialist im Weißen Haus mit seinem Waffenverbot durchkommt. Das ist dann wohl der Ruf nach den Milizen, von denen die Gründerväter der Vereinigten Staaten gesprochen haben. Wegen Obama und seiner Politik gebe es das Grundrecht auf Waffenbesitz, so die schießwütigen Amerikaner in einschlägigen Online Foren.

Aber auch dieses jüngste Massaker stört  einige nicht, mit krassen Argumenten die Diskussion anzuheizen. Einige Politiker, vor allem aus den Südstaaten, fordern, dass Lehrer von nun an bewaffnet zur Schule gehen sollten. Eine Tat, wie die von Newtown, wäre nicht geschehen, wenn die Direktorin der Schule eine Knarre im Büro gehabt und sofort reagiert hätte. Bumm, Bumm….Amokläufer durchlöchert. Klar, die Logik ist ganz in Wild West Manier.

Auch der Polizeichef von St. Louis fordert die Bewaffnung der Lehrer. Ein deutliches Zeichen an Schwachmaten, die ein Massaker verüben wollen. Am besten noch ein leuchtendrotes Schild am Schulhauseingang: Achtung hier wird zurück geballert. Die konservative Rechte in den USA sieht sich zur Zeit in die Ecke gedrängt. Ein Teil fordert die freie Vergabe von Schußwaffen, nur so könnten Gemetzel verhindert werden, andere, wie der Talk-Show-König Rush Limbaugh sieht die Debatte um strengere Waffenkontrollen als einen klaren Angriff auf die amerikanische Verfassung. Er sprach in seiner Radiosendung von einem vorgeschobenen Grund, um die politische Bibel der Rechten auszuhöhlen. Erst falle das zweite Grundrecht, dann kämen andere dran, auf dem Weg eine sozialistische Agenda in den USA zu verwirklichen…..da kann man nur zu sagen, Rush Limbaugh spinnt, auch wenn ihm pro Woche rund 20 Millionen Amerikaner zuhören.

Interessanterweise hat sich der Medienmogul und FOXNews Besitzer Rupert Murdoch, der mittlerweile Amerikaner geworden ist, für strengere Waffengesetze in den USA ausgesprochen. Aber damit kann es nicht weit her sein, auf seinem Kabelkanal FOXNews wird auch weiterhin das vermeintliche Grundrecht auf Waffenbesitz und die Angst vor einer Weltregierung geschürt.

 

Kümmerliches Signal von Obama

Barack Obama machte am Sonntagabend auf dem Weg nach Kalifornien Halt in Aurora, Colorado. Quasi auf dem Weg zu Millionen Dollar Wahlkampf Veranstaltungen. Er besuchte nach dem Massaker vom Freitag Angehörige der Opfer und Verwundete im Krankenhaus. Er wollte Trost spenden, da sein, ein Signal setzen. Amerika rückt in solchen tragischen Stunden zusammen. Doch genau das gelang dem Präsidenten nicht. Er wußte, die Fernsehnation wird vor den Bildschirmen sitzen und sehen, wie er am Krankenbett steht, wie er tröstende Worte spendet, große Gesten für die Kameras.

Doch groß war das alles nicht. Groß wäre gewesen, wenn er seinen Kontrahenten im Wahlkampf Mitt Romney eingeladen hätte, gemeinsam nach Aurora zu fliegen, gemeinsam mit dem Republikaner in die Krankenzimmer zu gehen, zu zeigen Politik ist eines, in solch einer Stunde rücken Amerikaner zusammen. So war das nach dem 11. September 2001. So hätte es auch jetzt sein sollen.

Doch es ist Wahlkampf, ein ausgeklügeltes Strategiespielchen, von vorne bis hinten abgewogen, da passen solche großen Gesten wohl nicht ins Bild. Mitt Romney war am Sonntagabend in San Francisco und sammelte Geld ein. 250 geladene Gäste kamen, die jeder 50.000 Dollar bezahlten. Romney meinte, es sei gut, dass der Präsident in Aurora sei und hielt sich in seiner Rede mit direkten Angriffen auf den Amtsinhaber zurück. Das verbiete dieser Abend, meinte Romney.

Schade, Amerika hätte einen gemeinsamen Auftritt von Barack Obama und Mitt Romney bitter nötig gehabt. Einen Schulterschluß, ein Zeichen der Einheit Amerikas in einer schwierigen Situation. Doch all das vertan….für ein Bilder, für ein paar positive Schlagzeilen im 24 Stunden News Kreislauf.

Rammstein auf dem Index

Liebe ist für alle daIch habe nun ein Problem. Wie erkläre ich Amerikanern, was ein Index ist und warum die jüngste CD von Rammstein „Liebe ist für alle da“ nun unterm Ladentisch verkauft werden muss? Auf Antrag der Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen nahm sich nun die traute Runde der Jugendschützer und Kämpfer des guten Geschmacks die Nummer 1 der deutschen Charts vor. Geht ja auch nicht, so einen Schweinkram massenhaft zu verbreiten! Da muss man schon 18 sein, denn ansonsten wird aus einem jugendlichen Hörer noch ein potentieller Amokläufer. Beispiele dafür gibt es ja genug, dachte sich wohl auch die in Internetforen nur als „Zensursula“ bekannte von der Leyen. Man denke nur an das Massaker an der Columbine High School, die Täter sollen ja angeblich auch eine Rammstein Platte in ihrem Regal stehen gehabt haben. Und auch das erste Video für die neue Platte „Pussy“ sei ja wohl der Hammer (unpassende Wortwahl, Herr Peltner!). Die Sexszenen würden, so die Prüfkommissare, zu ungeschütztem Geschlechtsverkehr in Zeiten von Aids animieren. Aids hat sich ja auch erst seit diesem Herbst drastisch ausgebreitet, weil Jugendliche nun wie die Böcke zum Rammsteinsound rumrammeln.

Ich frage mich echt, ob die werten Damen und Herren sich schon mal die Mühe gemacht haben, englischsprachigen Bands auf die schmutzigen Finger zu schauen. Wahrscheinlich pfeifen sie sogar die Melodie von Fran Zappas „Bobby Brown“ mit. Na ja, man sollte das eine nicht gegen das andere ausspielen. Tatsache ist wohl einfach, dass so eine Indizierung der jüngsten Rammstein Platte lächerlich ist. Ich frage mich wirklich, was das soll. Bislang ist die Begründung der Bundesprüfstelle noch nicht veröffentlicht worden, „Liebe ist für alle da“ steht also noch in den Plattenregalen, ist noch ohne weiteres über amazon.de erhältlich. Aber schon bald muss man seinen Ausweis zeigen, um den Silberling ganz legal kaufen zu können. Auch schön! Na, hier drüben in den USA bin ich das ja vom Bier bestellen in der Kneipe gewöhnt, ich sehe ja mit meinen 41 auch noch so aus wie 15.

Es wird sich also zeigen, ob diese Massnahme zum drastischen Verkaufseinbruch des Albums führen wird. Aber, wo kämen wir auch hin, wenn man Jugendlichen in Deutschland Gewalt und Pornographie zugänglich machen würde. Sowas sieht man ja sonst nirgends, oder?

Ein Bild mit Folgen?

Major Nidal Malik HasanMan kann es nicht anders sagen, CNN und all die anderen Nachrichtenkanäle lieben Tragödien. Gerade haben die TV-Sender einen „field day“, einen Tag, an dem sie alles aus- und auffahren, was sie zu bieten haben. Die Katastrophe im texanischen Fort Hood belegt das nur zu gut. Nun wird rund um die Uhr von dem Vorfall berichtet, der Amerika wirklich ins Herz getroffen hat. Weit über 500 Soldaten von Fort Hood sind bereits gestorben, allerdings in den Einsätzen im Irak und in Afghanistan. So viele, wie aus keiner anderen Kaserne. Die Soldaten und ihre Angehörigen haben gelernt mit Trauer umzugehen. Doch das einer aus ihrer Mitte ein Massaker anrichtet und wild durch die Gegend ballert, dabei wahllos seine Kameraden abschiesst, das ist nur schwer zu schlucken. Die vermeintliche Sicherheit auf eigenem Grund und Boden ist dahin.

Doch die tödlichen Schüsse werfen Fragen auf. Natürlich die, warum Major Nidal Malik Hasan überhaupt darauf kam auf seine Kollegen zu schiessen? Doch es wirft auch die Frage auf, wie Amerika mit den traumatischen Erlebnissen seiner Soldaten umgeht. Hasan war noch nicht im Kriegseinsatz, sollte in wenigen Wochen nach Afghanistan geschickt werden. Allerdings war sein Job mit jenen Soldaten zu arbeiten, die von der Front zurück in die Heimat kamen. Er hörte die Geschichten aus den Kampfgebieten. War das der Grund für die tödlichen Schüsse?

Und zuletzt wirft gerade dieses Bild von CNN die Frage auf, wie Amerika mit seinen muslimischen Bürgern umgeht und nun umgehen wird? Kurz nach Bekanntwerden der Bluttat stürzten sich sofort einige Kommentatoren auf den Namen des Täters: Nidal Malik Hasan. Ein Muslim, der, wie Zeugen erklärten, vor der Tat „Allahu Akbar!“ – Gott ist grossartig – geschrien haben soll. Nur wenige Wochen vor dem Zwischenfall, sei Hasans Auto demoliert, ein Aufkleber mit „Allah is Love“ runtergerissen worden. Die Polizei verhaftete einen Army-Mitarbeiter. Es geht hier nicht um Erklärungen und Entschuldigungen. Was am Donnerstag in Fort Hood geschehen ist, ist mehr als tragisch, aber ich denke es ist die Einzeltat eines verstörten und, ja wohl auch verblendeten Täters. Dieser aber hat seinem Glauben, seiner Religion einen Bärendienst erwiesen, denn von nun an wird es alles andere als leicht werden in den USA bekennender Muslim zu sein.

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Post aus Ruanda

Ich bin in Ruanda, einem unbekannten Land zwischen Tränen und Aufbruch. Es ist das erste mal für mich in Afrika, einem Kontinent, der mir bislang nur durch negative Schlagzeilen bekannt war: Kriege, Krisen, Hungersnöte, Korruption. Viele Bilder, Videos und Tondokumente habe ich schon gesammelt, darunter auch ein Interview mit Eugénie Musayidire, die 2007 mit dem Nürnberger Menschrechtspreis ausgezeichnet wurde.

Ruanda ist ein wunderschönes Land, doch alles ist überschattet vom Genozid, der zwischen April und Juni 1994 rund eine Million Menschenleben gefordert hat. Die Geschichten und die Geschichte ist überall. Ruanda glich in diesen 100 Tagen einem Schlachthaus mit Leichen und Blut wohin man auch sah. Und das im ganzen Land.

ruanda1Heute war ich in einer Kirche, rund 30 km südlich von Kigali. Dort wurden 5000 Menschen brutalst abgeschlachtet. An der Rückwand in der kleinen Kirche ein breites rund 3 Meter hohes Regal, gefüllt mit Knochen und Schädeln, zum Teil eingeschlagen. Auch kleine Babyschädel darunter in Stücken.

An den Wänden und an der Decke der Kapelle Kleidung, vorne ein weiteres Regal mit Utensilien der Ermordeten. Ketten, Brillen, Töpfe, Tassen und auch das Mordwerkzeug der Henker, Macheten, Prügel, Knüppel. An der Wand dunkelrote Flecken, wo die Mörder kleine Babies gegen die Mauer schleuderten, immer und immer wieder, bis sie leblos waren…

In dieser Kapelle stand ich alleine. Es war ein ungeheuerliches Gefühl, eine riesige Last legte sich auf meine Schultern, auf mein Inneres. Mein Herz pochte, das Atmen fiel schwer und Tränen stiegen mir in die Augen. Kann, soll, darf man hier beten….an diesem Ort, der so bedrückend ist? Kann man hier Gott finden? Wo war Gott, als die Menschen hier zu ihm kamen, Schutz suchten, doch nur auf den Sadismus und den blinden Hass ihrer Peiniger stiessen? An solch einem Ort, in dieser kleinen Kapelle ist die Stille niederschmetternd. Draussen atmet man durch, ganz tief durch und fragt sich, wie so etwas passieren konnte…