Einsatz in Afghanistan (Audio)

 

 

 

 

 

Polizeiausbildung in Kunduz (Audiobeitrag)      

 

 

 

 

 

Bundeswehreinsatz in Afghanistan (Audiobeitrag)     

Afghanistanreise – 23.12.2011

Früh aufstehen, duschen, Frühstück. Es geht tatsächlich los, mit einer Transall unter blauem Himmel nach Termez, ein paar Stunden Aufenthalt und mit der Flugbereitschaft der Bundeswehr fliegen wird dann zurück nach Köln. Über Usbekistan, Kasachstan, Russland, die Ukraine, Polen, Tschechien und hinein in den deutschen Luftraum. Zurück….also frohe Weihnachten und Merry Christmas!

Afghanistanreise – 22.12.2011

Am Morgen Besuch des Radio Andernach Studios im Camp Marmal in Mazar-e Sharif. Da ich ja auch eine deutsche Version von “Radio Goethe” für den Bundeswehrsender produziere, die jeden Samstag 18 Uhr Ortszeit in Afghanistan ausgestrahlt wird, wollte ich natürlich auch mal das Studio vor Ort sehen. Interessant, die “Kollegen” im Einsatz zu treffen.

Anschließend fahre ich mit dem Kollegen von Reuters per Privatwagen nach Mazar-e Sharif. Am Tor des Camps fragt man uns ganz ungläubig, ob wir uns das wirklich ohne Schutzweste und Begleitschutz zutrauen. Klar, meinen wir, und dann geht es los. Die Blaue Moschee ist das Wahrzeichen der Stadt, hier soll der Schwiegersohn des Propheten begraben sein. Gläubige strömen in das prächtige Gotteshaus. Doch außenrum herrscht Armut.

Zuletzt war ich hier vor drei Jahren, viel verändert hat sich nicht. Ein weiteres Beispiel dafür, dass die riesigen Geldbeträge, die Jahr für Jahr nach Afghanistan gepumpt werden, unten nicht ankommen. Von einer funktionierenden Infrastruktur kann keine Rede sein. Wo das Geld bleibt, hier sieht man es nicht. Auf der Fahrt von und zum Camp bekommt man einen kleinen Eindruck dieser ehemals wichtigen Handelsstadt. Beeindruckend, weil eben so anders. Zurück am Tor der Kaserne gibt es Probleme. Die armenischen Wachen in deutscher Uniform wollen uns nicht ins Lager lassen, fragen nach Ausweisen, die wir nicht haben. Etwas grob werde ich von einem muskulösen Soldaten abgetastet, Handy und Photoapparat erst einmal beschlagnahmt. Und wieder warten auf die Auflösung des Rätsels, wer wir eigentlich sind. Das Argument, wir sind vorhin genau durch dieses Tor raus, zählt nicht. Der Grobschlächtige fummelt unterdessen die Afghanen ab, die in der Kaserne arbeiten und nach Hause wollen. Nicht gerade auf die angenehm-partnerschaftliche Art. Auch der herbeigerufene Presseoffizier kann uns nicht helfen, er kocht und ein deutscher Hauptmann wird gerufen , der schließlich alles aufklärt. Das Machtwort “everything is alright” öffnet die Tore. Am Abend dann noch in der Betreuungseinrichtung, zwei Dosen Bier, mehr ist nicht….die Zweidosenregel wird vom Ausschank eingehalten und genauestens auf dem Trinkzettel vermerkt. Damit gute Nacht. Jawohl!

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Afghanistanreise – 20.12.2011

Die Nacht über hatte es in Kuduz geschneit, am Morgen ist es eiskalt, der Boden gefroren und mit einer Schneeschicht bedeckt. Doch, so heißt es, ein Hubschrauber soll reinkommen, um den General abzuholen, der im Lager gestrandet ist. Ich stehe als einer von 30 auf der Flugliste, doch nach den letzten Tagen ist mir das ganze zu vage. Also schließe ich mich doch der Wagenkolonne an.

Raus vors Tor und dort werden wir von drei Autos abgeholt. Auf einem kleinen Umweg geht es zuerst durch Kunduz. Die Straßen total verschlammt mit tiefen Löchern. Eine arme Gegend, Kinder ohne Socken in einfachen Schlappen. Winterkleidung Mangelware. Immer wieder herumstreunende Straßenhunde, die nach Essbarem suchen. Dann sind wir auf der Hauptstraße Richtung Mazar-e Sharif und kommen gut voran. Eine beeindruckende Landschaft. Doch die Armut ist überall sichtbar. Von den Hunderten von Millionen Dollar und Euro, die Jahr für Jahr in dieses Land gepumpt werden, kommt nur wenig davon unten an. Das sage ich nicht nur nach einer Fahrt übers Land, das erzählen einem auch jene, die Afghanistan, die Politik, Land und Leute gut kennen. Die Bundesregierung verweist gerne auf den hohen Betrag, den man hier investiert, doch genauer hinschauen, wo und für was das Geld verwendet wird….es ist eher ein wegschauen. Vieles versickert. Berühmt eine Brücke über den Kunduz Fluss, die wohl schon zum vierten mal voll bezahlt wurde und noch immer nicht befahrbar ist.

Bevor die Afghanen überhaupt etwas bauen, wird zuerst einmal eine Mauer errichtet. Leere Grundstücke von Mauern umrandet sieht man überall in der Landschaft. Es geht vorbei an Dörfern, an Häusern mit Einschußlöchern, an ausgeschlachteten sowjetischen Panzern und Militärfahrzeugen, die einfach so in der Landschaft liegen. Vergessen, nicht beachtet, ein Zeugnis der langen Kriegsjahre Afghanistans. Und immer wieder Stützpunkte der nationalen Polizei und des Militärs. Hin und wieder Checkpoints, doch wir werden durchgewunken. Rechts liegt der Kunduz und ich denke mir, wie einmalig schön es wäre, diesen Fluß einmal abwärts zu kayaken.

Und dann stehen wir im Stau an einer Steigung. Eine nicht endenwollende LKW Schlange bergauf, eine bergab und die PKW schufen sich eine eigene Mittelspur. Natürlich geht das schief, sprich, es wird manchmal so eng, dass sich nichts mehr bewegt. Nur ein langsames herum manövrieren bringt erneut etwas Schwung in das ganze. Weiter durch tiefe Schluchten, vorbei an Verkaufsständen. Eine fantastische Landschaft, die mich zeitweise an die tiefen Schluchten des Los Padres National Forest in Südkalifornien erinnert. Beeindruckend!

Nach siebeneinhalbstündiger Fahrt erreichen wir Mazar-e Sharif. Vor dem Camp werden wir von einer Vertreterin des Pressestabs abgeholt und zu unserer Unterkunft gebracht. Der Hubschrauber am Morgen ging doch noch raus, aber diese Fahrt hat sich gelohnt. Viele Eindrücke von einem Land, das wohl nie zur Ruhe kommen wird.

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Afghanistanreise – 13.12.2011

Flughafen Köln/Bonn, der Taxifahrer fragt erst einmal seine Kollegen, wie er zum militärischen Teil des Flughafens kommt. Beruhigend! Mit ein paar Umwegen schaffen wir es doch zum neugebauten Abflugterminal der Flugbereitschaft. Um 8:30 Uhr am Morgen, wie befohlen, bin ich da. Warten. Kurz nach 9 Uhr darf man einchecken. Und wieder Warten. Eines muß man lernen, wenn man mit der Bundeswehr unterwegs ist, man muß warten können. 11:30 Uhr sollte der Flieger gehen, steht zumindest in den Unterlagen, die ich vom Einsatzführungskommando in Potsdam erhalten habe, es wird 12:30 Uhr. Dann geht es los in einem grauen Airbus, Sitze etwas veraltet, meine Rückenlehne lehnt sich entspannt zurück.

Knapp sechs Stunden dauert der Flug von Köln nach Termez in Usbekistan. Mit vier Stunden Zeitverschiebung kommt man um halb elf dort an. Auf dem Flug merke ich zum ersten mal, dass die afghanische Botschaft in Washington ein falsches Einreisedatum in mein Visum gedruckt hat. Aber das stört die beiden usbekischen Grenzbeamten nicht, die vorne an der Tür stehen und sich die Pässe und Truppenausweise ansehen. Mitzählen heißt es für sie, denn für jeden, der hier durchkommt wird von Seiten der Bundesregierung ein Kopfgeld gezahlt. Usbekistan verdient sehr gut am Krieg im Nachbarland. Ein Angehöriger der Bundeswehr sammelt die Ausweise ein und mit einem kleinen Bus geht es zum Feldlager am Rande der Landebahn. Vor drei Jahren war ich schon mal hier, damals war alles sehr beengt. Wir schliefen in Zelten. Diesmal steht ein überhitzter Container zur Verfügung. Das Camp wurde großzügig erweitert und noch immer wird gebaut. In der Kantine kann ich mir zu später Stunde noch etwas zum Essen holen, noch eine Dusche, dann lege ich mich hin. Wetterlage neblig und nasskalt. Um 8:10 Uhr soll es für mich schon weitergehen, wobei klar ist eigentlich nichts. Gute Nacht.

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Auf zum Hindukusch

Ich sitze am Köln/Bonner Flughafen und warte auf meinen Flug. Es geht über Termez in Usbekistan nach Mazar-e Sharif in Afghanistan und dann weiter nach Kunduz. Und dort will ich ein Radioportrait für amerikanische Sender über den Einsatz der Bundeswehr produzieren, denn in den USA weiß so gut wie niemand, dass die Deutschen überhaupt am Hindukusch im Einsatz sind. Die Berichterstattung der amerikanischen Medien klingt meist so, als ob lediglich Amerikaner gegen die Taliban kämpfen.Von den internationalen ISAF Truppen erfährt man in den USA so gut wie nichts. Deshalb also meine Reise Richtung Osten.

Vor drei Jahren war ich schon einmal dort, ich bin gespannt, was sich verändert hat. Wenn es möglich ist, werde ich mich an dieser Stelle aus Kunduz melden.

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Besuch in Afghanistan

Im Dezember hatte ich die Möglichkeit, mit der Bundeswehr nach Afghanistan zu fliegen. Der Hintergrund dafür war, dass nur wenige Amerikaner und Kanadier überhaupt wissen, dass Deutschland ein grosses Kontingent an Soldaten am Hindukusch hat. Das wurde auch immer wieder im Wahlkampf deutlich, die Kandidaten verprachen, im Falle ihrer Wahl auf die Nato-Partner einzuwirken, aktiver in Afghanistan zu werden.

Mein Radiobeitrag ist also eigentlich für eine amerikanische und kanadische Hörerschaft produziert worden, allerdings glaube ich, dass das Thema als solches durchaus auch interessant für deutsche Hörer ist:

Visit to Afghanistan     

Besuch am Hindukusch – Reise in ein unbekanntes Land

Welcome to TermezEine für mich einmalige Reise! So kann ich zumindest den Versuch starten, das in Worte zu fassen, was ich in diesen paar Tagen erlebt habe. Mit einer Idee fing alles an, als im amerikanischen Wahlkampf immer wieder aufs Neue davon geredet wurde, die NATO Partner im Afghanistan Einsatz müssten mehr eingebunden werden. Amerika klotzt und die Verbündeten zögern, hiess es immer wieder. Klar wurde dabei, die amerikanische und auch kanadische Öffentlichkeit weiss so gut wie nichts davon, dass Deutschland in Afghanistan präsent ist, mit derzeit 3500 Soldaten und Soldatinnen, das drittstärkste Kontingent stellt und im Norden einen Weg geht, der durchaus empfehlens- und auch nachahmungswert ist – nämlich Partnerschaft und Kooperation.

Mit dieser Idee und meiner Möglichkeit durch Radio Goethe vor allem junge Hörer in Nordamerika zu erreichen, wollte ich mir den Einsatz der deutschen Soldaten mal selbst ansehen. Über das Auswärtige Amt kam ich mit dem Verteidigungsministerium in Verbindung und nach etwas hin und her stand der Termin. Eine Woche Afghanistan, zu den Einsatzorten Mazar-e Sharif und Kunduz. Und was ich in diesen paar Tagen sehen konnte, war vielfältig, war neu, war alles hoch interessant. Schon die Anreise über Termez in Usbekistan. Man kommt am Abend mit einem Airbus aus Köln auf einem Flugfeld an, bleibt dort über Nacht, untergebracht in Zelten, und fliegt am Tag darauf mit einer Transall weiter nach Mazar-e Sharif in Afghanistan. Zwanzig Minuten Flug, etwas steil geht es dann runter. Eine riesige Anlage haben sich die Deutschen da aufgebaut. Auch andere Truppen der ISAF sind im Lager zu sehen. Kroaten, Schweden, Norweger, Amerikaner, Engländer, Ungarn, Franzosen…

Für alles ist gesorgt, eine kleine Stadt neben der eigentlichen Stadt wurde aufgebaut, denn der Grossteil der Soldaten, darf im viermonatigen Einsatz, die Kaserne überhaupt nicht verlassen. Nur jene Kräfte, die dienstlich raus müssen, können raus. Die meisten der Deutschen werden von Afghanistan keine grossen Eindrücke mit nach Hause nehmen.

Am ersten Tag fuhr ich mit ein paar Journalisten Kollegen im Taxi in die Stadt Mazar-e Sharif, um die “Blaue Moschee” zu besuchen, DIE Sehenswürdigkeit in der Gegend. Das Glaubenshaus lag unter einer dicken Schneedecke. Noch kurz eine Einkaufsstrasse gesehen und schon ging es vor Einbruch der Dunkelheit zurück. Auf der verschneiten Strasse blockierten plötzlich mehrere Autos die Fahrbahn, sofort kamen einem alle Horrogeschichten hoch, die man in den letzten Wochen und Monaten gehört hatte. Doch es war nur ein liegengebliebenes Fahrzeug, nichts besonderes, etwas ganz normales bei den Strassenverhältnissen. Allerdings merkten wir, dass wir in Afghanistan angekommen waren, die innere Spannung hatte sich aufgebaut.

Im Lager ist man in Containerbarracken untergebracht. Nicht komfortabel, aber weitaus besser als in Zelten. Alle, bis auf die Ausnahme der Lagerleitung, aber auch höhere Dienstgrade, sind zu dritt auf den kleinen Zimmern untergebracht. Es besteht keine Privatsphäre, nicht beim Schlafen, nicht beim Duschen, nicht auf den Toiletten. Und auch die Büros sind gut besetzt. Gearbeitet wird sieben Tage die Woche, nur am Freitagmorgen hat man frei. Vier Monate lang ohne mal alleine zu sein zehrt. Klar, sagt jetzt der eine oder andere, die Soldaten haben gewusst, auf was sie sich da einlassen. Ich stimme Ihnen zu, allerdings sollte man die Diskussion über den Einsatz in Afghanistan nicht auf der Basis führen, ob ein finanzieller Zuschlag von derzeit 92 Euro pro Tag und Kopf gewährleistet sei und, ob zwei Dosen Bier für die Soldaten pro Tag gerechtfertigt ist. Ich habe in meiner Zeit dort keinen einzigen betrunkenen und/oder aggressiven Soldaten gesehen und habe vielmehr vollen Respekt davor bekommen, was die Angehörigen der Bundeswehr dort machen. Journalisten werden dort durchgeschleust, jeden Tag. Und dennoch waren alle freundlich, stets hilfsbereit und offen, von ihrer Arbeit und den Eindrücken zu berichten.

Am zweiten Tag in Mazar-e Sharif gingen wir auf eine Patrouille, die uns in ein kleines Dorf führen sollte. Mit drei “Dingos” ging es los, schwergewichtige und gepanzerte Fahrzeuge, die problemlos die Winterlandschaft durchquerten. Am Rande der kleinen Ansiedlung wurde angehalten, Splitterwesten angelegt und der Kommandoführer mit ein paar Soldaten (und drei Pressevertretern im Schlepptau) liefen auf eines der Häuser zu. Draussen positionierten sich mehrere Soldaten. Wir wurden ins Haus eingeladen, sassen auf dem Boden und hörten zu, was der “Malek”, der Bürgermeister des Dorfes, zu berichten hatte. Er sprach von Projekten, die bereits mit Hilfe der Deutschen angegangen wurden, was noch ansteht, aber auch, dass er nun ein “Hadschi” sei, ein Gläubiger, der gerade von seiner Reise nach Mekka zurück gekehrt war. Und auch meine Fragen beantworteten die Afghanen geduldig. Mich interessierte vor allem, wie sie es empfinden, dass die Deutschen hier im Raum mit Splitterwesten und zum Teil bewaffnet sitzen und gleichzeitig über Möglichkeiten der Winterhilfe sprechen, Kinderkleidung und Holz für das Dach der Moschee besorgen wollen. Ich weiss nicht, ob die Männer im Raum anders geantwortet hätten, wenn die Bundeswehrangehörigen nicht dabei gewesen wären, aber sie erklärten, dass Deutschland und Afghanistan schon sehr lange eine enge Beziehung verbinde. Und sie verständen gut, dass man sich in diesen Zeiten schützen müsse, also mache es ihnen nichts aus, dass bewaffnete Soldaten im Zimmer seien. Einer der Alten griff bei diesen Ausführungen des Bürgermeisters, die Splitterbrille des Truppführers und setzte sie auf. Alle mussten bei diesem Anblick lachen, eine sehr lockere und entspannte Atmosphäre herrschte im Zimmer. Tee und Brot, Plätzchen, Nüsse und Süsses wurde gereicht.

Nach einer halben Stunde ging es wieder los. Draussen warteten zahlreiche Kinder, die uns mit den Alten verabschiedeten. Die Kleinen trugen Jacken mit dem ISAF Logo, ein Zeichen dafür, dass einiges der Hilfe ankommt. Auch wenn mir im Laufe der Reise mehrere Gesprächspartner erklärten, dass in diese Region bereits mehr als 100 Milliarden Dollar geflossen seien, doch nach wie vor rund 1,2 Millionen Afghanen von direkter Nahrungsmittelhilfe abhängig sind. Der letzte kalte und schneereiche Winter hatte zu starken Ernteausfällen geführt, was zur Folge hat, dass in diesen Wochen die deutschen Patrouillen den Kontakt zu lokalen Bürgermeistern suchen, um herauszufinden, was gebraucht wird. Ganz direkt, ganz unkompliziert.