Durchatmen in Mexiko

„El Chapo“ Guzman wurde in der Nacht zum Samstag verhaftet. Angeblich hielt er sich mit einer Frau in einem Hotel in Mazatlan auf. Der 56jährige ist der Kopf des berüchtigten Sinaloa Drogenkartells, das seit 2008 für einen blutigen Straßenkrieg im Norden Mexikos verantwortlich ist. Allein in der Grenzstadt Ciudad Juarez starben weit über 10.000 Menschen im Kartellkrieg zwischen dem Sinaloa und dem Juarez Kartell.

Mehrere Millionen Dollar waren in den vergangenen Jahren für die Ergreifung von „El Chapo“ Guzman ausgesetzt worden. Sowohl die mexikanischen wie auch die US amerikansichen Behörden wollten ihn fassen. 1993 wurde er bereits einmal verhaftet und wegen Mord und Drogenhandels verurteilt. Doch 2001 gelang ihm die Flucht aus einem Hochsicherheitsgefängnis in Mexiko.

Amerikanische Spezialeinheiten der DEA und der Federal Marshalls sollen nun an der Verhaftung in Mazatlan beteiligt gewesen sein. Schon seit längerem sind amerikanische Ermittler und Spezialeinheiten im mexikanischen Drogenkrieg aktiv. Die US Behörden bereiten wohl auch bereits einen Auslieferungsantrag vor. Sie wollen nicht noch einmal riskieren, dass Guzman entkommt und wieder die Geschäfte des Sinaloa Kartells übernimmt, wie nach seiner Flucht 2001. Guzman tauchte sogar auf der Reichen Listen von Forbes auf. Mit dem Drogenhandel  hatte er ein Vermögen gemacht. Tonnenweise brachte er Kokain durch unterirdische Tunnel ins nördliche Nachbarland.

In Mexiko wurde die Nachricht mit gemischten Gefühlen aufgenommen. Mit der Verhaftung des Kartellbosses wird sich nicht viel am Bandenkrieg auf den Straßen ändern. Man geht sogar davon aus, dass das Syndikat verstärkt Vergeltungsschläge gegen staatliche Einrichtungen und Ermittlungsbehörden unternehmen wird. Guzman soll freigepresst werden. Nach dem kurzen Auftatmen werden sich also wieder die Sorgenfalten, gerade in den Grenzstädten zu den USA, breit machen.