„Ich lass‘ mich in den Äther saugen“

Heute ist Weltradiotag. An dieser Stelle sollte man mal an all jene Radiomacher denken, die den Hörfunk für sich entdeckt haben. Nein, ich spreche nicht von den Profis im kommerziellen und öffentlich-rechtlichen Rundfunk, vielmehr von all denen, die ich ich über die Jahre in High School und College Sendern, Community Stationen und offenen Kanälen getroffen habe.

Im Tonarchiv eines Senders in Somalia.

Für mich selber ging es bei Radio Z in Nürnberg los, eine Station, die so ganz anders war und ist. Dort machte ich meine ersten Radioschritte. Neben Radio Z gibt es auch noch den Ausbildungskanal afk max/max neo in Nürnberg, den ich sehr gut kenne. Dort werden junge Radiomacher geschult und für Karrieren im Hörfunk vorbereitet. Ein tolles Konzept, ein engagiertes Team, die Ergebnisse lassen sich durchaus hören.

So richtig auf den „Geschmack“ von Community Stationen bin ich in San Francisco gekommen. Kurz nach meinem Umzug in die Bay Area 1996 fing ich auf KUSF, dem Collegesender der University of San Francisco mit meiner Sendung Radio Goethe an. „Mach mal“, hieß es und das langte mir, um allwöchentlich auf Sendung zu gehen. KUSF war eine Station, auf der sich alles traf. Armenier und Finnen, Türken und Chinesen, Perser und Polen, ein schwuler Pastor genauso wie ein Astrologe. Dazu Unmengen an Independent Musik. Vieles hörbar, manches nur schwer zu genießen. Ein Highlight war für mich auch das Kennenlernen der „Piratensender“ in der San Francisco Bay Area. Senden ohne Lizenz und mit politischer Message: „the airwaves belong to the people“.

Besuch einer Community Station im Niger.

Mit der „Syndication“ meiner Sendung lernte ich andere Stationen vor allem in den USA und Kanada kennen. Da ist KWMR in West-Marin oder KOWS in Sonoma County oder KRYZ in Mariposa. Da ist CFUV in British Columbia oder WBDG in Indianapolis, aber auch RaBe in Bern. Und zuletzt lernte ich KKUP in San Jose kennen. Community Stationen, die fernab des kommerziellen Radios Musik- und Wortprogramme ausstrahlen. Manchmal holprig, doch eigentlich immer mit Herz. Auf all meinen Reisen nach Afrika ist es mir immer wichtig, Radiostationen zu besuchen, zu sehen, welche Bedeutung der Rundfunk heute noch hat. Und immer treffe ich auf engagierte Radiomacher, die oftmals das beste aus den wenigen Mitteln und der Technik holen, die ihnen zur Verfügung stehen. Einfache Studios, es wird oftmals improvisiert. Am Ende klingt das, was da über den Äther kommt einfach gut und erfrischend.

An all diese Radiomacher sollte man heute denken, die den Hörfunk als wichtige Stimme ihrer Community erkannt haben. Die sich einsetzen, motiviert sind und das Radio zu dem machen, was es sein sollte – eine Stimme in der Community. Die Musik spielen, Kunst, Kultur, Literatur, Stimmen aus unserer Mitte oder vom Rand der Gesellschaft vorstellen, die man sonst nirgends hört. „To give a voice to the voiceless“… Radio verbindet, informiert, bildet, unterhält. Auch wenn immer wieder erklärt wird, das Radio habe keine Zukunft, daran glaube ich nicht. Radio ist das unmittelbarste und schnellste Medium. Es ist ganz einfach und billig on-air zu gehen, Menschen zu erreichen. Eben auch und gerade in Krisenzeiten und Konfliktgegenden. Radio hat eine Zukunft, so lange es all jene gibt, die an das glauben, was sie vor dem Mikrofon machen.

Es ist Sonntag und Trump ist langweilig

Andere  malen, lesen, schreiben ihre Memoiren, spielen Basketball oder lernen ein Instrument. Donald Trump ist nicht bekannt dafür kreativ mit seiner Zeit umzugehen. Ein Familienleben scheint er auch nicht zu haben, denn Bilder von ihm und Melania bei einem Konzert- oder Kinobesuch gibt es nicht, auch sieht man den Präsidenten nicht mal mit seinem jugendlichen Sohn im Rose Garden des Weißen Hauses einen Ball kicken. Er läßt sich lieber von Lobhudeleien belustigen und teilt diese dann nur allzugern auf Twitter. Kritik an ihm und seiner Politik verwirft er als unamerikanisch, unpatriotisch, vom Deep State und den Demokraten initiiert.

Außenminister Mike Pompeo. Foto: AFP.

Heute war mal wieder so ein Sonntag, wo der Präsident der Vereinigten Staaten nichts zu tun hatte. Es gibt keine Krisen in den USA, keine in der Welt, deshalb verbringt er seinen Sonntagmorgen vor dem Fernseher und tweetet sich die Finger wund. Doch diesmal ging er erneut zu weit. Klar, da sind die üblichen „Witchhunt“ Tweets und die Aufforderung das Telefonprotokoll seines Gesprächs mit dem ukrainischen Präsidenten zu lesen (I did, Mister President. You are guilty!). Aber Trump wettert auch erneut gegen die Medien, bezeichnet sie als „korrupt“ und fordert die Einstellung jeglicher finanzieller Unterstützung durch den Staat für NPR, National Public Radio, dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk in den USA.

Und diese Geschichte hat es in sich, denn ein Interview von NPRs Mary Louise Kelly mit Außenminister Mike Pompeo ging wohl total daneben. Pompeo weigerte sich Fragen zur Ukraine zu beantworten und beschimpfte anschließend die anerkannte Journalistin. Auch erklärte er „Do you think Americans care about fucking Ukraine“. Nicht nur das, Pompeo ließ anschließend eine Erklärung verbreiten, in der er der Reporterin unterstellt, sich nicht an Absprachen gehalten zu haben und, dass Kelly selbst die Ukraine nicht auf einer Landkarte finden konnte („It is worth noting that Bangladesh is NOT Ukraine“).

Marie Louise Kelly. Foto: NPR.

Mary Louise Kelly, geboren 1971 in Augsburg, ist eine langjährige Mitarbeiterin von NPR, arbeitete zuvor für die BBC und CNN aus London. Sie berichtete aus Afghanistan und aus Deutschland. Pompeo wirft ihr vor, ihn unerlaubterweise zur Ukraine befragt zu haben und Inhalte des Nach-Interview Gesprächs, in dem er ausfällig wurde, und das er nun im Nachhinein als „off the record“ bezeichnet, veröffentlicht zu haben. Kelly widerspricht dem. Sie habe vorab mit Pompeos Mitarbeitern geklärt, dass sich die Interviewfragen um den Iran und um die Ukraine drehen werden. Und als Pompeo sie nach dem Interview in sein Büro beorderte, war nicht deutlich gemacht oder gesagt worden, dass das, was nun komme „off the record“ sei. Auch wisse sie wo die Ukraine liege und habe diese dem Außenminister auf einer Landkarte gezeigt.

Donald Trump und seine konservativen Kämpfer, wie der Talk Radio Moderator Mark Levin, nehmen das natürlich zum Anlass auf die Medien im Allgemeinen und auf NPR im Besonderen einzudreschen. NPR sei ein linksliberales Medium, das abgeschaltet gehört und dessen staatliche Förderung gestrichen werden sollte, forderte Levin. Und Trump teilte das nur zu gerne. Wiedereinmal unterminiert er die freie Presse in den USA . Wer ihn und seine Administration kritisiert, keine Hofberichterstattung vorlegen will, wer kritische Fragen stellt, wird als Feind gebrandmarkt. Konsequenzen sind diesem Präsidenten egal.

Eine unlösbare Aufgabe

Foto: AFP.

Als Korrespondent in den USA dreht sich in diesen Tagen, Wochen, Monaten eigentlich alles um Donald Trump. Irgendwie passt er in alle Geschichten, die man aufgreift. Amerikanische Innenpolitik sowieso, klar Außenpolitik, doch auch wenn ich in Afrika unterwegs bin oder hier über Ausstellungen mexikanischer Kulturgüter berichte, alles wird unter der Trumpschen Lampe betrachtet. Und das liegt nicht nur an einem selber, dass man nicht mehr fähig ist über den Tellerrand zu blicken. Auch die Redaktionen für die ich arbeite erklären entweder, man soll das in Verbindung mit Trump sehen oder sie sagen ein vorgeschlagenes Thema mit der Begründung gleich ab, es würde schon zu viel über die USA berichtet werden, da sei kein Platz mehr für andere (Trump freie) Themen.

Und da ist auch noch ein dritter Aspekt zu erwähnen. Leser und Hörer meiner Berichte reagieren auf Artikel und Features zu und über Trump ganz anders, sprich viel zahlreicher. Themen, die mir am Herzen liegen, die ich aufgreife, weil ich sie für wichtig halte, die jedoch nur wenig oder gar nichts mit dem amerikanischen Präsidenten zu tun haben, fallen hinter runter, werden kaum beachtet oder registriert. Nein, ich weine nicht darüber, beschwere mich auch nicht, es sollte nur mal ganz klar angesprochen werden, dass die übermäßige Berichterstattung über Donald Trump nicht nur ein Problem der Medien ist, sondern auch eines der Leser, Hörer und Zuschauer.

Der richtige Umgang mit diesem populistischen Präsidenten ist noch nicht gefunden worden. Das eigentliche Problem ist, dass man als Journalist auch Teil der Trumpschen „Fake News“ wird, in dem man das teilt, was er sagt. Das teilt, was zweifellos falsch ist oder von ihm faktisch verdreht wurde. Es langt ja schon, wenn man einfach das wiederholt, was er sagt. Alleine das führt dazu, dass Donald Trumps Falschaussagen in den Medien weit verbreitet werden.

Aber was kann man da tun? Soll und kann man den amerikanischen Präsidenten einfach ignorieren, nicht über ihn berichten oder zumindest weniger? Ich schaue mir die Klickzahlen dieses Blogs an, die Kommentare auf facebook, Twitter, die Rückmeldungen per Email auf Beiträge, die ich veröffentliche. Wenn ich über den amerikanischen Präsidenten, seine Politik, seine Machenschaften, seine teils primitiven Äußerungen, Angriffe, Verunglimpfungen schreibe, gehen die Zahlen nach oben. Wenn es um ganz andere Themen geht, Themen, die mir als Journalist wichtig sind, ist das Interesse deutlich geringer. Trump ist ein Phänomen, dem man sich stellen muss. Doch eine Antwort darauf, wie man am besten mit diesem Populisten umgeht, gerade in einem so wichtigen Wahljahr, habe ich bislang auch noch nicht finden können. Es liegt wohl an uns allen… und das ist leichter gesagt als getan.

Die Jugend wirkt aktiv

Olivia Seltzer hat mit 12 Jahren „The Cramm“ gegründet.

Die Klimaaktivistin Greta Thunberg macht es vor. Sie sah sich von der Politik der Älteren nicht mehr repräsentiert und wurde selbst aktiv. Ihr wöchentlicher Schulstreik jeden Freitag vor dem Parlament in Stockholm zog riesige Kreise. Ihr Bild, auf dem sie ihr Schild „Skolstrejk för klimatet“ in der Hand hält ging um die Welt. Anfangs noch alleine, nahm die Bewegung „Friday’s for Future“ schnell Fahrt auf, auch international ausgeweitet. Die Jungen fordern mehr Mitbestimmung, gerade dann, wenn es um ihre Zukunft geht.

Die Schwedin und Klimaaktivistin ist wohl die bekannteste Vertreterin der sogenannten Gen-Z, der Generation Z. Doch schon vor Greta wurde Olivia Seltzer aus Santa Barbara aktiv. Sie begann als 12jährige nach dem US Präsidentschaftswahlkampf 2016 eine Nachrichtenplattform für Gleichaltrige aufzubauen. Ich konnte mit ihr über ihr Projekt „The Cramm“ sprechen:

     

Wie soll man mit Trump umgehen?

Jeden Morgen sitze ich hier mit meiner Kaffeetasse, lese mich durch verschiedene deutsche, amerikanische und weitere Nachrichtenseiten und auch, was Donald Trump in den frühen Morgenstunden mal wieder getweetet hat. Und oftmals fahre ich mir beim Lesen dieser offenen Lügen, rassistisch-nationalistischen Tweets und billigen Beleidigungen durch mein ungekämmtes Kopfhaar. Und ich frage mich, wie ich damit umgehen soll?

Ist es meine Aufgabe als Journalist darüber zu berichten, was Donald Trump da im Kurznachrichtendienst verbreitet? Eigentlich ja, denn seine Worte haben Gewicht und führen zu so manchem Beben rund um den Globus. Doch wie kann man über Trump berichten? Anfangs fand ich sein Auftreten unterhaltsam. Ich erinnere mich an die zahlreichen republikanischen Debatten im Wahlkampf 2016 und es war nur eine Frage der Zeit, wann Trump wieder austeilt. „Lying Ted“, „Low energy Jeb“, „Little Mario“, „Crooked Hillary“. Und dann betonte er, dass er ja mit allen befreundet ist.

Doch Trump hat nie mit dem Wahlkampf aufgehört. Auch als gewählter Präsident verkauft er vor allem sein eigenes Image, es muss sich alles um ihn drehen. Twitter hilft ihm dabei. Und weitere Namen sind auch schon gefunden, wie „Crazy Bernie“ oder „Sleepie, Creepy Joe“. Trump teilt über seinen @realdonaldtrump Account gefälschte Videos, offen hetzerische, rassistische und sexistische Artikel, Kommentare und Bilder, verbreitet Lügen und Halbwahrheiten, verdreht Wahrheiten und Fakten und beleidigt Andersdenkende, politische Konkurrenten, Minderheiten, ja, ganze Völker, werden von ihm als Terroristen, Kriminelle, Vergewaltiger und Mörder bezeichnet. Was soll man da tun?

Donald Trump gibt eine Pressekonferenz. Foto: Reuters.

Muss ich als Journalist darüber berichten, Trumps Tweets kopieren und zitieren, also auch die Unwahrheiten und Beleidigungen nennen und damit weiter verbreiten? Oder kann ich das einfach ignorieren, wie Trump das Präsidentenamt neu definiert und demokratische Festen unterminiert? Ich habe keine Antwort darauf, denn was ich auch sehe ist, dass die Leserinnen und Leser dieses Blogs mehr auf Beiträge über Trump klicken, als auf Beiträge über meine Besuche in Flüchtlingslagern, über die Todesstrafe, über Musik oder Kultur. Das zeigt mir, dass wir alle in einem seltsamen Trumpschen Kreislauf sind, wo der amerikanische Präsident den Medienalltag bestimmt. Oft mit wichtigen politischen Entscheidungen, viel öfter noch mit unsinnigen, kindlichen, ja, bescheuerten Tweets. Vieles, über was ich in den letzten zwei Jahren berichtet habe, muss auch von Redaktionsseite unter der Trumpschen Lampe betrachtet werden. Da werden lange vor Trump geplante Ausstellungen über die Mode im Islam oder Kulturschätze Mexikos politisiert. Immer wird irgendwie die Brücke zu Donald Trump geschlagen. Amerika ohne Trump gibt es so gut wie gar nicht mehr in der Arbeit von in den USA lebenden und arbeitenden Journalisten.

Was ich mir wünschte, wäre eine verstärkte Zusammenarbeit mit amerikanischen und internationalen Journalisten in den USA. Gemeinsame Regeln finden, wie man über diesen Mann berichtet, der die Demokratie, die Meinungsfreiheit, die Arbeit von Journalisten unterminiert und gefährdet. Denn man sollte sich immer wieder in Erinnerung rufen, dass Donald Trump die Medien, die ihn nicht speichelleckend hofieren, als „Enemy of the people“ bezeichnet. Als Volksfeinde! Das machen eigentlich nur Diktatoren, die keine Kritik und Widerworte an ihrer Person und ihrem Verhalten zulassen. Der Wahlkampf 2020 läuft sich warm. Es wird schlimm werden, von daher muss man darüber nachdenken und darüber reden, wie man bis zum Wahltag über Donald Trump berichten wird. Denn macht man sich mit der Wiedergabe seiner Worte nicht zum unfreiwilligen Gehilfen seiner möglichen Wiederwahl?

Wann arbeitet der eigentlich mal was?

15 Tweets in zehn Stunden, einige davon drehen sich über Fernsehsendungen, die sich der Präsident angesehen hat und dazu seinen Kommentar abgibt. Trump ist begeisterter FoxNews Zuschauer und gibt eigentlich täglich dazu seine Meinung ab. Und nicht nur zu FoxNews, sondern auch noch zu Sendungen auf CNN und MSNBC, zu Sportübertragungen und einflussreichen Talk Shows. Trump ist ein Fernseh-Junkie. Wenn man dann noch hinzu rechnet, wie oft sich der Donald auf seinen güldenen Golfplätzen rumtreibt, dann ist die Frage wahrlich berechtigt, wann er eigentlich mal so richtig arbeitet?

Eigentlich will man das bekannte Liedchen anstimmen: „Du hast die Haare schön…“. Foto: Reuters.

Von den täglichen Sicherheitsbriefings seiner Geheimdienste hält er bekanntlich nicht viel. Auch Lesen ist nicht seine Lieblingsbeschäftigung. Picklig wird er bei Ratschlägen anderer und man kann eigentlich bei jedem Auftritt sehen, dass Trump nicht gerne zuhört, denn dann steht er selbst ja nicht im Rampenlicht. Es muss sich um ihn drehen, dann ist er zufrieden, glücklich, in seinem Element.

Mit einem Mann wie Donald Trump zu arbeiten, muss alles andere als leicht sein. Denn informiert ist er nicht, er will es auch gar nicht, denn seine Sichtweise der Dinge, seine Weltsicht, seine Meinung zählt. Oftmals haut er über seinen privaten Twitter Account Sachen raus, die die offizielle Haltung des Weißen Hauses konterkarieren, hinterfragen oder ad absurdum führen. Trump ist das egal, es zählt, was er sagt. Und die Pressesprecherin des Weißen Hauses, Sarah Huckabee-Sanders, dreht alles so, wie es ihr Boss vorgibt. Da werden Fakten verändert, verdreht, sehr gedehnt. Und alles, was dann eigentlich ein Fakt war, wird zu „Fake News“, denn die Fakten sind ja dann das, was Donald Trump und seine „Spin Machine“ in der Welt verbreiten. Manchmal wird einem schon ganz schwindling allein vom Zuhören der Trumpschen Argumentation. Amerika 2019!

Die kleinen Hände des großen Don

Die kleinen Hände des großen Don

Man kennt das ja. Es wird fotografiert und selten findet man sich selbst auf den Bildern gut abgebildet. Ich denke mir immer, die Kamera hat ein paar Pfunde draufgelegt oder das Licht vergrößert wirklich meine Geheimratsecken.

Dass es auch anders geht, beweisen Prominente, die gerne an ihren Fotos rumdoktern lassen. Da verschwinden Schweissflecken genausso wie Falten an Hals und Wangen. Donald Trumps Publicity Team ist nun sogar noch ein paar Schritte weiter gegangen, wie das Online Magazin Gizmodo meldet. Da wurden die Bilder des Präsidenten ganz besonders bearbeitet. Zum einen machten ihn seine Mitarbeiter schlanker. Trump isst ja gerne Fast Food, was sich anscheinend auf die Figur des „Hamburger Eater in Chief“ auswirkt. Gizmodo verglich die Original Fotos mit denen, die das Team-Trump veröffentlichte. Kein Problem, denkt man sich, soll ja alles passen.

Die kleinen Hände von Donald Trump wurden auch in einer Episode von „Family Guy“ gezeigt.

Doch das ist nicht alles, was seine Photoshopper da noch veränderten. Im Wahlkampf kamen mehrmals die anscheinend etwas zu klein geratenen Hände Trumps zur Sprache. Senator Marco Rubio, der im republikanischen Lager gegen Donald Trump kandidierte, meinte einmal, dass Trumps kleine Hände wohl darauf hindeuteten, dass auch an anderen Stellen des Milliardärkörpers die Proportionen nicht stimmen könnten. Trump erwiderte während einer Fernsehdebatte und vor versammelter Fernsehnation: “He referred to my hands: If they’re small, something else must be small. I guarantee you there’s no problem.” Trump selbst reagierte also auf den alten Vorwurf der zu kleinen Hände und zeigte sie immer wieder stolz seinen jubelnden Anhängern. Doch die kurzen Finger des Kandidaten waren fortan auch beliebtes Thema bei den Late Night Shows und selbst in der Cartoon Serie „Family Guy“ wurde Trump mit deutlich kleineren Händen gezeigt.

Dass Trump dieser Makel nicht passt ist bekannt. Kein Wunder also, dass Trumps Medien Team auf Fotos die Finger des Präsidenten wachsen ließ. Wohlgemerkt die Finger und nicht die Nase, was wohl passender gewesen wäre. Im Bildervergleich von Gizmodo ist das eindeutig zu sehen, Original gegen Trump-Foto, die Hände wurden länger.

Natürlich kann Donald Trump mit seinen Fotos tun und lassen was er will. Aber Medienvertreter dürfen auch darauf hinweisen, dass mit den Fotos, die Trump seinen Anhängern und den Amerikanern präsentiert, etwas nicht stimmt. Trump entscheidet eben auch hier nach dem Motto „ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt“. Und da scheinen größere Hände einfach dazu zu gehören.

 

#FreePress

Irgendwas stimmt nicht im Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, Donald Trump, nannte Rassisten, Antisemiten, Neo-Nazis, gewaltbereite Schläger nach den Ausschreitungen im August 2017 in Charlottesville „very fine people“. Und seit seinem Wahlkampf und erst recht seit seiner Wahl zum „Commander in Chief“ erklärt er die freie Presse in den USA als „enemy of the people“, als Volksfeind.

Trumps Handeln, seine fast tagtägliche Hetze gegen die Medien, einzelne Reporter, die unabhängige Berichterstattung erinnert an Despoten und Diktatoren aus der Geschichte und aus anderen Ländern in diesen stürmischen Zeiten. Der amerikanische Präsident verunglimpft, lügt, schafft „alternative Fakten“, schürt Zweifel gegen Journalisten und ihre Arbeit, die eine wichtige Instanz in einer funktionierenden Demokratie sind. Er tut kritische Berichte über ihn, seine Politik und seine Adminstration als „Fake News“ ab. Nur jene Medienvertreter, allen voran FoxNews, die ihn, seine Arbeit, seine Pläne und Ziele huldigen werden von Trump positiv gesehen.

Von Istanbul über Budapest nach Washington, die freie Presse ist unter Beschuss. Foto: Reuters.

Trump hat mit seiner Medienhetze tiefe, unüberwindbare Gräben im eigenen Land weiter ausgehoben, die Folgen sind dramatisch. Seine regelmäßigen Twitterattacken haben eine alternative Realität geschaffen, in der er und seine Anhänger leben. Der „Deep State“, die Verschwörung der Medien gegen ihn und das amerikanische Volk, die sozialistischen Demokraten, die Umkehrung von Tatsachen. Trump macht sich und seine Wählerschaft zu Opfern, in diesem Weltbild regiert und agiert er und wird dafür von seiner Basis stürmisch gefeiert. Endlich spricht einer mal aus, was sie schon lange denken und wissen. Kritische Journalisten sind für ihn Volksfeinde.

Das ist eine gefährliche Entwicklung nicht nur für die Medien, die Berichterstattung, die Arbeit von Journalisten in kleinen Gemeinden auf dem Land oder auf der nationalen Ebene in Washington DC gleichermaßen. Trump unterminiert ganz bewusst und voller Absicht eine der Grundfesten der amerikanischen Demokratie und wird damit zu einem Vorbild für andere, wie Erdogan, Orban oder die „Lügenpresse“ schreienden Pegida- und AfD-Funktionäre in Deutschland. Trump schafft sich sein eigenes Bild von der Realität, der Blick von außen auf ihn und die Folgen seiner Politik ist nicht erwünscht. Faire Berichterstattung ist für ihn Hofberichterstattung. Kritik, Nachfragen, investigative Beiträge werden als „Fake News“, als „parteiisch“, als „voreingenommen“ abgetan. Nur Trumps Wort und Sichtweise zählen. Er ist unfehlbar, mehrmals hat er betont, dass er sich nie für Fehler und Falschaussagen entschuldigen würde.

Die Medien sind nicht unschuldig am Aufstieg dieses Mannes, der die Welt in Atem hält. Schon als „Reality TV Star“ wurde er gefeiert. Als Präsidentschaftskandidat wurde über jede Provokation, jedes Tweet, jede noch so kontroverse Aussage breit berichtet. Trump bestimmte den Wahlkampf, machte Politik zum Schauspiel, langweilige Kandidatendebatten zum unterhaltsamen TV-Ereignis. Und die Medien berichteten oftmals zu unkritisch darüber, schufen das, was nun bittere Realität geworden ist. Nun ist der Geist aus der Flasche, Donald Trump sitzt im Weißen Haus, Kritiker reagieren nur noch auf ihn, denn er bestimmt die täglichen Debatten in den USA und weltweit.

Die Tageszeitung Boston Globe hatte als Antwort auf die gefährliche Propaganda dieses Präsidenten andere Tageszeitungen und „News Outlets“ im Land dazu aufgerufen, an diesem Donnerstag gemeinsam über den Wert einer freien Presse zu berichten. Mehr als 300 Zeitungen im ganzen Land sind der Aufforderung gefolgt. Liberale genauso wie konservative Blätter, denn sie alle verbindet die Freiheit der Medien, die nun unter einem Dauerangriff sind und um ihre Existenz und Glaubwürdigkeit kämpfen. Amerika im Trump-Zeitalter ist nicht mehr das Land, für was es einmal stand. Denn wenn ein Präsident sich die Macht herausnimmt zu bestimmen, was „amerikanisch“, was „patriotisch“ und demzufolge was „unamerikanisch“, was „unpatriotisch“ ist, wenn er Amerikaner zu „Volksfeinden“ abstempelt, wenn er Verschwörungstheorien ungehindert verbreitet, dann werden die Grenzen der Demokratie aufgeweicht. Bewußt und mit voller Absicht. Donald Trump ist zu einer großen Gefahr für das friedliche Zusammenleben in den Vereinigten Staaten von Amerika geworden. Die Aktion #FreePress ist daher eine wichtige Reaktion, ein Warnsignal in stürmischen Zeiten.

Volksfeind #1

„…the real enemy of the people, the Fake News Media“. Donald Trump kann es einfach nicht lassen. Er überrascht mit seinen Aussagen zwar nicht mehr, aber es trifft mich dennoch, wenn ich am Morgen auf Twitter lese, dass er Journalistinnen und Journalisten, die ihm nicht nach dem Mund schreiben, erneut als „Volksfeinde“ bezeichnet. Das ist harter Tobak und sollte nicht so einfach hingenommen werden. Wo ist der Aufschrei der Republikaner im Kongress, die diesen Mann endlich in seine Schranken verweisen.

Denn Donald Trump ist der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, einem schwerbewaffneten Land, in dem es genügend Menschen gibt, die seine Aushöhlung der Demokratie, der demokratischen Grundprinzipien, als Einladung zur Gewalt gegen jene nehmen, die sich gegen die Trump’sche Weltordnung stellen. Wer Medienvertreter als „Volksfeinde“ bezeichnet, und das immer und immer wieder, der schürt ganz bewußt Gewalt. Die ersten Auswüchse kann man auf Trump Veranstaltungen sehen, auf denen Reporter übelst beleidigt und angegangen werden. Der Schritt von Wutausbrüchen zu gezielten Anschlägen ist da nicht mehr weit.

Natürlich stimmt nicht alles, über was Medien berichten. Es passieren überall Fehler, meist unbeabsichtigt, oftmals in der Hektik und unter Druck die neuesten News sofort und gleich zu veröffentlichen. Es gibt natürlich auch Medienvertreter, die ganz bewußt Falschmeldungen streuen, um so Aufmerksamkeit zu bekommen oder gezielt Politik zu beeinflussen. Aber von denen spricht Donald Trump nicht, wenn er Journalistinnen und Journalisten als Volksfeinde bezeichnet. Er geht vor allem all jene an, die ihm nicht nach dem Mund schreiben, die ihn und seine Politik hinterfragen, ihn kritisieren. Trump liebt Diktatoren und Despoten wie Putin, Kim, Erdogan und andere, gerade auch deshalb, weil sie von ihren Medien gehuldigt werden. Sowas will Donald Trump auch, daraus macht er keinen Hehl, wenn er die Berichterstattung der New York Times und der Washington Post kritisiert und gleichzeitig die Speichelleckerei von FoxNews bejubelt. Der Schaden, den Donald Trump der amerikanischen Demokratie zufügt, wird nie wieder rückgängig zu machen sein.

Er macht es einem nicht leicht

In diesen Tagen hatte ich zwei Redaktionen vorgeschlagen einen Beitrag über Donald Trumps politische Erfolge zu schreiben und zu produzieren. Ich wollte über die niedrige Arbeitslosenquote, die ersten positiven Anzeichen der Steuerreform auf die amerikanische Wirtschaft, den außenpolitischen Erfolg auf der koreanischen Halbinsel, Trumps eingehaltene Wahlkampfversprechen berichten, doch keine Redaktion nahm das Thema an.

Trump macht es einem als Journalisten auch nicht leicht. Gerade heute zeigt sich das wieder. In seiner morgendlichen Tweetflut schreibt er von der Freilassung der drei inhaftierten Amerikaner in Nordkorea, die bereits auf der Rückreise in die USA seien. Eigentlich ein Grund zum Jubeln. Auch, dass Trump es wohl mit seinen Drohungen, Verbalangriffen und Verbalausfällen geschafft hat, den nordkoreanischen Machthaber Kim Jong-un an den Verhandlungstisch zu bringen. Ja, dass Trump wohl – zumindest – mitverantwortlich für das koreanische Tauwetter ist. Auch darüber kann man neutral-positiv berichten.

Doch dann haute er einen Tweet raus, den man nur als undemokratisch, pressefeindlich, ja, unamerikanisch bezeichnen kann. Darin wettert er mal wieder gegen die von ihm verhassten „Network News“, ausgenommen natürlich FOXNews. Der Höhepunkt am Schluss, Trump fragt, ob man nicht die Akkreditierungen der White House Korrespondenten entziehen soll, die sich nicht als Hofschreiber betätigen möchten.

Donald Trump macht es einem als Korrespondenten wirklich nicht einfach. Sein unkonventioneller Regierungsstil, seine „Hau-drauf“ Art ohne Rücksicht auf die Folgen, seine konstanten Lügen, Falschaussagen und Halbwahrheiten (seit Amtsantritt über 3000 an der Zahl), seine Provokationen und Irritationen, seine Hofierung von politischen Rechtsaußengruppen und fundamentalistisch-christlichen Kräften, all das und mehr macht Donald Trump nicht gerade zu einem Sympathieträger im Amt. Aber ich muss ihn auch nicht mögen, um fair über ihn berichten zu können. Doch wenn ein amerikanischer Präsident immer wieder aufs Neue die Grundfesten dieser Demokratie in Frage stellt, angreift und offen kritisiert, dann ist es nicht leicht objektiv zu bleiben und zwischen all dem Getöse über die durchaus positiven Erfolge seiner Administration zu berichten.