Republikaner feiern sich

John BoehnerDie Demokraten haben verloren, sind aber auch noch einmal mit einem blauen Auge davon gekommen. Einige wichtige Wahlen konnten sie an diesem Dienstagabend gewinnen, den US Senat sogar halten. Nur im Abgeordnetenhaus stürzten sie ab, und das dramatisch. Die Republikaner feiern, freuen sich vor allem darüber, dass ihr Lügenschauspiel so viele Zuschauer angezogen hat. Denn ihr Wahlkampf war auf Unwahrheiten und haltlosen Fakten aufgebaut…doch die Wähler glaubten ihnen und ihren Horrorbildern. „Americans have won“, umschrieb der neue Sprecher und Mehrheitsführer im Kongress, John Boehner, den Wahlausgang.

Ein aktueller Audio Bericht zur Wahl:

Amerika hat gewählt     

Amerika wählt!

WahltagDie Amerikaner werden heute erneut zur Wahlurne gebeten. Diesmal geht es um den Kongress, aber auch um viele Senats- und Gouverneursposten, Bürgermeister und Volksentscheide. Ob Barack Obama der Rücken gestärkt oder ob er eine deutliche Klatsche für seine Politik erhalten wird hängt auch von der Wahlbeteiligung ab. Viele Demokraten sind von ihrem Friendensnobelpreisträger enttäuscht.

Ein Audio-Beitrag zum Wahltag:

Amerika wählt     

162 Mille für die Tonne

162 Millionen Dollar hat der Wahlkampf von Meg Whitman bislang gekostet. 145 Millionen Dollar hat die frühere Chefin von ebay selbst investiert. Die Milliardärin will nämlich kalifornische Gouverneurin werden, koste es was es wolle. Einziges Problem, ein Großteil der Kalifornier hält nicht gerade viel von der 54jährigen. WhitmanIn den jüngsten Umfragen liegt der Demokrat Jerry Brown mit zehn Punkten vor der Republikanerin. Unter Latinos, einem immer stärker werdenden Wählerblock in Kalifornien, führt Brown sogar mit 30 Prozentpunkten. Und auch bei Frauen liegt der derzeitige kalifornische Generalstaatsanwalt vorne.

Es sieht nicht gut aus für Meg, die kaum noch eine Chance hat bis zum Wahltag am kommenden Dienstag den lockeren Jerry zu überholen. Der hat gar nicht so viel machen müssen, um in Führung zu liegen. Whitman dagegen hat den Bundesstaat mit negativen Radio- und Fernsehspots überzogen und auch nach mehrmaligem Ruf, dies zu unterlassen, weiter gemacht. Und das scheint sich nun zu rächen. Jerry Brown dagegen ist ein alter Hase im Politgeschäft und in Kalifornien. Bereits in den 70er und frühen 80er Jahren war er für zwei Amtszeiten Gouverneur. Auch bewarb er sich mehrmals in einer „Grassroots Campaign“ um das Amt des US Präsidenten. Später dann wurde er Bürgermeister von Oakland (fragen Sie mich nicht, was ich dazu zu sagen habe!) und zuletzt kalifornischer Generalstaatsanwalt.

Brown ist mit allen Wassern gewaschen und sicher ist, auch er kann den Karren nicht aus dem Dreck ziehen, in dem Kalifornien knietief steckt. Der bevölkerungsreichste US Bundesstaat bräuchte eine grundlegende politische Reform, um wieder voran zu kommen. Doch dafür fehlt einfach eine parteiübergreifende Mehrheit. Die Wahl am Dienstag war also mehr ein weiteres Kapitel im Buch der Superlative, denn so teuer war noch keine kalifornische Gouverneurswahl.

Kalifornier wollen die Todesstrafe

Kalifornien gilt als liberaler Bundesstaat. Aber auch hier gibt es die Todesstrafe. Gleich gegenüber von San Francisco liegt das Staatsgefängnis San Quentin mit seiner „Death Row“. Über 700 zum Tode Verurteilte warten auf ihre Hinrichtung. Und das wird sich so bald nicht ändern, denn die jüngsten Umfragen in Kalifornien belegen ein klares Bild. 70 Prozent der Wahlberechtigten sind für die Höchststrafe, das sind sogar drei Prozent mehr als noch vor vier Jahren. Im Jahr 2000 waren „nur“ 44 Prozent der Kalifornier für die Todesstrafe.san-quentin-death-chamber

Die breite Unterstützung geht quer durch die Parteien. 82 Prozent der Republikaner und 63 Prozent der Demokraten unterstützen die Todesstrafe in Kalifornien. In diesem Jahr sind Gouverneurswahlen im Bundesstaat. Ganz sicher wird dabei das Thema wieder auf den Tisch kommen, denn der demokratische Kandidat Jerry Brown sagt, er ist ja eigentlich gegen die Todesstrafe, würde jedoch das Gesetz befolgen, heisst, auch er würde wie Arnold Schwarzenegger das Todesurteil unterschreiben.

Politik auf kalifornisch

Diese Woche gab es mal wieder Vorwahlen in den USA. Und Kalifornien hat dabei erneut Maßstäbe gesetzt. Die frühere ebay Chefin, Meg Whitman, will kalifornische Gouverneurin werden und walzt alles aus dem Weg, was da aus den politischen Löchern guckt.

Meg WhitmanRund 81 Millionen Dollar hat Whitman im Vorwahlkampf verprasst, um sich die Kandidatur ihrer Partei, der Republikaner, zu sichern. Einundachtzigmillionen Dollar! Das ist ein gehöriger Batzen Geld. Interessanter ist noch die Tatsache, dass die 53jährige knapp 71 Millionen Dollar aus ihrem eigenen Vermögen beigesteuert hat. Ja, Meg Whitman wurde durch den Erfolg von ebay zur Milliardärin und kauft sich jetzt quasi das Büro des Gouverneurs.

Nun hat sie die Kandidatur in der Tasche und startet bereits den nächsten Nahkampf. Der Demokrat Jerry Brown ist jetzt an der Reihe. Brown ist ein Politprofi. Er war bereits von 1975 – 1983 Gouverneur von Kalifornien, versuchte mehrmals Präsidentschaftskandidat seiner Partei zu werden, war Bürgermeister von Oakland (meiner Meinung nach, hat er dabei einen sehr lausigen Job gemacht) und zuletzt Generalstaatsanwalt des Bundesstaates. Jerry Brown gilt als Intellektueller und wird Meg Whitman frontal und ohne mit der Wimpfer zu zucken angehen. Und die wird mir ihren Dollarmillionen reagieren und versuchen das Wahlvolk mit einer Schmierenkampagne zu bombardieren und zu überzeugen, dass sie die bessere Person auf dem Gouverneursstuhl wäre, um Kalifornien aus dem Finanzdebakel zu führen. Also Fenster auf, Dollarsäcke rausgeschmissen und dabei lauthals schreiend: „Ich kann viel besser mit ihren Steuergeldern umgehen als der olle Jerry, liebe Bürgerinnen und Bürger.“

Die Kalifornienwahl ist auf alle Fälle ein Wahlkampf, den man genauer beobachten sollte, denn hier wird gerade ein Schlachtfeld zurecht gerückt, dass blutiger und schmutziger nicht sein könnte.