Trump und die blutenden Frauen

Er kann es einfach nicht lassen. Kritik an seiner Person und seiner Politik beantwortet Donald Trump mit Tiefschlägen, persönlichen Angriffen, peinlichen Verbalausfällen. Erneut ist das heute morgen passiert. Trump nutzte sein Sprachrohr Twitter, um gegen die MSNBC Moderatoren Joe Scarborough und Mika Brzezinski auszuteilen.

Bislang galt der Donald als Stammzuschauer der Sendung „Morning Joe“, gerne gab er im Wahlkampf und auch in der Übergangszeit Interviews. Die Sendung wird im politischen Washington viel gesehen und beachtet. Diesmal jedoch ist Trump in Amt und Würden. Einige republikanische Senatoren reagierten prompt und deutlich auf Trumps peinliche Tweets, darunter die Republikaner Lindsey Graham und Ben Sasse.

Trump hatte bereits im Wahlkampf den verbalen Blutangriff gewählt, damals nach einer Fernsehdebatte der republikanischen Kandidaten tweetete er, er sei ungerecht behandelt worden. Blut sei aus allen Poren der FOXNews Moderatorin Megyn Kelly geflossen. Der Skandal war perfekt, einer von vielen im Wahlkampf und mit Trump, aber das führte bekanntlich zu nicht viel.

NBC reagierte geschockt. Der Vize-Präsident des Senders, Mark Kornblau, antwortete auf Twitter: „Ich hätte nie gedacht, dass es einen Tag geben würde, an dem ich mir denke, es ist unter meiner Würde dem Präsidenten der Vereinigten Staaen zu antworten.“ Eine Sprecherin von MSNBC erklärte: „Es ist ein trauriger Tag für Amerika, wenn der Präsident seine Zeit damit verbringt, andere zu schikanieren, Lügen zu verbreiten und billige persönliche Angriffe zu fahren anstelle seinen Job zu tun.“

Die angegriffene Moderatorin Mika Brzezinski gab sich hingegen ganz gelassen und zwar mit einem Bild-Tweet, das Trump noch weiter ärgern wird. Seine kleinen Hände kommen mal wieder zur Sprache, anscheinend stimmt wohl doch, was man über Männer mit kleinen Händen sagt:

Donalds Kopf ist kurz vorm Platzen

Donald Trump hat ein Ego so groß wie….ja, welchen Vergleich könnte man hier anbringen? Der Mann ist einfach so von sich überzeugt, dass man nach dem Lesen der neuesten Berichte darüber sprachlos ist, was er nun wieder vom Zaun gelassen hat. Diesmal geht es um die nächste republikanische Debatte, live ausgestrahlt am Donnerstagabend auf FOXNews. Trump drohte erneut, zum dritten Mal schon, dass er nicht teilnehmen werde, wenn die Moderatorin Megyn Kelly nicht ausgestauscht werden würde. Dieser wirft er Parteilichkeit vor, weil Kelly ihn mehrfach in Interviews direkt konfrontierte. Er war sich seiner Sache ganz sicher, das war auch nicht anders zu erwarten. Trump twitterte: „It will never happen. Fox will drop Kelly if it means no Trump. Nobody will watch w/o Trump.“ Niemand also würde die GOP-Debatte ohne den großen Donald ansehen, so der Milliardär siegessicher.

Keiner ist wichtiger als Donald Trump. Foto: Reuters.

Keiner ist wichtiger als Donald Trump. Foto: Reuters.

Doch Trump machte die Rechnung ohne den FOXNews Chef, Roger Ailes. Der erklärte auf seinem Sender; „Megyn Kelly ist eine ausgezeichnete Journalistin, hinter der der gesamte Sender steht. Sie wird auf alle Fälle am Donnerstagabend auf der Bühne sein“. Klare Ansage, die der Donald wohl so nicht stehen lassen konnte. Am Dienstag meinte er zur Presse, er werde „höchstwahrscheinlich“ am Donnerstag nicht dabei sein, denn er plane eine Veranstaltung in Iowa für verletzte Soldaten und Veteranen. Sein Wahlkampfmanager ging noch einen Schritt weiter und erklärte, Trump werde „ganz sicher“ nicht an der Debatte teilnehmen.

Ich bin sicherlich kein Fan von FOXNews, auch wenn ich den Unterhaltungswert des „fair and balanced“ Kanals sehr schätze. Aber diesmal unterstütze ich die Entscheidung des Senders und ihres Bosses Roger Ailes. Es kann nicht angehen, dass ein politischer Kandidat in die Senderfreiheit eingreift, nur weil eine Moderatorin ihm in der Vergangenheit kritische Fragen zu Frauen und Latinos gestellt hatte. Der Entschluss auch ohne Trump an Megyn Kelly festzuhalten ist im Angesicht des täglichen Quotenkampfes hoch anzurechnen, denn eine republikanische Debatte ohne Trump wird kaum genießbar sein. Der Unterhaltungswert geht gegen Null, denn die Republikaner sind bislang weniger inhaltlich aufgefallen, eher mehr durch die Verbalattacken eines Donald Trump.

Aber der ist sich sicher, dass ihm wenige Tage vor dem Urnengang in Iowa nicht mehr viel passieren kann. In der jüngsten Umfrage der Washington Post und ABC liegt Donald Trump US weit mit sage und schreibe 37 Prozent vorne. Auf Platz 2 kommt Ted Cruz mit 21 Prozent. An dritter Stelle liegt Marco Rubio mit 11 Prozent. Anschließend der Rest des Feldes. John Kasich, Gouverneur von Ohio und selbst Kandidat, erklärte, New Hampshire, der zweite Urnengang, wird alles entscheidend sein. Bislang hat Trump nichts stürzen können. Es ist also mehr als unwahrscheinlich, dass der superreiche Egomane in Iowa und New Hampshire noch ein Waterloo erleben wird. Denn in einer CNN Umfrage führt Trump den Reigen mit 41 Prozent vor Cruz (19 Prozent) und Rubio (8 Prozent) an.

Soll ich langsam daran glauben, dass Donald Trump die Kandidatur der Republikaner gewinnt und womöglich auch ins Weiße Haus einziehen könnte? Nein. Ganz klar, nein. Ich habe in diesem Land schon viel Seltsames, Unlogisches und Aberwitziges erlebt. Aber das wird nicht passieren. Falls doch, falls Donald Trump mit Sarah Palin kandidieren und gewinnen sollte, werde ich Reisejournalist. Irgendwo da jenseits der Grenzen zu den Verblödeten Staaten von Amerika.

 

Erdbeben im News Geschäft

Gleich zwei Schlagzeilen drehen sich um das Newsgeschäft. „Al Jazeera America“ geht in diesen Tagen on-air und bei FOXNews wird einiges durcheinander gewürfelt. Mit Hochspannung wartet man auf den Start des neuen Nachrichtenkanals. Al Jazeera steht noch immer im Ruf, in den USA pro-islamistische Propaganda zu verbreiten. Totaler Quatsch, aber sowas hält sich. Vielmehr berichet der Kanal aus einer Region und aus einem Blickwinkel, der von amerikanischen Stationen total vernachlässigt wird. Am 20. August ist nun der Sendestart des neuen Nachrichtenkanals geplant.

Bei FOXNews werden die Sendeplätze neu vergeben. Der konservative und stark ideologisch ausgerichtete Sean Hannity verliert seinen 21 Uhr Programmplatz. Er hat seit der letzten Wahl 35 Prozent an Zuschauern eingebüßt. Das liegt auch daran, dass Hannity vor der Wahl immer auf die falschen republikanischen Kandidaten setzte und dazu noch demagogische Talk-Gäste, wie Dick Morris, einlud, die ihre stark gefärbten Einschätzungen und Analysen verbreiten durften. Bis zum Schluß glaubte Morris, dass Mitt Romney die Wahl gewinnen würde. Ein fataler Fehler, FOXNews wurde dann kalt erwischt. Hannity muß also weichen und nicht nur hier, er verliert nun auch seine „syndicated“ Radioshow. Wie es heißt, wird Cumulus Media die tägliche „The Sean Hannity Show“ nicht länger auf Hunderten von Stationen im Land verbreiten. Hannitys Zeit scheint damit abgelaufen zu sein.

Auf den 21 Uhr Spot von FOXNews wird nun Megyn Kelly ziehen, die bereits eine Nachmittagssendung auf dem Sender hatte. Sie gilt als gemäßigter, liberaler und auch weltoffener als Hannity. Ihre Zuschauerzahlen schossen in den letzten Monaten nach oben, ein klares Zeichen für die Senderverantwortlichen, Kelly auf einen „Drive-Time“ Platz zu setzen. Einige Beobachter werten dieses Programmgeschiebe bereits als „Liberalisierung“ von FOXNews, doch das muß dahin gestellt bleiben. Der Nachrichtenkanal lebt von seinen konservativen und teils extremen Einschätzungen der politischen Landschaft. Das ist die Nische, die sich FOXNews im Kampf gegen CNN und MSNBC geschaffen hat.