Musik nur, wenn sie laut ist

Gestern Abend spielten KMFDM in San Francisco. Eine Band, die seit fast 30 Jahren kompromisslos ihren Weg geht, oder wie es in einem Lied heisst, den „ultimate beat“ präsentiert. Gegründet vom Hamburger Sascha Konietzko gehören KMFDM weltweit zu den Pionieren des härteren Industrial-Metal Sounds. Konietzko singt mal auf Englisch, mal auf Deutsch und liebt solche Wörter wie „Hauruck“, „Ruckzuck“ oder „Tohuvabohu“, die dann vom Publikum begeistert und lauthals mitgesungen werden. Eine Deutschlektion, der etwas anderen Art. Auf solchen Wörtern bauen ganze Songs  auf, und ja, sie sind durchzogen vom „ultimate beat“.

KMFDM touren regelmäßig durch die USA und Kanada. Sie sind eine der deutschen Bands, die unbeachtet von Kulturinstitutionen, Konsulaten und deutschen Musikexportbüros Werbung für Deutschland machen. Am gestrigen Abend traf ich auch Dave Heckman, den Besitzer von Metropolis Records, auf dem KMFDM seit einigen Jahren veröffentlicht sind. Heckman sagte mir mal, sein Label sei wohl das bedeutendste deutsche Label in den USA. Und recht hat er. Seitdem ich Radio Goethe produziere kenne ich Metropolis Records. Neben KMFDM und vielen EBM und Darkwave Acts, wie Wumpscut, Funker Vogt, In Strict Confidence u.a. waren dort auch Wolfsheim und Melotron  mit ihrem Elektropop und viele andere veröffentlicht.

Und auch die Münchner Eisbrecher haben hier ein US Zuhause gefunden. Eisbrecher sind richtig angesagt „overseas“. Wenn man auf Pandora „Rammstein“ oder „KMFDM“ eingibt, dann ist fast jeder dritte Song, der gespielt wird ein Eisbrecher Lied. Auf Deutsch wohlgemerkt. Dave Heckman bestätigte mir, dass dieser Streaming Service mittlerweile mehr als wichtig für sein Indie-Label geworden ist und Eisbrecher darüber hervorragend verbreitet werden.

Heute steht noch ein Interview mit Jürgen Engler an. Er war Gründungsmitglied von „Die Krupps“, die wieder zusammen gekommen sind und mit „The Machinists of Joy“ ein hervorragendes Comeback Album vorlegen. Viele der Texte sind auf Deutsch, die amerikanischen Fans wird es freuen. Harter Beat und „Tschörman“, das geht hier drüben spielend zusammen. Jürgen Engler lebt in Austin, Texas und natürlich kommt die Platte in den USA auf Metropolis heraus. Die Krupps sind auch eine dieser einflussreichen deutschen Bands, die gerne übersehen werden. Doch wer sich ein bisschen mit der deutschen Musikgeschichte beschäftigt, wer einmal genauer hinblickt, der wird etliche Gruppen aus Deutschland finden, die Pioniere in ihrem Genre sind. Und ich rede hier mal nicht von Kraftwerk, Can und Tangerine Dream. Gerade was Anfang der 80er Jahre in Deutschland passierte und allgemein als Neue Deutsche Welle durchgewunken wird, war eine Revolution im internationalen Musikzirkus. Wer an NDW denkt, dem trudeln Lieder der Spaßfraktion von Nena, Markus, Frl. Menke und UKW durchs Ohr. Doch die Plattenfirmen veröffentlichten damals, wohl mehr aus Versehen, auch bahnbrechende Gruppen, die etwas ganz anderes machten, doch eben deutsch waren und somit den NDW Sticker erhielten.  Gerade im Ausland wurden diese Bands für ihre Arbeit, für ihre neuen Ansätze erkannt und geschätzt. Der Blick zurück lohnt sich. Garantiert.