Manager von Hotel Ruanda ausgezeichnet

Das Hotel Des Mille Collines in Kigali ist weltberühmt durch den Film „Hotel Ruanda“ geworden. Darin wird die Geschichte des Hotelmanagers Paul Rusesabagina beschrieben, der während des ruandischen Genozids verfolgten Tutsis und Hutus in seiner Herberge Unterschlupf und Schutz bot. Der Hollywoodfilm portraitiert Rusesabagina als einen Mann, der sich bewußt, entschlossen und energisch gegen die mordenden Banden vor seinem Tor stellte und somit vielen Menschen das Leben retten konnte.

Nach dem Genozid zog Paul Rusesabagina nach Belgien, wo er heute noch lebt und zu einem deutlichen Kritiker von Ruandas Präsident Paul Kagame wurde. Was der einstige Manager vor allem immer wieder anspricht ist die Tatsache, dass in jenen 100 Tagen 1994 nicht nur Tutsis umgebracht wurden, es also nicht ein reiner Genozid an dieser Bevölkerungsgruppe war. Rusesabagina weist immer wieder darauf hin, dass auch Tausende von Hutus umgebracht und abgeschlachtet wurden, die sich gegen diesen geplanten und gezielten Massenmord richteten.

Doch dieses Bild stößt der Regierung in Kigali auf. Schon länger setzen patriotische Gruppen Ruandas im Ausland jene unter Druck, die die offizielle Sichtweise Kigalis anzweifeln und auch die Kriegsverbrechen der RPF Armee unter General Kagame untersucht haben wollen. Auch Paul Rusesabagina ist ins Fadenkreuz der Ruander geraten, schon seit Jahren traut er sich nicht mehr in sein Heimatland zu reisen.

Als nun Paul Rusesabagina für den Menschenrechtspreis der Lantos Stiftung in den USA vorgeschlagen wurde, gab es heftige Proteste in Ruanda, Belgien, USA und Kanada. Der Organisation wurde vorgeworfen, einen Verfechter des  historischen Revanchismus auszuzeichnen, der mit seinen Äußerungen nur die Spaltung des ruandischen Volkes verfolge. Auch wird Rusesabagina von Seiten ruandischer Gruppen beschuldigt, 1994 nur dann Tutsis in sein Hotel gelassen zu haben, wenn sie dafür Tausende von Dollar zahlten. Er, Rusesabagina, habe sich also am Leid und der Not anderer bereichert und sei wahrlich kein Anwärter auf einen Menschenrechtspreis. Die Lantos Stiftung weißt diese Beschuldigungen zurück und erklärte, man habe genauestens recherchiert.

Paul Rusesabagina wurde nun in Washington trotz Proteste ausgezeichnet. Dafür, dass er als Manager des Hotels Des Mille Collines rund 1200 Tutsis und Hutus im Schlachthaus Ruanda das Leben rettete, als die Weltöffentlichkeit lieber wegschaute.

 

Audio Beitrag über Ruanda

Kind im Gefängnis von GitaramaVor ein paar Wochen war ich in Ruanda, ein unbekanntes Land auf einem – für mich – unbekannten Kontinent. Ein Land im Auf- und Umbruch. Man hat hehre Ziele, 2020 will man ein Vorzeigeland in Afrika sein. Es wird vom Singapur, vom Dubai Afrikas gesprochen. Man blickt nach vorne, doch fast täglich blickt man auch zurück. Auf 1994, auf jene Tage, die kaum mit Worten zu beschreiben sind.

In Kigali traf ich auch Eugenie Musayidire, die 2007 für ihre Versöhnungsarbeit zwischen Hutus und Tutsis mit dem Nürnberger Menschenrechtspreis ausgezeichnet wurde. Mit ihr war ich im Frauengefängnis von Gitarama.

Dazu ein Audiobeitrag:     

Im ruandischen Gefängnis

Ruanda ist ein Land im Um- und Aufbruch. Der Genozid ist überall, egal wohin man sich wendet, man wird damit in Kontakt kommen. Heute war ich mit Eugenie Musayidire, die 2007 mit dem Nürnberger Menschrechtspreis ausgezeichnet wurde, im Gefängnis von Gitarama. Mehr als 8000 Häftlinge sitzen dort ein, der Grossteil von ihnen wegen Straftaten während des Genozids 1994.

Dort sind auch rund 400 Frauen in einer engen Baracke untergebracht. Holzstockbetten über drei Etagen, eng aneinander liegen die Frauen. Handtücher und Kleidungsstücke hängen an Leinen, Taschen, in denen private Dinge untergebracht sind. Eine davon mit dem Konterfei von Barack Obama „Yes we can“. Im kleinen Innenhof stehen viel aneinander gedrängt, reden, singen, lesen in der Bibel.ruanda2

Eugenie Musayidire hat hier ihr neues Projekt gefunden. Sie betreut die 74 Kinder im Alter bis zu sechs Jahren, die mit ihren Müttern hinter den Gefängnismauern leben. Mit Hilfe einiger Gefangener geht sie mit den Kleinen spazieren, singt und spielt mit ihnen, geht zum Gefängniszaun und blickt nach draussen, wo an einer Strasse Passanten vorbeilaufen und Autos vorbeifahren. Für die Kinder eine spannende Abwechslung von der Enge des Gefängnistraktes.

Eugenie Musayidire hat grosse Pläne, sie will hier ein Kinderzentrum aufbauen, eine Art Kindergarten, um den Kleinen eine Kindheit in einer einigermassen normalen Umgebung zu bieten. Es wäre ein richtiger Schritt für die Kleinen, vielleicht auch ein Stück Hoffnung für die Mütter, die ihren Kindern so gut wie gar nichts bieten können.

Auch dieses Erlebnis am heutigen Tag war erschütternd, die Enge des Traktes erdrückend. Dazwischen kleine Kinder, die den Spaziergang im staubigen Gefängnishof geniessen.

ruanda3Später sass ich noch mit Eugenie und ihren Helferinnen zusammen. Sie stellten sich vor, ihren Namen, warum sie hier waren und wie lange sie noch hier sein werden. Die meisten von ihnen meinten „Genocide“. 14, 22, 27 Jahre, lebenslänglich. Unvorstellbar in diesen Zuständen, in dieser Umgebung. Wie halten sie das aus? Sie wüssten, warum sie hier seien. Schuld, Sühne, hoffen auf Vergebung.