Regieren muss wohl doch gelernt sein

Der Sultan zu Gast beim King. Foto: Reuters.

Der Besuch des türkischen Präsidenten Erdogan rückte in den Hintergrund. Recep Tayyip Erdogan wurde zur Randfigur an diesem Tag, was dem Ego des Sultans vom Bosporus nicht gerade gut tun wird. Aber, mal wieder ging es nur um Donald Trump, Russland und seine Art des Regierens.

Am Dienstag kursierte die Nachricht, dass Trump im Februar in einem vertraulichen Gespräch mit dem damaligen FBI Direktor James Comey versucht haben soll, diesen von Ermittlungen gegen den geschassten Sicherheitsberater Michael Flynn abzubringen. Flynn sei “ein guter Kerl”, so Trump und seinen Job im Weißen Haus los, von daher sollten die Ermittlungen über dessen Russland Verbindungen eingestellt werden. Comey und das FBI sollten sich stattdessen lieber den durchgesickerten Informationen aus dem Weißen Haus zuwenden, irgendein Reporter, so Trump, müsste dafür ins Gefängnis.

Dieser neue Dreh in der Trumpschen Endlossaga Russland kommt, nachdem Eingeweihte bei der Bundespolizei FBI und im Justizministerium Pressevertretern erklärten, Comey habe nach dem Treffen mit dem Präsidenten ein Protokoll über sein Gespräch mit Trump angefertigt. Comey habe dies immer so als FBI Direktor getan. Der zweiseitige Bericht wirft kein gutes Licht auf Donald Trump, der hier anscheinend versuchte, unerlaubterweise Einfluss auf die Ermittlungen gegen Michael Flynn zu nehmen.

Das Weiße Haus allerdings, wie nicht anders zu erwarten, widersprach umgehend dem Bericht und erklärte am Dienstagabend, Donald Trump habe zu keinem Zeitpunkt versucht auf irgendeine Ermittlung Einfluss zu nehmen. Weiter hieß es, Zitat: “Dies ist keine glaubhafte und präzise Wiedergabe des Gesprächs zwischen dem Präsidenten und Mister Comey”. Und am Abend legte Sean Hannity, inoffizieller Sprecher von Donald Trump nach, in dem er in seiner Sendung auf FOXNews erklärte, Comey sei „nur ein verärgerter und gefeuerter FBI Direktor“. Nichts sei an den Berichten wahr.

Unterdessen fordern die Demokraten im Senat und mehr und mehr genervte republikanische Abgeordnete und Senatoren, dass Trump sowohl die vermeintlichen Audio-Mitschnitte aus dem Oval Office und James Comey sein Protokollbuch für die weiteren Ermittlungen zur Verfügung stellen. Washington gleicht in diesen Tagen einem Hühnerhaufen. Es geht nur noch um Skandale und wer was wie und wann gesagt haben soll. Vom Regieren sind Donald Trump und die Republikaner derzeit meilenweit entfernt.

Warum regt sich jeder so auf?

Die einen sprechen von einer Verfassungskrise, Nachrichtensender unterbrechen ihr Programm und bringen in Sondersendungen die Hintergründe der Geschichte. Andere wischen die Geschichte einfach vom Abendbrottisch. Das Weiße Haus wolle dazu nicht mehr sagen, als das, was in einem kurzen Statement steht, hieß es am Dienstagabend. Feierabend. Der FBI Direktor James Comey wurde entlassen. Punkt. Und Donald Trump versteht die ganze Aufregung nicht. Immerhin, so Trump, wurde Comey weder von den Republikanern noch den Demokraten in Washington geschätzt:

Donald Trump zeigt hier, dass er so gar keine politische Weitsicht hat. Denn die Gründe, die sein Justizministerium und er selbst zum Rauswurf von Comey anführen, sind lächerlich. James Comey sei entlassen worden, weil er sich im Umgang mit dem Hillary Clinton Email Skandal falsch verhalten habe. Trump selbst hatte Comey dafür niedergemacht, um ihn an anderer Stelle in höchsten Tönen zu loben. Eben so, wie es ihm gerade im Wahlkampf gegen Hillary Clinton passte.

Nun ist Comey also weg und es hat den bitteren Beigeschmack, dass Trump hier jemanden vor die Tür gesetzt hat, der nach wie vor dienstlich der Frage nach ging, ob Trump und die Trumpisten enge Kontakte zu Russland und Putin hatten. Das wischte der Donald zwar immer als „Fake News“ vom Tisch, aber Belege dafür liegen vor, wie die Kontakte seines ersten Sicherheitsberater Michael Flynn. Unklar ist dabei nach wie vor, inwieweit sich Flynn mit Trump und dessen Umfeld abgesprochen hat.

Der Präsident muss nun einen neuen FBI Direktor ernennen. Eigentlich sollte es ein überparteilicher Kandidat sein, der dann für zehn Jahre seinen Job als Chef der Bundespolizei machen soll. Doch jeder Kandidat, der nun aus dem Oval Office ernannt werden wird, hat ein riesiges Problem. Wenn er die Russlandconnection nicht weiter verfolgen will und wird, sieht das nach einer direkten Absprache mit Trump aus. Ein FBI Direktor darf nicht zur Marionette des Präsidenten werden, doch das ist derzeit die große Gefahr in der amerikanischen Demokratie. Sowieso müsste eigentlich ein unabhängiger Ermittler der Frage nachgehen, was es mit den Verbindungen zwischen Trump und Russland auf sich hat, doch dagegen wehren sich das Weiße Haus und (noch) die republikanische Mehrheit im Kongress. Warum eigentlich?

Wer zieht mit Trump ins Rennen

Die Frage geht derzeit um, wer wird der VP-Kandidat für Donald Trump. Keine leichte Frage, denn wen der selbstverliebte Trump an seiner Seite haben will, der muß einiges mitbringen. Zuallererst, er sollte den Chef nie kritisieren, nicht aus dessen Schatten heraustreten, keine Widerworte geben, denn was Trump sagt ist Gesetz. Schwer vorzustellen, dass jemand wie Newt Gingrich die Rolle übernehmen könnte und würde. Gingrich, ein Washington Insider, wie er im Buche steht, würde sich nicht so einfach den Mund verbieten lassen. Auch eine Sarah Palin würde da mit ihrem losen Mundwerk nicht passen. Sie hat schon oft geredet, bevor sie nachgedacht hat.

Da wäre einer wie Chris Christie, Gouverneur von New Jersey und Trump-Unterstützer, schon besser. Nach seinem Ausscheiden aus dem Präsidentschaftsrennen reihte er sich ziemlich schnell hinter Trump ein und war fortan als das willige Helferlein bei den öffentlichen Auftritten des Donald zu sehen. Er widerspricht nicht und folgt seinem Anführer kritiklos.

General a.D. Michael Flynn ist Donald Trumps Wunschkandidat für den VP-Posten. Foto: Defense Intelligence Agency Public Affairs

General a.D. Michael Flynn ist Donald Trumps Wunschkandidat für den VP-Posten. Foto:
Defense Intelligence Agency Public Affairs

Donald Trump hat nun aber so einige überrascht. Eigentlich dachten viele, er würde einen Partner suchen, der zumindest schon Erfahrung in der Regierungsarbeit hat, etwas die Washingtoner Fahrwasser kennt, der vielleicht auch schon auf dem internationalen Parkett getanzt hat. Doch Donald wäre nicht Donald, wenn er nicht alles anders machen würde. Als heißer Kandidat für den VP-Posten gilt nun auf einmal der pensionierte General Michael T. Flynn, der zuvor die „Defense Intelligence Agency“ leitete. Flynn ist ein registrierter Demokrat, aber ein großer Kritiker von Präsident Barack Obama. Der General a.D. ist bereits ein Berater von Trump im Wahlkampf und hat das Vertrauen des Milliardärs. Das spreche für ihn, so enge Vertraute Trumps. Nach Aussagen dieser nicht namentlich erwähnten Quellen, soll der republikanische Kandidat bereits mehrmals laut vor sich hin „Trump-Flynn“ gesagt haben. „Und der Klang gefällt ihm“, heißt es. Auch, dass dieses Duo ein absolutes Außenseiter-Team wäre reizt Trump.

Noch ist nichts entschieden. Berater von Trump lehnen jedoch den General als möglichen Partner ab. Er habe nicht die Erfahrungen, die Donald Trump helfen könnten, auch sei zu wenig über ihn bekannt, wie er zu bestimmten politischen Themen steht. Die Zeit wird knapp, nur noch wenige Wochen bis zum Parteitag in Cleveland, dann sollte eigentlich das große Fest der Republikaner beginnen. Wen Donald Trump nun als seinen Vize auserwählt, das weiß wohl nur er selbst. Am Ende wird er jemanden präsentieren, der sicherlich „great“ ist und mit ihm Amerika wieder „great“ machen wird. Was anderes hätten wir auch gar nicht erwartet.