Uuf Wiadäluagä, Michelle Bachmann

Was andere wollen, will Michelle Bachmann nicht. Durch ihren Mann wurde die republikanische Abgeordente und Ex-GOP Präsidentschaftskandidatin im März volle Staatsbürgerin der Schweiz. An die große Glocke wollte sie es nicht hängen, doch ihre neue Zugehörigkeit zur Eidgenossenschaft sprach sich dennoch schnell herum. Riesenwirbel, denn Bachmann hatte auf einmal zwei Pässe. Kommt nicht so gut für eine erzkonservative Politikerin im Wahlkampf, die aller Welt ihren Patriotismus unter die Nase reibt. Doch nur wenige Tage, nachdem die amerikanischen Medien darüber ausführlichst berichtet haben, setzte sich Michelle Bachmann hin und schrieb folgende Erklärung. Wohl auch, um sich ihre Wiederwahl zum US Kongress zu garantieren:

„Ich habe heute einen Brief an das Schweizer Konsulat geschickt, mit der Bitte meine doppelte Schweizer Staatsbürgerschaft rückgängig zu machen, die ich per Schweizer Gesetz 1978 durch die Ehe zu meinem Mann erhielt. Ich habe mich dazu entschlossen und möchte dies auch ganz deutlich machen: Ich wurde in Amerika geboren und ich bin eine stolze amerikanische Bürgerin. Ich bin, und war es immer, 100prozentig der amerikanischen Verfassung und den Vereinigten Staaten von Amerika verpflichtet. Als Tochter eines Air Force Veterans, Stieftochter eines Army Veterans und Schwester eines Navy Veterans, bin ich stolz auf meine Treupflicht zur großartigsten Nation, die die Welt je gesehen hat“.

 

 

I am a Schwizer Mädli

Michelle Bachmann lächelt breit in die Kamera. So richtig stolz ist sie nicht. Wie auch, sie ist eine amerikanische Patriotin durch und durch. Wahrscheinlich überlegt sie schon jetzt, wie sie das 2016 ihren Wählern und Unterstützern erklären soll. Bachmann ist nun Schweizer Staatsbürgerin, neben ihrer US Citizenship. So richtig mit Pass und Pipapo und Nationalhymne. „Wenn der Alpenfirn sich rötet / Betet, freie Schweizer, betet! / Eure fromme Seele ahnt / Gott im hehren Vaterland / Gott, den Herrn, im hehren Vaterland.“

Bachmann hat nun nicht vor, eine neue Karriere in der Eidgenossenschaft anzutreten. Sie wurde mehr zwangsverschweizert. Die Eltern ihres Mannes waren Schweizer, die nach ihrer Hochzeit in die USA emmigrierten. Dort kam Sohnemann und späterer Bachehemann zur Welt. Aufgrund des Schweizer Rechts darf er sich problemlos um die Schweizer Staatsbürgerschaft bewerben. Was Marcus Bachmann auch am 15. Februar tat. Schon einen Monat später waren er, seine Frau Michelle und ihre drei jüngeren Kinder eingebürgert.

Michelle Bachmann hat das ganze bislang eher öffentlich verschwiegen. Doch raus kam es dennoch. Das Schweizer Fernsehen interviewte sie kürzlich sogar, als ein paar Abgeordnete aus Bern in Washington waren. Wo es ihr denn am besten in der Schweiz gefalle? Es sei schwer, in der Schweiz einen Ort zu finden, der nicht schön sei, meinte sie. Ganz neue diplomatische Töne der Rechtseinheizerin.

Aber mal ehrlich, die Österreicher hatten Arnold, die Schweizer haben nun Michelle und wen haben wir Deutschen?

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Die Reise ins Oval Office

Als Michelle Bachmann ins Rennen ums Weiße Haus einstieg, bekam ich einen Anruf von einem Schweizer Radiosender. Bachmann sei Schweizerin, ich solle unbedingt was machen. Es stellte sich raus, dass ihr Mann Schweizer Vorfahren hatte und die auch schon vor Generationen ausgewandert waren. Also, war nichts mit dem regionalen Bezug. Und nun, mit dem Ausscheiden der wild daher plappernden Michelle, wird es wohl auch in naher Zukunft nicht zum Hissen der helvetischen Flagge im Weißen Haus kommen.

Bachmann also draußen, überraschend kam das Ausscheiden nicht. Wobei ich fest damit gerechnet hatte, dass auch Rick Perry seinen Cowboyhut nimmt. Zumindest hieß es am Wahlabend in Iowa aus Kreisen des Texaners, dass er nach Hause reise, um den Wahlkampf neu zu überdenken. Was das heißt ist immer klar, die Realität hat den Wunschtraum eingeholt. Doch Perry bleibt im Rennen und wird nun angreifen. Er sieht seine Chance in South Carolina, einem „Southern State“, in dem der Texaner mit seiner Message punkten will. Wenn das nichts wird, ist auch er draußen.

Nächste Woche steht New Hampshire an. Das sind die alles-oder-nichts Wahlen für Jon Huntsman und Newt Gingrich. Huntsman hat in den letzten Wochen alles auf diesen Bundesstaat gesetzt, ist rauf und runter, kreuz und quer getingelt, hat Hunderte von Händen geschüttelt, um seine Message rüber zu bringen. Doch bislang kommt er in den Umfragen nicht in die Pötte. Nach wie vor liegt er da im einstelligen Bereich. New Hampshire wird für ihn das Ende der Fahnenstange bedeuten.

Gingrich hingegen kocht derzeit. Vor der Wahl in Iowa wurde er massiv über Fernseh- und Radiospots angegriffen, und zwar nicht direkt von anderen Kandidaten, sondern von Drittgruppen. Der ehemalige Sprecher des Kongresses machte Mitt Romney dafür verantwortlich, gratulierte ihm noch nicht einmal nach dessen Sieg in Iowa und schwor Rache. Der Kampf wird nun ohne Bandagen weiter geführt.

Was der gefühlte Sieg von Rick Santorum allerdings deutlich machte, ist die Stimmungslage in der Partei. Die Republikaner erleben gerade einen Richtungskampf. Mit dem Ausscheiden von Michelle Bachmann und dem baldigen Ende des Kandidaten Rick Perry, könnte Santorum noch einmal einen kräftigen „Push“ bekommen. Das würde dann endgültig den Rechtsruck der GOP bedeuten. Und das wiederum könnte gerade Barack Obama in den Kram passen, der so einen Wahlkampf gegen eine fundamentalistisch-konservative Übernahme des Weißen Hauses führen würde.

Und Ron Paul, der Dritte in Iowa? Der texanische Abgeordnete bleibt im Rennen, egal was da kommen mag. Seine Anhänger und auch er wissen, dass er es nie bis zur offiziellen Kandidatur der Partei schaffen wird. Aber Ron Paul wirbelt die eigenen Reihen auf, spricht unbequeme Themen an und setzt damit seine Mitstreiter und die GOP unter Druck. Er hat seinen Platz im Wahlkampf gefunden und das bis wohl kurz vor dem Ende der Vorwahlen. Es bleibt spannend.

Morgen ist Wahltag…gähn!

Morgen ist Wahl in Iowa. Die republikanischen Iowarer oder Iowanesen bestimmen dann, wen sie am liebsten im Weißen Haus sehen wollen. Und wenn man sich die politische Berichterstattung der letzten Monate zu Gemüte führt, dann ist dieser Bundesstaat im Herzen Amerikas ganz wichtig. Also, die drei Millionen Bürger bestimmen kräftig mit. Eigentlich irre, denn so wichtig ist Iowa nun auch wieder nicht. Jedenfalls nicht aus kalifornischer Sicht. Die paar Hanseln und Greteln, die den GOP Kandidaten bestimmen, werden, meiner Meinung nach, etwas zu wichtig genommen.

Die letzte Umfrage ist auch vielsagend. Da liegt Mitt Romney mit 25 (!) Prozent knapp vor Ron Paul. Rick Santorum liegt rund zehn Prozentpunkte dahinter, gefolgt von Newt Gingrich. Also ein überzeugender Kandidat ist auf weiter Flur nicht zu sehen. Und irgendwann ganz hinten kommt auch noch Michelle Bachmann, die sich nun als die „Iron Lady“ präsentiert. Amerika brauche Frauenpower. Ok, aber bitte nicht so!

Sowieso drehen die Kandidaten in den letzten Stunden am Rad. Santorum erklärt, er würde als Präsident die nuklearen Einrichtungen des Iran bombardieren. Mitt Romney vergleicht Präsident Obama mit Kim Kardashian. Dessen Wahlversprechen in Iowa erinnerten ihn an das Eheversprechen des Reality TV-Stars „Bis das der Tod Euch scheidet“ (Kardashian ließ sich nach 72 Stunden Ehe scheiden). Und Newt Gingrich wirft seinem Rivalen Romney vor, dass sich dieser den Weg ins Weiße Haus erkaufen will. Der gegelte Mitt hat das Scheckbuch dafür, Newt blickt etwas neidisch darauf.

Jeder der Kandidaten hofft auf den Überraschungssieg, auf die vielen Wähler und Wählerinnen, die sich noch nicht entschieden haben und mobilisiert seine Unterstützer. Morgen also Iowa, in der kommenden Woche geht es schon weiter nach New Hampshire und dann wird sich das Kandidatenfeld lichten…zum Glück.

Iowa und was dann?

Wenn am Sonntag endlich der 1. Januar auf dem Kalender steht, dann hat das auch was gutes. Dann nämlich kann man sagen in DIESEM Jahr finden Wahlen in den USA statt. Seit 12 Monaten schon dreht sich in den amerikanischen Medien alles darum, was dieser oder jener Kandidat zu sagen oder nicht zu sagen hat. Mal  ist der vorne, mal die, und dann wieder der. Da dreht man irgendwann voll am Rad bei all dem Warmduschergeplänkel.

Der Vorwahlkampf der Republikaner scheint nun, nur wenige Tage vor der ersten offiziellen Abstimmung in Iowa, gelaufen zu sein. Mitt Romney liegt vorne. Und das mit sicherem Abstand, da wird sich nicht mehr viel bewegen. Klar, die Anhänger von Ron Paul hoffen auf den Überraschungserfolg am Dienstag, kann auch durchaus drin sein, doch Paul hat danach nicht mehr viel zu bieten. Er hat eine engagierte Basis, die kämpft und sich einsetzt, Klinken putzt und überall, wo man es nicht erwartet Flugblätter verteilt. Und selbst Sohnenmann Rand Paul ruft für den Vater bei konservativen Radio Talk Sendungen an und „erschleicht“ sich Sendezeit für den Daddy. Aber all das wird nichts helfen. Ron Paul ist nicht wählbar für die breite Basis in der republikanischen Partei.

Alles läuft also auf Mitt Romney raus. Er wird der Kandidat der GOP werden, eben auch, weil die anderen im Rennen straucheln wie Newt Gingrich, hinterher hinken wie Michelle Bachmann oder ihnen ganz die Luft ausgegangen ist wie Herb Cain. Romney strahlt noch immer. Er hatte vor vier Jahren schon einmal einen Testlauf und hat aus seinen Fehlern gelernt. Er will Präsident werden. Es sei mal dahingestellt, ob er das am Ende auch wird, aber die Kandidatur seiner Partei hat er in der Tasche, wenn er keine dummen Fehler macht und sich wirklich keine tief verscharrten Leichen in seinem Keller befinden.

Das GOP Kandidatenfeld ist schwach. Keiner der Anwärter überzeugt die gesamte Basis. Was man vor vier Jahren mit Barack Obama und Hillary Clinton im demokratischen Lager gesehen hat, Begeisterung, genau das fehlt heute bei den Republikanern. Jeder der Kandidaten schleppt sich ab mit seinem „Baggage“, seinem Zentnergepäck, das einfach mit ihm oder ihr mitkommt. Selbst Romney, der führende Frontrunner, muß sich immer wieder für seine Politikentscheidungen als Gouverneur in Massachusetts erklären und entschuldigen. Die „social conservative“ Basis fragt, wie er so vehement gegen das verhasste „Obamacare“ sein kann, aber selbst ein ähnliches Gesundheitssystem als Gouverneur eingeführt hat? Was für viele für ihn spricht ist, dass Romney ein Washington Außenseiter und ein erfolgreicher Geschäftsmann ist. Und Romney hat tiefe Taschen. Den anderen Kandidaten gehen die „Bucks“ aus, der smarte Mitt holt da lächelnd die nächste Rolle Hundertdollarnoten aus der Jackentasche.

Iowa ist gelaufen, eine Woche danach geht es nach New Hampshire. Und dort wird sich das Kandidatenfeld massiv verdünnen. Denn wer am Anfang nicht aus den Startlöchern kommt, hat keine Chance mehr. Wir können uns also schon mal auf den teuersten amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf zwischen Barack Obama und Mitt Romney einstellen. Geschätztes Preisschild: 1,5 Milliarden Dollar. Apropos Obama, derzeit kursiert eine Meldung, dass es einen Wechsel im Team Obama geben wird. Vize-Präsident Joe Biden soll ins Außenministerium wechseln, Hillary Clinton als Vize-Präsidentschaftskandidatin antreten. Das wäre ein „smarter Move“ für Obama. Biden liebt die Außenpolitik, Hillary würde Seriosität mit ins Weiße Haus bringen und schon einmal die Basis für einen eventuellen Wahlkampf 2016 legen.

Der Countdown läuft

Noch vier Wochen, dann wissen wir mehr. Dann beginnen die Vorwahlen für die republikanischen Präsidentschaftskandidaten in Iowa (3. Januar), eine Woche später geht es in New Hampshire weiter (10. Januar). In Iowa liegt nun Newt Gingrich vorne, in New Hampshire führt weiterhin Mitt Romney das Kandidatenfeld an. Beide Abstimmungen sind nicht gerade ausschlaggebend für das Endergebnis, und dennoch sind sie wichtig. Beide Vorwahlen demonstrieren nämlich, wie sich die einzelnen Kandidaten politisch positionieren und welche Fähigkeiten sie haben, ihre Basis zu mobilisieren.

Man kann also davon ausgehen, dass schon nach diesen beiden Wahlen, das Kandidatenfeld der Republikaner weiter ausgedünnt werden wird, denn mit den fehlenden Wählerstimmen bleiben fortan auch die Wahlkampfspendendollar aus. Huntsman wird die Segel streichen, Santorum aussteigen. Bachmann und Perry werden vielleicht noch ein, zwei Wahlen weiterkämpfen, doch sie sind auf verlorenem Posten. Ron Paul, der Einzelkämpfer, wird bis zum Ende im Rennen bleiben, einfach, um seine Stimme hörbar zu machen.

Die Kandidatur der GOP wird zwischen Newt Gingrich und Mitt Romney ausgetragen werden. Und beide haben nicht die Basis der eigenen Partei hinter sich, sind aufgrund ihrer politischen Geschichte angreifbar und verletzbar. Das ist Obamas Chance. Doch egal, wer sich für die GOP durchsetzen wird, fest steht, es wird ein brutaler und dreckiger und sündhaft teurer Wahlkampf ums Weiße Haus werden. Sowohl Romney wie auch Gingrich schwenken schon jetzt auf einen totalen Konfrontationskurs mit Obama ein. Das wird noch lustig!

Ene-Mene-Muh-Und-Raus-Bist-Du

Herman Cain’t ist dann mal weg. War doch ein bißchen viel mit den Frauengeschichten und den peinlichen Aussetzern. Ein Kommentator faßte es richtig zusammen, wenn man so viele Leichen im Keller hat, sollte man vorher schon mal überlegen, wie man die erklärt und nicht erst noch Omas Häkeldecke drüberlegen und hoffen keiner sieht was. Cain zieht sich also aus dem Rennen zurück, will aber – das war klar – aktiv in der Politik bleiben und auch eine Wahlempfehlung an seine Unterstützer geben. Die politische Karriere ist für ihn allerdings damit wohl vorbei, aber es gibt ja noch FOXNews, dort wird er sicherlich einen guten Kommentatorenjob angeboten bekommen.

Einige der Cainschen Tea-Party Anhänger werden  sich nun wieder umschauen müssen. Weit brauchen sie ja nicht zu schauen, ihr Darling Michelle Bachmann ist ja noch im Rennen und hat sich in dieser Woche wärmstens für das Präsidentenamt empfohlen. Wenn sie erst mal im Oval Office sitze, dann wird sie sofort die amerikanische Botschaft in Teheran schließen. Einziges Problem dabei, die USA haben schon seit 1980 keine diplomatische Vertretung mehr im Iran. Egal! Aber wenn die „Stars and Stripes“ noch unterm iranischen Himmel wehen würden, dann würde Iron-Michelle das sofort ändern. Das ist doch ein Wort, das sind doch gute Aussichten!

Und auch, was sie in Sachen Homoehe erklärt hat, deutet auf ihre politische Entschlossenheit hin. Auf die Frage, warum gleichgeschlechtliche Paare nicht heiraten dürfen, meinte Michelle Bachmann: „Sie können doch heiraten. Sie können einen Mann heiraten, wenn sie eine Frau sind. Oder sie können eine Frau heiraten, wenn sie ein Mann sind.“ Noch Fragen?

 

 

 

 

Ein No-Kandidat der Mitte

Die republikanischen Präsidentschaftskandidaten positionieren sich alle am äußersten rechten Rand und buhlen dabei um die Stimmen der „Tea Party“-Bewegung und der christlichen Fundamentalisten in der Partei. Sie alle haben die eidesstattliche Erklärung von Grover Norquist unterschrieben und damit versprochen nie Steuern zu erhöhen. Sie sind gegen Abtreibung, für die Streichung der verschiedensten Sozialprogramme, für eine Beschneidung der Rechte von Arbeitern und Gewerkschaften, für die Aufrüstung des US Militärs, für ein härteres Durchgreifen gegen illegale Einwanderer, China, Iran und Nordkorea, für Foltermaßnahmen bei Terrorverdächtigen, gegen die Evolutionstheorie und die wissenschaftlichen Erkenntnisse der globalen Erwärmung…und, und, und…

Alle reden so ziemlich das gleiche, außer Jon Huntsman, ehemaliger Gouverneur von Utah und Botschafter in Peking unter Barack Obama. Ein Mann mit Charisma, photogen, mit Wissen, mit Erfahrungen auf der internationalen Bühne, Huntsman spricht fließend Chinesisch und weigert sich, dem Druck von Norquist und seiner Organisation „Americans for Tax Reform“ nachzugeben. Und dennoch ist seine Kandidatur so gut wie beendet. In den Umfragen kommt er einfach nicht voran. Er kann tun und lassen was er will, aber die republikanischen Wähler wollen niemanden, der anscheinend durch Sachkenntnis und Erfahrungen einem Präsidenten Obama im Wahlkampf das Wasser reichen könnte. Huntsman vertritt die gemäßigte Mitte der Partei, doch die hat in diesen Tagen nichts zu sagen. Der Wahlkampf wird mit Floskeln und Unwissen und einem erklärten Hass gegen Barack Obama ausgetragen. Perry, Bachmann, Cain, Gingrich, sie alle überschlagen sich mit Anschuldigungen gegen den „Sozialisten“ Obama und unterschlagen dabei, dass viele der heutigen Probleme auf den Vorgänger, den Republikaner George W. Bush, zurückreichen.

Huntsman wird von der konservativen Basis der Partei als Westentaschendemokrat gesehen und sogar mit Al Gore verglichen. Man mag es nicht, wenn ein Kandidat wie Huntsman per Twitter erklärt: „Ich glaube an die Evolution und vertraue den Wissenschaftlern bezüglich der Erderwärmung. Nennt mich verrückt“. Und dann: „In dem Moment, in dem die republikanische Partei die Anti-Wissenschaftspartei wird, haben wir ein riesiges Problem. Wir verlieren eine Menge Leute, die uns sonst in der kommenden Wahl unterstützten“. Das kam gar nicht gut bei der Basis der GOP an. Jon Huntsman wird seitdem wie ein Aussätziger behandelt und wurde zum Teil überhaupt nicht mehr zu den Fernsehdebatten eingeladen.

Der Kandidat selbst schätzt seine Situation ganz realistisch ein. Er wird wohl demnächst, leider muß man sagen, aus dem Rennen ausscheiden. In einem Interview mit CNN wurde er nach der Parodie seiner beiden erwachsenen Töchter gefragt, die ein Video des rauchenden Wahlkampfmanagers von Herman Cain auf youtube stellten. „Das ist einfach die Realität in meinem Leben. Ich gebe eine wichtige Rede über die Außenpolitik und die Rolle Amerikas im 21. Jahrhundert und habe danach vielleicht fünf Klicks auf youtube. Meine Töchter machen dieses Spaßvideo über das Video eines anderen Kandidaten und haben in den ersten 24 Stunden gleich eine halbe Million Klicks“.

 

Houston, we have a problem

Es ist noch etwas hin bis zur Wahl, aber das Theater ist schon im vollen Gange. Die Bühne ist bereitet, die Schauspieler agieren, schieben sich mal nach vorne ins Rampenlicht, dann werden sie wieder abgedrängt und hinten als großes Bühnenbild auf roten Grund mit Hammer und Sichel ein Barack Obama mit Teufelshörnern, Vampirzähnen und blutlüsternem Blick. So kann man sich den amerikanischen Wahlkampf vorstellen. Wir haben Platz genommen in der ersten Reihe, doch auch das sind billige Plätze, hart und unbequem in Anbetracht dessen, dass dies hier eine sehr lange Generalprobe bis zur Premiere sein wird. Man braucht gutes Sitzfleisch und starke Nerven, um das alles bis zum Ende zu ertragen. Whiskey oder Tequila oder etwas anderes hochprozentiges wäre angebracht, doch hier gibt es nur Limo zum nüchtern bleiben. Berauschen soll einzig das Schauspiel.

Da ist Michelle, die manchmal etwas wirr und starr blickt und immer wieder ein Jubellied auf Gott und die amerikanischen Werte beginnt. Dort der Texaner Perry im Cowboyhut und passenden Boots, ganz der „toughe“ Westernheld mit der Hand am Colt. Slick Mitt mit gegeltem Haar erzählt im Endlosmonolog von Amerikas Aufrüstung, „wenn er erstmal Präsident ist“. Raketen und moderne Truppen, „we are proud to be Americans“. Im Hintergrund schieben sich die Nebengestalten durchs Bild, einer kommt immer mal wieder nach vorne, wird aber schnell von den drei Hauptakteuren abgedrängt.

Und dann der Chor der Einheit gegen den fiesen Präsidenten, der Amerika in den Schoss Stalins legt und den Schulterschluss mit Castro und Chavez versucht. Jener „Commander in Chief“, der Amerika an Europa verkauft und die einst stolze Nation in den Bankrott führt. Obama, das Übel der Nation.

Lange Wochen und Monate warten noch auf uns, machen wir es uns bequem auf diesen Notsitzen und leiden mit im Theater US Wahlkampf. Coke und Popcorn bitte!!!