Get out and vote!

Ein „Lawn Sign“ in meiner Straße in Oakland.

      KMFDM wants you to vote

Donald Trump wurde mit 25 Prozent der Stimmen zum Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika gewählt. Das alleine zeigt, wie undemokratisch das amerikanische Wahlsystem ist und es lässt erahnen, wie wichtig der Kampf um Nichtwähler in den USA geworden ist. Zwischen den Wahlen gibt es immer wieder Kämpfe in den Bundesstaaten, wie die Grenzen von Wahldistrikten neu gezogen werden sollen. Meist geht das dabei nicht um eine genaue und ausgewogene Betrachtung der Bevölkerungsentwicklung, vielmehr sind es politische Entscheidungen. Demokraten haben es gemacht, doch in jüngster Zeit haben vor allem Republikaner die Distrikte in etlichen Bundesstaaten neu ausgewiesen, um somit ihre Macht im Kongress zu halten. Und dabei gingen sie durchaus mehr als fragwürdig vor.

Hinzu kommt, dass das Wahlrecht in vielen Bundesstaaten von den Republikanern gezielt torpediert wurde. Unter dem Deckmantel der Wahlmanipulation wurden Ausweispflichten eingeführt, die gerade Afro-Amerikaner und Latinos trifft. Das sind traditionell eher demokratische Wählerschichten, die gezielt außen vor gelassen werden sollen. Und Trump selbst streute immer wieder die Lüge, dass Millionenn von illegalen Einwanderern in den USA wählen, Beweise gibt es dafür nicht. So etwa erklärte er, dass er bei seiner Wahl eigentlich deutlich mehr Stimmen gehabt habe als Hillary Clinton, denn die sei von den Illegallen illegal gewählt worden. Tatsache ist jedoch, dass Clinton fast zwei Millionen mehr Stimmen bekommen hat. Und etliche republikanische Amtsinhaber haben die Anzahl von Wahllokalen gerade in demokratischen Hochburgen massiv verringert, was zu langen Warteschlangen führte und viele vom Wählen abhielt.

Nun, wenige Tage vor den „mid term elections“, den Halbzeitwahlen im Kongress, ist der Kampf um die Nichtwähler ausgebrochen. Donald Trump und seine Republikaner verbreiten eine Lüge nach der anderen. Die „Karawane“ aus Mittelamerika sei von den Demokraten angezettelt worden. Die Demokraten seien für offene Grenzen, wollten die Steuern drastisch erhöhen, einen Sozialismus wie in Venezuela einführen, Amerika unter das Joch der UN  bringen, die USA wieder von allen Seiten ausnutzen lassen. Belege, Beweise, Erkenntenisse darüber Fehlanzeige, doch mit Angst hat sich schon immer ein guter Wahlkampf führen lassen. Die Trumpsche Wählerbasis wird so mobilisiert.

Bei den Demokraten hat man nach dem Wahldebakel 2016 dazu gelernt. Allein in meiner Strasse stehen gleich mehrere Schilder mit dem Bild von Obama und Trump. „When you vote / When you don’t vote“. Ein klare Aussage, denn Hillary Clinton konnte nicht dieselben Wählergruppen wie Obama ansprechen. In einigen wichtigen Swing-Bundesstaaten, die vorher fest im Obama Lager waren, landete sie mit nur wenigen Tausend Stimmen hinter Trump und verlor letztendlich die Wahl.

„Vote it matters“ ist die breite Kampagne, die zuerst versuchte, unregistrierte Wähler anzusprechen und nun das Ziel verfolgt, möglichst viele Wählerinnen und Wähler am kommenden Dienstag an die Wahlurne zu bringen. Denn klar ist, die amerikanische Demokratie ist zu einer Minderheitendemokratie verkommen. Auch KMFDM um den Hamburger Sascha Konietzko mischt sich ein. Konietzko lebte viele Jahre in den USA, machte hier KMFDM zu einem Flagschiff des harten Elektro-Industrial Sounds. Wer sich mit Industrial beschäftigt, kommt an dieser Formation nicht vorbei. Und Sascha Konietzko, der sich schon immer politisch einmischt, offen in seinen Songs das anspricht, für was er steht, ist mit der Amerikanerin und Sängerin der Band Lucia Cifarelli verheiratet, gemeinsam haben sie eine Tochter, eine amerikanische Staatsbürgerin. Nun ruft der Hamburger in einer Audio-Botschaft (oben zu hören) seine Fans in den USA zum Wählen auf, mit einem Schmunzeln meint er: Another instance of a ‚foreign‘ power meddling in US elections ;-P But hey, no collusion“.