Das teure Leben in der San Francisco Bay Area

Es wird immer teurer in der Bay Area. Die drei teuersten Bezirke in den USA liegen genau hier: San Franicsco, Marin und San Mateo. Um sich überhaupt eine einfache Zweizimmerwohnung für 3170 Dollar leisten zu können, müsste man einen Stundenlohn von fast 61 Dollar haben. Damit würde man rund 30 Prozent seines Einkommens für Miete ausgeben und läge dann bei einem Jahreseinkommen von 127,000 Dollar. Damit ist man in der San Francisco Bay Area nicht reich, man kommt damit einfach bis ans Monatsende.

Dem muss man nun den Mindestlohn gegenüber stellen. In Marin County liegt er bei 14,80 Dollar ohne Krankenversicherung. In San Francisco und San Mateo bei 15 Dollar. Wenn man nun bedenkt, dass im Gaststätten- und Service-Bereich gerade mal der Mindestlohn gezahlt wird, dann kann man sich die aktuelle Situation in der Bay Area ausmalen.

Es wird immer teurer am Golden Gate.

Diese Zahlen sind nicht die einzigen, die derzeit aufhorchen lassen. Auch wurde nun festgestellt, dass in San Francisco die höchsten Gehälter weltweit gezahlt werden. Durchschnittlich liegt das Einkommen bei 6526 Dollar, hier leben so viele Millionäre, wie kaum an einem anderen Ort. Das lässt das Durchschnittseinkommen erheblich ansteigen. Gleichzeitig haben sich in Oakland über 4000 Bewerber auf 28 neue Sozialwohnungen beworben. Hier überhaupt eine bezahlbare Wohung zu finden ist ein Glücksgriff. Die Mieten steigen genauso wie die Grundstückspreise. Die Kommunen können sich daher nicht einfach aus der Krise bauen.

Wer Geld hat, wer viel Geld hat, der hat eine riesige Auswahl. Wenn man derzeit in einem Online Wohnungsportal für San Francisco eine Mietwohnung zwischen 1500 – 2000 Dollar sucht, werden einem 50 Apartments genannt. Verändert man nun die Miete auf 5000 und mehr Dollar, werden dem Interessenten gleich 709 Adressen angezeigt. Es gibt also Wohnungen, auch in einer überfüllten Stadt wie San Francisco, aber eben nun für jene, die deutlich mehr als den Mindestlohn und das Durchschnittseinkommen verdienen.

 

Wohnraum wird unbezahlbar

Der Traum vom Leben in Kalifornien, am Pazifik, am Golden Gate rückt für viele in weite Ferne. Wer in die San Francisco Bay Area ziehen möchte, sollte einen gutbezahlten Job haben. Denn ohne viel Moos, ist hier nichts los. Der „Zumper National Rent Report“ für August ist nun veröffentlicht worden, darin die harten und trockenen Zahlen des Mietspiegels für die USA. San Francisco hat mittlerweile Manhattan hinter sich gelassen, in der „City by the Bay“ braucht man viel Geld für die monatliche Miete in der Tasche, wenn man denn überhaupt ein Apartment findet.

Und auch auf der anderen Seite der Bay, in Oakland, steigen die Preise immer weiter. Oakland liegt mittlerweile im Vergleich zu allen anderen Großstädten in den USA an führender Position, wenn es um den prozentualen Preisanstieg für Mietwohnungen geht. 20 Prozent muß man hier mehr zahlen, als noch vor einem Jahr. Der Durchschnittspreis für ein Einzimmerapartment in Oakland liegt derzeit bei 1980 Dollar. Und das ist noch billig, wenn man auf die andere Seite der Bay nach San Francisco blickt. Dort zahlt man etwa 3600 Dollar für ein „One bedroom“ Apartment. Oakland ist noch mit am „günstigsten“ in der Bay Area. Auch in San Jose sind die Preise höher, ganz zu schweigen von der Peninsula zwischen SF und SJ, dort wo das Silicon Valley zu finden ist. Die google Welt zieht ihre Kreise.

The sky is the limit

Ausverkauf in San Francisco und der Bay Area. Die regionale Wirtschaft boomt, das merkt man jeden Tag, wenn man hier auf den Straßen unterwegs ist. Die Autobahnen sind überfüllt, Strecken, für die man vorher eine halbe Stunde brauchte, können jetzt bis zu eineinhalb Stunden dauern. Wer von außerhalb nach San Francisco will, sollte Zeit mitbringen. Einige der schlimmsten Staubereiche im Bundesstaat und im Land findet man hier in der Bay Area.

Für etwas mehr als eine Million Dollar auf dem Markt, für 2,35 Millionen Dollar verkauft.

Für etwas mehr als eine Million Dollar war dieses Haus im Mission Distrikt auf dem Markt, für 2,35 Millionen Dollar wurde es verkauft.

Viel Zeit geht also auf den Straßen verloren, wenn man hier leben will. Einige, die direkt in San Francisco wohnen wollen, müssen dafür tief in die Tasche greifen. Rund 60 Prozent des Einkommens geht bei vielen für die Miete drauf. Mittlerweile zahlt man 3600 Dollar und mehr für eine Einzimmewohnung. Wer derzeit freien Mietraum hat, erlebt eine Goldgräberstimmung in San Francisco. Denn die Preise sind nach oben hin offen.

Genauso verhält es sich mit Grundstückspreisen. Kaum noch bezahlbar sind Häuser, egal in welchem Zustand sie sind. Bestes Beispiel das Anwesen 3658-3660 18th Straße, in der Nähe der Dolores Street im Herzen der Mission Gegend. Lange Zeit wurde der Mission Distrikt als Kreuzberg San Franciscos beschrieben. Doch das ist Vergangenheit. Der Preis für das Doppelhaus wurde mit 1.099,000 Dollar angegeben, doch gleichzeitig wurde darauf hingewiesen, dass man einen Fachmann zur Besichtigung mitbringen sollte, denn es würden erhebliche Baumaßnahmen anfallen. Eigentlich muss der ganze innere Bereich entkernt und saniert werden. Unvorstellbar deshalb, dass das Haus nun für 2,35 Millionen Dollar verkauft wurde. Das sind mehr als 100 Prozent über dem Angebotspreis. Mehre Hunderttausend Dollar muß der zukünftige Besitzer nun noch in das Haus investieren. San Francisco wird zu einer Stadt der Superreichen. Wer hier noch leben, wer die Preise noch bezahlen kann – und will – der hat es wohl finanziell geschafft. Unterdessen geht die soziale Schere in der City by the Bay weiter auf.

Obdachlos in San Francisco

San Francisco ist eine „world class tourist destination“. Hierher kamen schon immer Leute aus aller Herren Länder. Viele Besucher, viele, die dann länger blieben oder ganz hierher kamen. San Francisco ist eine Stadt voller Kreativität, voller Lebenskünstler, voller Ideen. Das hat sich immer wieder ausgezahlt. Die „City by the Bay“ ist das Tor zum Silicon Valley, hier wohnen viele, die bei den High Tech Schmieden im Süden arbeiten.

Obdachlos in San Francisco.

Obdachlosigkeit gehört in San Francisco zum Stadtbild.

Kein Wunder also, dass San Francisco voller Millionäre ist, die ihr Geld, die sehr viel Geld in der New Economy Kaliforniens gemacht haben. In der viertgrößten Stadt des Bundesstaates leben weit über 100.000 Millionäre. Geld gibt es hier genug, Geld wird mit vollen Händen ausgegeben. Wohnraum und Grundstücke sind teuer, das Leben wird immer unerschwinglicher. Vor diesem Hintergrund ist es ein Skandal, was nun in einem Artikel des San Francisco Chronicles zu lesen ist. Jedes 25. Schulkind in der Stadt ist obdachlos. Das heißt, rund 2100 Kinder haben kein festes Zuhause. Das sind zwischen 70 und 80 volle Schulklassen mit Kindern und Jugendlichen, die nach dem Schlußgong in Obdachlosenunterkünften, angemieteten Hotelzimmern, bei Verwandten und Freunden, und ja, auch auf der Straße leben.

Die Zahl ist zwar zum Vorjahr leicht gefallen, doch noch deutlich höher als 2005, als 844 obdachlose, schulpflichtige Kinder gezählt wurden. In dieser teuren Stadt kann der Verlust des Jobs, Gewalt in der Familie oder eine gestiegene Miete die Obdachlosigkeit bedeuten. Nur wenige Familien haben ein finanzielles Polster. Experten erklären, dass geringe Beträge zum Verlust der eigenen vier Wände führen können. Vermieter wollen langjährige Mieter loswerden, denn danach können sie dieselbe Wohnung für das doppelte und dreifache neu vermieten. Wer hier seit längerem lebt und seine Wohnung verliert, hat kaum noch eine Chance ein Apartment mit vergleichbarer Miete zu finden. Der Mietpreisspiegel ist in den letzten Jahren deutlich angestiegen, allein im vergangenen Jahr um 9,4 %. Der Durchschnittsmietpreis liegt nun bei 3229 Dollar. Wie das eine normale Familie mit zwei, drei Kindern schafft, ist mir schleierhaft.

Ein Ende dieser dramatischen Entwicklung ist nicht in Sicht. San Francisco wird eine Stadt der Reichen, wer hier leben will, muß tief in die Tasche greifen. Arbeiter- und Mittelstandsfamilien werden immer mehr rausgedrängt. Die Zahl der 2100 obdachlosen Schulkinder, ist da nur eine der vielen traurigen Statistiken in der nordkalifornischen Metropole.