„Wir brauchen mehr Waffen“

Die Waffendiskussion im Wahlkampfjahr     
Ein Sturmgewehr zum Verkauf. Foto: Reuters.

Ein Sturmgewehr zum Verkauf. Foto: Reuters.

War ja klar! Präsident Barack Obama will so ein klein bißchen was beim Waffenkauf verändern und schon laufen die Republikaner Amok. Oops, falsche Wortwahl bei diesem heiklen Thema. Denn das wollen die Republikaner ja nicht, also Amok laufen. Sie sagen ja, wie nun Jeb Bush in seinem jüngsten Wahlkampfvideo, dass „gesetzestreue, bewaffnete Amerikaner machen das Land sicherer.“ Nach der Logik, müsste ich eigentlich im Garten Eden leben, denn nirgends sonst auf Welt, sind so viele Knarren im Umlauf. Oben gibt es einen aktuellen Audio-Beitrag zum Anhören.

Die Kandidaten wünschen „Merry Christmas“

Die Kandidaten wünschen auf ihren facebook Seiten frohe Weihnachten. Bis auf den Demokraten Martin O’Malley, dessen Seite ist seit dem 21. Dezember nicht mehr aktualisiert worden. Man beachte auch Hillary Clintons Foto, ein altes als First Lady im Weißen Haus. Eine klare Kampfansage fürs kommende Jahr.

 

Merry Christmas to all. Have a great day and have a really amazing year. Together, we will MAKE AMERICA GREAT AGAIN! It will be done!

Merry Christmas to all. Have a great day and have a really amazing year. Together, we will MAKE AMERICA GREAT AGAIN! It will be done!

 

Can't think of a better day than one with family, food, and the best gift of all: a new grandchild on the way! Merry Christmas.

Can’t think of a better day than one with family, food, and the best gift of all: a new grandchild on the way! Merry Christmas.

 

Wishing you a Merry Christmas and a blessed holiday season!

Wishing you a Merry Christmas and a blessed holiday season!

 

Merry Christmas from the Sanders family!

Merry Christmas from the Sanders family!

 

Merry Christmas, from the Rubios!

Merry Christmas, from the Rubios!

 

Enjoying time with family and reflecting on all the blessings God has given us. From mine to yours, Merry Christmas!

Enjoying time with family and reflecting on all the blessings God has given us. From mine to yours, Merry Christmas!

 

Kelley and I want to wish you all a very Merry Christmas.

Kelley and I want to wish you all a very Merry Christmas.

 

Merry Christmas! Wishing you peace and happiness this holiday season and throughout the coming year. -Chris, Mary Pat, Andrew, Sarah, Patrick, and Bridget

Merry Christmas! Wishing you peace and happiness this holiday season and throughout the coming year. -Chris, Mary Pat, Andrew, Sarah, Patrick, and Bridget

 

Merry Christmas! - Mike and Janet

Merry Christmas! – Mike and Janet

 

I wanted to take a moment to wish you all a very Merry Christmas and happy New Year. At Christmas, we celebrate the love of family, the power of faith, and the freedom to practice that faith. As John 5:11 tells us, God has given us eternal life, and this life is in His son. May you and your loved ones enjoy the blessings of peace, hope, and love. This season and always. From my family to yours, Merry Christmas - Carly Fiorina.

I wanted to take a moment to wish you all a very Merry Christmas and happy New Year. At Christmas, we celebrate the love of family, the power of faith, and the freedom to practice that faith. As John 5:11 tells us, God has given us eternal life, and this life is in His son. May you and your loved ones enjoy the blessings of peace, hope, and love. This season and always. From my family to yours, Merry Christmas – Carly Fiorina.

 

As we celebrate the arrival of our Savior -- God's greatest gift -- we hope that you and your family also have a chance to enjoy some of God's other gifts this season: the joy of time with the people most important to us, a break from the rush of everyday life and a deeper knowledge of how blessed we are to live in freedom. From our family to yours, Merry Christmas! -John, Emma, Reese and Karen Kasich

As we celebrate the arrival of our Savior — God’s greatest gift — we hope that you and your family also have a chance to enjoy some of God’s other gifts this season: the joy of time with the people most important to us, a break from the rush of everyday life and a deeper knowledge of how blessed we are to live in freedom.
From our family to yours, Merry Christmas!
-John, Emma, Reese and Karen Kasich

 

Die Brandstifter von FOXNews

Gestern habe ich mir mal wieder FOXNews angetan. „Hannity“ lief, die Sendung von Moderator Sean Hannity, den ich lange Zeit immer im Auto auf KSFO 560AM hörte, bis mir ein Depp die Antenne abbrach. Seitdem kriege ich nur noch ein paar UKW Sender rein. Aber zurück zum erzkonservativen Propagandasender. Als Journalist in der sehr liberalen San Francisco Bay Area finde ich es wichtig, einen Eindruck vom Rest des Landes zu bekommen, vom „Heartland“ Amerikas. Und FOXNews liefert das nur zu gerne. Oftmals ist es unterhaltsam, wenn man sich die Sendungen ansieht. Verschwörungstheorien wechseln sich da mit unsäglichem Journalismus und Meinungsmache ab.

Sean Hannity in seiner FOXNews Sendung. Foto: AFP.

Sean Hannity in seiner FOXNews Sendung. Foto: AFP.

Sean Hannity, der gerne das Motto des Senders „fair and balanced“ betont, ist alles andere als ein fairer und ausgewogener Journalist. Er ist ein Talk-Show-Moderator, der auf einer Mission zu sein scheint. Man könnte diesen Quasselkopf nun als Entertainer bezeichnen, was durchaus berechtigt ist und wenn es so wäre, dann würde er diese Rolle richtig gut spielen. Doch Hannity will kein Entertainer sein, er will nicht unterhalten, er will über die bösen Absichten des „schlechtesten“ und „unfähigsten“ Präsidenten aller Zeiten aufklären.

Gestern berichtete Sean Hannity über die Weltklimakonferenz in Paris. Als Gesprächspartner hatte er sich den Präsidentschaftskandidaten Mike Huckabee zugeschaltet. Warum redet Obama immer die USA schlecht, wollte Hannity wissen? Obama sei nach Paris geflogen, um dort zu erklären, dass das große Amerika schuld sei am kaputten Klima. Kein Wort davon, dass die USA die beste Nation, die größte Wirtschafts- und Militärmacht, der führende Staat auf dem Globus sei. So begann er das Interview und Huckabee nahm die Steilvorlage nur zu gerne an. Er verstehe auch nicht, wie man als Präsident sein eigenes Land schlecht rede, Fehler eingestehe und drastische Folgen für die eigenen Landsleute fordere. Amerika, so Huckabee, solle vielmehr die eigenen Ressourcen nutzen, Erdöl fördern, Rohstoffe abbauen, wieder die führende Rolle in der Welt übernehmen.

Als nächstes Segment stand ein Bericht und eine Diskussion mit Studiogästen über Hillary Clinton an, die der „fair and balancded“ Moderator Sean Hannity ganz offen als „Lügnerin“ bezeichnete. Hannity hat eine jahrelange Abneigung gegen die einstige First Lady. Als sie 2008 in den Präsidentschaftswahlkampf einstieg, startete Hannity seinen „Stop Hillary Express“. Es gab nur negative Meldungen. Und das hat er nun wieder aufgenommen. Für Hannity ist Hillary ein rotes Tuch. Und nicht nur für ihn, man kann sich bei dieser „ausgewogenen“ Berichterstattung vorstellen, was passieren wird, wenn Hillary Clinton wirklich die nächste Präsidentin werden sollte. Amerika würde einen absoluten Stillstand erleben, denn alles, was aus dem Weißen Haus käme, würde blockiert und schlecht geredet werden. Bestes Beispiel ist die Gesundheitsreform, die als „Obamacare“ verschrien ist. Die Republikaner und Konservativen im Land haben es mit dieser Rufmordkampagne geschafft, eine wichtige Reform schon im Ansatz zunichte zu machen.

Was für mich wichtig an diesen Interviews von Sean Hannity und anderen auf FOXNews ist, als Zuschauer merkt man, wie ein Teil Amerikas tickt. Nicht alle Amerikaner glauben der Propaganda, doch es ist ein lautstarker und einflussreicher Teil, der hier auf diesem Frontsender Stimmung macht. Stimmung, die gefährlich werden kann. Forderungen wie „Obama needs to be stopped“ könnten falsch ausgelegt werden. Das zeigt auch das jüngste Attentat in einer „Planned Parenthood“ Klinik in Colorado Springs. Der Täter wiederholte bei seiner Verhaftung einen Satz, den man zuvor öfters auf FOXNews gehört hatte: „No more baby parts“.

It’s a one-man show, man!

Donald Trump stand in der Mitte der Bühne und alles drehte sich um ihn. Die anderen versuchten ihn anzugreifen, doch der Donald parierte gekonnt und teils mit Humor. Als Rand Paul ihm vorwarf, Trump bewerte andere nach ihrem Aussehen, wie er dies jüngst mit Carly Fiorina getan hatte, reagierte der Milliardär, er hätte ja nichts über Rand Pauls Aussehen gesagt, auch wenn er das durchaus könnte. Als Jeb Bush ihm von der Seite kam, meinte Trump, „Jeb, today you’re full of energy. I like that“. Vor ein paar Wochen hatte der Donald seinem Mitkonkurrenten attestiert eine lahme Ente zu sein, saft- und kraftlos im Rennen mitzulaufen.

Foto: AFP

Foto: AFP

Und dann war da noch Carly Fiorina auf der Bühne, die einzige Frau weit und breit. Wie würde sie reagieren? Ihr sah man an, dass sie sich vom lächelnden Donald nicht unterkriegen und unterbuttern lassen wollte. Sie teilte aus, doch kam dabei auch nicht gerade angenehm und sympathisch rüber.

An dem Abend in der Ronald Reagan Library, direkt vor einer ausgemusterten Air Force One Maschine wurde über vieles gesprochen, oder zumindest vieles angerissen. Außenpolitik, die Wirtschaft, Abtreibung, der Iran-Deal, Obamacare, Hillary Clinton, die Grenze, Sicherheitspolitik….querbeet ging es durch die tagesaktuellen Themen. Der Moderator versuchte immer mal wieder mit Zitaten der einzelnen Kandidaten Zwist zu säen und vor allem die anderen gegen Donald Trump aufzubringen. Doch irgendwie war es ein nettes „Get together“ der bekanntesten Republikaner. Klar, die fiesen Blicke von links nach rechts und rechts nach links blieben nicht aus. Auch wurde deutlich, wie zerstritten die Ronald Reagan Partei ist. Dem einstigen Western Helden klingelten in den ewigen Jagdgründen sicherlich die Ohren, denn gerade Jeb Bush versuchte sich als Neffe von Reagan zu präsentieren.

Nach dieser Debatte wird man abwarten müssen, wer in den Umfragen steigen, wer fallen wird. Ich denke mal, viel wird sich nicht ändern. Die Amerikaner lieben ihre Außenseiter Trump und Carson. Nur am Kindertisch, die kleine Gruppe von Kandidaten vor der eigentlichen Fernsehdebatte, wird sich einiges tun. Schon bald werden sie die Segel streichen müssen. Lindsay Graham, George Pataki, Bobby Jindal und Rick Santorum sollten lieber jetzt als später erkennen, dass das Rennen ohne sie läuft.

Die Macht der Frauen

Die zweite Runde steht an. Diesmal stehen elf Republikaner auf der Bühne, um die Fernsehnation von sich zu überzeugen. Donald Trump, Jeb Bush, Scott Walker, Marco Rubio, Rand Paul, Ted Cruz, Mike Huckabee, Ben Carson, Chris Christie, John Kasich und diesmal auch Carly Fiorina. Zuvor schon tritt die zweite Reihe der Kandidaten an: Rick Santorum, Bobby Jindal, Lindsey Graham, George Pataki und Jim Gilmore. Rick Perry sollte eigentlich auch noch dabei sein, doch der ist ja aus dem Rennen ausgestiegen und überlegt nun, was er mit den Spenden, die er erhalten hat, machen soll.

Die Debatte wird live von CNN aus der Ronald Reagan Presidential Library im kalifornischen Simi Valley übertragen werden. Absolut präsidial vor einer ausgemusterten Air Force One Maschine. Und klar ist schon im Vorfeld, zehn werden sich auf einen stürzen. Denn bislang hatte Donald Trump Narrenfreiheit, er hat sich in den letzten Wochen und Monaten selbst zur Zielscheibe der innerparteilichen Kontrahenten gemacht. Keiner spaltet die Partei so sehr wie Donald Trump. Zuletzt ließ der Donald es krachen, als er die ehemalige Hewlett-Packard Chefin Carly Fiorina heftigst mit den Worten angriff, wer wolle schon dieses Gesicht sehen?

Fiorina ließ den Angriff auf sich und ihr Aussehen locker abperlen und produzierte sogar einen Werbespot mit dem Titel „Faces“, der sehr gut ankam. Vor allem bei Frauen, die immer mehr zur politischen Macht im amerikanischen Wahlkampf werden. Zum einen machen sie 52 Prozent der Wähler aus, zum anderen werden viele Frauen mit der Aussicht Hillary Clinton als Präsidentin nicht richtig warm. Zwar stimmte der Großteil der Frauen in den USA seit George Bush 1988 für den demokratischen Kandidaten, darauf baute und baut Hillary Clinton in diesem Wahlkampf. Doch das will Carly Fiorina nun ändern. Sie greift an, als Geschäftsfrau, die sich von Männern, auch und erst recht von großmäuligen Geschäftsmännern wie Donald Trump nichts vorschreiben läßt. Es wird mit Sicherheit ein interessanter und unterhaltsamer Fernsehabend am heutigen Mittwoch werden.

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Der Tiger ist sauer

Gestern berichtete ich über die Freilassung von Kim Davis, der Standesbeamtin für Rowan County, die sich trotz richterlicher Anordnung geweigert hatte, homosexuellen Paaren Trauscheine auszustellen. Sie erklärte, ihre Auslegung von Gottes Wort sei wichtiger als „the law of the land“, das sogar vom Verfassungsgericht in Washington abgesegnet worden war.

Egal, als Kim Davis gestern an der Hand von Pastor, Ex-Gouverneur und Präsidentschaftsanwärter Mike Huckabee unter dem Jubel der Menge auf die Bühne trat, ertönte „Eye of the tiger“ von Survivor. Als ich den Auftritt live im Fernsehen verfolgte, fragte ich mich schon, ob die Band dazu ihr ok gegeben hatte. Wie sich nun herausstellte, nö, hatte sie nicht. Survivor reagierten umgehend und verklagten Mike Huckabee und Kim Davis auf 1,2 Millionen Dollar, für die unerlaubte Nutzung ihrer Hitsingle.

Survivor reagierte prompt mit einer Stellungnahme. Foto: Peltner.

Survivor reagierte prompt mit einer Stellungnahme.

Bislang wurde das Lied als Motivationsschub in Muckibuden rund um den Globus genutzt, denn es war Teil des Soundtracks von „Rocky III“, Sylvester Stallone trainierte zu dem Song für den großen Kampf. Gewichtheben, Sprints, Dauerläufe, all das passt gut zu „Eye of the tiger“, oder wie es Lothar Matthäus einmal ausdrückte: „vom Feeling her, habe ich ein gutes Gefühl“. Doch eine Standesbeamtin, die weltweites Aufsehen erregte, weil sie eigenwillig gleichgeschlechtlichen Partnern die Ehe verweigern wollte, geltendes Recht brach, dafür vier Tage hinter Gittern sass, dann weinend an der Hand eines erzkonservativen Präsidentschaftskandidaten auf eine Bühne tritt, das passt nicht so richtig zum „Rocky“-Image.

Survivor erklärten auf ihrer facebook Seite, man solle ihre Musik nicht mit politischen Botschaften vermischen. Klare Aussage, kurz und knapp. Im Netz kam die Reaktion der Band gut an. Tausende Male wurde ihr Posting geteilt. Juristen glauben, dass Survivor gute Chancen hat, einen Prozess, wenn es denn so weit kommen sollte, zu gewinnen, denn klar ist, sie gaben weder Huckabee noch Davis ihr Einverständnis „Eye of the tiger“ zu nutzen. Und Huckabee ist im Wahlkampf, eine Klage an den Hacken kann er sich gerade gar nicht leisten. Vor allem, wenn es um das wichtige Copyright geht. Es wird wohl auf einen Vergleich hinauslaufen. Und einen Boykottaufruf christlicher Fundamentalisten gegen Survivor. Aber damit kann die Band sicherlich leben.

Im Auge des Tigers von Gott gesandt

Ich glaube mal nicht, dass Survivor ihren Hitsong für diesen Moment geschrieben haben. Als die Standesbeamtin für Rowan County, Kim Davis, auf die Bühne tritt, röhrt „Eye of the tiger“ durch die Lautsprecherboxen, so, als ob sie einen Schwergewichtskampf gewonnen hätte. Davis war nach fünf Tagen Gefängnis entlassen worden. Zuvor hatte sie sich trotz Richterspruch geweigert, Trauscheine auszustellen. Der Grund, Kim Davis erklärte, Gay Marriage verstosse gegen ihre religiöse Überzeugung, von daher unterschreibe sie diese Trauscheine nicht. Egal, ob das oberste Verfassungsgericht die Eheschließung zwischen Mann und Mann, zwischen Frau und Frau als „law of the land“ erklärte. Egal, ob Kim Davis bei ihrer Amtseinführung schwor, die Gesetze in Kentucky und den USA zu befolgen. Egal, ob ein zuständiger Richter ihr mit Beugungshaft drohte. Kim Davis blieb dabei und meinte, sie befolge nur Gottes Wort.

Kim "Rocky" Davis vor ihrer Verhaftung. Foto: AFP.

Kim „Rocky“ Davis vor ihrer Verhaftung. Foto: AFP.

Was dann in Grayson, Kentucky, passierte war ein sonderbarer Zirkus. Kim Davis wurde für die Christlich-Konservativen im Land zur Heldin, die für ihren Glauben einstand. Die Präsidentschaftskandidaten Mike Huckabee und Ted Cruz eilten in die Kleinstadt, um Unterstützung zu zeigen und Aufmerksamkeit im Wahlkampf zu erzielen. Huckabee polterte von der „Rechtstyrannei“ und meinte ernsthaft; „Gott hat sich gezeigt. Er hat sich gezeigt in der Form einer gewählten Demokratin mit dem Namen Kim Davis“. Die Menge applaudierte.

Nun also ist die dreifach geschiedene Kim Davis das Darling der heterosexuellen Eheverfechter in den USA. Richter David Bunning entliess sie mit der Auflage, dass sie sich fortan nicht mehr um die Trauscheine in ihrem Büro kümmern darf. Davis ließ am Dienstag offen, ob sie sich daran halten wird.

Aber denken wir mal weiter. Nehmen wir mal an, ich wäre in einer Stadtverwaltung für die Ausstellung von Jagd- und Waffenscheinen verantwortlich. Ich würde als überzeugter Vegetarier meine Unterschrift verweigern, denn „you shall not kill“ heißt es ganz klar in der Bibel. Mein Glauben verbiete mir das Abknallen von Tieren, so meine Begründung. Man stelle sich mal den „Shitstorm“ vor, allen voran von Seiten der Freiheitsverfechter der NRA, der danach mit Sicherheit kommen würde.

Ich spreche Kim Davis ihren Glauben nicht ab, allerdings lebt sie in einem Land, in dem die geschriebenen Gesetze vor Gottes Wort stehen, egal, wie sie dies auch auslegen mag. Sie muß ihre Unterschrift unter einen Trauschein gleichgeschlechtlicher Partner nicht geben, das ist ihr überlassen. Diese Freiheit hat sie. Doch wenn sie sich so entscheidet, muß sie ihren Schreibtisch räumen. Als eine demokratisch gewählte Kommunalangestellte, darf sie nicht mehr und nicht weniger machen, als die Gesetze zu befolgen.

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Donald Trumps Schattenkabinett

Außenministerin in spe - Sarah Palin? Foto: AFP.

Außenministerin in spe – Sarah Palin? Foto: AFP.

Sarah Palin soll Energieministerin in einer Trump Adminstration werden. Das sagte der Donald, Palin stimmte sogar zu, meinte der Job sei interessant, denn sie komme aus Alaska und kenne sich aus mit Erdöl und Rohstoffen. Ihre erste und wohl auch einzige Amtshandlung sei, das Ministerium in Washington aufzulösen und den Bundesstaaten mehr Mitbestimmung und Eigenverantwortung einzuräumen. Die Welt nach Sarah Palin.

Aber denken wir mal weiter, wer noch so alles in einem Schattenkabinett von Donald Trump Platz nehmen dürfte. Sein ihm freundschaftlich gestimmter Mitkonkurrent Ben Carson wäre sicherlich offen für die Stelle des Gesundheitsministers. Er, der als Chef Kinderneurologe an der John Hopkins Unversität tätig war, hat im Gegensatz zu Palin zumindest ein Fachwissen vorzuweisen. Aber natürlich ist er gegen einiges, was mittlerweile als normal gilt, darunter Abtreibung und Stammzellenforschung.

Der Mann für den religiösen Diskurs und das Bildungsministerium bei Trump wäre sicherlich Mike Huckabee. Der frühere Gouverneur von Arkansas, Pastor und ehemalige FOXNews Moderator ist wie geschaffen für solche Rollen, denn er lehnt offen den Islam ab und mischt sich bei allen Bildungsfragen ein, wenn es um die Trennung von Staat und Religion geht. Huckabee sieht die USA als ein christliches Land an, das es zu verteidigen gilt.

Für die Grenzsicherheit bietet sich selbstverständlich der Texaner Rick Perry an. Allerdings müssten die beiden erst einmal ihr Kriegsbeil begraben. Donald Trump hält den langjährigen Gouverneur von Texas ja nicht gerade für den klügsten Kopf, auch wenn der nun Brille trägt. Aber Perry ist in der Vergangenheit auch mit so martialischen Sprüchen zur Grenzsicherheit aufgetreten, wie der angehende „Commander in Chief“ Trump. Rick Perry wird sicherlich auf seine Texas Rangers und die Nationalgarde setzen, um die wilden Horden aus dem Süden zurück zu drängen. Kein Thema, die beiden werden noch Freunde.

Arbeitsminister? Keine Frage, das muß Scott Walker, Wisconsins Gouverneur und Trumps Herausforderer sein. Er hat sich auf seine Fahnen geschrieben, die Gewerkschaften platt zu machen. Zuerst in seinem Bundesstaat, das hat sogar die superreichen Koch Brothers beeindruckt, die ihn als ihren Präsidentschaftskandidaten auserwählt haben. Und diese erfolgreichen Erfahrungen in Wisconsin könnte Walker in die Trump-Adminstration einbringen. Keine unsinnigen Streiks, keine Genöle mehr um Mindestlohn, Arbeitsrechte, Auflagen für Arbeitgeber. Freie Arbeit für freie Bürger, und wem das nicht passt, der kann ja kündigen. Soviel Freiheit muß sein.

Hm, wer käme denn für die wichtigen Posten im State Department und im Pentagon in Frage? Ich finde, da die Republikaner ja immer von der Kosteneinsparung tönen, auch wenn die Washingtoner Bürokratie unter George W. Bush erst so richtig wuchs, sollte man Arbeitsfelder zusammen legen. Sarah Palin, die ja das Energieministerium auflösen will, hätte dann auch Kapazitäten frei für ihre neue Rolle als Außenministerin. Sie kennt Russland quasi von ihrem Balkon aus und kommentiert alles vom Irandeal und der Diplomatie mit China, Nordkorea, Kuba und Venezuela, bis hin zu Besuchsreisen Obamas in afrikanischen Ländern und dessen europäisch-sozialistischen Grundideen. Sarah Palin ist bestens gerüstet für den delikaten Job auf der internationalen Diplomatenbühne. Eine „toughe“ Frau, die sich von den Mullahs, den Scheichs, den Kommunisten, den europäischen Weicheiern und den afrikanisch-korrupten Regierungschefs nichts weißmachen lassen wird.

Und Donald Trump selbst wird auch noch das Pentagon übernehmen. Er ist als Präsident ohnehin der oberste Führer der Truppe. Da kann er auch gleich noch das Pentagon leiten. Trump in schnittiger Uniform, mal was anderes in den täglichen Trump-Nachrichten am Abend. Es ist noch etwas hin bis zum Wahltag im November 2016, aber so langsam kann man ja schon mal durchspielen, was wäre wenn….mit einem lachenden und einem weinenden Auge.

 

Das Feld lichtet sich

Am Donnerstag steht die erste Debatte der republikanischen Kandidaten an. 16 von ihnen hatten sich Chancen ausgerechnet, zehn dürfen mit auf die Bühne. Der konservative Nachrichtenkanal FOXNews hatte vorgegeben, dass nur diejenigen Kandidaten mitdiskutieren dürfen, die in den letzten fünf Umfragen unter die Top Ten der Präsidentschaftsanwärter gekommen sind.

Rick Perry ist wohl bald raus aus dem Rennen. Foto: AFP

Rick Perry ist wohl bald raus aus dem Rennen. Foto: AFP

Und nun hat Rick Perry ein Problem. Der Texaner, der schon bei der letzten Wahl eine denkwürdige Katastrophe erlebte, schafft den „Cut“ wahrscheinlich wieder nicht. Da hilft diesmal auch keine Brille. Derzeit liegt er mit gerade mal 2,6 Prozent auf Rang 11 und es sieht nicht danach aus, als ob er in den letzten Tagen noch den Sprung nach vorne schafft. Perry wird bald Geschichte sein. Die Frage ist, ob er es dann 2020 wieder antreten wird oder irgendwo in der texanischen Ölindustrie einen Job annehmen wird.

Derzeit liegt Donald Trump mit 19 Prozent vorne. Danach Scott Walker (15%), Jeb Bush (14%), Ben Carson (10%). Im einstelligen Prozentbereich dann Ted Cruz, Mike Huckabee, Rand Paul und Marco Rubio. Und in den jüngsten Umfragen haben sich dann auch noch Chris Christie und  John Kasich an Rick Perry vorbei geschoben. Zahlreiche der etwas schwächeren Kandidaten erklärten, man solle diese Umfragen nicht überbewerten und erinnerten daran, dass vor vier Jahren zum gleichen Zeitpunkt Herman Cain vorne lag. Und an den erinnert sich heute niemand mehr.

Der republikanische Donnerstagabend

Am 6. August ist es so weit. Die erste Fernsehdebatte der republikanischen Kandidaten steht an. Abends um 21 Uhr Ostküstenzeit werden dann die Top Ten Kandidaten in den Umfragen gegeneinander antreten. Zu diesem Zeitpunkt sind es: Donald Trump, Jeb Bush, Scott Walker, Marco Rubio, Ted Cruz, Rand Paul, Mike Huckabee, Ben Carson, Chris Christie und Rick Perry. Diese Gruppe verspricht einiges an Sprengstoff und verbalen Angriffen. Allein Trump feuert ja schon seit Wochen seine Salven auf die Mitkonkurrenten ab. Der vom Donald stark angegangene Perry ballerte jüngst zurück. Und Mike Huckabee hat vor ein paar Tagen Barack Obamas Irandeal als „marching the Israelis to the door of the oven“ beschrieben.

Es wird also ein unterhaltsamer Abend mit zahlreichen Tiefschlägen werden, wenn die Kameras und Scheinwerfer angehen. Donald Trump, der derzeitige Frontrunner, wird gewohnt austeilen, um seine Position zu festigen. Auf klare, inhaltliche Aussagen wird man bei dieser von FOXNews live übertragenen Debatte jedoch lange warten müssen.

Doch es sind ja noch mehr Kandidaten im republikanischen Splitterzirkus dabei. FOXNews hat nun Gnade walten lassen und eine zweite Veranstaltung angesetzt. Der Rest der Möchtegernpräsidenten, die es bislang nicht in die vordere Spitzengruppe geschafft haben, dürfen nun am gleichen Abend schon ab 17 Uhr Ostküstenzeit vor die Kameras treten, quasi als Einstimmung für das Hauptevent danach. Mit dabei sind John Kasich, Rick Santorum, Bobby Jindal, Carly Fiorina, George Pataki und Lindsey Graham. Diese Kandidaten haben zumindest ein Prozent in den Umfragen geschafft.

Doch das sind noch lange nicht alle republikanischen Kandidaten fürs Weiße Haus 2016. 18 weitere eher unbekannte Namen stehen zur Wahl, die man aber zumindest einmal erwähnen sollte. Da sind Skip Andrews, George Bailey, Michael Bickelmeyer, Kerry Bowers, Dale Christensen, Brooks Cullison, John Dummett, Jr., Mark Everson, Jack Fellure, Jim Hayden, Chris Hill, Michael Kinlaw, K. Ross Newland, Esteban Oliverez, Michael Petyo, Brian Russell, Jefferson Sherman, Shawna Sterling. Diese Gruppe von Republikanern wird am Donnerstag nicht mit von der Partie sein. Daneben gibt es keine Interviews im Fernsehen, Rundfunk und Print. Aber es zählt wohl der olympische Gedanke, dabei sein ist alles.

34 Republikaner wollen also Präsident werden. Allein diese Zahl zeigt schon, in welchem Zustand die Partei ist. Eine Frage muß also gestellt werden, wird ein möglicher republikanischer Präsident überhaupt die eigenen Reihen hinter sich haben, um regieren zu können?