Ein gefährliches Spielchen

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Mit “Feuer, Wut und Macht, wie die Welt es so noch nicht gesehen hat”, das waren die deutlichen Worte von Präsident Donald Trump am Dienstagnachmittag am Rande eines Events in einem seiner Golfresorts. Damit reagierte er auf die erneuten Drohungen aus Nordkorea und den Berichten der japanischen und US militärischen Geheimdienste, dass das kommunistische Regime über bis zu 60 Atomsprengköpfe verfüge.

Zuvor hatte darüberhinaus ein Sprecher in Pjönjang erklärt, man werde eine strategische und deutliche Antwort auf die Provokation weiterer Sanktionen gegen Nordkorea finden. Nachdem Trumps Worte über die Medien verbreitet wurden, kam erneut eine Drohung vom nordkoreanischen Regime. Darin hieß es, man prüfe einen Präventivschlag gegen das amerikanische Territorium auf Guam.

Das Wortduell endete vorerst am Abend. Politiker und Diplomaten in Washington, New York und Peking setzen nun alles auf eine Deeskalation der Lage. Wie weit Donald Trump hier und der nordkoreanische Befehlshaber Kim Jong Un offen für Beratungen und Gespräche sind, ist derzeit kaum abzuschätzen.

Kommentatoren in den USA erklärten, Trump habe sich gerade für solch eine Situation mit einigen Generälen in seiner Administration umgeben, die kriegserfahren sind, aber auch einen kühlen Kopf bei solch einer Drohgebärde aus Nordkorea kommend behalten. Sie haben nun die Aufgabe, den amerikanischen Präsidenten zu beraten und die Wortgefechte zwischen Washington und Pjöngjang zu beenden.

Problematisch könnte jedoch das jährliche Manöver der USA mit Einheiten Südkoreas im August werden. Nordkorea wird dies sicherlich als Drohgebärde vor der eigenen Grenze sehen.

Trump wird zum Kriegspräsidenten

Vor der Wahl hieß es, vor allem in den sozialen Netzwerken, die Wahl für Hillary Clinton sei eine Wahl für den Krieg. Verstanden habe ich diese Argumentation nicht ganz, denn derjenige, der im Wahlkampf von militärischer Stärke, der Führungsnation und „America First“ tönte, war Donald Trump. Und nun zeigt er, was er damit meint.

Der Jemen gerät immer mehr zwischen die Fronten. Foto: AFP.

Trump will über 50 Milliarden Dollar mehr in das US Militär investieren. Hinzu kommen Drohgebärden in alle Richtungen, die zeigen sollen, Amerika pocht auf seine Vormachtstellung. So fordert der frühere General und jetzige Verteidigungsminister Jim Mattis im Einvernehmen mit den verbündeten Golfstaaten und Saudi Arabien eine verstärkte Einmischung der USA im Jemen. Dort kämpft die saudische Allianz gegen eine vom Iran unterstützte Rebellengruppe. Der Bürgerkrieg im Jemen hat schon weit über 10.000 Menschenleben gefordert, die Versorgungslage der Bevölkerung kann nicht mehr garantiert werden, eine Hungerkatastrophe droht, Tausende von Flüchtlingen versuchen nur wegzukommen aus dem Jemen. Bislang mischten sich die USA nur mit Spezialeinheiten im Anti-Terrorkampf ein. Waffenlieferungen an die Allianz wurden unter Obama nach massiven Bombardierungen gegen die Zivilbevölkerung und Menschenrechtsverletzungen zurück gefahren.

Doch damit soll nun Schluß sein. Mattis fordert ein stärkeres Eingreifen am Golf von Aden, auch und vor allem gegen den Iran, dem Erzfeind Saudi Arabiens. Das Regime in Teheran hatte Donald Trump im Wahlkampf ebenfalls zum erklärten Gegner der USA erklärt. Den Nuklear-Deal mit Teheran, unter Barack Obama ausgehandelt, wischte der Donald als „schlimmsten Deal überhaupt“ vom Tisch. Und auch auf der anderen Seite der Meerenge, in Somalia, intensivieren die Amerikaner ihren Einsatz, der hier noch rein als Anti-Terror Einsatz umschrieben wird.

Die USA unter Donald Trump setzen auf militärische Stärke, die sie auch zeigen wollen. Trump hat sich im Weißen Haus mit so einigen Hardlinern umgeben, die mehr Einsätze von Bodentruppen und Waffenlieferungen fordern. Trump befeuert damit in Wild-West-Manier die Eskalation in den vergessenen Teilen der Welt, auf Kosten der Zivilbevölkerung wird ein Stellvertreterkrieg angezettelt.

Das nennt man parteiübergreifend

Donald Trump zeigt seit fast eineinhalb Jahren, wie man es nicht machen sollte. Der selbstverliebte Milliardär verprellt ganze Wählergruppen, reihenweise Parteimitglieder und vor allem hetzt er gegen den politischen Gegner, Hillary Clinton, mit einem unsäglichen Schmierentheater.

Beste Freundinnen - Laura Bush und Michelle Obama. Foto: Reuters.

Beste Freundinnen – Laura Bush und Michelle Obama. Foto: Reuters.

Dass das auch anders gehen kann zeigten nun die beiden First Ladies Laura Bush und Michelle Obama. Erneut trafen sie sich für eine Veranstaltung, diesmal in Washington, um über Militärfamilien zu sprechen. Das ist eigentlich ein überparteilicher Bereich, der mit dem „We support our troops“ beginnt, über die Unterstützung der Familien der eingesetzten Soldatinnen und Soldaten geht und bis hin zur Versorgung der Veteranen reicht. Dieser Grundsatz ist etwas, was ich in den USA sehr unterstützenswert finde, gerade in einer Demokratie. Wenn ein Parlament entscheidet, seine Armee in einen Kriegseinsatz zu schicken, dann sollten die eingesetzten Soldatinnen und Soldaten auch die Unterstützung und die Ausrüstung erhalten, die sie benötigen. Eine Diskussion über den Sinn und vor allem Unsinn eines Krieges darf nicht auf dem Rücken einer Truppe im Einsatz geführt werden. Natürlich ist dieses „We support our troops“ auch hier oftmals ein hohler Wunsch, aber die Grundaussage stimmt.

Aber zurück zu Laura Bush und Michelle Obama. Beide mögen sich, betonten das auch mehrfach in der Veranstaltung in Washington. „I like this woman“, meinte Michelle Obama über ihre Vorgängerin im Weißen Haus. Und auch Laura Bush erklärte, die beiden seien gute Freunde. Interessanterweise redeten sie nicht über Politik, obwohl dieses Treffen dann doch politisch war. Laura Bush traf sich in der Hauptstadt mit keinem republikanischen Abgeordneten, Senator und schon gar nicht mit einem Vertreter des Trump-Lagers. Auf die Frage eines Reporters, ob sie für Trump stimmen wird, antwortete sie, „Don’t ask me that“. Eine deutliche Aussage.

Und Michelle Obama führte auf der Bühne aus, dass ein „Commander in Chief“ besonnen über jegliche militärische Auseinandersetzung entscheiden muss. „Denn, wenn man Zeit auf einer Militärbasis verbringt und die Männer und Frauen und ihre Familien kennenlernt, dann spricht man nicht mehr über einen Krieg ohne Folgen. Es ist ein ernstes Geschäft und Leben werden für immer verändert. Ich hoffe also, dass jeder Oberbefehlshaber, der die Ehre hat zu dienen, das verstehen würde, dass es hier um Menschenleben geht und dadurch Familien betroffen sind“, so Michelle Obama. Eine klare Harke gegen Trump, der im Wahlkampf schon etliche neue Kriegsfronten eröffnet hat.

Laura Bush und Michelle Obama mögen sich also. Nächste Woche treffen sich die beiden mit ihren Männern an ihrer Seite schon wieder. Dann steht die Eröffnung des „Smithsonian’s National Museum of African American History and Culture“ an. George W. Bush hatte seinerzeit dafür die Baupläne abgenickt.

 

 

Die blutigen Hände des Friedensnobelpreisträgers

Barack Obama wurde mit dem Versprechen ins Oval Office gewählt, zwei Kriege zu beenden. Die militärischen Einsätze seines Vorgängers George W. Bush in Afghanistan und im Irak waren ein Erbe, das seine Präsidentschaft überschatten sollte. Doch Obama wollte kein Kriegspräsident sein, er wollte als Heils- und Friedensbringer in die Geschichte eingehen. Im ersten Jahr seiner Amtszeit wurde er mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet, im letzten Jahr im „White House“ wird nun deutlich, dass er die Kriege nicht beendet und schon gar nicht gewonnen hat. Obama hat nur das Schlachtfeld verschoben. Vor allem weg aus dem Bewußtsein der Amerikaner.

Eine Drohne im Einsatz. Ort und Datum unbekannt. Foto: Reuters.

Eine Drohne im Einsatz. Ort und Datum unbekannt. Foto: Reuters.

In einem lange vom Weißen Haus geforderten Bericht steht nun, dass der siebenjährige Drohnenkrieg der Obama-Administration zwischen 64 und 116 zivile Opfer gefordert hat, und das in keinen „Kriegszonen“, also nicht in Afghanistan, nicht im Irak, nicht in Syrien. Vielmehr wurden die Opfer nur in Ländern wie Pakistan, Jemen, Somalia, Libyen gezählt. Was allerdings in dem Bericht des Weißen Hauses fehlt, sind genaue Angaben über Ort und Datum des jeweiligen Drohneneinsatz. Insgesamt, so heißt es, habe es 473 Drohnenangriffe des CIA und des US-Militärs gegeben, bei denen zwischen 2372 und 2581 fremde „Kämpfer“ getötet wurden.

Allerdings liegen die zivilen Opferzahlen weit unter denen, die unabhängige Beobachtergruppen des Obamaschen Drohnenkrieges zusammen gestellt haben. Die „New America Foundation“ und das „Long War Journal“ berichten von mindestens 219 bzw. 212 zivilen Opfern. Das „Bureau of Investigative Journalism“ spricht sogar von mindestens 325 getöteten Zivilisten. Schwierig ist, all diese Zahlen richtig einzuordnen. Auf der einen Seite die Regierung, die die Angaben des „Collateral Damage“ niedrig halten will und die Untergrenze bei lediglich 64 Zivilisten ansetzt. Militär und CIA geben dabei nach einem Einsatz ohne jegliche Kontrolle die Berichte zu zivilen Opfern und Schaden ab. Eine unabhängige Prüfung dieser Zahlen gibt es nicht, auch ist der Zugang zum zentralen Drohnen-Abschusszentrum im nordafrikanischen Dschibuti Journalisten verwehrt.

Die Gruppen, die den Drohnenkrieg von Präsident Obama dokumentieren, stützen sich auf Aussagen von Zeugen, auf lokale Medienberichte aus den Einsatzorten. Auch diese „Zählung“ weist Fehler auf, wie die unterschiedlichen Opferangaben zeigen. Klar ist nur, dass Barack Obama in seiner Amtszeit, wie die Washington Post schreibt, die „größte und gezielteste Tötungskampagne in der amerikanischen Geschichte“ angeordnet hat. Vielleicht sollte das Nobelkomitee in Oslo in Zukunft ersteinmal die Taten abwarten und nicht so sehr auf die Versprechungen eines Politikers achten.

Aus für den Hummer

30 Milliarden Dollar läßt sich das Pentagon die Neuausstattung seiner Truppe kosten. Der Hummer hat ausgedient, nun kommt das „Joint Light Tactical Vehicle“, ein gepanzertes und hochbewegliches Multifunktionsfahrzeug. Gebaut wird das das Biest von Oshkosh Defense in Wisconsin. Der Vertrag sieht vor, dass die ersten Fahrzeuge bereits 2018 ausgeliefert werden. Insgesamt hat das Pentagon 50.000 Wagen für die Army und 5500 für das Marine Corps bestellt. Oshkosh plant die Produktion bis zum Jahr 2040.

Das "Joint Light Tactical Vehicle" wird den Hummer ablösen. Foto: Oshkosh Defense.

Das variabel einsetzbare „Joint Light Tactical Vehicle“ wird den altgedienten Hummer ablösen. Foto: Oshkosh Defense.

In dem lukrativsten Militärvertrag seit Jahren hat Oshkosh Defense namhafte Konkurrenten, wie Lockheed Martin und AM General, ausgestochen. AM General ist der Produzent des Hummers und hoffte auf einen Folgevertrag für einen neu entworfenen und ausgerüsteten Hummer. Doch das Pentagon war vom Angebot des Wisconsin Unternehmens überzeugt, dass auch auf die neuen Herausforderungen der Kriegsführung mit IEDs und Selbstmordanschlägen eingegangen ist. Die Verlierer überlegen nun Einspruch einzulegen und rechtliche Schritte einzuleiten.

Der Hummer war lange Zeit das Einsatzfahrzeug der amerikanischen Truppen. Eingesetzt bei der Invasion in Panama, im ersten Golfkrieg, dem Bosnien Krieg und dann vor allem in Irak und Afghanistan. Doch das Ungetüm kam mit Problemen, die Panzerung des Wagens war lange Zeit ungenügend. Wie der Vorgänger Jeep wurde auch der Hummer legendär, da auch eine zivile Variante auf den Markt kam. Der Jeep fährt weiterhin durch die Gegend, die Benzinschleuder Hummer ist jedoch fast vollständig aus dem Stadtbild Amerikas verschwunden.

Uncle Sam in Afrika

Burkina Faso, Mali, Niger, Nigeria, Tschad, Zentralafrikanische Republik, Demokratische Republik Kongo, Uganda, Kenia, Südsudan, Äthiopien, Somalia, Djibouti. Das sind die afrikanischen Länder, in denen das US Militär präsent ist, zumindest sind diese Einsätze bekannt. Teils mit Beratern, Ausbildern, mit Spezialkräften und -einheiten, Geheimdienstmitarbeitern, teils, wie in Djibouti mit einer 4000 Mann starken Truppe.

Amerika zeigt nicht gerade offen Flagge in Afrika, doch man spürt, dass die Amerikaner vor Ort sind. Immer mal wieder trifft man irgendwo im Nirgendwo einen Amerikaner, der da eigentlich gar nicht hingehört. Sowohl in West- als auch in Ostafrika fliegen US Drohnen im Kampf gegen islamische Terroristen und Extremistengruppen. Im Grenzbereich DRC/CAR/Uganda/Südsudan unterstützen amerikanische Spezialeiheiten die Suche nach dem Anführer der „Lord’s Resistance Army“, Joseph Kony. Alles streng geheim, gerade auch, weil der Übergang von den Militärangehörigen zu CIA Mitarbeitern fliessend ist.

Doch neben diesen militärischen und geheimdienstlichen Aufgaben ist die US Armee auch im humanitären Bereich aktiv. In den Ebola betroffenen Ländern Liberia, Sierra Leone und Guinea wurden Krankenhäuser errichtet, Infrastrukturmaßnahmen verbessert, medizinisches und logistisches Know-how weiter gegeben. Amerika ist vor Ort, hat mit Africom einen eigenen Schwerpunkt auf den vergessenen Kontinent gelegt. Es geht um nationale Sicherheit, um die Erschließung neuer Märkte, um Ressourcen und auch um humanitäre Hilfe. Aber bei all dem steht Amerika nicht alleine da. Die USA sind nur einer von vielen Spielern am afrikanischen Tisch.

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Selbstmordrate steigt

59.000 Soldaten der amerikanischen Streitkräfte gehören zu Spezialeinheiten, wie den Army Rangers oder den Navy SEALs. Derzeit sind sie nicht nur in Afghanistan und dem Irak, sondern in 84 (!) Ländern im Einsatz. Nun hat Admiral William McRaven, der die Spezialoperationen der US Sondereinheiten leitet, auf ein massives Problem in den Reihen seiner Soldaten hingewiesen. Die Selbstmordrate liegt ungewöhnlich hoch und steigt von Jahr zu Jahr. „Meine Soldaten kämpfen seit 12, 13 Jahren im harten Einsatz. Und jeder, der das miterlebt hat, hat sich verändert. So einfach ist das“, erklärte McRaven auf einer Konferenz in Tampa, Florida.

Harte Zahlen und Statistiken wollten der Admiral nicht vorlegen, denn alles, was diese Spezialeinheiten angeht fällt unter strengste Geheimhaltung. Allerdings weisen die allgemeinen Zahlen der aktiven Militärangehörigen daraufhin, dass im Jahr 2012 350 Soldaten sich das Leben nahmen. Eine ähnliche Zahl liegt für 2013 vor. William McRaven fügte in Florida nur hinzu: „Und dieses Jahr, befürchte ich, sind wir auf dem Weg, diese Zahl zu überschreiten.“

Amerika, das wird immer deutlicher, hat mit den jüngsten Kriegsschauplätzen in Afghanistan, im Irak und dem ausgerufenen „War on Terror“ an der Heimatfront einen Krieg der anderen Art eröffnet. Die Ausmaße dabei sind noch gar nicht zu erkennen und abzuschätzen.

 

 

 

Amerika hat den Krieg im eigenen Land

Wieder eine Schießerei, wieder auf einem US Militärstützpunkt. Das texanische Fort Hood wurde erneut zum blutigen Schauplatz. Schon 2009 wurden an gleicher Stelle von einem US Army Psychologen 13 Menschen erschossen und mehr als 30 verletzt. In der Kaserne zwischen Austin und Waco leben rund 45.000 Soldaten und ihre Angehörigen. Eine Kleinstadt mit allem was dazu gehört. Krankenhaus und Flughafen, Shopping Mall und Kinosäle. Und Soldaten, die von den Kriegen in Afghanistan und dem Irak gezeichnet sind.

Amerika baut in Übersee die Truppenkontingente ab. Zum ersten mal wurden im Monat März keine Militärangehörigen im Einsatz getötet. Das gab Anlass zur Hoffnung auf ein Ende des Krieges. Und nun hat Amerika eine Front daheim. „Post Traumatic Stress Disorder“, kurz PTSD genannt wird die USA noch auf Jahrzehnte hinaus begleiten. Soldaten, die mit Traumata zurück gekommen sind. Zeitbomben, die schlummern. Es muß ihnen geholfen werden, doch das Land ist darauf überhaupt nicht vorbereitet. In den VA Hospitals, den Krankenhäusern für die Veteranen, sind die Schlangen lang. Dokumente und Akten häufen sich in Kellern, immer wieder geben Soldaten frustriert auf, da sie hier keine Hilfe erhalten. Viele wenden sich erst gar nicht an die Spezialisten aus Angst, abgestempelt zu werden. Sie hoffe, die Probleme in schlaflosen Nächten alleine unter Kontrolle zu bekommen.

Der Amoklauf am Mittwoch mit drei Toten, mehr als 12 Verletzten und dem Selbstmord des Todesschützen ist nur der Anfang von dem, was auf Amerika in den kommenden Monaten und Jahren zu kommen wird…falls nicht gehandelt wird. Und danach sieht es nicht aus. Es fehlt schlichtweg das Geld um eine breite Versorgung der Veteranen zu garantieren. Und es passt irgendwie nicht in das Bild der mutigen Helden an der Kriegsfront, dass gebrochene Männer nach Hause kommen, nachts nicht schlafen können, mit Alpträumen und Schuldgefühlen aufwachen, depressiv sind, weinen, sich leer fühlen, keinen Sinn mehr im Leben sehen. Amerika muß handeln, bevor es zu spät ist.

Gesetzestreue in Juarez

Nach einem Interview an der Universität in El Paso ging es wieder rüber nach Juarez. Die Stadt hat einen Reiz, auch wenn man als Besucher nicht ganz begreift, wie man sagen kann “I love this city”. Noch viel mehr Ladenfronten als im letzten Jahr sind vernagelt, Häuser herunter gekommen, verwahrlost, am Einstürzen. Dann die allseits präsente und schwerbewaffnete lokale und Bundespolizei, dazwischen immer wieder Militär. Die schönen Tage von Ciudad Juarez sind längst verblasst.

Und dann ging es mit dem jungen Reporter einer Lokalzeitung durch die Stadt. Der 22jährige erzählt von seiner Arbeit, seinen Erlebnissen, berichtet vom Leben diesseits und jenseits der Grenze. Vor kurzem mußte er nach El Paso übersiedeln, nachdem er von der Bundespolizei entführt worden war. Zuvor hatte er einen Artikel über die Verflechtungen der Polizei mit den Drogenkartellen veröffentlicht. Kein Spaß, Luis zog sich erst einmal zurück.

Nach all den Interviews in El Paso und Ciudad Juarez schaut man die patroullierende Polizei ganz anders an. Den Schupos vertrauen hier die wenigsten, ich schließe mich da gerne an. Die noch im letzten Jahr überall zu findenen Flugblätter von verschwundenen Frauen, die damals noch an jedem Lichtmast und Telefonhäuschen hingen, sind fast vollständig verschwunden. Auch die rosa Kreuze auf einem Grundstück, auf dem die Leichen von zehn Frauen gefunden wurden, sind nicht mehr da. Es scheint fast so, als ob Juarez nicht in aller Öffentlichkeit an die Gefahr und die Frauenmorde erinnert werden will. Nach den Interviews mit dem Bürgermeister und dem Bischof wundert einen gar nichts mehr.

Doch man kann auch lachen in Juarez. Im Kentucky Club auf der Avenida Benito Juarez hängen die gesetzlich vorgeschriebenen Nichtraucherzeichen, doch niemand stört sich daran. Es wird gequalmt. Auf die Frage, warum man das hier darf, bekommt man nur ein Lachen. Ja, es wäre wohl eher sehr seltsam, wenn ausgerechnet dieses gutgemeinte Gesetz in Juarez eingehalten werden würde – Rauchen kann tödlich sein!