The sky is the limit

Ausverkauf in San Francisco und der Bay Area. Die regionale Wirtschaft boomt, das merkt man jeden Tag, wenn man hier auf den Straßen unterwegs ist. Die Autobahnen sind überfüllt, Strecken, für die man vorher eine halbe Stunde brauchte, können jetzt bis zu eineinhalb Stunden dauern. Wer von außerhalb nach San Francisco will, sollte Zeit mitbringen. Einige der schlimmsten Staubereiche im Bundesstaat und im Land findet man hier in der Bay Area.

Für etwas mehr als eine Million Dollar auf dem Markt, für 2,35 Millionen Dollar verkauft.

Für etwas mehr als eine Million Dollar war dieses Haus im Mission Distrikt auf dem Markt, für 2,35 Millionen Dollar wurde es verkauft.

Viel Zeit geht also auf den Straßen verloren, wenn man hier leben will. Einige, die direkt in San Francisco wohnen wollen, müssen dafür tief in die Tasche greifen. Rund 60 Prozent des Einkommens geht bei vielen für die Miete drauf. Mittlerweile zahlt man 3600 Dollar und mehr für eine Einzimmewohnung. Wer derzeit freien Mietraum hat, erlebt eine Goldgräberstimmung in San Francisco. Denn die Preise sind nach oben hin offen.

Genauso verhält es sich mit Grundstückspreisen. Kaum noch bezahlbar sind Häuser, egal in welchem Zustand sie sind. Bestes Beispiel das Anwesen 3658-3660 18th Straße, in der Nähe der Dolores Street im Herzen der Mission Gegend. Lange Zeit wurde der Mission Distrikt als Kreuzberg San Franciscos beschrieben. Doch das ist Vergangenheit. Der Preis für das Doppelhaus wurde mit 1.099,000 Dollar angegeben, doch gleichzeitig wurde darauf hingewiesen, dass man einen Fachmann zur Besichtigung mitbringen sollte, denn es würden erhebliche Baumaßnahmen anfallen. Eigentlich muss der ganze innere Bereich entkernt und saniert werden. Unvorstellbar deshalb, dass das Haus nun für 2,35 Millionen Dollar verkauft wurde. Das sind mehr als 100 Prozent über dem Angebotspreis. Mehre Hunderttausend Dollar muß der zukünftige Besitzer nun noch in das Haus investieren. San Francisco wird zu einer Stadt der Superreichen. Wer hier noch leben, wer die Preise noch bezahlen kann – und will – der hat es wohl finanziell geschafft. Unterdessen geht die soziale Schere in der City by the Bay weiter auf.

San Francisco “on sale”

San Francisco durchlebt derzeit erneut eine Verteuerungswelle. High Tech Firmen ziehen gut bezahlte Arbeitnehmer an, die Mieten steigen überall und Vermieter wollen natürlich beim Reibach dabei sein. Und wo das nicht möglich ist, wird eben ein bißchen nachgeholfen. Scheckbuchdiplomatie könnte man so etwas auch nennen.

Seit 24 Jahren schon lebt die Reyes Familie in ihrer Wohnung im Mission Distrikt der Stadt. Monatlich zahlen sie 549 Dollar Miete, das ist so gut wie nichts in San Francisco. Die Wohnung unterliegt der “Rent Control”, dem Mieterschutz vor zu großen Mietpreiserhöhungen. Nun hat der Vermieter ein Angebot auf den Tisch gelegt, für 50.000 Dollar sollen die Reyes aus ihren vier Wänden ausziehen. Das ist ganz legal und kommt immer wieder vor. Nur die Anzahl solcher Fälle hat sich in den letzten Jahren deutlichst erhöht. Früher waren es vielleicht zwei, drei Fälle im Jahr, erklärt die “San Francisco Tenants Union”, der lokale Mieterschutzbund. Seit 2006 hat sich das jedoch drastisch verändert. Mehr als 900 Fälle sind der “Union” bekannt, die Dunkelziffer liegt noch weitaus höher. Der Anreiz für Vermieter ist hoch, Mieter mit Mieterschutz aus ihrem Vertrag zu kaufen. Denn nach dem Auszug kann die Miete ganz neu angesetzt werden. Eine Wohnung, wie die der Reyes, die heute 549 Dollar im Monat kostet, würde dann nicht unter 2500 Dollar und mehr zu haben sein.

San Francisco erlebt derzeit eine neue Welle der Gentrifizierung, die die “City by the Bay” in ihren Grundfesten verändern wird.