Die Heiligsprechung des Junípero Serra

Wer durch Kalifornien reist, kommt an diesem Namen nicht vorbei. Es gibt Junípero Serra Boulevards, Junípero Serra High Schools und Junípero Serra Squares. Und dann sind da noch die Missionen von San Diego bis nördlich von San Francisco, die von dem spanischen Jesuiten im 18. Jahrhundert gegründet wurden. An acht der Missionen war Serra beteiligt. Er brachte den Katholizismus nach „Neu Spanien“, vom heutigen Baja California bis hoch nach Nordkalifornien.

Junípero Serra war umstritten, seine harte und brutale Art, auch gegen sich selbst, war bekannt. Serra missionierte die „Wilden“ im amerikanischen Westen, war darüberhinaus der Inquisator für Spanien in der Region. Nun will Papst Franziskus ihn in Washington heilig sprechen. Das ist umstritten, denn viele „Native Americans“ sehen in Junípero Serra den Vertreter einer Gewaltherrschaft, die ihre Nationen zugrunde richtete. Sie haben kein Verständnis dafür, dass dieser Mann, der mit aller Härte sein Ziel der Missionierung verfolgte, nun als Heiliger verehrt werden soll. Doch Proteste und Briefe an den Vatikan halfen nichts. Junípero Serra wird am morgigen Mittwoch vom Papst diese besondere Ehre der Katholiken erhalten.

Die Kunst als Opfer

Es ist mal wieder soweit. San Francisco, die Stadt am Golden Gate wird vergoldet. Ende der 90er Jahre erlebten wir hier schon einmal das Ausbluten der Kunst- und Kulturszene. Der High Tech Boom brachte viel Geld, neue Jobs und vor allem astronomische Mieten mit sich. Künstler, Musiker und Kulturschaffende aller Art wurden immer mehr verdrängt. Erst in die Stadtteile am Rande der Metropole, dann über die Bay nach Oakland. Etliche von ihnen zogen sogar ganz weg aus der Region. Viele tauchten wieder in Berlin auf.

Und nun wiederholt sich das ganze. In Downtown San Francisco erlebt man derzeit ein Galeriesterben. Eine nach der anderen Galerie macht dicht. Das liegt nicht am mangelnden Interesse an Kunst. Ganz im Gegenteil, San Francisco ist eine Kunstmetropole. Vielmehr breiten sich die Dot.com Firmen erneut aus, es ist wieder viel Geld im Umlauf, eine neue Blase wird heran gezüchtet. Die Vermieter merken das, denn Büroflächen werden rar in der Stadt. Es ist mittlerweile normal geworden, dass Mieten Jahr für Jahr um bis zu 180 Prozent steigen. Neue Goldgräberzeiten sind angebrochen, da verdienen so einige Hauseigentümer einen erheblichen Rentenzuschlag fürs Nichtstun. Die Internetfirmen können sich die steigenden Mieten leisten, sie vergrößern sich derzeit sogar noch. Für Galerien und Kultureinrichtungen in Downtown ist damit jedoch das Ende angebrochen. Sie können sich solch einen Mietwucher nicht länger leisten und ziehen sich zurück, suchen neue Möglichkeiten, Flächen, Ladenräume.

Doch auch in Stadtteilen, wie dem Mission Distrikt oder Portreo Hill sind die Mieten in der jüngsten Zeit in astronomische Höhen gestiegen. San Francisco verliert erneut im aktuellen Boom ein Stück von dem, was das Leben in dieser beeindruckenden Metropole ausmacht – die kulturelle Vielfalt, ein lebendiges Gemisch aus Hoch- und Subkultur.

San Francisco wird vergoogelt

Das hatten wir schon mal. Als ich 1992 für ein Jahr in San Francisco lebte gab es unzählige von Kneipen, Clubs und schrägen Galerien. Die Mission Gegend war ein Zentrum der Subkultur. South of Market war ein Problemgebiet. Drogensüchtige, Obdachlose, Straßenprostitution und zwischendrin immer mal alte Garagen und Werkstätten, in denen Theatergruppen auftraten oder Kunstgruppen ihre Sicht der Dinge präsentierten.

Das gab es auch noch als ich Mitte 1996 ganz in die Bay Area übersiedelte. Auf kleinen Bühnen in irgendwelchen Spelunken spielte immer irgendein Musiker oder trug ein Feierabendpoet seine teils guten, teils grottenschlechten Gedankenergüsse vor.

Der große Einschnitt kam so 1999, als im Silicon Valley die Welt neu erfunden wurde. Hipster und Napster, Jungprogrammierer und Weitdenker kamen. Mit ihnen das Geld. Viel Geld. San Francisco veränderte sich. Damals sagte mir einer, der ganz nah an der Subkultur der „City By The Bay“ war, die Stadt verliere ihre Seele. Vermieter kündigten ihren Mietern, um die gleiche Wohnung für ein mehrfaches an Dollar neu anzubieten. Apartmenthäuser wurden abgerissen, um sündhaft teure Lofts zu bauen. Alles, was nicht niet- und nagelfest war mußte weichen. Bürozentren und akzeptabler Wohnraum für die Cyber-Visionäre mußte her. Interessanterweise zog es viele von hier nach dort. Über die Bay nach Oakland und noch weiter nach Berlin. Dort gab es noch bezahlbare Freiräume und Möglichkeiten für Kulturschaffende.

Mit dem Platzen der High Tech Blase nach ein paar Jahren erlebte die Subkultur in San Francisco einen neuen Frühling. Irgendwie lief es wieder, es war wieder einiges möglich. Doch das ist nun auch wieder vorbei. Exklusive Restaurants, Food Trucks mit Essen aus aller Herren Länder, Tee- und Kaffeeläden mit ihren Soja-Lowfat-gut geschüttelt, dreimal umgerührt und koffeinfreien Heißgetränken…es geht wieder los. Und dann sind da die großen Firmen des Silicon Valleys: Google und Facebook, Apple und Genentech und all die anderen. Sie karren Tag für Tag ihre Arbeiter mit Superluxusbussen und WiFi Zugang von San Francisco zum Arbeitsplatz.

Nun haben Demonstranten einfach die Sache mal in die eigene Hand genommen und kurzerhand genau diese Busse blockiert. An den öffentlichen Haltestellen wohlgemerkt, wo sich die Firmen quasi eingekauft haben und an denen nun ihre Busse zur An- und Abfahrt ansteuern dürfen. Den Protestlern ging es um ein Zeichen, Aufmerksamkeit, was gerade in San Francisco passiert. Die Stadtteile verändern sich wieder, der Mietraum wird teurer, wieder ziehen Leute weg, die es sich nicht mehr leisten können. Und nun wird sogar der öffentliche Raum von den High Tech Giganten für ihre Zwecke genutzt. Genug scheint wohl dann auch mal genug zu sein. Immerhin kann man solche Proteste ja gut über die Social Networks von heute organisieren.

Made In USA ist „in“

Made in USA     

Seit Anfang der 90er Jahre verfolge ich intensiv, was in den USA vor sich geht. Ein Trend wurde dabei immer deutlicher, die amerikanische Konsumgesellschaft hatte das Motto „Geiz ist Geil“ verinnerlicht. Mit Preisen, die schon lächerlich waren, mit Aktionen „Buy one, get one free“, oder mit „Buy now, pay later“ wurden die Käufer angelockt. Es mußte immer billiger sein, die Gewinne für die Aktionäre dagegen immer höher. Das konnte nur mit einer Verbilligung der Produktion erreicht werden.

Also setzte man auf das „Outsourcing“, sprich man verlagerte die Produktionsstätten von Ohio bis Alabama, von Pennsylvania bis Texas kurzerhand über die Grenze nach Mexiko. Denn dort ließ es sich deutlich billiger produzieren. Als die fünf Dollar Tageslohn für eine Arbeiterin und einen Arbeiter für die US Firmen zu viel wurden, zog man weiter. Guatemala, Ägyypten, China, Vietnam…

Was vor ein paar Jahren noch undenkbar war, trifft nun jedoch ein. Dank aufgeschlossener Käufer, die wieder auf Qualität, auf gerechte Bezahlung, auf Umweltverträglichkeit setzen. Immer mehr Firmen spüren den Druck und die Nachfrage nach Produkten „Made in USA“. Apple, Google und andere wollen wieder mehr in den Produktionsstandort USA investieren. Doch was viel interessanter ist, im Laufe der letzten zwei Jahre haben sich unzählige kleine Unternehmen gebildet, die den neuen Trend der Zeit erkannt haben. Sie produzieren vor Ort und bieten ihre Produkte direkt und ohne Umwege über Groß- und Einzelhandel den Käufern an. Das Online Shopping ist nicht nur für den Marktriesen amazon interessant. Zwar kosten die lokal und regional produzierten Artikel mehr, doch es gibt in den USA wieder eine Alternative für Konsumenten, die lange Zeit nicht mehr existierte.

Eine dieser „Start-up“ Firmen habe ich diese Woche im Mission Distrikt von San Francisco besucht. American Giant ist eine junge Bekleidungsfirma, gerade mal ein Jahr alt. Doch schon jetzt wird das Kleinunternehmen in höchsten Tönen gepriesen. American Giant produziere das „beste Sweat Shirt aller Zeiten“, hört man immer wieder. Und verkauft wird nur über die eigene Webseite.

Ich sprach mit American Giant Gründer Bayard Winthrop über seine Firma und den neuen Trend „Made In USA“. Dazu der aktuelle Audiobeitrag.

Fahrradsturz mit Folgen

Astronaut Timothy KopraNASA hat gestern bekannt gegeben, dass Astronaut Timothy Kopra nicht an der geplanten Discovery Shuttle Mission teilnehmen wird, die am 24. Februar starten sollte. Der Grund, Kopra stürzte in der Nähe seines Hauses in Houston vom Fahrrad und hat sich, laut ABC News Houston, die Hüfte gebrochen.

Die Frage kam auf, ob er denn einen Helm getragen habe…die Antwort „Natürlich, man er ist ein Raketenwissenschaftler“.

Der Astronaut Stephen Bowen wird seinen Platz auf der Weltraummission einnehmen.

Die Straßen von San Francisco

Scotty, Mike und Moe haben mir heute Abend mal San Francisco von einer anderen Seite gezeigt. Die drei sind Mitglieder der „Gang Unit“ des SF Police Departments. Nach einem Burger ging es erstmal mit einem Zivilwagen zum General Hospital. Dort wurde ein Verwundeter mit Schussverletzung eingeliefert. „Wenn du jemals eine Schussverletzung hast, lass dich hierhin bringen. Das sind die besten auf dieser Seite des Mississippis“, meinte Moe zu mir. Gut zu wissen! Die Ärzte, Krankenschwestern und allerlei Auszubildende schauten sich interessiert das Röntgenbild an. Darauf die Kugel im linken Lungeflügel. Scotty und Moe wollten den Angeschossenen zur Tat befragen, aber der kriegte kaum Luft und irgendwie wollte der auch nicht reden. Auf der Strasse löst man Probleme und Streitigkeiten einfach anders. Vor dem Krankenhaus standen schon ein paar Kumpels des Verletzten, die sich über seinen Zustand informierten.

Vom General Hospital ging es durch den Mission Distrikt nach Bay View Hunters Point, zwei Krisenstadtteile mit Gang Aktivitäten. Alle drei erzählten von ihrer Arbeit, beantworteten Fragen, zeigten da und dorthin. „Scotty verfährt sich immer“, lachte Mike. „Ich darf ja nie fahren“, meinte der. An einer roten Ampel brauste auf einmal ein weisser Ford Taurus rechts vorbei. Also hinterher. Nach 200 Metern wurde der mit Lichtsignal zum Anhalten aufgefordert. Alle drei stiegen aus, ihre „Badges“ sichtbar. Moe kam von rechts, Scotty von links die Knarre an der Hüfte griffbereit machend. Mike blieb etwas entfernter stehen. Und der Reporter durfte aus dem Auto zusehen. Nach ein paar Minuten kamen sie zum Wagen zurück. „Wir haben ihn nur verwarnt, alles kein Ding“, die drei waren wirklich nur auf Gangjagd. Und dann lachten sie drauflos. „Scotty hat den Fahrer gefragt, ob das neben ihm seine Mutter ist“, Moe kriegte sich nicht mehr ein. „Die sah aber auch alt aus“, verteidigte der sich. „Man das war seine Freundin, die war höchstens 25“, meinte Mike.

Und weiter ging die Fahrt…im Schritttempo durch die Mission Gegend, durch kleine Nebenstrassen. Die drei zeigten auf Graffiti, erzählten von verschiedenen Aktivitäten an dieser und jener Strassenecke, berichteten von Mord, Schiessereien, Überfällen. Schliesslich ging es zurück ins Präsidium, wo Scotty mir noch verschiedene Bilder und Videos von Gangs und Gangmitgliedern in der Stadt zeigte. Die Gewaltbereitschaft hat zugenommen. San Francisco hat sich seit den Zeiten der berühmten Fernsehserie mehr als nur verändert.

Hier noch ein von Gangmitgliedern selbst produziertes Video aus dem Mission Distrikt:

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