Alle sind gleich, nur Weiße sind gleicher

Während die Republikaner einen angst und bange Wahlkampf führen, wollen sich die Demokraten ins rechte Licht rücken. Sie gehen auf Stimmenfang auf dem Rücken von Michael Brown, dem 18jährigen, unbewaffneten Jugenlichen aus Fergusson, der von mehreren Polizeikugeln erschossen wurde. Direkt in Ferguson versuchen die Demokraten schwarze Wähler zu registrieren. In den USA muss man sich als Wähler in Listen eintragen lassen, um an Wahlen teilzunehmen. Das machen nicht viele. Bei der letzten Wahl im April 2014 wurde der Bürgermeister von Ferguson mit gerade mal 1314 Stimmen wiedergewählt. Die Wahlbeteiligung lag bei nur 12 Prozent.

Bei einer Protestveranstaltung greift ein Jugendlicher mit einer Fahnenstange den schwarzen Anwalt und Bürgerrechtler Ted Landsmark an. Das Foto wurde 1976 mit dem Pulitzer Prize ausgezeichnet.

Bei einer Protestveranstaltung greift ein Jugendlicher mit einer Fahnenstange den schwarzen Anwalt und Bürgerrechtler Ted Landsmark an. Das Foto von Stanley Forman wurde 1976 mit dem Pulitzer Prize ausgezeichnet.

Die Demokraten sehen nun ihre Chance. Nicht nur in Ferguson, sondern auch in anderen Städten. Doch die Vorfälle in Ferguson werden im Wahlkampf ausgenutzt. Zweidrittel der Bevölkerung dieser nun bekannten Kleinstadt in Missouri sind Afro-Amerikaner, nur eine verschwindende Minderheit von ihnen ging wählen. Der Bürgermeister ist ein Weißer, fünf der sechs Stadträte sind Weiße. Daneben sind viele der weiteren gewählten Amtsinhaber Weiße. Damit geht die Präsidentenpartei nun auf Stimmenfang, so, als ob die tödlichen Schüsse auf Michael Brown mit einem schwarzen Bürgermeister und einer schwarzen Mehrheit im Stadtrat verhindert hätten werden können.

Man muß sich schon fragen, wer hinter solchen irrsinnigen Wahlkampfkampagnen steckt. Denn auch schwarze Bürgermeister, Staatsanwälte, Polizeichefs und Ratsmitglieder, ja sogar ein schwarzer Präsident, konnten bislang in den USA den alltäglichen Rassismus nicht austreiben. Weder in Ferguson, noch in Oakland, nicht in San Francisco, Chicago, Detroit, New Orleans und vielen anderen Städten und Gemeinden. Die Vorkommnisse in Ferguson haben nur einmal mehr veranschaulicht, dass in Amerika einiges im argen liegt. Der politische Wille, dies radikal und grundlegend anzugehen, fehlt jedoch. Und das in beiden Parteien. Es bleibt also dabei: Alle sind gleich in Amerika, nur Weiße sind gleicher.

 

Die offene Wunde Amerikas

Schwarze in Amerika     
Unruhen in Ferguson, Missouri.

Unruhen in Ferguson, Missouri.

Die Unruhen in Ferguson sind kein Einzelfall in den USA. Ganz im Gegenteil, sie werfen ein Licht auf ein großes Problem, das allzu gerne in Amerika übersehen wird. Die Benachteiligung und die Ungleichheit von Afro-Amerikanern. 50 Jahre nach der Bürgerrechtsbewegung hat sich für einige Teile der amerikanischen Bevölkerung nicht viel geändert. Interessanterweise ist Amerika selbst über das Offensichtliche im Land gespalten. Nahezu 65 Prozent der Republikaner sehen in den Ereignissen in Ferguson kein „Rassenproblem“. Demokraten hingegen meinen mit einer Zweidrittelmehrheit, dass die Unruhen in der Kleinstadt durchaus etwas mit einer Ungleichbehandlung von jungen Schwarzen zu tun habe. Und nicht nur das, wie Professor Howard Pinderhughes von der „University of California“ in San Francisco (UCSF) erklärt, wer eine schwarze Hautfarbe in den USA hat, ist von vornherein verdächtig.

Dazu der aktuelle Audiobericht.

21, 22, 23

John Winfield, John Ruthell Henry und Marcus Wellons wurden hingerichtet.

John Winfield, John Ruthell Henry und Marcus Wellons wurden innerhalb von 24 Stunden hingerichtet.

Drei Hinrichtungen innerhalb von 24 Stunden. In den USA wird weiter exekutiert, da helfen keine internationalen Proteste, da helfen keine Gnadengesuche, da hört man auch nicht auf die Stimme des Papstes. Es waren die ersten Hinrichtungen nach der Skandalexekution von Clayton Lockett am 29. April in Oklahoma. Lockett verstarb nach einem dreißigminütigen Todeskampf an einem Herzinfarkt.

In Missouri, Georgia und Florida starben John Winfield, John Ruthell Henry und Marcus Wellons durch Giftinjektionen. Alle drei hatten Morde mit besonderen Umständen begangen, in 32 Bundesstaaten bedeutet das die Todesstrafe. Derzeit warten 3085 Gefangene in den Todestrakten der USA auf ihre Hinrichtung. Die größte „Death Row“ mit 741 Insassen befindet sich in Kalifornien. Dort ist noch nicht absehbar, wann die nächsten Exekutionen durchgeführt werden. In den USA wurden in diesem Jahr bereits 23 Menschen hingerichtet.

Totgesagte haben Flügel

„Totgesagte haben Flügel“ singen die Münchner Megaherz in einem Song. Und das traf am Dienstag wohl auf Rick Santorum zu. Da wurde er schon abgeschrieben und dann gewinnt er die republikanischen Vorwahlen in Minnesota, Missouri und Colorado. Megaharte Breitseite für die Kontrahenten Mitt Romney und Newt Gingrich. Santorum is back and in full force. Der Saubermann im GOP Lager zieht mit seiner Message gegen Obamacare, gegen Abtreibung, gegen Homo-Ehe, gegen Waffenkontrolle, gegen…. immer mehr Konservative an.

In Minnesota und Colorado fiel vor allem die geringe Wahlbeteiligung auf. In Missouri dagegen war die Wahl eigentlich für die Tonne, denn hier gab es keine Delegiertenstimmen zu gewinnen.

An diesem Wahlabend gibt es durch den Wahlsieg von Rick Santorum gleich zwei große Verlierer. Der gegelte und immer ein bißchen arrogant wirkende Mitt Romney, der nach seinem Sieg in Florida schon vom sicheren Einkauf Weißes Haus träumte. Und Newt Gingrich, der sich seit South Carolina als der einzig wahre konservative Kandidat im Rennen präsentierte und nun mitansehen muß, dass ein anderer diese Rolle im „Heartland“ Amerikas erfolgreich übernimmt.

Rick Santorum hat nun mit der Wahl in Iowa schon vier republikanische „Primaries“ gewonnen. Er kann durchaus darauf verweisen, dass er der einzige Kandidat ist, der das konservative Amerika anspricht, da wo christliche Werte zählen, wo man sich keinen Wahlsieg erkaufen kann. Santorum ist im Moment obenauf und das, obwohl er insgesamt gerade mal die Hälfte der Wählerstimmen auf sich vereinen konnte, die Romney hat. Und auch Gingrich hat bereits über 300.000 Stimmen mehr erhalten als Santorum. Das ist ja das Irre bei amerikanischen Wahlen, nicht wer die meisten Wählerstimmen erhält wird Kandidat (oder wie im Jahr 2000 Präsident), sondern der, der den geschicktesten Wahlkampf führt und die Resourcen am klügsten einsetzt.

Romney und Gingrich haben nun Probleme. Es wird immer deutlicher, dass Mitt Romney die republikanische Basis mit seinem Wahlkampf nicht erreicht. Man glaubt dem früheren Gouverneur von Massachusetts einfach nicht, dass er ein Konservativer ist, der für christliche Werte steht. Und „Former Speaker of the House“ Newt Gingrich verliert immer mehr an Boden. Er ist zwar konservativ aber hat aufgrund seiner langen politischen Jahre in Washington zu viele Leichen im Keller. Und auch er kommt bei der christlichen Basis nicht an, die sich fast geschlossen hinter Santorum vereint hat. Ron Paul ist auch noch da, aber ohne finanzielle Mittel, ohne breite Unterstützung, ohne irgendwelche nennenswerte Erfolge. Abgeschlagen am Ende.

Die niedrige Wahlbeteiligung bei diesen Vorwahlen sollte allerdings der GOP Führung zu denken geben, denn damit wird deutlich, dass eigentlich kein Kandidat die Parteireihen schließen kann. Egal wer es am Schluß sein wird, in einen Kampf ums Weiße Haus wird ein angeschlagener und schwacher GOP Kandidat ziehen.

Aus die Maus

So schnell kann es gehen. Howard war on-air auf KUSF, San Francisco, und um Punkt 10 Uhr gab es nur noch ein Rauschen im Senderwald. Von einer Minute auf die andere und ohne Vorankündigung kappte die University of San Francisco die Verbindung. KUSF, einer der bedeutendsten Collegesender in den USA, ist nicht mehr. Nach 34 Jahren kam das plötzliche Aus. Hebel umgelegt und Ruhe ist.

Das zumindest dachten sich die Verantwortlichen der katholischen Universität, die die Sendelizenz für die UKW Frequenz 90,3 an das „Classical Public Radio Network“ verkauften, für schlappe 3,75 Millionen Dollar.

KUSFKUSF war immer mehr als nur ein Collegesender. Die Station verfolgte von Anfang an das Ziel auch für die „Community“ da zu sein. Viele Fremdsprachenprogramme, von polnischen bis armenischen Sendungen, konnte man hier hören. Daneben Theater- und Filmprogramme, Shows für Senioren und schwule Christen, für Tierliebhaber und Tech-Freaks. Ganz zu schweigen von der musikalischen Bandbreite, die hier ausgeschöpft wurde. Nicht umsonst nannte man sich „Freeform Radio“, also ein Sender voller Freiheiten, die sich die DJs auch nahmen. Von Rock bis Industrial, von Country bis Electronica, von Hip Hop bis Avantgarde…auf KUSF war alles möglich und alles machbar innerhalb von einer Stunde. Und die Bilderwand der KUSF Gäste dokumentierte das auf schöne Weise. Da waren von Kurt Cobain bis Tom Waits und Blixa Bargeld von den Einstürzenden Neubauten alle versammelt.

Nun also soll damit Schluß sein, doch noch wollen die Ehrenamtlichen, Hörer und Unterstützer dieses einzigartigen Senders in San Francisco nicht aufgeben. Für morgen ist eine Demo und ein Campusbesuch geplant. Und wer will kann sich auch aus Deutschland mit einer Protestnote an den Präsidenten der University of San Francisco wenden: Rev. Stephen A. Privett – president@usfca.edu . Wer sich jetzt wundert, warum man sich in Nürnberg um einen Sender in San Francisco kümmern sollte, dem sei gesagt, dass über KUSF viele lokale und regionale Bands im Programm „Radio Goethe“ liefen: Fiddler’s Green, J.B.O., Merlons, Robocop Krauss, Missouri, Shiny Gnomes, Klaus Brandl & Chris Schmitt, Dan Reeder, und und und…. Über die 90,3 fm wurde in der nordkalifornischen Metropole seit rund 14 Jahren für die Frankenmetropole geworben. Eine kleine Mail ist das doch wert!

Ich hatte am Sonntag die letzte Spotlight Sendung mit einem deutschen Thema. Kann man hier hören.

Und hier die Facebook Seite zur KUSF-Rettung

Der Wilde-Wilde Westen

Heute vor 150 Jahren wurde ein Stück Geschichte im Wilden Westen geschrieben. Der erste Pony Express machte sich am 3. April 1860 auf den Weg von San Francisco nach St. Joseph, Missouri. Zehn Tage dauerte der Ritt, der Post und Nachrichten vom Westen in den Osten und zurück brachte. „Wir stoppten für nichts“, meinte damals einer der Reiter.

Der Pony Express lief auf dem heutigen Highway 50 entlang. Durch die Steppe, die Wüste, über die Rocky Mountains, durch Hitze und Kälte. Doch der Pony Express, gefeiert wie er auch war, überdauerte gerade mal 18 Monate. Denn dann wurde die amerikanische Westküste ans Telegrafennetz angeschlossen. Die Nachrichten flossen danach via Drahtbotschaft von Ost nach West und zurück.

Pony Express

Auf dem Bild ist der einsame Reiter zu sehen und rechts die Arbeiter des Telegrafennetzes.

Der Kreis schliesst sich

…irgendwie zumindest. In diesen Tagen bekam ich die Nachricht, dass der Bundeswehrsender „Radio Andernach“ ab April mein Programm „Radio Goethe“ übernehmen wird. Und das freut mich sehr, auch wenn das mit mehr Arbeit für mich verbunden ist, denn ich werde fortan eine Sendung auf Deutsch moderieren müssen, die dazu auch noch etwas mehr „Mainstream“ klingen wird. Also mehr Pop und Rock, anstelle von Industrial und Electronica. Aber ich bin begeistert „Radio Goethe“ so zu präsentieren und den deutschen Soldaten, die im Ausland eingesetzt sind, eine vielseitige Musiksendung zu bieten. Ich bin gespannt auf diese neue Erfahrung und freue mich auf Rückmeldungen aus den Einsatzgebieten. Und der Kreis schliesst sich für mich, denn meine Liebe zu Amerika wurde durch das Hören von AFN Nürnberg geweckt, Armed Forces Network, dem Sender der amerikanischen Streitkräfte. Jeden Sonntag sass ich da und hörte die Charts „American Top 40“. Später dann, als ich als Morgenreporter für Radio Gong Nürnberg mit dem Gong Corsa unterwegs war, beschwerten sich meine Kollegen immer wieder, dass ich „Fremdsender“ höre, also keine Funkhaussender, denn ich liebte das Morgenprogramm von AFN. Nach dem Umzug von AFN in die US-Kaserne in Fürth besuchte ich Derby-D in der Sendung und war von seinem lockeren Moderationsstil begeistert. „Hey, what’s up in B-Berg“ begrüßte er einen Hörer aus Bamberg am Telefon, bevor er den neuesten Alternative Rock Song ankündigte.  Und „Radio Andernach“ ist für mich nichts neues. Mein Freund Ramon Montana, ebenfalls früher im Funkhaus Nürnberg tätig, war eine zeitlang Station Voice für den Sender. Von daher wusste ich von der Existenz und war neugierig, was er berichtete. Und irgendwann schrieb ich den Sender an und bot ihnen „Radio Goethe“ zur Übernahme an. Mit einigen Veränderungen im Programm und Aufbau der Sendung kann es nun also los gehen. Ich bin begeistert und hoffe, hin und wieder auch ein paar Nürnberger Bands mit ins Programm einzubauen….aber sicher doch, Fiddler’s GreenFadeRobocop KrausMissouri oder auch die Shiny Gnomes passen bestimmt….