Das nennt man dann einen Wendehals

Es ist schon erstaunlich, was da in der republikanischen Partei vor sich geht. Donald Trump wurde im Laufe des Wahlkampfs von allen Seiten kritisiert, auch vehement aus den eigenen Reihen. Marco Rubio nannte ihn einen „Hochstapler“, Ted Cruz  einen „wehleidigen Feigling“ und einen „notorischen Schürzenjäger“, Chris Christie bezeichnete Trump als einen „Entertainer in Chief“ und schlimmer als Präsident Obama. Das war im Wahlkampf, danach kamen die Lobeshymnen. Die Gute-Laune-Stimmung wurde aufgesetzt. Rubio, Cruz und Christie sind nun wie so viele einstige Kritiker im Trump-Lager.

Vom schärfsten Kritiker zum Speichellecker, Mitt Romney ist nun für Donald Trump. Foto: Reuters.

Vom schärfsten Kritiker zum Speichellecker, Mitt Romney ist nun für Donald Trump. Foto: Reuters.

Mitt Romney war einer der lautesten Angreifer von Donald Trump. Der Nicht-Kandidat bezeichnete den Kandidaten Trump als Schande für die USA, der Frauen erniedrige und dem Bild Amerikas in der Welt Schaden zufüge. Auch überlegte Romney noch spät ins Rennen einzusteigen, um den Wählerinnen und Wählern eine Alternative zu bieten. Romney kritisierte Trump bis zum bitteren Ende, dem Wahltag.

Doch davon ist nichts mehr zu hören. Über Nacht scheint sich das Bild Donald Trumps für Mitt Romney gewandelt zu haben. Der frühere Gouverneur von Massachusetts, einstiger Präsidentschaftskandidat und superreicher Mormone will von seinen kritischen Worten nichts mehr wissen. Trump hat ihn nämlich auf die „Short List“ für den Posten des Außenministers gesetzt. Nach den ersten beiden Treffen zwischen Trump und Romney erklärte dieser, er sei tief bewegt von „President-elect“ Donald Trump gewesen. „Ich glaube, die besten Tage Amerikas liegen vor uns. Ich glaube, wir werden auch weiterhin sehen, wie Amerika die Welt in diesem Jahrhundert anführen wird. Und….der gewählte Präsident ist genau der Mann, der uns in diese bessere Zukunft führen wird“.

Da bleibt einem der Nürnberger Lebkuchen im Halse stecken. Romney griff bis vor wenigen Wochen noch den selbstverliebten Milliardär an, ließ kein gutes Haar auf dessen Haartolle, sprach ihm jegliche Führungsqualitäten ab. Nun jedoch will er gemeinsam an der Seite von Trump Amerika im Ausland repräsentieren. Das bißchen Respekt, das Mitt Romney aufgrund seiner Haltung gegen Trump bei vielen Demokraten im Wahlkampf gewonnen hatte, ist mit einem Schlag weg. Wie kann man nur, fragen viele. Man kann alles, auch sich selbst für einen Posten verleugnen, wie das Mitt Romney nun aller Welt zeigt.

 

Twitter sollte pleitegehen, dann hat dieser Wahnsinn ein Ende

140 Zeichen. So regiert Donald Trump. Er machte so Wahlkampf und nun geht es damit weiter. Jüngstes Beispiel, die Androhung, die Staatsbürgerschaft jenen zu entziehen, die die amerikanische Flagge verbrennen. Das ist von heute Morgen.

Trump hält keine Pressekonferenzen, erklärt sich nicht, vielmehr kommuniziert er mit den Medien und seinen Anhängern über twitter. Und das ist alles andere als präsidial, wie dieser Tweet zeigt, ein erneuter Angriff auf die Medien. Trump kritisiert jeden, der nicht in sein Populismushorn bläst.

Wer glaubte, der gewählte Donald Trump würde endlich mal ein paar Gänge runterfahren und nicht mehr so sehr auf der „Ich-Welle“ reiten, der liegt schief. Trump beweihräuchert sich weiter als Retter der Nation, als Sieger, Gewinner, Alleskönner. Auch das zeigt er in seinen Tweets, wie diesem hier, in dem er erklärt, er habe nicht nur mehr Wahlmänner erhalten sondern auch die meisten Stimmen, wenn man jene illegalen Wahlstimmen von  Hillary Clinton abziehe. Donald Trump behauptet damit ernsthaft, ohne Beweise vorzulegen, dass in dieser Präsidentenwahl mehr als zwei Millionen Stimmen von Personen abgegeben wurden, die eigentlich nicht wählen dürften. Das ist der gewählte Präsident der USA, ein beeindruckender Verfechter der amerikanischen Demokratie.

Donald Trumps Regierungsstil wird sich nicht von dem unterscheiden, was er als Wahlkämpfer gemacht hat. Er meint, nur „my way or the highway“. Hatten bislang gewählte Präsidenten still und leise ihr Kabinett zusammen gestellt, macht Trump auch das anders. Er spricht über Treffen, verheimlicht nicht, wen er für welchen Posten in Erwägung zieht und lässt es sogar zu, dass seine engsten Berater Kandidaten beleidigen, wie jüngst Kellyanne Conway Mitt Romney. Trump hat die Zügel in der Hand und lässt die Dinge geschehen. Seine Auswahl seines Kabinetts erinnert mehr an eine Folge von „The Apprentice“ als eine ernstzunehmende Kandidatensuche. Es fehlt nur noch, dass jene Männer und Frauen, die auf der Trumpschen Liste stehen, Aufgaben erledigen müssen, um ihre Qualitäten und ihre Loyalität unter Beweis zu stellen.

In den Kommentaren der „Talking Heads“ auf den 24 Stunden Nachrichtenkanälen hört man immer, Donald Trump mache es einfach anders. Das sei eben seine Art. Eine Entschuldigung, eine Erklärung, dass unter Trump nun alles anders wird. Ein Präsident, der über twitter hetzt, tobt, lügt. Ist das das Amerika in dem ich nun lebe? Ich kann nur hoffen, dass twitter wirklich pleite geht, vielleicht ist dann endlich Schicht im Schacht mit diesem 140 Zeichen Blödsinn von Donald Trump.

Hillarys republikanische Wahlkampfhelfer

Nun also noch drei weitere republikanische Möchtegernpräsidenten. Der ehemalige Senator Rick Santorum, der Senator Lindsey Graham und der frühere Gouveneur von New York George Pataki. Drei Namen, die keine Chance, aber ein großes Ego haben. Santorum kandidierte bereits 2012 und machte Mitt Romney das Leben schwer. Lindsey Graham ist einer der einflussreichsten Senatoren und Pataki meint, wenn er New York State regieren kann, dann wohl auch den Rest des Landes.

Rick Santorum will mit christlich-konservativen Werten US Präsident werden.

Rick Santorum will mit christlich-konservativen Werten US Präsident werden.

Santorum und Graham tauchen in den Umfragen sogar auf, allerdings chancenlos. Pataki hingegen ist nicht auf dem Radarschirm der Wähler zu finden. Die drei werden es schwer haben, jetzt noch irgendeine Basis aufzubauen. Die Geldgeber haben sich so gut wie schon entschieden, die wichtigen Wahlkampfmanager festgelegt, der Wahlkampf ist schon in vollem Gange.

Was Santorum, Graham und Pataki wohl wollen ist, sich ins Gespräch bringen, ihre Standpunkte zu erklären und vielleicht als Vize-Präsidentschaftskandidat und möglicher Minister eingeplant zu werden. Mehr ist für sie nicht drin, der Wahlkampfzug hat eineinhalb Jahre vor dem Wahltermin bereits den GOP Bahnhof verlassen. Jeder, der jetzt noch aufspringen will, hat keine Chance mehr.

Die Kandidaten konzentrieren sich auf Iowa, beackern die frühen Vorwahlstaaten, geben auf geschlossenen Veranstaltungen und in Hinterzimmerkonferenzen Wahlversprechen ab und sammeln Gelder ein. Dabei treten sie sich schon jetzt auf die Füße. Die republikanische Partei wirkt zerfahrener und zerstückelter mit jedem neuen Kandidaten, der sich in Position bringt. Wie da ein einheitliches Gesamtbild entstehen soll, ist fraglich. Die Fragmentierung der Partei, ein Vorwahlkampf, der bis zum Sommer 2016 reichen könnte, viele Finanzmittel und Kräfte verballert, würde am Ende nur Hillary Clinton helfen, die problemlos die Kandidatenkrone ihrer Demokraten aufsetzen wird. Die Republikaner werden also ungewollt zum „Queen maker“ in den USA.

Geld regiert die Welt

Die Nachricht kam im republikanischen Lager einem Erdbeben gleich . Die New York Times berichtete, dass sich David Koch und sein Bruder Charles Koch auf einen Kandidaten für die Präsidentschaftswahl geeinigt hätten. Wisconsins Gouverneur Scott Walker soll der Auserwählte sein. Die Koch Brüder sind Milliardäre, ihr Geld machte die Familie im Ölgeschäft. „Koch Industries“ ist das zweitgrößte Unternehmen in privater Hand in den USA. Die Kochs fördern schon seit Jahrzehnten mit ihrem Reichtum konservative Institute in den USA, sie galten lange Zeit als die Finanziers der Tea Party Bewegung und ohne ihre Schecks wird kein Republikaner gewählt.

Die Milliardärsbrüder David und Charles Koch.

Die Milliardärsbrüder David und Charles Koch.

Doch nun ließ ein enger Vertrauter der „Koch Brothers“ durchblicken, dass noch keine echte Entscheidung getroffen worden sei. Vielmehr werde man im Sommer zu einer Konferenz laden, auf der einige der Kandidaten ihre Positionen verdeutlichen dürfen. Man werde genau hinschauen, was für ein Team der jeweilige Kandidat zusammen gestellt hat, wie er sich präsentiert und vor allem „how they articulate issues the Kochs care about“, also wie sehr der Kandidat die Weltsicht der Brüder in Washington umsetzen würde.

Und die Weltsicht der „Brothers“ ist eindeutig. Von Demokraten halten sie nichts, sie verstehen sich als „pro freedom“, die Märkte bestimmen die Gesetze und Umweltpolitik steht nicht gerade hoch auf ihrer Prioritätenlisten. So haben sie 400 Kongressabgeordnete mit allerlei Grün davon überzeugt – oder gedrängt, ihre Unterschrift unter ein Versprechen zu setzen, dass diese keine Gesetze gegen „Global Warming“ unterstützen ohne gleichzeitige drastische Steuererleichterungen. Die Kochs sitzen mit an den Schaltstellen Amerikas.

Bei der letzten Wahl 2012 waren sie alles andere als erfreut, als sich am Ende Mitt Romney im GOP Kandidatenfeld durchsetzte. Sie sahen ihn als einen Abklatsch von Barack Obama, als keine ernstzunehmende Alternative im Kampf für die Rückeroberung des Weißen Hauses.

Ja was denn nun?

Mitt Romney sagt zum Abschied noch einmal laut Servus.

Mitt Romney sagt zum Abschied noch einmal laut Servus.

Mitt Romney also nun doch nicht. Nach der verlorenen Wahl gegen Barack Obama 2012 meinte der ehemalige Gouverneur von Massachusetts, das war’s dann. Aber Anfang Januar bekundete Romney, dass er es sich durchaus noch einmal vorstellen könne zu kandidieren. In Gesprächen mit Wahlkampfmanangern und vor allem potenziellen Spendern lotete er die politischen Wasser aus. Und dann kam für viele die überraschende Mitteilung „Romney kandidiert“.

Das hätte dann wiederum zu einem direkten Zweikampf mit Jeb Bush geführt, der eigentlich um die gleichen Wähler und Geldgeber buhlt. Romney und Bush trafen sich schließlich in der vergangenen Woche und klärten die Wasser, sprich eine Rückzugsstrategie für Romney wurde ausgehandelt, wie er mit erhobenem Haupt aus der Situation rauskommt. Beide nahmen auch nicht am vergangenen Wochenende am „Freedom Summit“ in Iowa teil, auf dem sich mehr die „Tea Party“ Kandidaten tummelten oder Möchtegernpolitiker wie Donald Trump und Sarah Palin ins Rampenlicht rückten.

Das potenzielle Kandidatenfeld war weit offen, Mitt Romney lag in einigen nichtssagenden Umfragen vorne. Und nun kommt der Rücktritt vom Rücktritt vom Rücktritt. In einer Telefonkonferenz mit Unterstützern erklärte der Millionär: „Eine Umfrage, die heute veröffentlicht wurde, zeigt, dass ich weiter zulege und rund doppelt so viele Stimmen auf mich vereinen kann, wie der zweitplatzierte Herausforderer. Ich führe auch in den vier frühen Bundesstaaten“. Dennoch ziehe er sich nun zurück. Diese Aussage zeigt eigentlich nur, dass Romney nicht als „Versager“ abdanken wollte, vielmehr in vorderster Reihe seiner Partei. Als jemand, der es ja richten könnte, doch eigentlich gar nicht mehr will. Auch ein Weg, die eigenen Niederlagen im Nachhinein zu korrigieren.

 

 

RICKY wants to be KING

Als er 2011 ins Rennen um das Weiße Haus einstieg, dachten viele, das war es dann. Texas Gouverneur Rick Perry würde die innerparteilichen Konkurrenten einfach wegblasen. Doch es kam alles anders. Rick Perry blamierte sich bis auf die Knochen im Vorwahlkampf der Republikaner, am Schluß setzte sich sein Hauptkontrahent Mitt Romney durch, der dann in der eigentlichen Wahl gegen Barack Obama haushoch zu verlieren.

Texas Gouverneur Rick Perry will es noch einmal wissen.

Texas Gouverneur Rick Perry will es noch einmal wissen.

Perry verzog sich nach Texas und baute seinen Gouverneursposten zum kleinen Fürstentum aus. Irgendwie konnte er dort im „Lone Star State“ alles machen, genau so, wie er es für richtig hielt. Doch nach drei Amtszeiten in Texas, Perry ist der am längsten amtierende Gouverneur des Bundesstaates, hat er andere Pläne. Irgendwie ist das doch zu provinziell da unten in Texas. Fürst war er nun lange genug, nun steht das Köngisamt an. Mal wieder! Was ihm noch immer vorschwebt, ist das Weiße Haus. Und darauf setzt er nun in den kommenden Wochen.

Im Dezember wird Rick Perry fast 500 einflußreiche Politstrategen und superreiche Spender treffen, um mit ihnen über seine mögliche Kandidatur 2016 zu sprechen. Beobachter und Wegbegleiter werden nicht müde zu betonen, dass Perry aus dem Desaster 2012 gelernt habe, besser vorbereitet sei und nun auf jede Frage antworten könne, auch vor laufenden Fernsehkameras. Im letzten Präsidentschaftswahlkampf kam Perry nämlich als Provinzfürst daher, der anfangs selbstsicher auftrat, doch irgendwie auf der nationalen Ebene total überfordert wirkte. Am Ende mußte sich Perry schon nach der ersten Vorwahl in Iowa still und leise verabschieden.

Nun soll alles besser werden, der Texaner Ricky will zum „King“ der Vereinigten Staaten werden. Eine zweite Chance hat ja wohl jeder in den USA verdient, oder? Deshalb will er früh seine Reihen formieren, denn andere Kandidaten haben dieselben Geldgeber im Blick, darunter der ehemalige Gouverneur aus Florida Jeb Bush und Texas Senator Ted Cruz. Beiden wird eine Kandidatur nachgesagt, denn beide planen schon hinter den Kulissen einen triumphalen Auftritt, um aus den Startlöchern zu kommen Und Bush wird dabei auf die Unterstützung seines Vaters und seines Bruders bauen können, die beide sehr gute Beziehungen zu den Öl-Multis in Texas haben. Rick Perry ist also vorgewarnt und mobilisiert seine Truppen für einen brutalen Grabenkrieg mit vielen, vielen Tretminen.

Im Namen des… Mammon

Am heutigen Sonntag findet in San Francisco wieder das „Folsom Street Fair“ statt. Mehrere Hunderttausend Menschen kommen zu diesem größten Straßenfest der Leder,- Lack- und Fetischszene. Über fünf Straßenblocks zieht sich die Party, dicht an dicht schieben sich die Menschenmassen durch das Fest. Außenrum ist alles großräumig abgesperrt. „Folsom Street Fair“ ist ein gewagtes und sehr offenherziges Ereignis. Und dennoch, diese Party ist eine der größten im prall gefüllten jährlichen Partykalender von San Francisco. Von weither und aus Übersee kommen die Besucher. Politiker, vom Bürgermeister bis zu US Senatoren, wünschen den Teilnehmern einen schönen und sicheren Nachmittag.

Von Einkaufsmöglichkeiten im SM Bereich bis hin zum Benefiz-Auspeitschen für die AIDS Hilfe ist alles geboten. Nackte Tatsachen neben Latexganzanzügen, die etwas andere Kutschfahrt neben homosexuellem Körperkult. Es kann nicht schrill, schräg und abgefahren genug sein. Alles – und die Betonung liegt auf ALLES – ist hier möglich und zu beobachten. Wer denn will!

Deshalb wundert es umso mehr, dass ausgerechnet die Marriott Hotelkette als offizieller Partner der „Folsom Street Fair“ auftritt. Zur Erinnerung, Marriott ist in der Hand der Marriott Familie, die noch im letzten Jahr massiv den Wahlkampf ihres Glaubensbruders Mitt Romney unterstützt hat. Romney und die Marriotts sind konservative Mormonen und ausgesprochene Gegner von gleichgeschlechtlichen Ehen. Immer wieder wurde im Wahlkampf von Romneys Seite vor dem Verfall der Werte und den sogenannten „San Francisco Values“ gewarnt, also genau den Bildern, die man auf „Folsom Street Fair“ zu sehen bekommt.

Beobachter werten die Sponsorrolle von Marriott als Versuch in der durchaus wohlhabenden Gay-Community nicht als homophob gesehen zu werden. Fragt sich nur, wie diese Unterstützung der Fetischszene bei den erzkonservativen Glaubensbrüdern ankommt, die immer mal wieder gerne zu Boykotts gegen Firmen aufrufen, die auch nur ansatzweise Schwule und Lesben und deren Anliegen unterstützen.

Für eine Handvoll Dollar macht man also wohl alles, schaut mal weg, auch über das vermeintliche Sodom und Gomorra auf den Straßen San Franciscos. Immerhin zieht Jahr für Jahr ein Kleinflugzeug hoch oben am Himmel über dem Straßenfest seine Kreise und zieht eine Botschaft hinter sich her: „God Hates Fags“. Wer dafür wohl zahlt?

Er positioniert sich für 2016

Chris Christie ist der Gouverneur von New Jersey. Ein übergewichtiger und wortgewaltiger Mann, der als heißer Kandidat auf das Weiße Haus gilt. Ja, es geht schon wieder los. Die Wahlen sind zwar erst im November 2016, doch schon jetzt beginnt das leichte Positionieren.

Chris Christie wurde vor allem bekannt, und auch berüchtigt, nachdem er nach der Katastrophe des Hurricanes Sandy quasi den Schulterschluß mit Präsident Obama übte. Christie, erklärter Gegner von Präsident Obama, suchte jedoch dessen Nähe, gerade in der Hochzeit des Wahlkampfs 2012. Kurz vor dem Wahltag pries er den Präsidenten, dessen Katastrophenhilfe, dessen Krisenmanagement, dessen tatkräftige Unterstützung für die Bürger von New Jersey. Und das stieß natürlich etlichen in der eigenen Partei auf. Christie sei Obamas Wahlkampfhelfer, Christie hätte sich zurückhalten sollen, wurde er von allen Seiten bombardiert. Doch der reagierte gelassen und wurde dadurch zu einem der bekanntesten Politiker in den USA.

YouTube Preview Image

Mitt Romney verlor die Wahl und etliche Stimmen in der republikanischen Partei machten Christie verantwortlich dafür. Und dennoch, Chris Christie gilt seitdem als ernstzunehmender Kandidat für den Job im Weißen Haus, gerade weil er parteiübergreifend denkt und handelt.

Nun legte er nach. Am Montag verstarb der 89jährige demokratische Senator aus New Jersey, Frank Lautenberg. Als Gouverneur hat Christie das Recht und die Möglichkeit, einen Nachfolger bis zur nächsten Wahl im November 2014 zu bestimmen. Seine Parteikollegen hofften darauf, dass Christie einen aus ihren Reihen ins Amt hievt, der dann schon mal für die kommenden eineinhalb Jahre zeigen könnte, was er drauf hat.

Doch Christie verweigerte sich der Idee und erklärte: „The right thing is to let the people decide“. Also, die Wähler sollen selbst entscheiden, und zwar in einer Sonderwahl. Die Vorwahlen der Parteien sind für Anfang August angesetzt, die konkrete Senatswahl dann im Oktober. Doch das stößt nun allen auf. Die Republikaner sind sauer, weil sie seit 1972 keinen Senatsposten mehr in New Jersey gewinnen konnten. Die Demokraten sind sauer, weil Christie eine Sonderwahl einberuft und nicht am offiziellen diesjährigen Wahltag, dem 5. November wählen läßt. An dem Tag geht es auch um den Gouverneursposten.

Der Gewinner bei allem ist Chris Christie, der sich erneut als Politiker darstellen kann, der nur das beste für die Bürgerinnen und Bürger von New Jersey im Sinne hat. Ganz ohne Parteiklüngel. Mal was ganz anderes im US amerikanischen Poltikgeschäft.

Romney soll kandidieren

Nein, nicht Mitt, sondern seine Frau Ann ist die Wunschkandidatin der Republikaner in Massachusetts. Der frühere und bekannte GOP Senator Scott Brown erklärte, er werde nicht für die Vorwahlen am 30. April und somit auch nicht für die Sonderwahl am 25. Juni zur Verfügung stehen, um den Sitz von nun Außenminister John Kerry zu füllen. Brown erklärte in einer Stellungnahme, er sei müde von all den parteipolitischen Kämpfen und werde nicht kandidieren. Erst 2010 war er in einer Sonderwahl nach dem Tod von Ted Kennedy in den US Senat gewählt worden, verlor allerdings bei regulären Wahl im November gegen die Demokratin Elizabeth Warren.

Die GOP Führung in Massachusetts mußte nun auch eingestehen, dass man über diese Entscheidung mehr als überrascht sei und nun schnellstmöglich einen geeigneten Kandidaten suche. „Unsere Reihen sind nicht so gefüllt“, meinte ein Offizieller und erklärte, er habe schon mehrere Anrufe erhalten, in denen er aufgefordert wurde Ann Romney für eine Kandidatur zu gewinnen.

Ann Romney, die Frau des republikanischen Präsidentschaftskandidaten Mitt Romney, hatte viele in der Partei durch ihre angenehme Art, ihren persönlichen Kampf gegen Multiple Sklerosis und ihren Einsatz für ihre Familie überzeugt. Nur wenige Monate nach der verlorenen Präsidentschaftswahl könnte die GOP damit mit einem frischen und allseits bekannten Gesicht in die wichtige Senatswahl gehen. Offen ist noch, wie sich Ann Romney zu diesem Vorschlag verhalten wird.

Es geht wieder los

Vor wenigen Tagen wurde Präsident Barack Obama zum zweiten mal im Amt vereidigt. Vier Jahre steht er nun (noch) den USA vor. Doch bereits jetzt geht es in den zweiten und dritten Reihen der Republikaner und Demokraten rund. Wer wird der Kandidat seiner – oder ihrer – Partei 2016?

Die Republikaner stehen derzeit innerparteilich vor einem Scherbenhaufen. Ein verlorener Wahlkampf, eine Zersplitterung der Partei, keine gemeinsame Linie. Und dennoch, einige drängen nach vorne. Der US-Kubaner Marco Rubio, Senator aus Florida, gilt als einer der Top-Kandidaten seiner Partei. Immer wieder prescht er mit politischen Ideen und Programmen nach vorne, die fast alle wohlwollend aufgenommen werden. Rubio ist gerade mal 41 Jahre alt und stand schon ganz oben auf der potenziellen Vize-Kandidaten Liste von Mitt Romney.

Ebenfalls  41 Jahre alt ist Piyush „Bobby“ Jindal, der republikanische Gouverneur von Louisiana. Er ist gegen Abtreibung und für das Recht auf Waffen, bietet so gut wie keine politische Angriffsfläche für Widersacher in den eigenen Reihen. Geboren in Baton Rouge als Sohn von Einwanderern aus Indien trat der verheiratete Vater von drei Kindern vom Hinduismus zum Katholizismus über. Jindal, genau wie Rubio, sprechen offen die fehlende Linie und Geschlossenheit der eigenen Partei an. Das macht sie beliebt, denn damit preschen sie in die Rolle der Führungspersonen, der Leithammel vor.

Auf demokratischer Seite rechnet eigentlich niemand mit einer Kandidatur von Vize-Präsident Joe Biden. Alle Augen sind derzeit auf Hillary Clinton gerichtet, die als die beliebteste Politikerin in den USA gilt. Ihre vier durchaus erfolgreichen Jahre im Außenministerium haben ihr „Kredit“ in der eigenen Partei und auch bei den Republikanern eingebracht. Wenn Hillary zur Kandidatur bereit wäre, hätte sie die breite Basis der Partei hinter sich. Und auch Präsident Obama säße in ihrem Boot, wir er in einem am Sonntag ausgestrahlten Interview mit CBS andeutete. Der Wahlkampf 2016 hat begonnen.