Cartoonist ist nicht mehr

Molly Norris gibt es nicht mehr. Zumindest offiziell nicht mehr. Und unter diesem Namen nicht mehr. Die Cartoonistin aus Seattle hatte im April die Idee, einen „Everybody Draw Mohammed Day“ auszurufen. Der Grund dafür war die zensierte Sendung „South Park“ von Comedy Central. Dort sollte eigentlich der gezeichnete Mohammed neben anderen religiösen Persönlichkeiten auftreten. Doch die Anwälte im Sender bekamen kalte Füße und änderten flugs das Programm. Geschrei hin oder her. Die South Park Kreativen treten zwar jedem und allem vors Schienbein, aber Mohammed, da hört der Spaß auf.South Park Mohammed

Norris‘ Initiative führte zu einer Art Schneeballeffekt. Eine Facebookseite wurde gegründet, die wiederum zog das Interesse von pakistanischen Behörden auf sich, die als Folge facebook ganz in Pakistan verboten. Und dann rief so ein Mufti noch eine „Fatwa“ aus, das wiederum nahmen die amerikanischen Behörden sehr ernst. Das FBI klingelte dann eines Tages bei Molly Norris an der Tür und die Agenten sagten zu ihr, eigentlich wäre es am besten, wenn sie mal alles einpackt, abreist, niemandem sagt, wohin sie fährt, ihre Namen ändert und irgendwo, wo auch immer, ganz von vorne anfängt.

Am Mittwoch gab nun Molly Norris‘ Arbeitgeber, der Seattle Weekly, bekannt, dass die Comics der Zeichnerin nicht mehr erscheinen werden. „Molly is no more“.

Mohammed Karikaturenstreit

Am Donnerstag erklärten die beiden Produzenten der Zeichentrickserie „South Park“, dass der Sender Comedy Central ihre jüngste Sendung zensiert habe, nachdem eine muslimische Gruppe offen Morddrohungen ausgesprochen hatte. Es geht mal wieder um angebliche Beleidigungen gegenüber dem Propheten Mohammed. Wenn man „South Park“ kennt und weiss, dass Trey Parker und Matt Stone schon alles und jeden durch den Kakao gezogen haben, politisch unkorrekt sind, aber vor nichts und niemanden Halt machen, verwundert diese Haltung des Senders mehr denn je. Denn nun ziehen die Comedy Central Bosse den Schwanz ein und zensieren lieber anstelle sich vor ihre Mitarbeiter zu stellen.

Everybody draw Mohammed DayEine Cartoonistin aus Seattle wollte sich mit diesem Entschluss des Senders nicht abfinden. Molly Norris rief ihre zeichnenden Kollegen im Land auf, den 20. Mai zum „Everybody draw Mohammed Day“ zu machen. Dazu fertigte sie ein Poster an, das nun hohe Wellen im Web schlägt. Denn auf einmal wird Norris als Sprecherin einer Gruppe gesehen, die es so gar nicht gibt. Auf ihrer Webseite erklärte sie, sie beabsichtige mit dieser Aktion nicht, die religiösen Gefühle anderer zu verletzen, vielmehr gehe es ihr um das Grundrecht auf Meinungsfreiheit.

Ich kann leider nicht zeichnen, meine Bleistiftstriche wären so oder so eine Beleidigung fürs Auge. Aber vielleicht kann man ja auch eine Soundcollage zum Thema machen…oops, oder wird das auch als eine Beleidigung des Propheten angesehen?