Ist Trump der neue Hitler?

Der „Mormon Tabernacle Choir“. Foto: Reuters.

Die Frage kommt nicht von mir, doch ich höre und lese sie in diesen Tagen sehr oft hier drüben in den USA. Jan Chamberlin stellte sie kürzlich, nachdem sie erklärte, nicht mehr im „Mormon Tabernacle Choir“ zu singen. Der weltbekannte Chor hatte zugestimmt, bei der Vereidigung von Donald Trump am 20. Januar in Washington zu singen. Chamberlin schrieb auf ihrer Facebook Seite, „für diesen Mann zu singen“ sei für sie, als wenn der Chor „Tyrannei und Faschismus unterstütze“. Das Ansehen des Chors würde damit „ernsthaft beschädigt“ werden. „Ich weiß, ich könnte niemals ‚Rosen für Hitler werfen‘. Und ich könnte ganz sicher niemals für ihn singen“.

Jan Chamberlin trat aus dem Chor aus. Auf Anfrage der Washington Post bestätigte die Chorleitung, dass viele Mitglieder Schwierigkeiten mit der Entscheidung hätten, für Trump zu singen. Aber es sei jedem freigestellt mit nach Washington zu reisen. Weitaus weniger Mormonen unterstützten im Wahlkampf den republikanischen Kandidaten als in früheren Wahlgängen. George W. Bush und auch Mitt Romney erhielten weit über 20 Prozent mehr Stimmen in Utah als Donald Trump in diesem Jahr. Die Mormonen waren eine der religiösen Gruppen in den USA, die massive Probleme mit dem New Yorker Milliardär hatten.

Was dieser Kampf im Chor auch zeigt ist, wie tief gespalten Amerika ist. Soll man dem gewählten Präsidenten Donald Trump eine Chance geben, jenem Mann, der mit Hassparolen, Beleidigungen und teils menschenverachtenden Aussagen die Wahl gewann? Jenem Mann, der sich bislang für keine seiner verbalen Entgleisungen entschuldigte und vielmehr weiterhin die Spaltung Amerikas betreibt. Trump nutzt weiter sein Sprachrohr Twitter, um das Land in seine Anhänger und seine Feinde zu teilen. Erst heute, am letzten Tag des Jahres, twitterte er eindeutige 140 Zeichen. „Happy New Year an alle, auch an die vielen Feinde und solche die mich bekämpft haben und schlimm verloren, sie wissen nicht, was sie tun sollen. Liebe„. Nachtreten gehört zum Kurs des neuen US Präsidenten. Von einem Präsidenten für alle Amerikaner ist Donald Trump noch weit entfernt. Es sieht so aus, als ob der Wahlkämpfer Trump auch ins Weiße Haus einziehen wird. Der Ton macht die Musik und die erinnert an schlimme Zeiten.

 

Im Namen des… Mammon

Am heutigen Sonntag findet in San Francisco wieder das „Folsom Street Fair“ statt. Mehrere Hunderttausend Menschen kommen zu diesem größten Straßenfest der Leder,- Lack- und Fetischszene. Über fünf Straßenblocks zieht sich die Party, dicht an dicht schieben sich die Menschenmassen durch das Fest. Außenrum ist alles großräumig abgesperrt. „Folsom Street Fair“ ist ein gewagtes und sehr offenherziges Ereignis. Und dennoch, diese Party ist eine der größten im prall gefüllten jährlichen Partykalender von San Francisco. Von weither und aus Übersee kommen die Besucher. Politiker, vom Bürgermeister bis zu US Senatoren, wünschen den Teilnehmern einen schönen und sicheren Nachmittag.

Von Einkaufsmöglichkeiten im SM Bereich bis hin zum Benefiz-Auspeitschen für die AIDS Hilfe ist alles geboten. Nackte Tatsachen neben Latexganzanzügen, die etwas andere Kutschfahrt neben homosexuellem Körperkult. Es kann nicht schrill, schräg und abgefahren genug sein. Alles – und die Betonung liegt auf ALLES – ist hier möglich und zu beobachten. Wer denn will!

Deshalb wundert es umso mehr, dass ausgerechnet die Marriott Hotelkette als offizieller Partner der „Folsom Street Fair“ auftritt. Zur Erinnerung, Marriott ist in der Hand der Marriott Familie, die noch im letzten Jahr massiv den Wahlkampf ihres Glaubensbruders Mitt Romney unterstützt hat. Romney und die Marriotts sind konservative Mormonen und ausgesprochene Gegner von gleichgeschlechtlichen Ehen. Immer wieder wurde im Wahlkampf von Romneys Seite vor dem Verfall der Werte und den sogenannten „San Francisco Values“ gewarnt, also genau den Bildern, die man auf „Folsom Street Fair“ zu sehen bekommt.

Beobachter werten die Sponsorrolle von Marriott als Versuch in der durchaus wohlhabenden Gay-Community nicht als homophob gesehen zu werden. Fragt sich nur, wie diese Unterstützung der Fetischszene bei den erzkonservativen Glaubensbrüdern ankommt, die immer mal wieder gerne zu Boykotts gegen Firmen aufrufen, die auch nur ansatzweise Schwule und Lesben und deren Anliegen unterstützen.

Für eine Handvoll Dollar macht man also wohl alles, schaut mal weg, auch über das vermeintliche Sodom und Gomorra auf den Straßen San Franciscos. Immerhin zieht Jahr für Jahr ein Kleinflugzeug hoch oben am Himmel über dem Straßenfest seine Kreise und zieht eine Botschaft hinter sich her: „God Hates Fags“. Wer dafür wohl zahlt?

Ein Mormone ist unwählbar!

Gleich zwei republikanische Mormonen wollen ins Weiße Haus. Jon Huntsman hat keine Chance, obwohl er ein erfahrener Politiker und Diplomat, ehemaliger Gouverneur und Botschafter, ist, kreucht er da am Ende der Kandidatenliste vor sich hin. Nach den ersten beiden Vorwahlen in Iowa und New Hamsphire wird er mit Sicherheit das Handtuch werfen.

Mitt Romney gilt nach wie vor als heißer Anwärter auf die Kandidatur seiner Partei. Doch auch er ist Mormone und das könnte zu einem größeren Problem beim lustigen Stimmenfang werden. Derzeit debattiert die christlich-fundamentalistische Basis der GOP heftigst über die Qualitäten und Überzeugungen Romneys. Und immer wieder kommt dabei auch seine Religionszugehörigkeit auf. Er sei zwar als Politiker erfahren, aber ein Mormone. Er sei ein Washington „Outsider“, aber  ein Mormone. Er sei erfolgreicher Geschäftsmann gewesen, aber ein Mormone. Mormone klingt in diesen Erklärungen immer so, als ob im 100 Meter Endlauf ein absolut durchtrainierter Spitzenathlet an den Start ginge und der Sitznachbar auf der Tribüne abwinkt und sagt: „Dat wird nix, der hat ’nen Klumpfuß“.

In den verschiedensten christlichen Online Foren ist Mitt Romney das Thema schlechthin. Die einen meinen, seine Religionszughörigkeit ist Nebensache und gehe niemanden etwas an. Ein Nutzer schreibt: „Die Mormonen glauben an Jesus als ihren Retter. Ganz einfach. Romney wäre ein viel besserer Präsident als Obama oder Gingrich.“ Darauf der Kommentar eines anderen: „Sie (die Mormonen) glauben Jesus sei der Bruder Lucifers. Sie glauben, dass Gott Sex hatte, um Jesus zu zeugen. Das ist kein Christentum! Jesus ist Gott und nur das. Lucifer wurde erschaffen. Es war kein Ergebnis eines sexuellen Aktes“. Deutliche Worte, doch kein Einzelfall. Eine weitere Forenteilnehmerin schreibt: „Ich bin davon überzeugt, dass der Glauben eines Kandidaten wichtig ist. Man muß nur unseren jetzigen Präsidenten betrachten und man sieht, wie jemand mit muslimischem Glauben unser Land regiert. Ich persönlich empfinde Mormonismus als Kult und glaube nicht, dass jemand der einer Lüge folgt, mit Integrität führen kann.“

Obama ein Muslim, Romney ein Kultanhänger….diese Auffassungen sind weit verbreitet im christlich-fundamentalistischen Basiscamp der Grand Old Party. In einer Umfrage des „American Family Networks“ haben fast 40 Prozent der Befragten angegeben, dass Romney aufgrund seiner Zugehörigkeit zur mormonischen Kirche nicht wählbar sei. Und genau das könnte ein Problem für den Kandidaten Romney werden, erst in der Vorwahl und falls er sich dabei doch wider Erwarten durchsetzen sollte, im Hauptkampf gegen Amtsinhaber Obama.