Im Wohnzimmer zur Arbeit

In San Francisco gibt es ein einigermaßen funktionierendes öffentliches Verkehrssystem. Mit den Muni Bussen schaukelt man durch die Streets und Avenues. Hin und wieder geht gar nichts, wenn mal wieder der Stromabnehmer aus der Oberleitung gehüpft ist, manchmal regnet es auch in die alten Busse rein, dann wird einfach ein Regenschirm im Bus aufgespannt. Ich habe mich dort schon von Bekloppten zutexten lassen, einer von denen zeigte mir auch mal eine Knarre, einfach so. Ich stieg an der nächsten Haltestelle aus. Der Stadt fehlt das Geld, um das weitverzweigte System grundauf zu erneuern.

Die Firma Leap schickt Wohnzimmerbusse durch San Francisco.

Die Firma Leap schickt Wohnzimmerbusse durch San Francisco.

San Francisco ist jedoch auch im Zentrum der High Tech Industrie, das Silicon Valley liegt nicht weit, viele der dort Angestellten, wollen lieber hier an der Bay leben als im vorstädtisch langweiligen Mountain View, Palo Alto oder Redwood City. In San Francisco werden neue Ideen entwickelt und getestet, Programme, Hardware und Apps. Kein Wunder also, dass auch neue Verkehsideen ausprobiert werden. Ein neues Startup Unternehmen, Leap, will nun den Busverkehr revolutionieren. Nichts mehr mit dreckigen Sitzen, zu heiss im Sommer oder zu kalt im Winnter und schon gar nicht Überflutung bei den seltenen Regenschauern.

Leap schickt nun Wohnzimmerbusse durchs Stadtzentrum. Von einem Stadtteil, den man eher als Yuppie Gegend beschreiben kann, nach Downtown, für 6 Dollar. Bequeme Sitze, kostenloses WiFi, USB Anschlüsse, eine Fruchtsaft- und Snackbar (nicht im Fahrpreis inbegriffen). Also Service ohne Ende. Man solle „in style“ zur und von der Arbeit kommen, heisst es.

Diese Busse werden eine erneute Diskussion aufwerfen. Schon seit langem stossen vielen in San Francisco die Busse von Google, facebook und anderen High Tech Schmieden auf, die ihre Mitarbeiter an öffentlichen Haltestellen in San Francisco aufgreifen, um sie in Luxusbussen ins „Valley“ zu bringen. All das ist Ausdruck der „Gentrification“ in der nordkalifornischen Metropole. Die Stadt verändert sich in Siebenmeilenstiefeln, die Busse der IT Giganten und nun von „Leap“ machen das ganz deutlich. Das einzige, was vielleicht bei all dem positiv zu sehen sein könnte ist, dass man den öffentlichen Nahverkehr durchaus auch angenehm gestalten könnte. Wenn das mal im Rathaus ankommt. Es gibt einfach keinen Grund, warum man mit Regenschirm durch eine der schönsten Städte der Welt Bus fahren muß.

Der Wind hat mir ein Lied erzählt

Google goes g’scheit windig….oder so. Der IT Riese hat sich nun mit 50 Prozent an einem gewaltigen neuen Windpark östlich von San Francisco eingekauft. 48 riesige Windräder sollen die seit den 80er Jahren in Betrieb stehenden 770 Turbinen ersetzen. Ein Projekt, mit dem Google vor allem die eigene Energieversorgung für den Campus im 50 Meilen entfernten Mountain View decken will. Am heutigen Mittwoch will das Unternehmen die Pläne veröffentlichen.

Der Altamont Pass ist überzogen mit veralteten Windrädern.

Der Altamont Pass ist überzogen mit veralteten Windrädern.

Das ganze ist eine Partnerschaft mit NextEra Energy, die ihren Sitz in Florida haben. Das Windkraftunternehmen betreibt den riesigen Windpark am Altamont Pass, der die Bay Area vom Central Valley trennt. Es ist nicht das erste mal, dass Google auf alternative Energiequellen setzt. Insgesamt hat die IT Firma in den letzten zehn Jahren rund 1,5 Milliarden Dollar für Wind- und Solarprojekte, darunter auch Kooperationen mit NextEra in Oklahoma, North Dakota und Iowa finanziert. Im vergangenen Jahr kaufte google für 3,2 Milliarden Dollar „Nest Labs“, eine Firma, die ein intelligentes Thermostat entwickelt hatte. Google setzt also verstärkt auf den Energiesektor und hofft, mit dem jüngsten Deal am Altamont Pass die Kosten für die eigenen hohen Energiekosten zu beschränken.

Google ist nicht der einzige IT Riese im Silicon Valley, der auf den Energiemarkt schielt. Auch Yahoo!, facebook und Microsoft suchen nach Lösungen für ihren Energiedurst. Am Dienstag verkündete Apple, dass es sich mit 850 Millionen Dollar an einem 280 Megawatt Solarkraftwerk in Monterey County beteiligen wird.

Ein Foto, das Bände spricht

Er wollte einfach nicht hören. Barack Obama besuchte am Freitag im kalifornischen Mountain View einen Laden der umstrittenen Kaufhauskette „Walmart“. Dort sprach er über Solartechnologie, neue Energien und das am Beispiel von Walmart. Doch die Ladenkette ist sicherlich kein Musterbeispiel eines umweltbewußten Unternehmens. Das paßt ungefähr so gut zusammen, wie wenn Angela Merkel auf einer Ölplattform in der Nordsee in Gummistiefeln und Regenjacke die Umweltpolitik der Ölriesen preist.

Umweltgruppen, Gewerkschaften, Sozialpolitiker, sie alle warnten Barack Obama im Vorfeld, nicht Walmart zu besuchen. Doch er wollte nicht hören. Seine Basis zeigt sich von dieser Wahl geschockt. Walmart ist das Unternehmen, dass mit Niedriglöhnen einen Großteil der Belegschaft in die Sozialprogramme der Regierung treibt. Gegen „Obamacare“ wetterte. Wo Walmart auftaucht, machen kleinere Läden dicht. Walmart drückt die Preise bei Zulieferern, die wiederum verlagern ihre Produktion ins Ausland. Die Billigangebote, die in den Regalen von Walmart zu finden sind, kommen alle aus Übersee. Amerikanische Jobs gehen verloren, von einer sinnvollen Umweltpolitik kann also von Seiten des Unternehmens nicht gesprochen werden. Obama wurde aufgefordert, seinen Besuch zu verlegen, es gebe in Kalifornien genügend Unternehmen, die auf Solarenergie setzen. Doch das Weiße Haus ließ sich nicht beirren.

Nun wurde eben dieses Bild veröffentlicht. Vom offiziellen „White House Photographer“, es zeigt Barack Obama etwas verloren und alleine im Walmart. Der Secret Service wird vorher genauestens darauf geachtet haben, wer hier einkaufen will. Doch besonders schlimm und vielsagend ist, dass Obama vor einem Standventilator „Made in China“ zum Sonderpreis abgelichtet wurde. Auch das ist eine Aussage von Barack Obama.