Weit über den Wolken

Die gewaltige Stahlkonstrukution von Hangar One aus den 1930er Jahren steht noch immer und ist weithin zu sehen.

In den letzten 25 Jahren bin ich oft auf dem 101 an dem grossen Hangar in Mountain View vorbei gefahren. Moffett Field ist ein abgeschirmter Flughafen, der von der NASA und dem US-Militär genutzt wird. Und auch Präsidentenmaschinen landen und starten dort, wenn der „Commander in Chief“ San Francisco und die Bay Area besucht. Der große Hangar wurde in den 30er Jahren errichtet, entworfen von dem deutschen Ingenieur Karl Arnstein. Es ist eines der weltweit größten, freistehenden Gebäude. Heute ist nur noch das Stahlgerüst übrig, der High Tech Gigant Google hat vor einiger Zeit angeboten, eine neue Umschalung zu finanzieren, doch darauf wartet man noch. Auf der anderen Seite von Moffett Field sind zwei weitere gigantische Hangars zu sehen, doch auch diese werden nicht mehr benutzt. Sie wurden aus Redwood Holz gebaut und sind nun wegen Feuergefahr gesperrt.

Gestern konnte ich mir endlich mal das Gelände jenseits des Zaunes ansehen. Der Grund war ein Besuch im Forschungsjet von SOFIA, des „Stratospheric Observatory For Infrared Astronomy“, einem deutsch-amerikanischen Gemeinschaftsprojekt. Und das läuft trotz aller diplomatischer und politischer Schwierigkeiten auch nach über 20 Jahren noch immer gut. NASA und DLR arbeiten hier in Mountain View und am weiteren Standort Palmdale hervorragend zusammen. Von der wissenschaftlich begleitenden Universität Stuttgart kommen immer wieder junge Studierende hierher, um an diesem Stratosphären-Unternehmen mitzuarbeiten und mitzuhelfen. Der Jet wurde einst von den Amerikanern umgebaut, das Teleskop wurde von den Deutschen geliefert, ein Zusammenspiel zahlreicher Unternehmen.

Ich hatte das Glück von einem der führenden und langjährigen Wissenschaftler im SOFIA-Team durch das Flugzeug und über das Areal geführt zu werden. Die Boeing war direkt neben Hangar One geparkt. Das besondere an diesem SOFIA Flugzeug ist das Infrarot Teleskop, das im hinteren Teil des Jets verankert ist. In 12 Kilometern Höhe wird das Teleskop freigelegt, die Decke des Flugzeugs in diesem Teil wird aufgeschoben, der Blick in die Weiten des Universums kann dann ungehindert beginnen.

Es ist ein spannendes Projekt, das trotz politischer Schwierigkeiten und der immer neuen Frage nach der weiteren Finanzierung Bestand hat. Nahezu zweimal in der Woche startet der SOFIA Jet von Palmdale aus, um weitere Bilder und Daten in höchster Höhe zu sammeln. Mal sehen, was ich aus dieser Geschichte noch machen kann.

Im SOFIA Jet. Im Hintergrund das Teleskop, vorne die Überwachungsschaltplätze.

 

Im Wohnzimmer zur Arbeit

In San Francisco gibt es ein einigermaßen funktionierendes öffentliches Verkehrssystem. Mit den Muni Bussen schaukelt man durch die Streets und Avenues. Hin und wieder geht gar nichts, wenn mal wieder der Stromabnehmer aus der Oberleitung gehüpft ist, manchmal regnet es auch in die alten Busse rein, dann wird einfach ein Regenschirm im Bus aufgespannt. Ich habe mich dort schon von Bekloppten zutexten lassen, einer von denen zeigte mir auch mal eine Knarre, einfach so. Ich stieg an der nächsten Haltestelle aus. Der Stadt fehlt das Geld, um das weitverzweigte System grundauf zu erneuern.

Die Firma Leap schickt Wohnzimmerbusse durch San Francisco.

Die Firma Leap schickt Wohnzimmerbusse durch San Francisco.

San Francisco ist jedoch auch im Zentrum der High Tech Industrie, das Silicon Valley liegt nicht weit, viele der dort Angestellten, wollen lieber hier an der Bay leben als im vorstädtisch langweiligen Mountain View, Palo Alto oder Redwood City. In San Francisco werden neue Ideen entwickelt und getestet, Programme, Hardware und Apps. Kein Wunder also, dass auch neue Verkehsideen ausprobiert werden. Ein neues Startup Unternehmen, Leap, will nun den Busverkehr revolutionieren. Nichts mehr mit dreckigen Sitzen, zu heiss im Sommer oder zu kalt im Winnter und schon gar nicht Überflutung bei den seltenen Regenschauern.

Leap schickt nun Wohnzimmerbusse durchs Stadtzentrum. Von einem Stadtteil, den man eher als Yuppie Gegend beschreiben kann, nach Downtown, für 6 Dollar. Bequeme Sitze, kostenloses WiFi, USB Anschlüsse, eine Fruchtsaft- und Snackbar (nicht im Fahrpreis inbegriffen). Also Service ohne Ende. Man solle „in style“ zur und von der Arbeit kommen, heisst es.

Diese Busse werden eine erneute Diskussion aufwerfen. Schon seit langem stossen vielen in San Francisco die Busse von Google, facebook und anderen High Tech Schmieden auf, die ihre Mitarbeiter an öffentlichen Haltestellen in San Francisco aufgreifen, um sie in Luxusbussen ins „Valley“ zu bringen. All das ist Ausdruck der „Gentrification“ in der nordkalifornischen Metropole. Die Stadt verändert sich in Siebenmeilenstiefeln, die Busse der IT Giganten und nun von „Leap“ machen das ganz deutlich. Das einzige, was vielleicht bei all dem positiv zu sehen sein könnte ist, dass man den öffentlichen Nahverkehr durchaus auch angenehm gestalten könnte. Wenn das mal im Rathaus ankommt. Es gibt einfach keinen Grund, warum man mit Regenschirm durch eine der schönsten Städte der Welt Bus fahren muß.

Der Wind hat mir ein Lied erzählt

Google goes g’scheit windig….oder so. Der IT Riese hat sich nun mit 50 Prozent an einem gewaltigen neuen Windpark östlich von San Francisco eingekauft. 48 riesige Windräder sollen die seit den 80er Jahren in Betrieb stehenden 770 Turbinen ersetzen. Ein Projekt, mit dem Google vor allem die eigene Energieversorgung für den Campus im 50 Meilen entfernten Mountain View decken will. Am heutigen Mittwoch will das Unternehmen die Pläne veröffentlichen.

Der Altamont Pass ist überzogen mit veralteten Windrädern.

Der Altamont Pass ist überzogen mit veralteten Windrädern.

Das ganze ist eine Partnerschaft mit NextEra Energy, die ihren Sitz in Florida haben. Das Windkraftunternehmen betreibt den riesigen Windpark am Altamont Pass, der die Bay Area vom Central Valley trennt. Es ist nicht das erste mal, dass Google auf alternative Energiequellen setzt. Insgesamt hat die IT Firma in den letzten zehn Jahren rund 1,5 Milliarden Dollar für Wind- und Solarprojekte, darunter auch Kooperationen mit NextEra in Oklahoma, North Dakota und Iowa finanziert. Im vergangenen Jahr kaufte google für 3,2 Milliarden Dollar „Nest Labs“, eine Firma, die ein intelligentes Thermostat entwickelt hatte. Google setzt also verstärkt auf den Energiesektor und hofft, mit dem jüngsten Deal am Altamont Pass die Kosten für die eigenen hohen Energiekosten zu beschränken.

Google ist nicht der einzige IT Riese im Silicon Valley, der auf den Energiemarkt schielt. Auch Yahoo!, facebook und Microsoft suchen nach Lösungen für ihren Energiedurst. Am Dienstag verkündete Apple, dass es sich mit 850 Millionen Dollar an einem 280 Megawatt Solarkraftwerk in Monterey County beteiligen wird.

Ein Foto, das Bände spricht

Er wollte einfach nicht hören. Barack Obama besuchte am Freitag im kalifornischen Mountain View einen Laden der umstrittenen Kaufhauskette „Walmart“. Dort sprach er über Solartechnologie, neue Energien und das am Beispiel von Walmart. Doch die Ladenkette ist sicherlich kein Musterbeispiel eines umweltbewußten Unternehmens. Das paßt ungefähr so gut zusammen, wie wenn Angela Merkel auf einer Ölplattform in der Nordsee in Gummistiefeln und Regenjacke die Umweltpolitik der Ölriesen preist.

Umweltgruppen, Gewerkschaften, Sozialpolitiker, sie alle warnten Barack Obama im Vorfeld, nicht Walmart zu besuchen. Doch er wollte nicht hören. Seine Basis zeigt sich von dieser Wahl geschockt. Walmart ist das Unternehmen, dass mit Niedriglöhnen einen Großteil der Belegschaft in die Sozialprogramme der Regierung treibt. Gegen „Obamacare“ wetterte. Wo Walmart auftaucht, machen kleinere Läden dicht. Walmart drückt die Preise bei Zulieferern, die wiederum verlagern ihre Produktion ins Ausland. Die Billigangebote, die in den Regalen von Walmart zu finden sind, kommen alle aus Übersee. Amerikanische Jobs gehen verloren, von einer sinnvollen Umweltpolitik kann also von Seiten des Unternehmens nicht gesprochen werden. Obama wurde aufgefordert, seinen Besuch zu verlegen, es gebe in Kalifornien genügend Unternehmen, die auf Solarenergie setzen. Doch das Weiße Haus ließ sich nicht beirren.

Nun wurde eben dieses Bild veröffentlicht. Vom offiziellen „White House Photographer“, es zeigt Barack Obama etwas verloren und alleine im Walmart. Der Secret Service wird vorher genauestens darauf geachtet haben, wer hier einkaufen will. Doch besonders schlimm und vielsagend ist, dass Obama vor einem Standventilator „Made in China“ zum Sonderpreis abgelichtet wurde. Auch das ist eine Aussage von Barack Obama.