Man spricht Deutsch

Während in Hollywood auf die Oscars hingefiebert wird, wird am Golden Gate von San Francisco der deutschsprachige Film gefeiert. Zum 24. Mal findet in diesem Jahr das größte Filmfestival seiner Art außerhalb des deutschsprachigen Raumes statt. Und es hat sich viel getan in all den Jahren.

Als 1997 mit dem Filmfest begonnen wurde, war der deutsche Film ein ganz anderer als heute. Damals kamen viele Zuschauer, die von Wim Wenders, Werner Herzog oder Rainer Werner Fassbinder begeistert waren. Anfangs waren die Filme bei „Berlin & Beyond“ dunkler, düsterer, im Rückblick überwiegt für mich der Grauton, die Schwere des Themas. Gestern auf einem Empfang im deutschen Generalkonsulat sprach ich mit einer Vertreterin des Excelsior Centers, einem deutschen Kulturverein in der Bay Area, der als wichtiger Sponsor des Festivals auftritt. Schon damals unterstützte der Verein „B&B“, aber wollte Filme präsentieren, die mehr ein modernes Deutschland darstellten. „Da war aber nichts“, meinte sie mit einem Lachen. Das sei heute ganz anders.

Und der Blick auf das diesjährige Programm macht das deutlich. „Der Vorname“, „Der Junge muss an die frische Luft“, „Kirschblüten und Dämonen“, „Berlin Bouncer“, „Gypsy Queen“ oder auch der Eröffnungsfilm „Was gewesen wäre“ zeigen ein ganz anderes Deutschland, eine ganz andere, erfrischende, selbstbewußte Filmlandschaft in den deutschsprachigen Ländern, denn auch schweizer und österreichische Produktionen werden präsentiert. 18 Filme, dazu etliche Kurzfilme werden gezeigt und das im historischen Castro Theatre von San Francisco, einem Art Deco Kulturtempel im Herzen des Gay Distrikts der Stadt.

„Berlin & Beyond“ ist sicherlich kein politische Festival. Und doch, in diesen amerikanischen Tagen wird schon der Blick nach draußen zu einem wichtigen Statement. Amerika ist auch deshalb ein so reiches Land, weil hier die Kulturen, die Sprachen, die Menschen von überallher aufeinander treffen, ihre Geschichte und ihre Geschichten, ihre Gepflogenheiten, ihre Unterschiede teilen und miteinander feiern. Das wird seit ein paar Jahren gerne übersehen. Der deutschsprachige Film spielt sicherlich keine große Rolle im Movie-Land Amerika. Dieses Festival bietet für alle, die es sehen wollen, ein wichtiges Fenster nach draußen. Wünschenswert wäre es daher, dass solche Filme in Butte, Idaho Springs, Tucson oder an anderen Orten jenseits des Golden Gate laufen würden.

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Oakland und sein „Black Panther“

Das „Grand Lake Theatre“ in Oakland ist das älteste Kino de Stadt. 1929 wurde es eröffnet und ist zu einem Wahrzeichen der Stadt in der East Bay geworden. Schon von weitem kann man den gewaltigen Namenszug auf dem Dach des Filmtheaters sehen.

Der 31jährige Filmemacher Ryan Coogler, wählte das „Grand Lake Theatre“ für die Premiere seines neuesten Streifens „Black Panther“. Zuvor schon hatte er seinen Film „Fruitvale Station“ über den Tod von Oscar Grant hier erfolgreich gezeigt. Coogler ist eng mit Oakland verbunden, wuchs hier und in der East Bay auf, ging zur Schule, machte hier seine ersten Schritte im Filmbusiness. Schon früh wurde sein Talent entdeckt.

Und nun der Mega Millionen Blockbuster „Black Panther“. Allein am Eröffnungswochenende spielte der Film über 242 Millionen Dollar in den USA ein. Schon im Vorfeld wurde der Streifen als ein Meilenstein im amerikanischen Kino gehypt. Und das nicht ohne Grund, schwarze Superhelden, eine siegreiche, führende schwarze Gesellschaft, ein Film, der die afro-amerikanische Community einte. In den letzten Wochen war ich mehrmals für ein Feature zu Gast in einer afro-amerikanischen Kirche in Berkeley. Und auch hier wurde der Film als wichtiges Zeichen gesehen, angekündigt, dass gleich mehrere Gemeinden das gesamte „Grand Lake Theatre“ für eine Sondervorstellung von „Black Panther“ reserviert hätten. „Einzige Bedingung, kommt in afrikanischer Kleidung, feiert Eure Wurzeln“, meinte Pastor Mike unter dem Jubel der Gemeinde.

Gestern nun habe ich mir den Film angesehen, natürlich im „Grand Lake Theatre“. Der alte Kinosaal mit Stuck an der Decke war vollgepackt. Ein gemischtes Publikum, was für eine Stadt wie Oakland nichts ungewöhnliches ist. Und „Black Panther“ wurde gefeiert, denn der Film beginnt mit einer Szene in Oakland und endet hoffnungsvoll in Oakland. Auch wenn ich kein Fan von Marvel-Comics und Superhelden bin, „Black Panther“ ist ein beeindruckender Film, der zur richtigen Zeit für viele im Land kommt. Und nicht nur für die Schwarzen und Farbigen in den USA.