Das Ding mit der Musik

Ich höre viel Musik. Das liegt daran, dass ich nunmehr seit 20 Jahren Radio Goethe produziere, zehn Jahre lang noch eine Country/Folk und Americana Sendung zusammenstellte und sowieso seit über 35 Jahren Platten und Cds sammele. Da hat sich was angehäuft in all der Zeit.

Albumcover der Berliner Band Infamis.

Albumcover der Berliner Band Infamis.

Und nein, ich behaupte nicht, dass ich nun den besten Geschmack habe und alles über Musik weiß. Musik ist etwas sehr persönliches. Was man hört, wie man es hört und vor allem, was die Musik mit einem macht. Jeder kennt diese Songs, die einen mitreißen, die einen traurig machen, die einem diesen nötigen Schwung Kraft und Energie geben, die man in stillen Momenten hört, die einen emotional irgendwie ansprechen. Das ist gut, genau so soll es auch sein. Für mich gibt es da viele Lieder, die ganz unterschiedlich sind. Das reicht von Rainbow „Stargazer“ zu den Einstürzenden Neubauten „The Garden“, von Claire M. Singer „The Molendiar“ zu Woody Guthries „This land is your land“, von 16 Horsepower „American Wheeze“ zu Infamis „Hofgang“, von Mary Gauthier „Falling out of love“ zu KMFDM „Hau Ruck“. Und da ist dann auch noch Johnny Cashs Version von „Hurt“, ein Song, der mich jedesmal im Mark trifft. Und zwischen all diesen Eckpunkten gibt es einen Musikreichtum zu entdecken.

Ja, das ist mein Geschmack. Vieles was ich höre, finden andere katastrophal. Gerade die mehr experimentierfreudigen Töne, die abgefahren Soundlandschaften, die grenzenlosen Klangbäder. Aber egal, das ist eben ein Teil von mir. Was ich aber nicht verstehe ist, wie Musik seinen Wert verloren hat. Das reicht von Bands, Promofirmen und Labels, die ihre Lieder als minderwertige mp3 Files verbreiten und bewerben. Da sind „Musikfans“, die nur noch Streaming-Dienste wie Spotify und Pandora hören und damit den Musikschaffenden den Todesstoss verpassen. Und man muß ganz ehrlich sagen, dass es auch viel veröffentlichte Musik gibt, auf die man ohne weiteres hätte verzichten können. Schlecht produziert, idiotische Texte, Musiker, die ihr Handwerk nicht verstehen und dann zu allem Überfluss auch noch ein riesiges Ego haben und einem dann erzählen, man hätte keine Ahnung von Musik, weil ich eben nicht alles in meiner Sendung spiele. Da ist diese Band, die mir ihr „sagenhaftes“ neues Album ankündigt, es schickt, ich höre rein und es klingt wie eine Freizeitcombo in der Garage, die den Kassettenrekorder mitlaufen lässt. Sie wollen (m)eine ehrliche Einschätzung, die gebe ich ihnen und dann kommt die Antwort. „Das ist der Garage-Sound, den wir haben wollten. Du hast doch keine Ahnung mit Deiner Scheiss-Sendung“. Auch eine Antwort. Für solche CDs, habe ich eine Extrakiste in meinem Büro stehen.

Seit einiger Zeit kaufe ich wieder Vinyl, einfach des Klanges wegen. Viel zu viele Cds tönen platt, ganz zu Schweigen von der mp3 Schwemme, die hier jeden Tag ankommt. Da versuchen Promofirmen mit 128er, 160er und 192er mp3s ihre Künstler an den Radiomann zu bringen. Geht gar nicht! Ab irgendeinem Klangbrei sage ich einfach, es ist Schluß. Gerade auch, weil es so viele wunderbare Platten da draußen gibt, produziert von tollen, engagierten, kreativen Musikerinnen und Musikern. Ok, es ist Sonntagmorgen, ich höre „The White Birch“ und mußte einfach all das mal rauslassen. Musik ist wie ein Genußmittel. Man sollte es wie ein gutes Glas Rotwein genießen und sich nicht mit billigen Tequila Shots die Birne damit wegballern.

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7 Lieder zur Beharrlichkeit

      Danielle de Picciotto & Alexander Hacke
Danielle de Picciotto und Alexander Hacke melden sich gemeinsam mit "Perseverantia" zurück.

Danielle de Picciotto und Alexander Hacke melden sich gemeinsam mit „Perseverantia“ zurück.

Die Einstürzenden Neubauten sind weltbekannt. Ihre eigenwillige, offene und grenzenverschiebende Auslegung was Musik ist, kann und sein sollte, hat sie zu bedeutenden Kulturbotschaftern Deutschlands gemacht. Hier in den USA können nur wenige den Bandnamen aussprechen, DJs kündigen sie manchmal als die „Crashing New Buildings“ an. Einer der Neubautenmitglieder ist Alexander Hacke, ein ruheloser, umtriebiger Klangbastler. Und der ist seit einigen Jahren fest mit der in Berlin lebenden Amerikanerin Danielle de Picciotto liiert, selbst eine kreative und vielseitige Multimediakünstlerin, die schreibt, malt, filmt, zeichnet und eben auch Musik macht.

Danielle de Picciotto und Alexander Hacke sind vielbeschäftigt, mal hier, mal dort, mal in Übersee. Eigene Projekte und Auftragsarbeiten wechseln sich ab. Nun haben sich die beiden wieder für ein gemeinsames Album zusammen getan. „Perseverantia“ heißt es und untermalt tönend die Beharrlichkeit dieses Künstlerduos, das sich auf dieser Veröffentlichung wahrlich gefunden und ergänzt hat. Es ist kein Hitalbum, ganz im Gegenteil. „Perseverantia“ ist wie ein vielschichtiger Soundtrack voller Klangebenen, auf die man sich als Hörer einlassen muß. Man wird gefordert, nicht berieselt. Man braucht Zeit, um dieses Werk zu erfassen, zu erhören.

Im Interview (Audioplayer oben) mit Danielle de Picciotto und Alexander Hacke sprechen die beiden über das neue Album, die Kunst, ihr Leben. Die Fragen schickte ich von hier nach dort, die Antworten kamen aus Berlin zurück nach Oakland.

Duschen ist noch erlaubt

      Wasserknappheit in Kalifornien

Ja, Duschen darf man noch. Zähneputzen, Hände waschen, auch noch das Geschirr abspülen. Aber in Kalifornien ist das Wassersparen zum heißen Thema geworden. Überall wird darüber geredet, sogar DJs beim Anmoderieren von Songs sprechen von der Wasserknappheit im Bundesstaat.

Es bleibt nicht mehr viel Wasser zum Bootfahren.

Es bleibt nicht mehr viel Wasser zum Bootfahren.

Nun soll auf breiter Front gespart werden. Zumindest bei den Bürgern und den Kommunen. Das reicht vom Verbot des Autowaschens vor der Haustür, bis hin zum Nichteinschenken von Wasser in Restaurants, falls nicht danach gefragt wird. Die Farmer sind erst einmal noch davon ausgenommen, obwohl sie 80-85 Prozent des kalifornischen Wasserhaushalts verbrauchen. Doch so ganz ausgenommen sind sie dann doch nicht, wenn man sich das Central Valley und andere riesige landwirtschaftliche Flächen genauer ansieht. Viele Felder liegen brach, können aus Kostengründen nicht mehr bewässert werden. Der Preis für Wasser ist angestiegen, an vielen Orten zahlt sich der Anbau von Gemüse und Obst nicht mehr aus. Im „Golden State“ ist die Krise angekommen.

Amerika und der Krieg im Nahen Osten

      Der Krieg im Nahen Osten
Die Amerikaner stehen laut Umfragen zu Israel.

Die Amerikaner stehen laut Umfragen zu Israel.

Die Krise im Nahen Osten spitzt sich zu. Versuche der amerikanischen Regierung einen Waffenstillstand auszuhandeln sind gescheitert. Von Seiten Israels werden die Töne lauter, die den USA Parteilichkeit in den Verhandlungen vorwerfen. Die diplomatischen Beziehungen zwischen Israel und den USA sind gespannt. Darauf stürzen sich nun die Republikaner und konservative Kommentatoren in den Talk Shows, die Barack Obama und seiner Adminstration eine anti-israelische und zum Teil anti-semitische Haltung vorwerfen. In diesem Jahr wird gewählt, solche, wenn auch nicht haltbaren Vorwürfe, sollen Wählerstimmen bringen. Denn ein Großteil der Amerikaner steht, trotz Kritik am harten Vorgehen, nach wie vor uneingeschränkt zu Israel. Dazu der aktuelle Audiobericht.

Auf „La Bestia“ ins gelobte Land

Poster der US Kampagne

Poster der US Kampagne zum Schutz von Minderjährigen.

Zehntausende von Kindern und Jugendlichen aus Guatemala, El Salvador und Honduras sind in den letzten Monaten illegal in die USA gekommen. Ihre Familien haben bis zu 7000 Dollar an Schlepper gezahlt, die die Minderjährigen ins gelobte Land bringen sollen.

Der Weg ist lang, beschwerlich und gefährlich. Gangs kontrollieren die Routen, rauben die Migranten aus, vergewaltigen Mädchen, rekrutieren auf dem Weg neue Gangmitglieder. Die Kinder reisen auf Güterzügen durch Mexiko, auf „La Bestia“, Richtung Norden.

Hungrig, halb verdustet und ausgemergelt kommen sie meist in den USA an, um dort von der Grenzpolizei aufgegriffen zu werden. Die versprochene Aufenthaltsgenehmigung erhalten sie nicht. Die USA haben nun eine Kampagne gestartet, Radio- und Fernsehspots und ein Ohrwurm, mit denen man die Familien in Mittelamerika erreichen will. Die Botschaft ist eindeutig: Schickt nicht Eure Kinder.

Dazu der aktuelle Audiobeitrag.

Deutschland nach dem Untergang

„The Temptation of Despair“, die Versuchung der Verzweiflung heißt das neue Buch von Werner Sollors, einem Deutschen, der schon seit Jahrzehnten an der Harvard Universität lehrt. Beschrieben wird die Zeit nach 1945, wie sie in literarischen Texten, in Zeitungen und Magazinen vor allem in den USA und Deutschland beschrieben wurde. Das Leben, das Elend, die Not. Hunger, Vergewaltigung, Flucht und Vertreibung. Und ja, all das erfuhren auch die Amerikaner. Viele Journalisten aus Übersee berichteten von dem, was sie sahen. Anfangs kamen sie, um über die besiegten Nazis zu berichten. Mit Distanz, mit Häme, aus der Position der Sieger über die Schlächter von Dachau, Auschwitz und Bergen-Belsen. Doch schnell änderte sich der Ton, man erblickte ein Volk am Boden, das noch weiter getreten wurde.

Werner Sollors Buch ist eine beeindruckende, gut recherchierte, teils persönliche Geschichte. Sollors Mutter floh mit dem Zweijährigen nach Kriegsende aus Schlesien in Richtung Westen. Zu diesem Buch der obige Audiobeitrag mit einem Autoreninterview.

„My first car was a Cadillac“

      Raymond Estrada

Als Journalist trifft man viele Menschen, hört ihre Geschichten, stellt Fragen, meist bekommt man Antworten darauf. Letztes Jahr habe ich einen Mann kennen gelernt, den ich für einen Beitrag über die Gewalt in Oakland interviewte. Raymond Estrada arbeit für „Caught in the Crossfire“, ein Programm, das jugendlichen Gang Mitgliedern beim Ausstieg helfen soll. Wenn es zu einer Schießerei in Oakland kommt, ein Opfer im Highland Hospital eingeliefert wird, geht ein Anruf gleich an Raymond Estrada. Er ist dann im Krankenhaus, stellt sich vor, redet mit Angehörigen, Freunden und dem Opfer, falls es möglich ist. So will er zuerst einmal Racheakte verhindern und dann versuchen, demjenigen zu helfen, der angeschossen wurde. Wie auch immer. Das reicht von Hilfen bei Behördengängen bis zu Umschulungsprogrammen und sogar Umzügen, falls das Opfer in seiner Nachbarschaft nicht mehr sicher ist.

Bei diesem Interview mit Raymond Estrada wurde mir langsam klar, dass er mehr zu erzählen hat, als er hier preisgibt. Nachdem der Rekorder ausgeschaltet war unterhielten wir uns noch. Und dabei ließ er durchblicken, dass er selbst eine Geschichte zu erzählen hat. Wir trafen uns mehrfach und Raymond berichtete von seiner Vergangenheit in San Jose, vom Autoklau („My first car was a Cadillac“), von seiner Schießerei, seinen 15 Jahren hinter Gittern, von brutalen Schlägereien und Messerstechereien. Schließlich seinem Wandel.

Der Audiobeitrag (siehe oben) ist ein kleiner Höreindruck zur Geschichte eines Mannes, der den brutalen Gefängnisalltag überlebt, die Statistiken besiegt und sein Leben ganz umgekrempelt hat.

Die Liberalen schießen zurück

      Liberal Gun Club

Eine Schießerei hier, ein Massaker da, ein Amoklauf dort. Die Nachrichten aus Amerika kommen wöchentlich. In Schulen, Hotels und auf den Straßen wird wie im Wilden Westen durch die Gegend geballert. „Someone goes postal“ heißt, ein Mitarbeiter erschießt Kollegen am Arbeitsplatz. Auch das ganz „normal“. Amerika lebt mit seinen Schußwaffen und lebt mit seinen Schießereien. Dass sich nichts ändert liegt vor allem am Einfluß der Waffenlobby, allen voran der National Rifle Association, der NRA. Die bestimmt die Diskussion, blockiert Gesetzesvorlagen auf lokaler, staatlicher und Bundesebene. Wer sich als Politiker gegen die NRA stellt, dem wird bei den nächsten Wahlen Feuer unterm Allerwertesten gemacht.

Doch nun gibt es eine neue Stimme in der Waffendiskussion. Der „Liberal Gun Club“ ist ein Zusammenschluß eher liberaler und progressiver Waffenfans. Sie verteidigen das Recht auf Schußwaffen, wollen allerdings eine neue Diskussion lostreten. Dazu ein aktueller Audiobericht:

Meine erste Schallplatte

Vor ein paar Jahren packte ich meinen Container mit den letzten Habseligkeiten und Besitztümer, die ich noch in Nürnberg gelagert hatte. Darunter auch etliche Boxen mit Schallplatten, die ich jahrelang vermisst hatte. Die stehen nun wieder hier im Regal, darunter teils obskure Sachen, wo ich mich beim Anblick frage, wie ich nur dazu gekommen bin. Meine erste Vinyl Single war der Eurovisions Hit von Dschinghis Khan „Dschinghis Khan“, gekauft hatte ich die damals in Dortmund-Mengede. Meine erste Langspielplatte war „The best of Abba“, erworben in der Plattenabteilung von Hertie. Mein Bruder meinte damals zu mir, „das wirst Du später bereuen“. Na ja, lange Zeit stand sie dann da ungehört rum, vor allem in der Zeit, als ich mehr auf Rockmusik zwischen AC/DC, Kiss, Saxon und Uriah Heep stand. Aber mittlerweile finde ich Abba gar nicht mal so schlecht.

Doch damit fing vor fast 35 Jahren alles an. Im Laufe der Zeit hat sich hier einiges angesammelt.  Noch immer kaufe ich Vinyl, noch obskurere Aufnahmen als damals. Hauptsächlich uralte deutsche Aufnahmen, die man hier gelegentlich in Plattenläden (!) findet, oder aber historische „Recordings“, alte Reden, Theateraufführungen, geschichtliche Ereignisse. Also, meine Schallplattensammlung wächst noch.

Warum ich das schreibe? Morgen ist „Record Store Day“. Viele Bands, die Vinyl lieben, veröffentlichen an diesem Tag spezielle 45er oder 33er. In den Plattenläden treten Musiker auf, man zelebriert die Schallplatte. Sammler tauschen sich aus, berichten von ihren besonderen Juwelen in den Regalfächern. Vor allem liebt man den Klang der Vinylplatte, der anders, der viel besser ist, als jede mp3 File.

Wenn ich über Schallplatten rede, dann erinnere ich mich an damals (ich bin ja so alt!). Wie ich in Nürnberg zwischen Radio Adler, WOM, Music Shop, Goofy, Francoise, Phonac, Karstadt rumgelaufen bin, um die eine oder andere Platte etwas billiger zu finden. Man kaufte eine LP nicht wie heute einen Download. Man zelebrierte das, man sparte auf den Kauf, schaute sich das Plattencover genauestens an, las die Songtexte durch, hörte sich das Album von vorne bis hinten an und tauschte sich dann mit anderen darüber aus. Plattensammeln gehörte für mich zu meiner Jugend, wie das Handballspielen.

Und nun wird eben genau das Jahr für Jahr beim „Record Store Day“ gefeiert. Schon alleine der Geruch in einem „Used Record Store“…. Ein schönes Ereignis, ich hoffe, am Samstag sind auch in Nürnberg und woanders die Plattenläden gut besucht, denn Vinyl ist einzigartig.

Mit Mozart bei Aldi an der Kasse

      Mozart im Interview

Er hat bereits vor Rammstein auf der Bühne geschockt. Ganz bewusst. Es krachte, flammte und provozierte. Mit Umbra et Imago ging Mozart 1991 an den Start. Der Sound kommt an, auch international ist die Band gefragt. Der aus Karlsruhe kommende Musiker gehört zu den Pionieren der deutschen Gothic-Szene. Neben seiner mehr gitarrenorientierten Band Umbra et Imago hat er seit einigen Jahren auch das Projekt Dracul am Start. Mehr elektronisch ausgerichtet, besser für die Clubs geeignet. Mozart nimmt kein Blatt vor den Mund, er versteckt sich nicht, beschönigt auch nichts. Er steht zu dem, was er sagt.

Er arbeitet ständig an etlichen Projekten, bekommt dabei gleich Ideen und Visionen für weitere. Ein Interview mit ihm ist unterhaltsam, man kann scherzen, man kann lachen, wie man das in dem oben zu hörenden Gespräch für meine Sendung Radio Goethe hören kann. Und doch, Mozart hat den Überblick über die Gothic-Szene, wie wohl kein anderer. Gerade weil er schon seit Ewigkeiten dabei ist. Er legt den Finger in die Wunde, vor allem dann, wenn er mitansehen muß, wie die Gothic-Szene von politisch rechten Strömungen unterspült wird.