Wir bauen uns aus der Krise

Das „Woodminster Amphitheatre“ wurde mit öffentlichen Geldern aus dem WPA Programm erbaut.

Was amerikanische Politiker seit Jahren fordern, und das quer über die parteipolitischen Grenzen hinweg, ist ein Investionsplan für die Infrastruktur im Land. Denn es bröckelt und zerfällt zwischen New York und San Diego. Das Vorbild ist die „Works Progress Administration“ (WPA), die in den 1930er Jahren Baumaßnahmen überall in den USA anordnete, die Amerika aus der damaligen Wirtschaftskrise bringen sollten. Es waren Straßen, Wohnhäuser, Schulen, Gesundheits-, Kinderbetreuungs- und Freizeiteinrichtungen, in allen Orten und Städten wurde gehämmert und gebaut.

Hier in Oakland wurde u.a. das Woodminster Amphitheatre mit Geldern der „Works Progress Administration“ errichtet. Ein Theater in den Hügeln von Oakland, direkt im Joaquin Miller Park gelegen. Grandiose Ausblicke, Redwood Trees und eine einmalige Atmosphäre gibt es kostenlos dazu. Heute ist das Woodminister ein Geheimtipp in der Bay Area. Immer an den Wochenenden im Sommer werden Musicals unter freiem Himmel aufgeführt, wie jüngst auch vor vollen Sitzreihen „Mamma Mia!“. Lauthals wurde mitgesungen und mitgefeiert. Schon vorher trafen sich die meisten vor den Toren des Woodminster, um den Abend im Park mit einem Picknick einzuläuten. Das Gläschen und die Flasche Wein darf man dann ruhig mit zu seinem Platz nehmen, das fördert die entspannte Stimmung in den Oakland Hills.

Ob bei den jüngsten Trumpschen Plänen für die Förderung der Infrastrukturmaßnahmen im ganzen Land auch solche Veranstaltungsorte wie das Woodminster Amphitheatre eingeplant sind, sei dahingestellt. Wahrscheinlich ist es nicht, wenn man Donald Trumps Ansage zugrunde legt, öffentliche Gelder für die Kunst- und Kulturförderung der „National Endowment for the Arts“ und der „National Endowment for the Humanities“ vollkommen zu streichen. Doch dieser alte Veranstaltungsort ist eine wahre Perle in Oakland, die viele hier noch nicht einmal kennen. Wer also im Sommer als Tourist nach San Francisco reist, sollte durchaus auch mal den Blick auf meine zweite Heimatstadt Oakland werfen, hier gibt es einiges zu entdecken, etwas ab vom hektischen Leben in der „City by the Bay“. weiter lesen

„American Idiot“ ist idiotisch

Ich war also in diesem Musical in San Francisco. Hochgelobt und ausgezeichnet und quasi im Vorhof der Green Day Jungs, die in Oakland auf der anderen Seite der Bay leben. „American Idiot“ ist die Broadway Umsetzung des siebten Green Day Studio Albums. Die professionellen Musiktheaterkritiker der New York Times schreiben, es sei „mitreißend, emotional aufgeladen und bewegend“. Die müssen es ja wissen, sind ja Profis und kennen sich aus. Schon beim ersten Song dachte ich mir, das wird nix!

Eine zweitklassige Band spielt da auf der Bühne des Orpheum Theatre’s in San Francisco. Die Schauspieler und Sänger sind nicht viel besser. Klingt einfach nicht gut, man wird ständig an einen Covermusikabend in der High School um die Ecke erinnert. Aber ok, darüber blicken wir mal geflissentlich hinweg. Das schlimme an dem ganzen Abend ist, ich sitze da und überlege mir, was man eigentlich hätte machen können, wenn man in einer Band wie Green Day spielt und kreativ mal eine neue Herausforderung braucht. Ich weiß, dass sich die Musiker des Trios durchaus als die beste Band der Welt bezeichnen. Sie spielten und spielen auf allen großen Festivals der Welt, ihre Tourneen sind ausverkauft, ihre Platten Bestseller. Das allein birgt unglaubliche Möglichkeiten. Finanzielle und personelle.

Und dann machen die so einen Mist. Larifaridudeldei. Eine Geschichte, die peinlicher nicht sein kann und die dann auch noch als „kritisch“, „provokant“ und „sozialkritisch“ hingestellt wird. Ja mei, wo leben wir denn? Wirklich, ich habe nichts dagegen, wenn Musiker neue Wege ausprobieren wollen, Konzeptalben produzieren, musikalische Visionen außerhalb des harten Geschäfts erkunden. Ich denke an die Rockoper „Tommy“, an „Quadrophenia“, an „The Wall“, aber das hier ist Pipifax. Unglaublich schlecht. „Don’t wanna be an American idiot. Don’t want a nation under the new media. And can you hear the sound of hysteria?“ und genau dieses Hysteriegekreische sitzt hinter mir in form von ein paar weiblichen Fans, davon gleich mehrere im 70 Dollar „American Idiot“ Hoodie (+ Tax). Bei jedem „Fuck“ auf der Bühne kichern sie, als ob das nun wahrlich der Witz des Tages war, applaudieren begeistert jeden Hopser, schluchzen sehnlichst bei den ruhigeren Tönen mit. Wo bin ich nur gelandet? Die Musical Version des Green Day Albums kann man sich auch im eigenen „American Idiot“ Shop für 15 Dollar runterladen. Warum man die Platte schlecht gecovert haben will muß ich nicht verstehen, oder?

Ich habe Green Day zum ersten mal 1994 auf dem Lollapalooza Festival gesehen. Damals standen sie noch am Anfang ihrer Karriere, waren die erste Band, der „Opening Act“ auf der großen Bühne. Damals schrien einige der Hardcore Punk Fans im Publikum „Sellout“, warfen der Band vor, sich gegen ihre eigenen Punk Ideale zu stellen und Teil einer kommerziellen Mammuttour zu sein. Das war sicherlich übertrieben, denn jede Band ob Punk, Rock oder Hip Hop strebt nach Erfolg. Green Day gingen ihren Weg, verkauften immer besser, buchten immer größere Hallen und Auftrittsmöglichkeiten, wurden zu einem weltweiten Phänomen. Und irgendwann muß wohl der Punkt gekommen sein, an dem man meinte, jetzt ist man kreativ ganz oben angekommen und kann sich mit einem Musical selbst verwirklichen. Mit einem Musical! Ach Du Sch….!!!! Peinlicher kann es nicht mehr kommen.