Auf der Suche nach der kalifornischen Liebe

Derzeit wird in den USA viel zurück geblickt. Hier jene, die 50 Jahre nach dem “Summer of Love” darüber reden, was aus all dem geworden ist. Und dort die, die das weiße Amerika längst vergangener Tage als Idealbild betrachten. Doch es geht auch anders, wie eine Retro-Welle in Los Angeles zeigt. Musik, Tanz und Mode aus einer anderen Zeit feiert in der kalifornischen Megametropole, der Glanz- und Glitterstadt, der Traumfabrik ein Comeback.

Menschen aus aller Welt zieht es nach Los Angeles. Hier trifft man auf Stars und Sternchen, hier fahren werdende Schauspieler und Filmschaffende Taxi und erzählen ihren Mitfahrern, dass sie bald ganz groß rauskommen. Los Angeles lädt zum Träumen ein. Der Blick ist nach vorne gerichtet, die Zukunft gehört denen, die an sich glauben.

Und doch, derzeit geht der Blick auch wieder zurück auf eine Zeit, in der die Welt noch heil und Amerika “great” war – zumindest in der Erinnerung. Die 1950er Jahre und mit ihr der Rockabilly erleben in LA eine Wiedergeburt, wie die Musikerin und Sängerin Maureen Davis erklärt. „Es bringt uns zusammen. Es ist ein Flashback auf die glücklicheren Zeiten unserer Großeltern. Die Mode ist klassisch, wir reden hier von den Chanel Modellen, diesen Pencil Skirts, Mode, die immer wieder aktuell wird.“

Die aus Ohio stammende Maureen Davis lebt seit vielen Jahren in Los Angeles. Sie legt nun mit ihrer Band Mercury Five passend zum Retro-Trend in LA ein neues Album vor. “Gimme Mo!” heißt es, was für Maureens Spitzname “Mo” und gleichzeitig für die Kurzfassung von “More” steht. Also, in etwa “gib mir mehr Maureen”. Auf dem Cover ist die attraktive Sängerin im Stil eines 50er Jahre Cartoons abgebildet. Es ist ein Album, auf dem Davis viele musikalische Brücken schlägt: „Ich bin eine Tänzerin, ich liebe das Tanzen, Swing und Jitterbug…. Rockabilly war für mich eine Möglichkeit meine Country und Rock’n Roll Wurzeln mit meinem Tanzen zu verbinden. Rockabilly ist nicht nur die Zusammenführung von Hillbilly und Rock’n Roll. Da ist auch Latin Rockabilly. Ich liebe meine Cha Chas und meine Mambos, also musste ich “Mambo Joe” und “Mr. Love Love” schreiben, einen Cha Cha. Und dann sind da meine Mistreiter Scotty Lund und Sylvain Carton. Wie sie es produziert haben hat das alles zusammen gebracht.“

“Gimme Mo” hat die Leichtigkeit und Entspanntheit eines südkalifornischen Strandnachmittags. Sonne, Meeresrauschen, Kofferradio und dazu ein Eis am Stiel. Auf diesem Album nimmt Maureen Davis einen mit auf eine klangvolle und “happy” Zeitreise. „LA ist wunderbarer Ort dafür. Die Mode, eine Frau mit einer Blume im Haar, Kerle mit den Tattoos. Wir sind hier sehr offen. Man muss nur nach Swing Dance in Los Angeles suchen, dann findet man das. Es gibt da einen ganzen Kalender voll, wo man was in Los Angeles finden kann.“

Maureen Davis ist auf einer Mission. Sie will ihre Mitmenschen für den Retro-Sound gewinnen. Derzeit tanzt sie sich wieder durch das Nachtleben der Megacity. In 101 aufeinander folgenden Tagen erlebt sie die Stadt und ihre Clubs, manchmal tanzt sie auch einfach draussen zum Sound eines Radios. Dazu spielt sie mit ihrer Band live, unterrichtet und schreibt an neuen Songs. Viele davon sind wie auf “Gimme Mo!” persönlich gehalten: „Wenn du dir die Lyrics anhörst, dann merkst du schnell, dass ich immer auf der Suche nach Liebe bin. Die EP “What’s it gonna take” war sogar ein Heiratsantrag an meinen damaligen Freund. Und er sagte nein….der Bastard. (lacht). Ich wollte den Leuten einen menschlichen Blick auf die Musik geben. Viele dieser Rockabilly und Swing Songs sind einfach nur happy, happy und ein bisschen trauriges Cliché. Ich wollte mich als ehrliche, erwachsene Frau durch die Musik ausdrücken, und ich hoffe, das ist mir gelungen.“

Maureen and the Mercury 5, Gimme Mo!, ist bei Rock Star Records erschienen.

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