Mein Freund der Baum ist tot

Auf google maps kann man ihn noch sehen.

Nach einer langen und intensiven Reise nach Somaliland und in den Niger bin ich wieder in Oakland. Ich habe mich auf daheim gefreut. Doch hier ist nichts ist mehr so, wie es einmal war. Vor meinem Haus sieht es aus, als ob eine Bombe eingeschlagen hat und ich habe in meinem Leben schon Bombenkrater gesehen. Kein Baum steht mehr und nicht nur das, der wunderschöne Redwood Tree, direkt vor meiner Tür, wurde gefällt. Da ging ein Freund.

Der Stromversorger PG&E wird seit den massiven Bränden in Kalifornien mit Klagen überzogen, denn etliche der gewaltigen Feuer im ganzen Bundesstaat gingen auf mangelhafte Stromkabel zurück, Stromkabel, die anders als in Deutschland nicht im Boden verbuddelt, sondern über Masten gezogen sind. Und nun werden mit aller Gewalt Bäume gefällt, um die Gefahr zu verringern. Auch wenn man nur ein paar Äste zurückschneiden müsste.

Und in meiner Nachbarschaft trifft diese katastrophale Entscheidung auf Nachbarn, die lieber ein kahles Grundstück haben wollen, als gewaltige und majestätische Redwoods direkt vor der Tür. Schon seit Jahren beschwerte sich diese Frau darüber, dass der Baum, der von ihrem Vater Anfang der 60er Jahre gepflanzt wurde, ihr das Tageslicht nehme. Jüngst kam noch die Aussage hinzu, dass die Wurzeln des Sequoias das Fundament ihres Hauses beschädigt hätten. Belegen musste sie das nicht, aber das kam ihr gelegen, als jemand von PG&E bei ihr anklopfte und fragte, ob man den Baum beschneiden dürfe. Nicht nur das, so ihre Antwort, fällen sie ihn doch gleich ganz.

Mails and PG&E, an meine Repräsentantin im Stadtrat und selbst an die Nachbarin halfen nichts. Es war zu spät. Der Redwood wurde „entfernt“ für einen vermeintlichen Brandschutz, der mehr als übertrieben ausgelegt wurde. Und das, obwohl keine Äste des Baumes die Stromkabel direkt berührten und der Baum in jedem Sturm wie ein Fels in der Brandung steht. Es gab keine Gefahr, dass dieser weit über 50 Jahre alte, gesunde Redwood umfallen würde.

Nun ist da ein gewaltige Lücke, ein leerer Platz, wo einst Dutzende von Bäumen standen – California Oak, Eucalyptus, Bay Trees und eben dieser wunderbare Redwood. Was mit diesem Baum auch verloren ging ist ein gutes Nachbarschaftsverhältnis, denn die Nachbarin wusste, wie sehr ich diesen Sequoia mochte. Sie schuf Fakten ohne ein Wort mitzuteilen. Beim Lesen fiel mein Blick aus dem Fenster auf ihn, jeden Morgen ging ich mit meinem Hund die Treppe runter und sah diesen stillen Freund. Nun ist da ein riesige Schneise geschlagen, ein Windkanal geschaffen worden, der für sich eine Gefahr ist. Ich kann nur hoffen, dass irgendwas dran ist an dem Wort „Karma is a bitch“.