Wann geht der Schwiegersohn?

      Audiobeitrag zu Jared Kushner

Donald Trumps Schwiegersohn Jared Kushner wird wohl bald vor die Tür des Weißen Hauses gesetzt. Foto: Reuters

Als Donald Trump überraschend am 8. November 2016 zum Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika gewählt wurde, feierte einer im Hintergrund besonders mit. Jared Kushner war nicht nur der Schwiegersohn des zukünftigen Präsidenten, sondern auch der Verantwortliche des digitalen Wahlkampfes von Donald Trump. Zeitweise nach Problemen im Wahlkampfteam Trumps, war Kushner sogar Manager der gesamten Kampagne.

Donald Trump baute im Wahlkampf auf enge Vertraute. Und dazu gehörte sein Schwiegersohn, der für viele mehr den Eindruck des stets lächelnden netten Schwiegersohnes macht. Und dieses Konzept wollte Trump auch mit ins Weiße Haus bringen. Der 37jährige Jared Kushner wurde “Senior Advisor” für den Präsidenten und bekam etliche Aufgaben zugesprochen, darunter einen Friedensvertrag zwischen den Palästinensern und den Israelis auszuhandeln, sich um eine verbesserte Betreuung der Veteranen zu kümmern, die Informationstechnologie in den USA auszubauen und Lösungen für die wachsende Drogen-Krise zu finden. Das alles ohne politische Vorerfahrungen.

Doch wer ist Jared Kushner überhaupt? Interviews gibt er so gut wie gar nicht. Noch während seiner Studienzeit in Harvard stieg er ins Immobiliengeschäft ein, hatte Erfolge, doch er verspekulierte sich auch im Vorfeld des Banken Crashs von 2008. Immer mal wieder hieß es, Kushner halte die Fäden im Hintergrund des Weißen Hauses in der Hand, sei dafür verantwortlich gewesen, dass Gouverneur Chris Christie als Trump-Berater gefeuert wurde. Doch das ist lange her. Der direkte Zugang zum Oval Office, zum Präsidenten und seinem Schwiegervater wurde ihm schon lange von Stabschef John Kelly verwehrt. Von Anfang an hatte er nur eine vorläufige “Security Clearance” im Weißen Haus, die ihm den Zugang zu wichtigen und strenggeheimen Regierungsunterlagen und -informationen ermöglichte. Dem FBI fiel gleich auf, dass Kushners Geschäfts-Aktivitäten ihn anfällig für ausländische Interessen machten.

Und tatsächlich, in der vergangenen Woche wurde Kushners Sicherheitslevel heruntergestuft. Damit hat er keinen Zugang mehr zu Top-Secret Informationen, die er eigentlich für seine Arbeit als engster Berater des Präsidenten benötigt. Auch wird immer deutlicher, dass Trumps Vetternwirtschaft Kushner in wichtige Positionen gebracht hat, die dieser für seine Firma und die Interessen seiner Frau, Trump Tochter Ivanka, zu nutzen wusste. So wurde während offiziellen Anlässen in Katar und Japan, auch über Geschäftsinteressen der Trumps und Kushners gesprochen.

Jared Kushner hat nun ein großes Problem. Denn er ist im Zentrum der Russland Ermittlungen von Robert Mueller gelandet. Der Kauf der Immobilie 666 Fifth Avenue in New York City von 2007 hat dem Kushner Familienunternehmen Schulden in Höhe von 1,2 Milliarden Dollar gebracht. Ein hoher Kredit ist im kommenden Januar fällig. Trumps Schwiegersohn soll daher noch im Dezember 2016, als er schon Teil des Übergangsteams für die neue Administration war, mit Investoren aus China, Katar, Israel und auch Russland gesprochen haben, um die drohende Unternehmenspleite abzuwenden. Und nicht nur das, Kushner hat lange Zeit diese Kontakte verschwiegen, ja Falschaussagen beim seinem Sicherheitscheck durch das FBI gemacht.
Und das holt ihn und damit Donald Trump nun ein. Jared Kushner, so sind sich Kommentatoren und Beobachter in Washington einig, ist kaum noch für das Weiße Haus zu halten. Die Frage ist nun nicht mehr, ob, sondern wann Jared Kushner und damit wohl auch seine Frau Ivanka Trump aus dem Präsidententeam ausscheiden werden. Donald Trump preist zwar nach wie vor Jared Kushner in den höchsten Tönen, doch es heisst, schon seit Wochen überlege er, wie er seinen Schwiegersohn vor die Tür setzen könne.