Die Geschichte vom Wolf

Eines der faszinierendsten, spannendsten, und bewegendsten Bücher, die ich in diesem Jahr gelesen habe ist “American Wolf” von Nate Blakeslee. Erzählt wird die Geschichte der Wölfe im Yellowstone Nationalpark seit ihrer Wiederansiedlung 1995. Blakeslee erhielt dafür Zugang zu den Aufzeichnungen etlicher Wolf-Beobachter, die Tag für Tag und das ganze Jahr über Wölfe beobachten, ihr Verhalten und ihr Leben dokumentieren.

“American Wolf” gibt einen Einblick in das Leben dieses Raubtieres, aber auch in die amerikanische Politik und das Denken von Jägern, die Wölfe als Trophäen erschießen. Politiker, die Wölfe abschlachten lassen, um ihre Wiederwahl zu sichern. Jäger, die dieses beeindruckende Tier in einem bescheuerten Egotrip zur Strecke bringen. Es ist nahegehendes Buch um Leben und Tod. Der Wolf wird hier nicht vermenschlicht und doch fühlt man mit den Rudeln, die ihren täglichen Kampf ums Überleben durchmachen. Viele der beschriebenenen Beobachtungen erinnerten mich an meinen Hund, einen Huskie-Schäferhund Mischling, spannend zu lesen und zu lernen, woher manches Verhalten kommt.

Nate Blakeslee schafft es in diesem Buch ohne Gefühlsduselei, Schönfärberei und Verharmlosung eine mitreißende Naturgeschichte zu erzählen, die sich im ältesten Nationalpark der Welt abspielt. Eine Schutzzone, in der sich seit 1995 der Canis Lupus wieder entwickeln darf und dadurch den Park und das Leben darin verändert hat. Es ist ein wichtiges Buch in einer Zeit, in der solche Schutzzonen mehr denn je gebraucht werden und in der Politiker offen dem Natur- und Tierschutz den Kampf angesagt haben. „American Wolf“ macht nachdenklich und ist dennoch auch ein hoffnungsvolles Buch. Denn es ist eine Geschichte die Mut macht, die vom Überleben und von der persönlichen Überzeugung erzählt.

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Karl der Käfer wurde (bei dieser Wahl) nicht gefragt

Donald Trump hat nicht nur internationale Verträge wie das Pariser Klimaabkommen mit dem Argumentaufgekündigt, die USA würden dabei finanziell benachteiligt werden. Auch im eigenen Land kämpft der Präsident gegen Umweltschutzmaßnahmen und hebelt dabei gezielt Bestimmungen und Gesetze seiner Vorgänger aus.

Auch der Weißkopfadler sieht sich unter Trump bedroht. Foto: Reuters.

Die Trump Administration macht weiter ernst mit dem Rückbau von Naturschutzmaßnahmen, die von Vorgängerregierungen eingeleitet wurden und zum Teil 45 Jahre zurückreichen. Vor wenigen Tagen wurde bekannt, dass die Administration das “Endangered Species Act” von 1973, das Artenschutzgesetz in den USA, nicht länger in der aktuellen Form beibehalten will. Die neue Version sieht vor, dass nur noch von Fall zu Fall entschieden wird und nicht mehr aufgrund allgemeiner Umweltzusammenhänge. Betroffen sind davon vom Weißkopfadler bis hin zum Grizzleybären unzählige von gefährdeten Arten in den USA.

Inzwischen wurde auch klar, dass das Innenministerium unbeabsichtigt Dokumente an Journalisten verschickt hat, die belegen, dass Innenminister Ryan Zinke plant, Nationalparks in den USA verkleinern zu lassen, wenn dies der Holzindustrie oder dem Abbau von Rohstoffen zugute kommen könnte. Gewinne für den regionalen Tourismus und der Schutz von archäologischen Orten seien dabei bedenkenlos vernachlässigbar.

In den nun versehentlich veröffentlichen Unterlagen heißt es, dass Mitarbeiter von Zinke Argumente und Belege zum weiteren Schutz der Nationalparks und Nationalwälder bewusst nicht beachtet haben. Zuvor schon hatte Präsident Donald Trump seinen Innenminister beauftragt, bei 27 Nationalparks prüfen zu lassen, ob seine Vorgänger zu weit gegangen sind und zu viel Land unter den Schutz der Nationalparks gestellt haben. Trump hat bereits zwei Schutzgebiete in Utah deutlich verkleinern lassen, die Barack Obama am Ende seiner zweiten Amtszeit erheblich ausweiten ließ. Umweltschutzgruppen kritisieren, Trump und sein Innenminister drehten damit die Uhren für den Naturschutz in den USA um Jahrzehnte zurück.

„This land is your land, this land is my land“

„…from California to the New York Island. From the red wood forest to the Gulf Stream waters. This land was made for you and me.“ Diesen wohl bekanntesten amerikanischen Folk Song schrieb Woody Guthrie 1940. Er war ein politischer Sänger, der die Schönheiten und die Bedeutung Amerikas erkannte. Und klar war für ihn, dass Amerika allen Bürgern gehört.

Yosemite Nationalpark

Yosemite Nationalpark

Wenn Touristen durch die USA reisen, sind sie begeistert von den Nationalparks, die wohl weltweit einzigartig sind. Der Autor und Pulitzer Preis Träger, Wallace Stegner, schrieb einmal über die amerikanischen Nationalparks: „National parks are the best idea we ever had. Absolutely American, absolutely democratic, they reflect us at our best rather than our worst.“ Die Millionen Besucher Jahr für Jahr geben ihm darin wohl recht.

Doch Teile der republikanischen Partei sehen das anders. Im US Kongress wird derzeit eine Initiative geblockt, weiteres Land dem Yosemite Nationalpark zuzuführen. Eine Umweltgruppe hatte vor zehn Jahren Land von einer Familie gekauft, dass an den Park angrenzt und seit 1925 im Privatbesitz war. Für dieses Land gibt es viele Interessenten, denn es ist als Bauland für zehn Häuser ausgewiesen. Allerdings würde die Umweltgruppe gerne das Waldgebiet der Nationalparksbehörde verkaufen, um es zu bewahren. Und da ist nun der Haken. Tea Party Aktivisten, allen voran deren Abgeordneter Tom McClintock, dessen Distrikt genau hier ist, blockieren eine Erweiterung des 1939 verankerten Yosemite Nationalparks. McClintock glaubt nicht, dass es zum Wohl der Amerikaner sei, wenn man noch mehr Land unter die Aufsicht der Nationalparksbehörde stellt. Vielmehr fordert er, dass öffentliches Land für die Viehzucht, die Land- und Holzwirtschaft und den Bergbau geöffnet wird. Davon hätte Amerika mehr, als von Nationalparks, so McClintock.

McClintock muß sich in diesem Jahr einer Wiederwahl stellen. Sogar sein innerparteilicher Konkurrent, der Republikaner Art Moore, fordert den Erwerb des zusätzlichen Landes für den Yosemite Nationalpark. Moore lobt die Initiative der Umweltgruppe, die den Wert dieses Landes erkannt hat und sogar unter Marktwert das Waldgebiet der öffentlichen Hand überschreiben will. Die Tea Party, und das wird immer deutlicher, entwickelt sich mehr und mehr zu einer regierungsfeindlichen Organisation, die alles ausbremst, was auch nur annähernd mit Washington zu tun hat. Man kann nur hoffen, dass im November diese Feierabendpolitiker selbst von den Wählern ausgebremst werden..

Die Bären sind los

Heute Nacht um 00:00 Uhr Washington DC Zeit macht die Bundesregierung den Laden dicht. Der Präsident und die Demokraten auf der einen Seite und die Republikaner auf der anderen konnten sich bislang nicht über den aktuellen Haushalt einigen. Seit Wochen schon geht das Spiel von Woche zu Woche. Doch nun ist Schluß. Klar ist, die USA sind hoch verschuldet und es muß gespart werden. Doch wo und wie, darüber scheiden sich die Geister.

Es ist ein politisches Gerangel, das eigentlich weniger ums Sparen als vielmehr um eine politische Ausrichtung geht. Die Wahl 2012 im Blickwinkel versuchen beide Lager sich zu positionieren. Und als Schlachtfeld  hat man sich „Abtreibung“ und „Umweltschutzmaßnahmen“ heraus gesucht. Also beides Themen, bei denen es keine Übereinkunft geben wird und geben kann. Die Republikaner verlangen, dass staatliche Zuschüsse für „Planned Parenthood“ gestrichen werden, denn hier können Frauen eine legale Abtreibung erhalten. Und die GOP verlangt, dass die Regularien für Umweltverträglichkeit gesenkt und in diesem Bereich viel Geld eingespart wird. Diese beiden politischen Bereiche sind allerdings Eckpfeiler der Demokraten und Barack Obamas. Wenn sie diese in den Verhandlungen aufgeben würden, dann könnte man schon jetzt die Wahl im kommenden Jahr abschreiben.

Obama ist schon länger in der Kritik in den eigenen Reihen. Der Krieg im Irak und Afghanistan, das Gefangenenlager in Guantanmo, die Steuererleichterungen für Superreiche, die Abstriche bei der Gesundheitsreform, seine Wischi-Waschi Haltung bei der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko und den Demokratiebewegungen in Nordafrika….Obama hat bislang nicht sehr viele Wahlkampfversprechen umgesetzt. Falls er nun auch noch bei der Abtreibung und den Umweltgesetzen nachgibt, kann er schon bald seinen Hut als Präsident nehmen und mehr Geld als öffentlicher Sprecher verdienen.

Um Mitternacht fällt die Entscheidung. Die Zahlungsunfähigkeit der Regierung könnte ein paar Stunden dauern, doch auch für mehrere Wochen anhalten. Betroffen sind die Beamten und Angestellten, Zulieferer, Touristen und die amerikanische Öffentlichkeit. Nationalparks werden landesweit geschlossen, die Bären werden vergebens nach Picknickresten suchen müssen. In Washington wird so gut wie nichts mehr auf sein, Museen werden nur noch bewacht, aber nicht mehr geöffnet sein. Und sogar die Soldaten werden vorübergehend nicht bezahlt werden. Amerika wird dann auf Sparflamme regiert. Einen Sieger wird es dabei nicht geben und das ganze Schauspiel wird die Amerikaner sehr viel Geld kosten.

Bärige Zeiten

1984 wurden in Kalifornien 4080 Schwarzbären gezählt. Zehn Jahre später waren es schon 17,800 und 2008 wuchs die Anzahl der Schwarzbären auf 37,518 an. Früher wanderten die Bären einfach für einen Snack zu Campingplätzen, traten mal kurz gegen einen Abfallbehälter und frassen die Reste auf. Das ist nun vorbei. Wer schon einmal in den kalifornischen National- oder Stateparks war, der wird die „bear proved“ Mülleimer gesehen haben.

schwarzbaerDoch die steigende Bärenbevölkerung hat nach wie vor Appetit. Fast in jedem County von Kalifornien trifft man nun auf Schwarzbären. Und nicht nur das, die bis zu 300 Pfund schweren Tiere sind vom Knacken der Mülleimer auf Hauseinbrüche umgestiegen. Immer mal wieder kommen Bewohner nach Hause und finden Mutterbär mit ihren Kleinen im Garten oder auch im selbst Haus vor. Dort leeren sie Vorratskammern und Kühlschränke und gehen nicht gerade behutsam vor.

Gerade in Wald nahen Gebieten in Nordkalifornien, wie der Lake Tahoe Area, ist das Bärenproblem riesig geworden. Die Beschwerdeanrufe bei lokalen Behörden und Polizeidienststellen stiegen in den letzten Monaten drastisch an. Die Bären haben in diesem Jahr früher als gewohnt ihre Überwinterungsplätze verlassen. Normalerweise sieht man sie erst im Mai/Juni, doch dieses Jahr waren sie schon im März auf den Beinen. Bewohner fordern nun den Schutz vor den Bären.

Das Problem ist aber auch hausgemacht. Früher lebten Grizzlies in Kalifornien, die darauf achteten, dass die Schwarzbären nicht in ihre Gegenden kommen. Doch der letzte Grizzly ist schon vor langer Zeit dem Jäger vor die Flinte gelaufen, die Schwarzbären können sich nun ausbreiten wie sie wollen. Und auch der Trend raus aus den Ballungsgebieten und in die freie Natur zu ziehen, fördert die Konfrontation mit den Felligen. Darüberhinaus wächst die Population der Schwarzbären, immer mehr Jungtiere werden gesichtet. Das alles könnte zu einem noch grösseren Problem werden.

Seltsames aus Amerika

Die Jahreswende bringt es mit sich. Es gibt Rückblicke aller Art. Im San Francisco Chronicle wurden nun mal so einige seltsame Nachrichten aus der Reisewelt zusammen gefasst. Hier ein paar Meldungen aus dem vergangenen Jahr.

Da ist der Schönheitschirurg aus Beverly Hills, der erklärte, er habe die wahre Form des Bio-Treibstoffs entdeckt. In seiner Praxis sauge er pfundweise das Fett übergewichtiger oder schlankheitsbesessener Zeitgenossen ab. Und das nutze er dann für seinen SUV. Das ganze wurde bekannt, als einige seiner Patienten die Idee der Fetteinspritzung im Motor des Arztes nicht so toll fanden und klagten. Ausgang noch ungewiss.

Auch schön ist die Meldung des Ehepaares aus Arizona, die Schritt für Schritt und Meile für Meile ihre Urlaubsfahrt nach Kansas City twitterten. So sollten Freunde und „Followers“ an ihrer schönen Reise durch den Südwesten teilhaben. Einziges Problem, einer der Twitter Freunde nutzte die genauen Nachrichten, um das Haus der Urlauber auszuräumen. Geklaut wurde professionelles Video Equipment im Wert von mehreren tausend Dollar. Also manchmal ist weniger durchaus mehr.

Douglas Jones hat eine dicke Klage am Hals. Er wurde von den Rangers im Joshua Tree National Park in Südkalifornien wegen Verschmutzung angezeigt. Jones hatte sage und schreibe 3000 Golfbälle aus seinem Auto geworfen. Seine Begründung für die Aktion: Jeder dieser Golfbälle stehe für einen verstorbenen Golfer. Golf war mir schon immer ein Rätsel.

Bärenstark

Bär im YosemiteBären bevorzugen Minivans. Das hat nun eine Studie herausgefunden, die sich mal genauer mit den Zahlen von aufgebrochenen Autos im Yosemite Nationalpark befasste. Die Wahrscheinlichkeit liegt demnach viermal höher, dass sich dort ein Bär das Auto von innen ansieht und nach Fressen sucht, wenn man mit einem Minivan unterwegs ist. Das liegt sicherlich daran, dass diese Art des fahrbaren Untersatzes eher eine Familienkutsche ist, die Kleinen auf dem Rücksitz gerne mal mit Erdnussbutter bestrichende Sandwiches rumschmieren oder andere Leckereien rumsauen. Das zieht dann des nächtens Bären an, die ganz gezielt Minivans raussuchen, denn da gibt es aus Bärensicht immer was zum Schleckern.
Der Schaden ist dann meist erheblich. Von eingeschlagenen Fenstern bis zu aufgebrochenen Autotüren, ganz zu schweigen von den zerrissenen Sitzen im Innenraum. Man fährt also wohl besser mit einem Zweisitzer nach Yosemite und isst nichts unterwegs.