Die erste Demokratin fällt

Senatorin Elizabeth Warren ist „ouf of the race“. Foto: Reuters.

Elizabeth Warren wollte mit ihrer DNA Analyse einen Punktsieg gegen Donald Trump erreichen. Doch nun hat sie sich damit einen Bärendienst geleistet. Warren hatte in der Vergangenheit erklärt, sie habe „Native American“ Vorfahren. Donald Trump griff das schon im Wahlkampf auf und attackierte die US Senatorin. Trump meinte, Warren habe weniger indianisches Blut als er in sich, und er habe 0,0 Promille davon. Vielmehr, so Trump, habe „Pocahontas“, wie der Präsident die Senatorin abwertend bezeichnet, sich Vorteile mit dieser Behauptung erkauft. Das stimmt nachweislich nicht, doch der Vorwurf blieb and Warren haften.

Nun also wollte sie alles klarstellen, ein Stanford Professor untersuchte die DNA der Senatorin und erklärte, sie habe vor sechs bis zehn Generationen indianische Vorfahren gehabt. Warren jubelte, doch der Schuss ging nach hinten los. Nicht nur, dass sich die Konservativen im Land, allen voran Donald Trump, kaputt lachten und sich bestätigt fühlten. Auch betonten führende Vertreter verschiedener indianischer Völker, dass die DNA Analyse von Elizabeth Warren ein totaler Humbug sei und nichts darüber aussage, ob sie „Native American“ sei oder nicht.

Elizabeth Warren ist damit aus dem Rennen ums Weiße Haus. Sie galt als mögliche demokratische Kandidatin 2020, hatte daraufhin gearbeitet und ihr DNA Test sollte auch dahingehend bewertet werden. Warren wollte Trump angreifen, doch hat sich damit selbst ins Aus katapultiert. Denn nun hängt ganz deutlich etwas an ihrem Namen. Gegen den populistischen und verleumderischen Ton von Donald Trump kommt sie so nicht an. Vielmehr glauben seine Fans den „Pocahontas“ Vorwürfen und viele „Independent Voters“ und auch Demokraten haben ihre Zweifel, ob nicht doch was an der Trumpschen Indianergeschichte dran sein könnte. Alleine dadurch ist Elizabeth Warren angreifbar und somit nicht länger als Kandidatin haltbar. Falls sie dennoch blind und selbstgefällig ins Rennen gegen Trump einsteigen will, ist sie auf verlorenem Posten. Gegen den verlogenen King des Populismus wird sie keine Chance haben.

Die Heiligsprechung des Junípero Serra

Wer durch Kalifornien reist, kommt an diesem Namen nicht vorbei. Es gibt Junípero Serra Boulevards, Junípero Serra High Schools und Junípero Serra Squares. Und dann sind da noch die Missionen von San Diego bis nördlich von San Francisco, die von dem spanischen Jesuiten im 18. Jahrhundert gegründet wurden. An acht der Missionen war Serra beteiligt. Er brachte den Katholizismus nach „Neu Spanien“, vom heutigen Baja California bis hoch nach Nordkalifornien.

Junípero Serra war umstritten, seine harte und brutale Art, auch gegen sich selbst, war bekannt. Serra missionierte die „Wilden“ im amerikanischen Westen, war darüberhinaus der Inquisator für Spanien in der Region. Nun will Papst Franziskus ihn in Washington heilig sprechen. Das ist umstritten, denn viele „Native Americans“ sehen in Junípero Serra den Vertreter einer Gewaltherrschaft, die ihre Nationen zugrunde richtete. Sie haben kein Verständnis dafür, dass dieser Mann, der mit aller Härte sein Ziel der Missionierung verfolgte, nun als Heiliger verehrt werden soll. Doch Proteste und Briefe an den Vatikan halfen nichts. Junípero Serra wird am morgigen Mittwoch vom Papst diese besondere Ehre der Katholiken erhalten.

Die Rechten und ihr Rechtsverständnis

Cliven Bundy schuldet der Bundesregierung rund eine Million Dollar. Der Farmer aus Nevada läßt seit 20 Jahren seine Rinder auf Ländereien grasen, die dem Staat gehören. Illegal. Die Situation spitzte sich zu, als Offizielle des „U.S. Bureau of Land Management“ (BLM) die Herde des Farmers beschlagnahmten. Bundy wehrte sich lautstark, zahlreiche bewaffnete Amerikaner und Milizen zogen nach Nevada, um dem Rancher in seiner Konfrontation mit der verhassten Bundesregierung beizustehen. Es drohte eine Eskalation wie 1993 in Waco, Texas. Klar wurde bei dem Streit, weder Cliven Bundy noch seine bewaffneten Unterstützer respektieren die Regierung in Washington. Doch am Ende beruhigte sich die Situation wieder.

Und nun gibt es einen weiteren Fall. In Utah ist der „Recapture Canyon“ unter der Kontrolle des „U.S. Bureau of Land Management“ (BLM), einer Bundesbehörde, die alle Ländereien in öffentlicher Hand, wie Nationalparks, verwaltet. Der „Recapture Canyon“ ist für die Öffentlichkeit zugänglich, rund 2800 Meilen an Wegen sind offen. Lediglich 14 Meilen sind für Motorräder und ATVs gesperrt. Doch das hielt am vergangenen Samstag etwa 50 Protestierende nicht davon ab, mit ihren motorisierten Geländevehikeln die Schranke zu überwinden und etwa eine Meile weit in den Canyon zu fahren. Zuvor gab es eine Demonstration mit mehreren Hundert Demonstranten. Darunter auch zahlreiche von Cliven Bundys Unterstützer.

Man wolle ein Zeichen setzen, hieß es. „Nur weil BLM das Land besitzt, hat es noch lange nicht das Recht dazu, uns den Zugang zu versperren“, erklärte Phil Lyman, Organisator des Protests. Diese Aktion sei eine Weiterführung des Kampfes für Land, den Cliven Bundy begonnen habe, so die Demonstranten. „This land is your land, this land is my land“, diese berühmte Textzeile des Folksängers Woody Guthrie bedeutet eigentlich etwas ganz anders. Vor allem nicht, dass jeder tun und lassen kann, was er will. Die Interpretation der rechten „Patridioten“ ist ungefähr so dämlich wie „Freie Fahrt für freie Bürger“ und in Utah total fehl am Platz. Denn der betroffene 14 Meilen Abschnitt im „Recapture Canyon“ war über Jahrtausende Indianergebiet. Immer wieder werden dort Artefakte der „Native Americans“ gefunden, die in dieser Gegend bereits vor 2000 Jahren lebten. Vertreter der Indianer werteten die Aktion vom Samstag denn auch als Mißachtung ihrer Kultur und Religion.

BLM machte Photos der Eindringlinge und gab sie an die Bundespolizei weiter. Unklar ist allerdings, ob die Rechten überhaupt mit einer Bestrafung rechnen müssen.

Poltergeist in Larkspur

Larkspur ist eine Kleinstadt im superreichen Marin County, nördlich der Golden Gate Bridge. Direkt an der San Francisco Bay gelegen kann man sich hier als Grundstücksspekulant eine goldene Nase verdienen. 2010 erwarb eine Firma ein größeres Grundstück und wollte darauf Häuser bauen, die zwischen 1,2 und 2,5 Millionen Dollar verkauft werden sollten. Insgesamt handelt es sich um 55 Millionen Dollar Großprojekt. Doch dann stellte man fest, dass genau an dieser Stelle ein indianischer Friedhof der Miwok war. Per Gesetz mußten Archäologen eingeschaltet werden, die beim Graben einen wahren Schatz entdeckten. Sie schätzten, dass der Fund auf eine Ansiedlung rund 4500 Jahre zurück reicht, noch bevor in Ägypten die großen Pyramiden gebaut wurden. Man fand Knochen, Werkzeuge, Gegenstände, Belege für Tierzucht. Ein Archäologe, der seit 40 Jahren tätig ist, meinte, so einen Fund habe es in Kalifornien seit 100 Jahren nicht mehr gegeben.

Doch nichts ist von dem historischen Schatz geblieben. Das Gesetz sieht auch vor, dass die Nachfahren des Stammes schlußendlich entscheiden können und dürfen, was mit allem geschehen soll. In einer Eilaktion, ohne DNA Analyse, wurde ein nordkalifornischer Stamm als Nachfahren bestimmt. Die Indianer des Graton Rancheria Stammes durften entscheiden, obwohl gar nicht klar war und ist, ob sie überhaupt zuständig sind. Allein ihre örtliche Nähe zum Fundplatz prädestinierte sie. Archäologen witterten deshalb auch ein abgekartetes Spiel zwischen der Gemeinde Larkspur, die durch den Bau der Häuser eine  immense Ausgleichszahlung erhält, der Baufirma, die mit der Erschließung des Landes ein Vermögen verdienen wird und den indianischen Nachfahren, die einfach entschieden, die Gebeine müßten umgebettet werden, dann dürfe der Ort zubetoniert werden. Auch wurde alles unter dem Mantel des Stillschweigens erledigt, eine Vertragsklausel verbot die Öffentlichkeit zu informieren. Der Chef des Stammes wollte das ganze Tohuvabohu nicht verstehen und erklärte etwas entnervt: „Unsere Sichtweise ist, dass die Dinge uns gehören, Punkt. Lassen Sie uns frei entscheiden, was wir damit machen. Wenn wir zu dem Schluß kommen, dass es sich um heilige Objekte handelt, dann werden wir sie umbetten, denn in unserer Tradition sind Gegenstände, wie Perlen, Glückssteine oder was auch immer, Teil der Person, die gestorben ist. Wie würden Juden oder Christen reagieren, wenn wir ihre Überreste auf einem Friedhof ausgraben würden, um sie zu untersuchen. Niemand hat das Recht dazu“.

Die Archäologen sind entsetzt, die Indianer genervt, der Bauherr zufrieden, die Gemeinde erfreut, im Angesicht der neuen Steuereinnahmen. Ende der Geschichte. Es sei denn, die Geister, die man rief, sind mit der Entscheidung dann doch nicht so zufrieden. Einige gehässige Beobachter dieses Dramas hoffen nun, dass der 1982er Spielfilm „Poltergeist“ hier eine Fortsetzung im richtigen Leben finden wird.