United macht Gitarren kaputt

Dave Carroll ist ein kanadischer Country Sänger, den eigentlich bislang nicht viele kannten. Doch dann flog er mit seiner Band für ein Konzert nach Omaha Nebraska. Vom Flugzeug aus musste die Gruppe mitansehen, wie das Bodenpersonal die Instrumente der Band durch die Gegend schmiss. Eine Gitarre ging zu Bruch. Carroll versuchte die United Stewardessen zum Einschreiten zu bewegen, vergeblich.

Er beschwerte sich anschliessend bei der Fluggesellschaft, doch auch da stiess er auf taube Ohren….Also machte Dave Carroll das, was er kann, er schrieb ein Lied „United breaks Guitars“, drehte dazu ein Video, stellte es auf You Tube…und auf einmal war er bekannt wie ein bunter Hund. Das Video wurde bereits eine halbe Million mal angesehen, die Medien berichten darüber, die Airline United ist peinlich berührt von dem Zwischenfall und der Reaktion ihrer Mitarbeiter und versucht zurück zu rudern…leider, leider darf ich das Lied wohl nicht im Country Programm vom Star Alliance Partner Lufthansa spielen:

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Reise nach Omaha

Da sitze ich nun am Flughafen von Omaha in Nebraska und warte darauf, dass die Mechaniker endlich die Maschine freigeben. Yep, da schrauben und kurbeln noch einige Männer in Blaumann rum. Wie beruhigend ist das denn. Der Himmel ist blau über Omaha, aber zumindest haben die hier kostenloses WiFi im Flughafengebäude.

Für zwei Tage war ich hier. Hatte gestern einige Veranstaltungen an der Universität Creighton über die deutsche Musikszene. Tagsüber habe ich ein paar Deutschklassen besucht, mit den Studenten über so ziemlich alles gesprochen und abends dann einen Vortrag über die Geschichte der deutschen Musikszene gegeben. Alles lief glatt, puh!!!

Zwischendrin konnte ich mich noch etwas in Omaha umsehen. Eine sehr schmucke Stadt, die teils hochmodern ist und teils noch den Charme einer alten Handelsstadt im Mittleren Westen hat. Und natürlich musste ich auch den Bahnhof von Omaha besuchen, der ja im Spielzeugmuseum nachgebaut ist. Aber der wirkte hier eher kümmerlich. Es gibt nur noch eine Bahnlinie nach Denver im Westen und Chicago im Osten. Nur das alte Bahnhofsgebäude steht noch in voller Pracht da, ist aber nun ein Museum geworden.

Hier in Omaha läuft übrigens niemand mit Maske rum und keiner zuckt zusammen, wenn der Nachbar mal hustet oder schnieft. Von der Schweinegrippe merkt hier keiner was. Mal sehen, wie das in Kalifornien aussieht, denn dort gab es ja angeblich einige Fälle.

…drei Stunden später… sitze noch immer in Omaha. Die Mechaniker schrauben zwar noch rum, einer gig auch mit einem grösseren Hammer unters Flugzeug, aber United hat dann doch gesagt, heute fliegt der Vogel nicht mehr. Also, umbuchen und warten. Werde heute Abend mit rund achtstündiger Verspätung in Oakland ankommen. Was für ein schöner Dienstag im Herzen der USA….

Die USA-Connection von NPD und DVU

Als ich vor ein paar Jahren für ein BR-Interview nach Florida flog, um dort etwas über den fränkischen Flugpionier Gustav Weisskopf zu erfahren, hatte ich auch eine sonderbare Begegnung. Im Haus jenes Mannes, den ich über Weisskopf befragte, sass auch der Nachbar, der mich mit den Worten begrüsste, wir seien ja Kollegen. Ich wunderte mich etwas, denn er war schon im betagten Alter und sah so aus, als ob er schon längere Zeit in Florida lebte. Er nahm meinen verdutzten Blick auf und meinte: Ja, er habe auch mal für den Deutschen Rundfunk gearbeitet. Vor etlichen Jahren. Sein Boss sei damals Joseph Goebbels gewesen, doch er „musste“ 1945 „ganz schnell“ aus Deutschland nach Argentinien ausreisen. Von dort ging es dann ein paar Jahre später weiter in die USA. Und dort traf er einige ehemalige Kameraden. Die USA und Florida wurden für viele Alt-Nazis zum neuen Lebensraum.

Auch in San Francisco traf ich ältere Deutsche, die bestimmte braune Gedanken vertraten und mit denen auch nicht hinter den Berg hielten. Einer erklärte mir unumwunden, dass er die Nationalzeitung des DVU-Mannes Frey abonniert habe und er die Partei und auch die NPD von hier aus unterstütze, denn sie verträten die Interessen Deutschlands. Auf Nachfrage fügte er hinzu, dass in den USA und auch hier in Kalifornien viele national gesinnte Deutsche seien, die die „Bewegung“ in Deutschland finanziell und auch organisatorisch förderten.

Damals machte ich mir keine weiteren Gedanken darüber, bis ich nun vor kurzem im Haus eines Bekannten Abzeichen, Bücher und Mitgliedsunterlagen des „Aktionskomitees Oder Neisse“ fand, einer DVU nahen Organisation, die 1962 von Gerhard Frey, Erwin Arlt und Bolko von Richthofen gegründet wurde und aus der die DVU hervorging. Hier in San Francisco gab es eine lokale Untergruppe, die jahrelang Gelder sammelte und sich zu Veranstaltungen traf. Sogar Weihnachtsfeiern wurden organisiert, an denen am Pazifik „Oh Tannenbaum“ und „Ihr Kinderlein kommet“ gesungen wurde.

Weitere Recherchen ergaben bislang wenig. Fest steht allerdings, dass die deutschen Neo-Nazi Gruppen und Rechtsparteien über Jahrzehnte nicht nur von erklärten Nazis, wie der NSDAP-AO aus Lincoln, Nebraska, gefördert wurden. Auch viele deutsche Auswanderer oder „Flüchtlinge“, wie der nette Nachbar aus Florida, haben aktiv und mit erheblichen Geldmitteln am braunen Kampf in der Bundesrepublik teilgenommen.

Einer offenen Frage gehe ich derzeit noch nach, inwieweit diese finanzielle und organisatorische Unterstützung für „braune“ Gruppen in Deutschland noch läuft.