Handschlag mit dem Teufel

Es dauerte nicht lange, da reagierten die Falken in Washington. Die Welt traf sich in Johannesburg zu einer Gedenkveranstaltung für den verstorbenen Nelson Mandela, doch in den USA wurde eine Geste breit diskutiert. Barack Obama schüttelte die Hand von Kubas Präsidenten Raul Castro.

Senator John McCain meinte: „Das ist Propaganda für Raul, dessen diktatorisches, brutales Regime aufzuwerten. Warum sollte man jemandem die Hand schütteln, der Amerikaner inhaftiert hält?“ Senator Marco Rubio, Sohn von kubanischen Einwanderen und Präsidentschaftskandidat der Republikaner in Warteschleife, erklärte, das Castro Regime unterhalte nach wie vor enge Kontakte zu Terrororganisationen. „Wenn der Präsident schon seine Hand schüttelt, hätte er ihn fragen nach den Grundfreiheiten fragen sollen, für die Mandela stand und die in Kuba verwehrt bleiben“, meinte der Senator aus Florida.

Doch genau diese Werte, für die Mandela stand, sprach Obama in seiner Rede an. „Es gibt zu viele Führer, die sich solidarisch mit Madibas Kampf für Freiheit zeigen, die aber keinen Widerspruch von ihrer eigenen Bevölkerung dulden“. Irgendwie kamen wohl die Bilder im amerikanischen Fernsehen an, aber nicht der Ton. Zumindest schossen sich die konservativen Talk Show Moderatoren und die Medien auf Obamas Handschlag ein. Was er sagte, wurde dabei schlichtweg übergangen. Das ist ein Beispiel dafür, wie vergiftet die politische Lage in Washington ist.

 

Mandelas Kampf ist unser Kampf

27 Jahre in einem rassistischen Land hinter Gittern. Unbeugsamer Führer einer Widerstandsbewegung gegen ein Unrechtsregime. Bürgerrechtskämpfer, dessen Stimme für Gleichberechtigung, Frieden und Freiheit weltweit zu hören war. Nelson Mandela war einer der großen Männer unserer Zeit. Ohne Frage.

Doch was einige führende Republikaner in den USA von sich geben, ist Hohn, Beleidigung, ja, absurde Geschichtsverfälschung. Rick Santorum, der ehemalige Präsidentschaftskandidat, erklärte in einem Interview mit Bill O’Reilly, nachdem der gesagt hatte, Mandela sei ja Kommunist gewesen: „Sie haben recht, ich finde, für was er eintrat war nicht unbedingt die richtige Antwort, aber er kämpfte gegen eine große Ungerechtigkeit. Und ich würde das Argument anführen, dass wir in diesem Land gerade eine große Ungerechtigkeit erleben, mit einer stetig wachsenden Regierung, die alles übernimmt und das Leben der Menschen kontrolliert. Und Obamacare ist dabei der Mittelpunkt von allem“. Kein Witz, das sagte Rick Santorum. Das südafrikanische Apartheit Regime wird mit der amerikanischen Gesundheitsreform verglichen. Indirekt damit die rassistischen Buren mit der Obama Administration.

Was will man da noch sagen. Egal, was für ein Interview in diesen Tagen, Wochen und Monaten über die Bildschirme läuft oder über die Hörfunkfrequenzen verbreitet wird, wenn ein Republikaner auftritt, bringt er Obamacare zur Sprache. Egal um was es sich dreht, egal was für ein Thema behandelt wird. Das erinnert schon sehr an Mister 9-11, Rudy Giuliani, der seinen gesamten Präsidentschaftswahlkampf über die Terroranschläge des 11. Septembers 2001 definierte. Der jetzige Vize-Präsident Joe Biden, damals selbst Kandidat, erklärte dazu passend, Giuliani habe die Sprache neu erfunden, denn bei ihm sei 9-11 ein Substantiv, ein Verb und ein Adjektiv geworden.

Die Republikaner machen es jetzt nicht anders. Alles und jedes Problem kann auf Obamacare zurück geführt werden. Und das soll so noch weiter bis zum Wahltag 2014 und wohl auch bis zum Wahltag 2016 gehen. Oh Mein Gott!.

Irgendwie findet man immer einen Dreh, um eine gut gemeinte Gesundheitsreform, die mit viel Pech und Pannen und auch Unvermögen begonnen hat, als Teufelswerk zu verfluchen. Irgendwie hackt es doch in den USA.

Mandela am Golden Gate

Nelson Mandela hatte eine enge Verbindung zur San Francisco Bay Area. Hier begann die Protestwelle gegen das Apartheid Regime in Südafrika, hier wurde lautstark die Freilassung des politisch Gefangenen ANC-Führers verlangt. Und diese Rufe waren im ganzen Land und darüberhinaus zu hören.

Als das Weiße Haus und der US Kongress in Washington sich nicht klar für Frieden und Freiheit am Kap der guten Hoffnung aussprachen, war der damalige Abgeordnete Ron Dellums eine einsame Stimme im Parlament, die allerdings nicht verstummen wollte. Er forderte schon in den Spätsiebzigern drastische Sanktionen gegen Südafrika. Die Menschen in der Bay Area organisierten sich, unterstützt von zahlreichen Prominenten. Sogar die Longshoremen, die Hafenarbeiter von Oakand, weigerten sich Schiffe aus Südafrika zu entladen. Ein Affront ohnegleichen. Die Protestfront war breit und hörbar. Sogar der damalige republikanische Gouverneur George Deukmejian forderte das Einfrieren der südafrikanischen Gelder im Land.

Die Rufe aus Kalifornien wurden im ganzen Land gehört, der Protest wuchs. Kurz nach seiner Entlassung aus der Haft besuchte Nelson Mandela die Bay Area. Am 30. Juni 1990 wurde Mandela im Football Stadium, dem Oakland Coliseum, triumphal von Zehntausenden empfangen.

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