Nach 33 Jahren das erste Konzert

      Nena im Interview

Irgendwie ist man das von deutschen Bands gewohnt. Kraftwerk brauchten zwischen ihren Studioalben „Computer Welt“ und „Tour de France Soundtracks“ schlappe 22 Jahre. Nena übertrifft das noch deutlich. Sie brauchte 33 Jahre, nachdem ihr Hit „99 Luftballons“ auf Platz 2 der amerikanischen Billboard Charts landete, um ihr erstes Konzert, überhaupt ihren ersten Live-Auftritt in den USA zu geben.

„99 Red Balloons“ wird noch immer im US-Radio gespielt. Hier in der San Francisco Bay Area ist es KOSF 103.7 fm, auf dem man die englische Version des Hits hören kann („Ich mag die englische Version nicht“, so Nena). Daneben tauchen auch noch Peter Schilling mit „Major Tom“, Trio mit „Da Da Da“ und Falco mit „Der Kommissar“ im Radio auf.

Nena etwas verwackelt in San Francisco. Ich weiß schon, warum ich Radio mache.

Nena etwas verwackelt beim ersten US Konzert in San Francisco. Ich weiß schon, warum ich Radio mache.

Aber Nena gilt als das „One-Hit-Wonder“, als das deutsche Fräulein der 80er Jahre in den USA. Nach 33 Jahren stehen nun drei Konzerte an, San Francisco war der Startpunkt. Es war ein Familienausflug für die 56jährige Hamburgerin. Zwei ihrer Kinder standen mit auf der Bühne, Freundinnen und Nachbarn begleiten die berühmte Tochter Hagens auf ihrer ersten Mini US-Tournee. Schon Tage vorher reiste die Gruppe an, radelte durch die Stadt und über die Golden Gate Bridge, tauchte unerkannt ein in die nordkalifornische Metropole.

Als „Germany’s Queen of Rock“ wurde sie angekündigt und die Fans kamen. Mehr als 60 Prozent im gut gefüllten Regency Ballroom waren Deutsche oder mit deutschem Hintergrund. Das hörte man, als Nena ihre Klassiker wie „Nur geträumt“, „Leuchtturm“, „Irgendwie, irgendwo, irgendwann“, „Wunder gescheh’n“ und natürlich die deutsche Version von „99 Luftballongs“ präsentierte. Es wurde lautstark mitgesungen, mitgefeiert, mitgetanzt, so nah war man dem deutschen Superstar noch nie.

Nena ist eine Frohnatur, das kommt nicht nur im Interview rüber, das zeigte sie auch auf der Bühne. Sie war begeistert vom Empfang in San Francisco, lachte, tanzte, suchte das Gespräch mit den Fans und am Ende schien sie überwältigt zu sein, was da gerade in diesem altehrwürdigen Ballsaal an der Van Ness Avenue passiert war. 33 Jahre liegen zwischen ihrem Riesenhit und dem ersten US-Konzert. Vielleicht dachte sie da am Schluß, als sie sich mit ihren Musikern auf der Bühne verneigte: „ich hätte doch mal früher kommen sollen“. Wobei, vielleicht kann sie gerade erst jetzt, im gesetzten Alter, mit all den Erfolgen, Erfahrungen und Erkenntnissen, entspannt und auch mit dem für sie etwas ungewöhnlichen Lampenfieber dieses neue Kapitel in ihrer langen Karriere genießen. „Irgendwo, irgendwie, irgendwann“ kommt alles dann doch mal zusammen.

Nach über 30 Jahren kommt die Tour

      Nena in ihrer Hamburger Küche
Ihr erstes USA Konzert findet in San Francisco statt.

Ihr erstes USA Konzert findet in San Francisco statt.

Platz 2 in den Billboard Charts und das mit einem deutschsprachigen Song. Das Lied verkaufte sich allein in den USA über eine Million Mal. „99 Luftballons“ machte das Hagener Mädchen Nena zum Weltstar. Na ja, nicht ganz, denn eigentlich gilt sie außerhalb des deutschsprachigen Raumes als „One-Hit-Wonder“. Gerade in den USA mag es daran liegen, dass Nena mit ihrer Band nie über den großen Teich kam, auch damals nicht, als der Anti-Kriegs-Song zur Hochzeit des Kalten Krieges die amerikanischen Hitparaden eroberte.

Es heißt, damals hätte ein DJ eines großen Senders in Los Angeles auf einer Reise nach Deutschland die Single gehört, gekauft und mitgebracht. Und damals in den 80ern durften DJs noch selbst ihre Playlisten bestimmen. Der weltoffene Mischpultmeister spielte also „99 Luftballons“ und die Hörer klingelten an, was das denn für ein neuer und ungewöhnlicher Sound sei. Und so kam das Lied aus Hagen in die Rotation des großen LA-Senders. Da andere Stationsmanager ihren Praktikanten auftrugen hinzuhören, was da bei der Konkurrenz im Programm läuft und immer wieder läuft, wurde Nena schnell auch bei anderen Sendern gespielt. Der Rest ist Geschichte. „99 Luftballons“ wurde 1983/84 zum Hit in den Vereinigten Staaten und wird noch heute, allerdings auf Englisch, auf zahlreichen Stationen gespielt, die Programme für die Menschen 40+ formatieren. Neben „99 Red Balloons“ haben auch die guten alten NDW-Klassiker „Der Kommissar“, „Major Tom“ und „Da Da Da“ auf Englisch im US-Radiogeschäft überlebt.

Nun, nach über 30 Jahren kommt Nena endlich in die USA. Die ersten Konzerte, drei an der Zahl, in San Francisco, Los Angeles und New York City. Eigentlich sollte sie in San Francisco im Bimbo’s spielen, doch der Raum war zu klein. Nun tritt Nena zum ersten Mal überhaupt in den USA am 30. September im „Regency Ballroom“ auf. Gestern wurde ich dafür zu einem telefonischen Pressegespräch mit Nena eingeladen. Das lief dann so ab, dass ich eine Nummer wählen musste, dann einen Code eingeben und drei weitere Journalisten warteten mit mir auf die Zuschaltung von Nena aus Hamburg. Die meldete sich aus ihrer Küche, lachend, wie man sie kennt. Jeder von uns durfte „nur“ zwei Fragen stellen und auf Englisch. Als letzter kam ich dran:

„Nena, „99 Red Balloons“ was a big hit in the US. Over here, people think you are a one-hit-wonder. Do you regret or do you think you missed a chance not to tour over here back than?“

      Nena zur verpassten Chance

„Your musical colleague, Hebert Grönemeyer, recently toured as well  for the first in the US. He also released an English language album. Are you also testing the waters, like he did, are there any plans for you to release an album over here?“

      Nena zu Plattenplänen

 

Nena in Nashville

Nena ist eine der weltbekanntesten deutschen Musikerinnen. „99 Luftballons „kennt jeder. Dieses Lied hört man hier drüben in den USA und Kanada nach wie vor regelmäßig im Radio. Selbst in Afrika habe ich die „99 Red Balloons“ schon auf einer Autofahrt im Autoradio reinbekommen. Nena gilt in Amerika als „One Hit Wonder“, doch dabei wird gerne übersehen, dass sie in Deutschland eine sagenhafte Karriere hingelegt hat.

Seit 2011 war Gabriele Susanne Kerner  neben Xavier Naidoo und den deutschen Country Größen von Boss Hoss Jurorin bei der Sat.1/ProSieben Sendung „The Voice of Germany“. Mal auf der anderen Seite zu sitzen, reizte sie. Und mit den regelmäßigen Fernsehauftritten kam auch ein kleines Comeback für die Musikerin Nena. Nun macht sie Schluß mit dem Kritikerjob und wendet sich wieder voll und ganz der Musik zu. Und anscheinend hat die Nähe zu Boss Hoss auch was bewirkt. Vor kurzem war sie in Nashville, Tennessee, um dort an ihrem neuen Album zu arbeiten. Und mit Sicherheit werden es ganz neue Töne werden. Mary Gauthier, hochtalentierte und beeindruckende Songwriterin und Sängerin, die eher dem Country und Folk Genre zuzuordnen ist, half ihrer „Freundin“ bei der musikalischen Neuausrichtung. Auf ihrer facebook Seite schrieb Mary Gauthier: „Writing songs today with my friend Nena. Y’all remember 99 Luft Ballons? Yep, that Nina. She’s visiting Nashville from Berlin, and she’s great!“

Ich bin großer Fan von Mary Gauthier, habe sie schon mehrmals in meiner LH Country/Folk Sendung vorgestellt. Ihre Platte „Mercy Now“ ist ein tief bewegendes Album, das ich nur wärmstens empfehlen kann. Von daher bin ich sehr gespannt, wie der neue Sound von Nena klingen wird.

Herbert will es wissen

„Hast du etwas Zeit für mich, dann singe ich ein Lied für Dich…“ trällert Nena noch immer durch den amerikanischen Äther. Und das hat sich wohl auch Herbert Grönemeyer gedacht, wenn Nena das kann…. Der Großvater des Deutschrock will es nun auch in Amerika wissen. Sein Konzert mit Gaststar Bono von U2 wurde für das US Fernsehen PBS aufgezeichnet und wird im Dezember als „Fundraiser“ für zwei Stationen ausgestrahlt. Wer spendet kann Tickets für zwei Konzerte von Grönemeyer in New York und Chicago bekommen.

Im Februar soll dann auch ein Album in den USA erscheinen. Falls die Platte gut läuft, soll es auch eine Tour im Herbst 2013 geben. Grönemeyer ist bekannt in Amerika…zumindest sein Gesicht aus dem Film „Das Boot“. Den deutschen Filmklassiker kennt eigentlich jeder. Doch Herbert Grönemeyer als Sänger in Amerika, man kann gespannt sein. Schon jetzt wird von Seiten der deutschen Botschaft und der Konsulate die Werbetrommel für die CD und Tour geschlagen, wobei ich mich wundere, ob Grönemeyer wirklich auf dem amerikanischen Markt eine Chance haben wird. Er ist gut – keine Frage. Er hat deutsche Musikgeschichte geschrieben – ohne Zweifel. Sein Genuschel ist einzigartig und zeigt, dass man nicht unbeding klar und deutlich singen mus, um erfolgreich zu sein – mit absoluter Sicherheit. Aber Herbert Grönemeyer ist weder Kraftwerk noch Rammstein noch Max Raabe.

„I walk“ heißt das Album, das im Februar erscheinen soll. Grönemeyer singt da auf Englisch, seine erste CD, die nicht in der Muttersprache aufgenommen wurde. Auch das nun auf PBS ausgestrahlte Konzertspezial heißt „I walk“ und umfasst neben eigenen Songs auch Klassiker, die Herbert klasse findet, darunter „Always on My Mind“ von Willie Nelson, „Marie“ von Randy Newman und „I’m On Fire“ von Bruce Springsteen.. Als Schmankerl schaut Bono für zwei Songs auf der Bühne vorbei….wo ist der eigentlich nicht zu finden? Weißes Haus, Afrika und bei Herrn Grönemeyer. Alles für den guten Zweck.

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Nena und ihre Hymne

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Nenas „99 Luftballons“ ist der wohl bekannteste deutsche Song in den USA. Und der wohl auch am meisten gecoverte. Erst in der letzten Woche wurde das Lied von Tina Fey in der Erfolgssendung „3rd Rock“ gesungen. Tina Fey ist die Schauspielerin, die im Wahlkampf 2008 immer wieder die republikanische Vize-Präsidentschaftskandidatin Sarah Palin in der Sendung „Saturday Night Live“ spielte. Und „99 Luftballons“ ist nun auch als kurzer Ausschnitt in dem neuesten Blockbuster Film „Watchmen“ zu hören. Allerdings nahmen die Produzenten das Lied nicht mit auf den offiziellen Soundtrack.

„99 Red Balloons“ steht wie wohl kaum ein anderes Lied für die 80er Jahre und kommt immer wieder in Filmen über die Zeit, auf Retro-Parties und als Stimmungskanone zum Einsatz.

Und hier ein paar Versionen der „99 Red Balloons“

Goldfinger:

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Charlotte Wolff feat. Barack Obama (MUSS MAN SEHEN!!!)

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Ein Typ mit zuviel Zeit versucht es auf Deutsch

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Aus der Sendung „Scrubs“:

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