Terrorgefahr im Wüstensand

Wer nach Black Rock City fährt, lässt den Alltag hinter sich. Es ist ein einwöchiges Utopia, was da im Wüstensand von Nevada entsteht. Kunst, Kultur, Anderssein, Selbstverwirklichung und Selbstdarstellung, ein Zusammensein, ein Miteinander ohne Geld, in dem geteilt und aufeinander zugegangen wird. Bislang, doch das soll sich ändern.

Natürlich gibt es auch Kritikpunkte am alljährlichen Burning Man Event, doch die Organisatoren haben endlich erkannt, das etwas getan werden muss, um dieses einzigartige Treffen der Burners in seiner Grundform und mit den gesetzten Werten zu erhalten.

Da passt so gar nicht rein, was nun in einem 372seitigen Umweltbericht des „Bureau of Land Management“ (BLM) veröffentlicht wurde. Die Behörde, die die Aufsicht über „Federal Land“ hat, damit also auch die Aufsicht über die Black Rock Desert in Nevada, wo das Burning Man Fest stattfindet, will nun unglaubliche Auflagen durchsetzen. Darunter auch die Terrorabwehr. Burning Man sei zu einem Ziel geworden, so heisst es. Die internationale Popularität, die mangelnde Kontrolle der Besucher, die fehlende Absicherung nach draussen, all das würde es leicht machen, dort einen Anschlag in welcher Form auch immer duchzuführen. Gefordert werden deshalb feste Zäune, die das riesige Areal umgrenzen, dazu eine eigene private Sicherheitsfirma, die jeden Besucher und jedes Vehikel genauestens kontrollieren soll. Die Kosten für Burning Man würden explodieren, die Ticketpreise noch weiter ansteigen.

Nach der Massenschiesserei auf ein Country Musikfestival in Las Vegas glaubt man bei BLM nun also auch sich im Wüstensand auf etwas vorbereiten zu müssen, was wohl im Jahr 2019 zur Normalität geworden ist. Alles und jeder ist zu einem Anschlagsziel geworden. Angst regiert das Leben. Ein Zaun und verstärkte Kontrollen sollen also die vermeintliche Sicherheit bieten, die es nicht gibt, nicht geben kann. Black Rock City soll also in eine Reihe mit Paris, London, Berlin, Madrid, New York und Las Vegas gestellt werden. Das Schild am Eingang von Burning Man „Welcome Home“ wird damit zum Rückspiegel zu den Orten, aus denen man kam. Ade Utopia! Dem Alltag unserer Zeit kann man damit auch für eine Woche nicht mehr entkommen.

Burning Man im Wandel

Ein tonnenschwerer Bär mit einem Fell aus Cent Stücken.

Viermal schon habe ich mich auf den langen Weg von Oakland nach Black Rock City gemacht. Es sind nicht nur die paar Hundert Meilen Freeway und dann ein schmaler Highway, der einen zu „Burning Man“ führt, es ist auch die Vorbereitung, der Ticketkauf, die Planung, die Platzsuche, das Aufbauen des Camps und die Teilnahme an diesem wohl einzigartigen Fest in der Wüste von Nevada, das diese Reise zu mehr als nur einer Autofahrt macht.

Angefangen hat alles Ende der 80er Jahre mit ein paar Dutzend Leuten an Baker Beach in San Francisco, bis der Park Service den Feiernden erklärte, dort dürfe das eigentlich nicht stattfinden. Also schaute man sich um und fand in der Nähe von Gerlach ein im Sommer ausgetrocknetes Seebett, das sich ideal für die Pläne dieser einwöchigen Community eignen würde. „Burning Man“ ist Geschichte. Aus den anfänglichen paar Dutzend Männern und Frauen wurde eine weltweite Bewegung. Heute unternehmen alljährlich bis zu 70.000 Menschen diesen langen Treck aus der Zivilisation in ein selbstgestaltetes Utopia im Wüstensand. „Burning Man“ ist Party, ist Anderssein und es ist auch, wie es mir einmal jemand beschrieben hat, die größte Galerie der Welt. Hier kann (fast) alles ausgelebt, dargestellt, verwirklicht werden.

Doch seit einigen Jahren gibt es die Vorwürfe, dass „Burning Man“ immer mehr Hipster, Techies, Reiche und „Influenzer“ (beklopptes Wort) anzieht, die auf der Playa eigentlich gegen die Grundprizipien der „Burning Man Culture“ arbeiten. Mit Gesichts- und Alterskontrolle bei Parties, Themencamps und auf „Mutant-Vehicles“, mit klimatisierten und eingezäunten Zelten, die von eigenem „Personal“ aufgebaut wurden. Mit Produktpräsentationen auf der Playa von sogenannten Youtube und Instagram „Influencern“. Der Höhepunkt der antiklimatischen BM Verhaltensweisen waren sicherlich Google Mitarbeiter, die sich per FedEx frischen Hummer einfliegen ließen.

In der Zentrale von BM hat man nun genug und will das ändern. Marian Goodell, die CEO der gemeinnützigen Organisation, hat nun erklärt, man wolle einiges ändern. Nachdem ihr Team einen 55seitigen Bericht mit Missständen vorlegte, war klar, etwas muss getan werden. Nun setzt man beim Ticketverkauf an, um sicherzugehen, dass wieder der eigentlich Geist von „Burning Man“ durch die Wüste weht. Wer kommen will, soll und, ja, muss teilnehmen, sich vorbereiten, planen, sein Camp aufbauen. Black Rock City soll eben nicht ein Freaky Las Vegas, ein Glitzer Hollywood, ein einwöchiges Fantasia werden. Vielmehr sollen die Wurzeln dieser eigenwilligen, eigenartigen und einmaligen Community bewahrt und gestärkt werden. Dieses Jahr wird es für mich nicht klappen, aber ich hoffe im nächsten Jahr wieder den langen Weg von Oakland nach Black Rock City antreten zu können.

Der Mann in der Wüste brennt bald wieder

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Das „Burning Man“ Festival hat wieder begonnen. Seit letzte Nacht sind die Tore geöffnet, Zehntausende zieht es in die Wüste von Nevada, nordöstlich von Reno. Und gleich am ersten Tag gab es einen „White Out“, einen Sandsturm, der über Stunden anhielt, den feinen Staub auf der Playa aufwirbelte und alles einstaubte. Die Folge war, dass nichts mehr ging auf dem Gelände, das Eingangstor geschlossen werden musste und sich eine Endlosschlange von Burnern bildete.

BMIR – Burning Man Information Radio

Wie in jedem Jahr gibt es eine Webcam (siehe oben), die rund um die Uhr Live-Bilder vom Festival übermittelt. Gerade nachts sehr beeindruckend, was da in dieser einen Woche im Wüstensand vor sich geht. Dazu gibt es Radiostationen nur für diese sieben Tage, die live von der Playa senden. Und das sind Piratensender, die sich nicht an Regeln und Gesetze der Aufsichtsbehörde FCC halten müssen. Sie senden und sprechen über und spielen was sie wollen…das was zu höre ist, ist meist sehr unterhaltsam. Hier ist beispielsweise Burning Man Information Radio, BMIR, das Programm gibt einen guten Eindruck, wie schräg, schrill, schön „Burning Man“ sein kann. Ein 24 Stunden Informations- und Unterhaltungsprogramm für Burner vor Ort und weltweit vom Rande der Playa.

 

America the beautiful

3500 Kilometer liegen hinter mir. Fast einmal quer durchs Land. Durch Nordkalifornien nach Nevada, den Bundesstaat von West nach Ost durchfahren, dann Richtung Norden durch Idaho, rüber nach Montana, entlang des Yellowstone National Parks. Montana durchkreuzt, den langen Freeway in North Dakota abgefahren, bei Fargo dann auf den Highway Richtung Minnesota eingeschwenkt. Bei Duluth nach Wisconsin rein, von dort noch weiter nördlich bis zur Upper Penninsula von Michigan. Das alles nur mit ein paar „Power Naps“ geschafft.

Eine Endlosfahrt durch Amerika.

Eine lange, endlos erscheinende Autofahrt durch ein Land, das mir auch noch nach 22 Jahren fremd und gleichzeitig neu ist und dennoch faszinierend bleibt. Amerika ist ein wunderschönes Land, in das es sich lohnt zu reisen. Nicht nur nach New York, Florida, Las Vegas und Kalifornien. Wer die USA verstehen lernen möchte, der muss ins Landesinnere fahren. Nach Elko, Bozeman, Bismarck, Duluth, Houghton und viele andere Kleinstädte auf dem Weg von West nach Ost.

Auf dieser Fahrt durch die unvereinigten Staaten von Amerika hörte ich B5 Aktuell, Deutschlandfunk, NPR, Al Jazeera, BBC, das Smartphone macht es möglich. Und alle berichteten von Donald Trump und seinem Treffen mit Vladimir Putin in Helsinki. Berichte, Analysen, Reaktionen. Donald Trump der seltsame, selbstverliebte, unkonventionelle, rüpelhafte Präsident der USA. Und dann diese Bilder von diesem weiten, offenen, wunderschönen Land. Menschen, an allen Tank- und „Dog Business“ Stopps, die freundlich, interessiert, humorvoll waren. Ich war überrascht, dass ich im Landesinneren nicht auf Unmegen an Trump Aufkleber und MAGA-Hüten stieß. Diese Fahrt durch Amerika führte mir auch wieder mal vor Augen, warum ich dieses Land auch nach 22 Jahren noch liebe.

Am Ende wird alles zu Asche

Das Burning Man Festival     

Larry Harvey ist tot. Der Gründer und „Chief Philosophical Officer“ des alljährlichen Kreativfestivals „Burning Man“ in der Wüste von Nevada starb am Samstag in San Francisco. Am 4. April erlitt er einen massiven Schlaganfall, von dem er sich nicht mehr erholte. Harvey wurde 70 Jahre alt.

1986 hatte alles zur Sonnwendfeier an Baker Beach in San Francisco begonnen. Damals wurde der erste „Man“ aus Holz verbrannt, eine 2,70 Meter hohe Figur. Nach ein paar Jahren musste man umziehen, da Baker Beach zum Golden Gate Nationalpark gehört und die Park Ranger das Feuer und die immer größer werdende Menschenmenge nicht so toll fanden. In der Black Rock Desert von Nevada fand man eine neue Heimat, eine weitläufige, nicht endenwollende, raue Landschaft, offen und leer wie eine zu füllende Leinwand. Mir sagte mal jemand, Burning Man sei die größte Galeriefläche der Welt, und die zu füllen ist jedes Jahr eine neue Aufgabe, wenn die Zeit gekommen ist.

An Larry Harvey wird m diesjährigen Tempel gedacht werden.

Die Vision dafür hatte Larry Harvey, der aus einer Schnapsidee ein nichtkommerzielles 30 Millionen Dollar Unternehmen formte, eine Stiftung zur Unterstützung von öffentlicher Kunst gründete und die zumeist Native American Gemeinden um die Black Rock Desert herum unterstützte. „Burning Man“ ist ein einzigartiges Fest. Ja, es hat sich über die Jahre verändert. Viel wurde über die hohen Ticketpreise und die mittlerweile abgetrennten Superreichencamps mit klimatisierten Zelten, privaten Sterneköchen und Luxus im Wüstensand geschrieben. Und doch, „Burning Man“ hat dank der Gründungsriege um Larry Harvey immer auch den Grundgedanken, die Grundprinzipien beibehalten. Community und Kreativität standen und stehen an vorderster Stelle.

Mit Larry Harvey verliert „Burning Man“ den Über-Burner. In diesem Jahr wird es sicherlich am Festival einiges geben, was an ihn erinnern wird. Ganz sicher im Tempel. Dieser religiöse, dieser spirituelle Ort am Rande des riesigen Areals ist etwas ganz besonderes. Dort findet man einen Ruhepunkt, geniesst die Stille, leise Musik, Gebete, Gesänge, sieht die Fotos, liest die vielen, vielen Anekdoten, Berichte, Beschreibungen von Verstorbenden – Menschen und Tieren. Einer davon ist nun Larry Harvey. Am Ende der Woche wird auch der Tempel in einem gewaltigen Feuer aufgehen. In den Flammen, so hofft man, werden auch die Trauer und der Schmerz vergehen. Zurück bleiben sollen Erinnerungen. Auf dem Message Board der „Burning Man“ Seite schrieb heute eine Frau ein paar sehr passende Worte zum Abschied: Thank you Larry and safe journey…

Mehr Waffen braucht das Land

Amerika hat ein Waffenproblem. Daran wird sich nichts ändern, das weiß man einfach, das sieht man an den Reaktionen nach jedem Amoklauf, nach veröffentlichten Statistiken über Mordraten, Selbstmorden und Unfällen mit Schußwaffen. Es ist einfach so, wie es ist. Die Deutschen haben ihr ungebremstes Fahrvergnügen, die Amerikaner ihr vermeintliches Grundrecht auf Waffenbesitz. weiter lesen

Eine überflüssige Debatte über „Gun Control“

„Crime Scene Las Vegas“. Foto: Reuters.

Machen wir uns nichts vor, der Zug hat schon lange den Bahnhof verlassen. Die Amerikaner sollten einfach erkennen, dass der Wilde Westen mit seinen Revolverhelden ein Teil dieser Gesellschaft war, ist und bleiben wird. Der Aufschrei nach dem wahllosen Abschießen von Konzertbesuchern am Strip von Las Vegas ist eigentlich mehr als heuchlerisch. Was bringen die Trauerworte, die Mitleidsbekundungen und die Danksagungen an Rettungskräfte und Polizei, wenn schon jetzt feststeht, dass die Frage nicht ist, ob es wieder passieren wird, sondern wann es wieder passieren wird? weiter lesen

OJ ist zurück im Rampenlicht

OJ Simpson nach Jahren im Gefängnis. Foto: Reuters.

Als 1994 in Ruanda Hunderttausende mit Macheten, Knüppeln und Speeren abgeschlachtet wurden, blickte die Welt ganz woanders hin. In Los Angeles waren Nicole Brown Simpson und Ron Goldman ermordet worden, als Verdächtiger wurde der geschiedene Ehemann, der frühere Football Star OJ Simpson ausgemacht. Ein Medienzirkus ohnegleichen begann, der sich hinzog. Simpson wurde der Prozess gemacht, im Oktober 1995 fiel das Urteil der 12 Geschworenen: „not guilty“.

Doch damit waren Simpsons Probleme nicht vorbei. Er wurde in einem Zivilprozess von den Hinterbliebenen von Brown Simpson und Goldman verklagt. Im Februar 1997 sprach eine Jury den Familien 33,5 Millionen Dollar Schadensersatz zu. OJ Simpson war damit finanziell ruiniert. Alles was er hatte, alles was er fortan verdiente wurde eingezogen. Der einstige Superstar der NFL zog nach Florida, um zumindest ein paar Dollar zu retten. Simpson verdiente sein Geld mit Memorabilia und Autogrammstunden, doch die Goldman Familie klagte weiter gegen ihn.

Der Lovelock Correction Center.

Dann kam der September 2007. OJ Simpson stürmte mit ein paar Komplizen in ein Hotelzimmer in ein Hotel in Las Vegas, um, wie er sagte, einige Gegenstände zu holen, die ihm gehörten. Doch ein Gericht sah das anders und verurteilte Simpson wegen bewaffnetem Überfall und Kidnapping zu einer Haftstrafe zwischen 9 und 33 Jahren. Er sitzt derzeit im Lovelock Correction Center in Nevada seine Jahre ab. Nun steht zum ersten Mal eine Anhörung an, in der entschieden werden soll, ob OJ frühzeitig und auf Bewährung aus der Haft entlassen werden kann. Aufgrund des großen Interesses werden Fernsehkameras am kommenden Donnerstag ab 10 Uhr morgens live aus dem Gefängnis übertragen. Unter den Sendern, die OJ Simpson vor dem Ausschuss zeigen wollen, ist auch der Sportsender ESPN. Ob der 70jährige frei kommen wird ist noch unklar. Wenn, dann würden sich für ihn erst im Oktober 2017 die Gefängnistore öffnen.

Fake News Nation

Donald Trumps Lieblingsbeschäftigung scheinen Schimpftiraden auf die Medien und ihre Vertreter zu sein. „Unehrlich“, „Lügner“, „Fake News“, das sind noch die harmlosesten Worte, die er findet. Seine Anhänger und Hofberichterstatter jubeln begeistert. Was für Trump „Fake News“ sind, das bestimmt er selbst. Kritische Berichte, Nachfragen von Journalisten, umfangreiche Recherchen im Umfeld von King Donald werden als „Lügen“ und „Falschnachrichten“ abgetan. Die Medien, so Trump, seien die Gegner des amerikanischen Volkes. Damit unterminiert er wohl ganz bewußt die amerikanische Demokratie.

Trump selbst ist der König der „Fake News“, wie ich in einem älteren Blogbeitrag schon dargelegt habe. Er nimmt es nie so genau mit der Wahrheit, verdreht Zahlen und Tatsachen, baute seinen Wahlkampf auf Angst auf und so regiert er auch im Weißen Haus. Und doch, Trump ist nicht der Begründer der „Fake News“, auch wenn er es wahrscheinlich gerne wäre, „the greatest Fake News“ Verbreiter.

Hier wurden schon viele Verschwörungstheorien geboren – die geheime Militärbasis Area 51 in Nevada. Foto: Reuters.

Amerika ist vielmehr eine Nation, die auf Falschmeldungen und fragwürdigen Nachrichten aufgebaut ist. Big Foot, Aliens, UFOs, Geisterjäger, dieses Land ist voller Falschmeldungen. Eine der erfolgreichsten und seit 1984 ausgestrahlten allabendlichen Radiosendungen in den USA ist „Coast to Coast AM“, eine Spätnachttalksendung, in der es nur über diese Art der Nachrichten und Ereignisse geht. Verschwörungstheorien und UFO-Sichtungen werden genauso ausführlichst diskutiert, wie die jüngsten Meldungen von der anderen Seite des Jordan. Pro Woche erreicht „Coast to Coast AM“ auf über 600 Stationen fast drei Millionen Hörer.

Ich selbst war vor ein paar Jahren auf einem UFO Kongress. Dort führte ich Interviews mit UFO-Wissenschaftlern, -Historikern, -Experten und selbsternannten investigativen Reportern. Eine Frau beschrieb mir mit ernster Stimme, wie sie schon viermal von Außerirdischen nachts abgeholt worden war, um sich auf dem Mars Untersuchungen unterziehen zu lassen. Sie war allerdings rechtzeitig zum Aufstehen wieder in ihrem Bett. Für das gleiche Feature reiste ich auch nach Rachel, Nevada, der Ansiedlung, die am nähesten zur Area 51 liegt. Auch dort traf ich Menschen (oder Außerirdische), die mir die harten Fakten erzählten und jeglichen Zweifel an dem, was sie gesehen, gehört und erlebt haben als „Fake News“ abtaten.

Doch das sind die offensichtlichen „Fake News“, die es in diesem Land zuhauf gibt. Anders ist es da schon, wenn man durch die USA fährt, das Radio anschaltet und Talk Radio hört. Was ist da noch richtig und wahr, was halbwahr und offensichtlich falsch? Kurz hinter Reno kann man meist nur noch Mittelwellensender empfangen. Weiter auf dem Highway ins Heartland ändert sich auch das Programm. UKW ist ein einziges Rauschen, AM Radio ist die einzige Möglichkeit. Drei Stunden „Farm-Talk“ gefolgt von drei Stunden „Gun-Talk“ und dann drei Stunden Rush Limbaugh, der König des Talk-Radios. Er und andere, wie Michael Savage, Sean Hannity, Mark Levin verdrehen da schon mal die Tatsachen, sehen Ereignisse aus ihrer amerikanisch-patriotisch-nationalistischen Sicht der Dinge. Es wird ein Schwarz-Weiß Bild von diesem Land gezeichnet, hier die Guten Amerikaner, dort die sozialistisch-kommunistisch-irregeleiteten Demokraten. So was bringt Hörer, Einschaltquoten, Werbeeinnahmen. „Fake News“ ist daher keine Neuerscheinung in den USA, sie sind heute nur weit verbreiteter und werden von ganz oben, vom „Fake News Commander in Chief“ verbreitet.

Ein ungewöhnlicher Ort der Trauer

Im Nordosten von Nevada, rund 120 Kilometer von Reno entfernt liegt Gerlach, eine 200 Seelengemeinde. Von dort sind es nochmal 15 Kilometer, dann fährt man vom Highway rechts ab auf die “Playa”, wie das riesige ausgetrocknete Seebett genannt wird. Hier findet alljährlich das Burning Man Festival statt. In diesem Jahr zum 30mal. “Welcome Home – this is Burning Man”

In diesem Jahr hat es rund 70.000 Menschen in die Wüste gezogen. Es ist heiß, es ist staubig, der Wind wirbelt den feinen Sand immer wieder auf, die sogenannten “White Outs” sind dann so intensiv, dass man bei ausgestrecktem Arm die eigene Hand nicht mehr sieht. Doch all das schreckt die “Burner” nicht ab, ganz im Gegenteil, Jahr für Jahr kommen die meisten wieder zurück, um hier zu feiern, unglaublich kreative Kunstprojekte zu erleben, ihre Batterien aufzuladen, eine Stadt für eine Woche aus dem Nichts entstehen zu lassen. Lange Zeit fehlte jedoch etwas, wie sich der Künstler David Best erinnert: „Wir haben hier eine Stadt entwickelt, wir hatten die Infrastruktur mit einer Polizeistation, einem Krankenhaus, Cafes, Toiletten, aber wir hatten keinen Tempel. Es war ein Ort des Feierns, aber es gab keinen Ort der Trauer. Und mit dem Bau des Tempels haben wir diese Lücke gefüllt.“

Im Jahr 2000 war David Best zum ersten Mal mit einem Tempel bei Burning Man. Nach einem tödlichen Verkehrsunfall eines seiner Mitstreiter, entschied sich seine Gruppe in der Wüste bei Burning Man einen Gedenkort zu schaffen. Die Resonanz war so positiv, dass die Burning Man Organisatoren Best baten, im kommenden Jahr erneut einen Tempel zu bauen, weit draußen auf der riesigen Playa. „Ich baue ein Gebäude. Es ist leer, ich mache es zu einem schönen Gebäude und dann kommen sie und bringen das dorthin, an was sie glauben. Den Verlust ihres Hundes, den Verlust ihrer Tochter nach einem Autounfall, den Verlust eines Freundes, der Selbstmord begangen hat, eine gestorbene Mutter oder Vater. Einige glauben an ein Leben danach, andere nicht. Sie nutzen den Ort alle anders und ganz für sich.“

An einem Nachmittag vor dem Tempel. Zahlreiche „Black Rock Rangers“ und Vertreter von eingesetzten Polizeieinheiten beim Burning Man Festival stehen still in einem Kreis, hören zu, wie Ranger Paragon die Namen von getöteten Polizisten im ganzen Land vorliest: “Died in the line of the duty”. Eine Zeremonie, die man so hier auf dem Festival nicht erwartet hätte. Einige weinen, darunter auch Ranger Paragon, ein großer, kräftiger Kerl. Er wollte diese Gedenkveranstaltung organisieren, nachdem ein enger Freund von ihm getötet wurde. Der Burning Man Ranger schrieb 130 Polizeipräsidenten im ganzen Land an, die ihm Bilder und Infos von ermordeten Polizisten schickten. „Das Wunderbare an Burning Man ist, besonders am Tempel, dass es nicht darum geht, welche Reaktion man bekommt. Jedes Leben ist individuell, die Gefühle jedes einzelnen sind unabhängig von anderen. Jeder zieht also etwas anderes aus dieser Gedenkveranstaltung. Einige sind verärgert, andere traurig, andere fröhlich, einige bauen Brücken, um bessere Menschen zu werden. Es ist für jeden anders. Ich habe keinen Hintergedanken, ich wollte nur die ehren, die gestorben sind.“

IMG_2122Der Tempel beim Burning Man Festival ist ein spiritueller Ort. In diesem Jahr erinnert er sehr an ein nepalesisches Bauwerk. Überall stehen Namen von Verstorbenen, hängen Fotos – kleine, große – alte und junge Menchen darauf, Haustiere. Es ist ein sehr beklemmendes und sehr nahegehendes Gefühl all diese Blicke von Verstorbenen zu sehen, die kurzen und auch langen Botschaften der Hinterbliebenen zu lesen. Menschen laufen still an den Bildern vorbei, einige beten, meditieren, gehen hier in sich, wie es Ranger Paragon beschreibt: „Für mich ist der Tempel ein heiliger Ort in meinem Zuhause. Mein Zuhause ist die Burning Man Gemeinschaft. Hierher komme ich zum Reflektieren, zum Loslassen…und hierher habe ich auch die Asche meiner Mutter mitgebracht. Es ist ein Ort, an dem man mit sich ins Reine kommt, seinen Verstorbenen nahe ist, die Dinge beim Namen nennt, die man in seinem Leben ändern will. Es ist für jeden etwas anderes. Für mich ist es ein heiliger Ort.“

Manchmal spielt jemand leise auf einem Instrument, aber der Tempel ist vor allem ein Ort der Stille. Der Wind peitscht immer mal wieder den Sand um das Gebäude. Nachts hört man die donnernden Bässe der Clubs im Camp und der fahrenden “Art Cars”…doch auch das verändert hier nichts. Das Gebäude nimmt, so seltsam das auch klingen mag, einen ganz auf, man wird selbst als Besucher ganz still. Einige weinen, trauern um Verstorbene. Fremde legen ihnen eine Hand auf die Schulter, umarmen sie. Einfach so, für einen langen, innigen Moment. Genau das wollte der Künstler und Erbauer des Tempels, David Best, auch erreichen: „Wir sehnen uns so sehr danach, gemeinsam zu trauern. Hier, in diesem Tempel, lesen 40.000 Menschen den Brief einer jungen Frau, die vergewaltigt wurde. Sie sehen das und schließen ihre Arme darum. Das Bild eines kleinen Babies….Leute kommen auf mich zu und sagen, “mir ist nichts passiert, mein Leben ist wunderbar”. Und ich sage ihnen, dann gehe auf jemanden zu und teile das mit jemanden, dessen Leben eine Tragödie ist.

David Best baut nicht nur Tempel bei Burning Man. Er ist international tätig, hat schon in Irland gebaut, wird nach Burning Man nach Paris gehen, um dort einen Tempel zu errichten. Burning Man ist für ihn dennoch immer eine Herausforderung. Er sagt, der Tempel muß so gestaltet werden, dass jeder der ihn besucht, sich darin aufgehoben fühlt. Dazu kommt, dass er im finanziellen Rahmen bleiben muß, dieses Jahr kostete er etwas über 100.000 Dollar und, dass der Tempel innerhalb von zwei Wochen unter zum Teil widrigen Bedingungen errichtet werden kann. „Was ich zu Architekten und jungen, vergewaltigten Frauen gleichermaßen sage. das Gebäude an sich muß feinfühlig genug sein, damit eine Person, die Gewalt erlebt hat, hineingehen kann. Und es muß stark genug sein, diese Verletzung zu nehmen.“

Am Ende der Woche wird der Tempel verbrannt, mit allem, was in den Tagen zuvor dorthin gebracht und dort aufgeschrieben wurde. „Das ist ganz wichtig“, meint David Best. „Das Feuer läßt uns Vergessen, läßt uns Vergeben, läßt uns Sichern. Mit dem Feuer, wird alles wie in einen Safe gegeben.“