Das ganz andere Amerika

Unterwegs auf dem „Extraterrestrial Highway“. Foto: Peltner.

Ich bin an einer größeren Sendung über UFOs und Außerirdische dran. Das ist auch ein amerikanisches Thema, denn „Roswell“ in New Mexico und die „Area 51“ in Nevada sind ja Orte, die genau damit zu tun haben. Das tut in diesen Corona Zeiten, mit all dem politischen Hickhack richtig gut. Nun höre ich mich für diese Sendung durch etliche Interviews und Feldaufnahmen, zeichne auf, was wichtig ist, suche nach passender Musik.

Einige der Interviews waren da schon „very far out“. Ein Doktor, der außerirdische Metallteile aus Menschen operierte, die zur Kontrolle und Überwachung der Erdlinge eingepflanzt wurden und, der mir sagte, etwa 12 Millionen Amerikaner seien schon von Aliens „abducted“ worden. Ein Gesprächspartner kandidierte für den Kongress auf der politischen Plattform, endlich die geheimen Dokumente der Regierung über diese intergalaktischen Kontakte veröffentlichen zu wollen. Ich traf an der „Area 51“ eine Frau, die mich anblickte und meinte, ich könnte mit meinem durchdringenden Blick auch ein Außerirdischer sein. Zuvor hatte sie mir von den verschiedenen Aliens berichtet, die in der „Area 51″ versteckt würden.

Ich habe mit Ufologen gesprochen, die jede Sicht eines “ unidentified flying object“ erfassen und „investigativ“ verfolgen. Dabei stieß ich auf eine Frau, die auch nach dem „Dogman“ sucht, einem Lebewesen, das halb Hund, halb Mensch ist. Zuerst wurde es in Pennsylvania gesichtet, mittlerweile scheint es sich auch in den Wäldern Nordkaliforniens ausgebreitet zu haben. Geschichten gibt es, die gibt es gar nicht.

Und dann war da die afro-amerikanische Frau, die ein Buch mit dem Titel „From the Motherland to the Mothership“ geschrieben hat und mir von ihren mehrfachen Reisen auf den Mars berichtete. Sie wurde nachts mit dem „Mothership“ auf den roten Planeten gebracht. Glauben Sie also nicht, was sie da auf den Bildern zu sehen bekommen, die der „Rover“ zur Erde gefunkt hat, denn Mars ist eine Kolonie, auf der Lebewesen mit dunkler Hautfarbe leben. Man kann sich das als „Wakanda“ aus dem Kinofilm „Black Panther“ vorstellen, nur eben auf dem Mars. Und alles war gut, sie hat es ja gesehen.

In dieser langen Sendung werden die Hörer auch mit zur „Area 51“ genommen und das, was man da sieht oder eben auch nicht sieht, wird ganz sachlich erzählt. Ich war dort und habe mit jemandem gesprochen, der sich mit dem Thema mehr als auskennt, der seit Jahrzehnten das erforscht, was auf der geheimen und geheimnisvollen Militärbasis wirklich passiert. Es wird manche enttäuschen, manche werden das anzweifeln, was berichtet wird, andere werden sich darin bestätigt fühlen, dass alles um uns herum einen „logischen“ Grund hat. Aber am Ende wird es wohl dennoch heißen: „The truth is out there“.

Der Mann brennt nicht in diesem Jahr

Die „Black Rock Desert“ bleibt in diesem Jahr leer.

Nun also auch „Burning Man“. Das alljährliche Festival, oder besser die alljährliche und einzigartige Zusammenkunft von Menschen aus aller Welt im Norden Nevadas fällt in diesem Jahr aus. Am Freitag verkündeten die Organisatoren, dass es 2020 nicht zu „Black Rock City“ in der „Black Rock Desert“ kommen wird.

Es war zu erwarten, dass Covid-19 auch vor diesem gewaltigen Kunst- und Community Event nicht stoppen würde. Zu unsicher ist die Lage, niemand kann die Frage beantworten, wie sich das Virus im Sommer entwickeln wird. Schon viele Wochen vor den eigentlichen 8 „Burning Man“ Tagen, die vom 30. August bis 7. September, dem amerikanischen „Labor Day“. stattfinden sollten, ziehen die ersten Crews der „Burning Man“-Organisation in die Wüste. Die Umzäunung des weiläufigen Areals beginnt, die Infrastruktur im Nichts wird aus dem Boden gestampft.

2016 im Vor-Trump-Amerika stand ich auf der Playa neben einem rund fünf Meter hohen Bären aus Cent Stücken.

Es ist sicherlich ein Schock, aber einer der zu erwarten war. Die erste Absage überhaupt seit dem Beginn von „Burning Man“ im Jahr 1986 in San Francisco und dem Umzug in die Wüste von Nevada 1990. Außer Donald Trump und seinen Glaubensbrüdern und -schwestern denkt wohl niemand in den USA, dass Amerika schon bald zu einem „normalen“ Alltag zurückkehren wird. Und was ist schon normal in diesen Zeiten.

Die BM-Organisation kündigte an, eine Art Online-Festival durchführen zu wollen, doch wie das aussehen, wie es ablaufen, wie es finanziert werden soll, das ist alles noch unklar. Jetzt geht es ersteinmal darum, die bereits verkauften Tickets zurück zu erstatten und zu überlegen, wie es weitergeht. Denn von dem Ausfall des Festivals sind nicht nur die „Burning Man“-Organisation und die rund 80,000 Teilnehmer und Teilnehmerinnen betroffen, auch die umliegenden Gemeinden, zumeist „Native American“ Ansiedlungen, werden in diesem Jahr kürzer treten müssen. „Burning Man“ pumpt nämlich alljährlich rund 75 Millionen Dollar in die lokale Wirtschaft in diesem entlegenden Teil im Norden Nevadas.

Durch das weite Land

Es muss hinter Idaho Falls an einer Tankstelle gewesen sein. Da meinte einer mit Blick auf mein kalifornisches Kennzeichen, ich sei ja weit weg von zu Hause. Wohin ich denn wolle, fragte er. In die UP, die Upper Peninsula von Michigan, antwortete ich. “Are you crazy? Why don’t you fly?”. Ich zeigte auf meine Begleiterin, Käthe, eine vierjährige Schäferhund-Huskie Hündin, die mir ganz interessiert beim Tanken zuschaute. Er lachte nur, “you crazy Californians”.

Geradeaus, immer geradeaus.

2305 Meilen, das sind 3709 Kilometer. Von Oakland nach Twin Lakes, in der Upper Peninsula von Michigan. Einmal quer durchs Land und doch erreiche ich nicht die andere Küste. 1999 bin ich diese Strecke zum ersten Mal gefahren, damals mit einem Isuzu Trooper. Danach mehrmals mit meinem VW Bus, einem Eurovan, den ich 2002 erwarb. Der hat mittlerweile rund 325.000 Kilometer auf dem Buckel, viele Schrammen, die dritte Windschutzscheibe, doch ich liebe diesen Wagen. Er hat sogar noch einen Kassettenrekorder, kein Gefiepe beim Ein- und Ausparken, keine Sitzheizung und nicht allzu viele Lämpchen, die aufleuchten. Er fährt und fährt und fährt.

Mit diesem VW Bus werde ich bald wieder auf die lange Reise gehen, vollgepackt, mein Fahrrad dabei und Käthe liegt auf der hinten umgeklappten Rückbank. Meist döst sie vor sich hin oder schaut aus dem Fenster, manchmal höre ich sie schnarchen. Und dann kommt sie die paar Schritte auch immer mal wieder nach vorne zu mir, so, als ob sie kontrollieren will, ob ich noch fit bin, denn ich fahre diese Strecke fast durch. Um die 40 Stunden brauche ich, darin einbezogen sind etliche “Power Naps”, 30-45 Minuten Schlafeinheiten, um die Augen ruhen zu lassen.

Ich freue mich jedesmal auf diese lange Fahrt. Sie ist anstrengend, doch auch irgendwie befreiend. Der Weg ist das Ziel, gerade wenn man die übervolle San Francisco Bay Area hinter sich lässt. Der Verkehr auf dem Interstate 80 wird hinter Sacramento weniger, rechts geht es ab nach Folsom, wo das berühmte kalifornische Gefängnis liegt und einst Johnny Cash sein berühmtes Konzert hinter den Knastmauern spielte. Vorbei an Auburn und Truckee, dem Lake Tahoe, über die Berge der Sierra Nevada. Dann kommt die Grenze zu Nevada, dahinter gleich Reno, das etwas stiefmütterliche Spielerparadies, bekannt auch durch seine Conventions, die es nicht nach Las Vegas schaffen.

Irgendwo in Nevada.

Etwa 40 Meilen hinter Reno kommt Fernley, hier geht es nach Norden, wenn man zum alljährlichen “Burning Man” Festival in die Black Rock Desert will. Danach wird es richtig ruhig auf dem 80er. Links und rechts des Freeways wird es karg, der Blick weit, Hundert Kilometer und mehr kann man sehen, keine Gebäude, keine Strommasten, es geht nur noch geradeaus. Nevada ist der siebtgrößte Bundesstaat mit gerade mal etwas über drei Millionen Einwohnern. Viel Land in diesem Bundesstaat ist als Militärsperrgebiet ausgeschrieben, darunter auch die berühmt-berüchtigte Area 51.

In Nevada beginnt für mich die eigentliche Fahrt. Den Gedanken nachhängen, Meile für Meile. Die Weite der Landschaft, der ferne Horizont, die stressfreie Fahrt lassen einen tief in sich versinken. Die Schönheit der kargen Landschaft, ja, das ist Amerika. Das ist auch Amerika. Washington, Donald Trump, Skandale, Politik, all das ist ganz weit weg. Irgendwie kommen mir auf dieser Strecke immer die alten Karl May Filme in Erinnerung, der wilde Westen. Ich denke daran, wie es wohl war, damals, in den Westen zu ziehen, in ein unbekanntes Land voller Gefahren. Nicht wissen, wohin es geht, was noch kommen wird. Durch diese öde Landschaft ziehen, immer weiter in der Hoffnung auf fruchtbaren Boden.

Und doch, hier leben Menschen. Ich fahre gerne von der Interstate ab, um eine Pause zu machen. Manchmal sind es nur ein paar Häuser, die da neben einer Tankstelle stehen, staubig, Tumbleweeds rollen über die Straße. Was macht man hier, wie lebt man hier in der Mitte von Nirgendwo? Auf dieser Strecke quer durch das Land gibt es viele solcher Orte, die wie aus einer Episode der Twilight Zone Serie stammen könnten. Hier will man nicht stranden, nicht lange bleiben, nur weiter auf dem endlos scheinenden Teerband der Interstate. Vorbei an Winnemucca, an Battle Mountain, an Elko bis Wells. Dort fahre ich von der Interstate 80 ab, tanke voll, gehe mit Käthe ein paar Schritte spazieren, bevor es auf dem Highway 93 Richtung Norden, Richtung Idaho geht. Twin Falls erreiche ich meistens in der Nacht, dort geht es wieder etwas Richtung Westen.

Der weite Himmel über Montana.

Es gibt mehrere Möglichkeiten von Oakland in die UP zu fahren, ich wähle immer die nördlichste Route, die ist in den heißen Sommermonaten meist etwas kühler, durch das Farmland von Idaho Richtung Yellowstone National Park, den ich westlich auf einem kurvigen, engen Highway passiere, immer weiter nach Norden. Hier grenzen Idaho, Wyoming und Montana aneinander, hier ragen die Berge der Rocky Mountains auf. Hier ist das konservative “Heartland” Amerikas, hier ticken die Uhren ganz anders. Trump und NRA Aufkleber auf den Autos, “Gun Racks” Gewehrhalterungen, in den Pick-up Trucks. Die Landschaft ist wunderschön, man sieht im Vorbeifahren Bisons und Hirsche, Koyoten und Füchse, nachts haben schon ein paar Bären vor mir die Straße überquert.
Dort liegt Big Sky, eine Ortschaft, die diesen Namen wahrlich verdient. Der Nachthimmel zwischen den hoch aufragenden Bergen ist unbeschreiblich schön, spirituell in seiner ganzen Pracht. Es sind diese Augenblicke, die die Strapazen einer 40 Stunden Fahrt verschwinden lassen. Natürlich könnte ich irgendwo anhalten, mir ein Zimmer nehmen, übernachten, doch ich will ankommen und fahre weiter.

Bei Bozeman treffe ich auf die Interstate 90, die bei Billings in die 94 übergeht, es geht norwestlich weiter, die Grenze zu North Dakota liegt vor mir, hier habe ich schon 1400 Meilen hinter mich gebracht. Vor mir liegt die endlose Weite von North Dakota, der 94er zieht sich schnurgerade durch den Bundesstaat. Links und rechts nur Einöde. In der Mitte von North Dakota liegt Bismarck, die Hauptstadt des Staates. Hier existierte ein Internierungslager, in dem im Zweiten Weltkrieg viele Deutsche untergebracht waren, einer von ihnen war Max Ebel, der schon in den 30er Jahren vor den Nazis aus Deutschland floh, um dann in der Hysterie nach dem japanischen Angriff auf Pearl Harbor in die Fänge des FBIs zu geraten. Er verbrachte ein paar Jahre im Lager “Fort Lincoln”. Max Ebel lernte ich vor etlichen Jahren kennen, er erzähle mir seine Geschichte, an der er fast zerbrach. Immer wenn ich an Bismarck vorbei fahre, denke ich an ihn. Ich sollte “Fort Lincoln” mal besuchen, bislang, auf all den Fahrten gen Osten und gen Westen hat es noch nie geklappt. Vielleicht verbinde ich das mal mit meinem Traum, von Oakland in die UP nur auf Highways zu fahren, lokale Museen und Sehenswürdigkeiten zu besuchen und viel Zeit auf diesem Weg zu verbringen.

Wenn ich mich mal für eine halbe Stunde hinlege und die Augen schließe passt Käthe auf.

Von Fargo geht es ab von der Interstate auf den Highway 10, dann auf den Highway 210, quer durch Minnesota Richtung Duluth. Meist fahre ich nachts durch Minnesota. Einmal wurde ich gegen drei Uhr morgens von der Highway Patrol angehalten, weil ich einen mir entgegen kommenden Wagen mit meinem Fernlicht angeblinkt hatte, denn dieser blendete mich mit seinem Fernlicht. Es war die Highway Patrol, die ich da angeblinkt hatte. Er stoppte mich auf einer verlassenen Strecke des 210, stieg aus und kam langsam auf der Beifahrerseite zu meinem VW Bus. Im Seitenspiegel konnte ich beobachten, wie er den Verschluss seines Pistolenholsters löste. Das ist Routine, kein Polizist weiß, in welche Situation er in solch einem Augenblick kommt. In einem schwerbewaffenten Land wie den USA ist alles denkbar. Ich öffnete das Seitenfenster und fragte, warum er mich stoppe. Der Beamte sagte, ich hätte ihn angeblinkt, was nicht erlaubt sei. Ich antwortete, seine Scheinwerfer hätten mich geblendet. Er leuchtete mit einer Taschenlampe in meinen vollen Wagen, sah Käthe, die ihn einfach nur anschaute. Er wollte daraufhin meinen Führerschein und die Fahrzeugpapiere sehen und fragte, woher ich komme. Ich sagte, aus Kalifornien und sei auf dem Weg in die UP nach Michigan. Nach der Prüfung meiner Papiere wünschte er mir eine gute und sichere Weiterfahrt. Ich nahm das zum Anlass, mal wieder länger anzuhalten, die Augen ruhen zu lassen.

Die letzte Etappe von Duluth, entlang der Küste des Lake Superior in Wisconsin zur Staatsgrenze nach Michigan zieht sich besonders lang hin. An diesem Punkt bin ich übermüdet, das Ziel quasi schon vor Augen und die Meilen werden nicht weniger. Der Highway ist langsam, kurvenreich, vorbei an Iron River, Ashland, Ironwood. Dort geht es dann wieder nach Norden, endlich in die UP.

Die Upper Peninsula war einst das Ziel vieler Einwanderer aus Europa. Finnen, Italiener, Tschechen, Polen, Deutsche, sie alle kamen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, um in den Kupferminen zu arbeiten und in der boomenden Region dieser Halbinsel eine neue Heimat zu finden. Noch immer sind in der UP riesige Vorkommen an Kupfer zu finden, hier soll es das reinste Kupfer der Welt geben, doch die Gesteinsbrocken sind so gross, zu teuer, um sie abzubauen. Seit den 1920er Jahren wurde eine Mine nach der anderen geschlossen. Überall findet man hier Geisterstädte, überwucherte Ansiedlungen und Industrieanlagen, die Natur holt sich das zurück, was ihr genommen wurde. Die Region ist eine vergessene Region in den USA. Die Winter sind lang und hart. Im September kann es schon schneien, im Mai fällt der letzte Schnee.

Es ist einsam hier oben an dem kleinen See, der mein Ziel ist. Doch es ist wunderbar, idyllisch, unbeschreiblich. Ein innerer Friede, ein Abschalten, ein in sich gehen. Mit dem Kayak nachts um halb elf auf den See zu paddeln, das Abendrot im hohen Norden zu bewundern, die Ruhe wirken zu lassen. In solchen Momenten weiß ich, warum ich immer wieder hierher komme an den Lake Roland. Der Weg ist das Ziel. Und das Ziel hilft auf dem Weg, der da kommen mag.

Die Area 51 wird gestürmt

Alle kann man nicht stoppen. Das zumindest ist die Hoffnung der Facebookgruppe „Storm Area 51“. Rund eine halbe Million Menschen interessiert sich genau dafür, am 20 September dieses Jahres gemeinsan auf das hochgeheime Militärareal zu rennen. Das Ziel ist, endlich Klarheit darüber zu bekommen, ob auf der Air Force Basis tatsächlich Außerirdische festgehalten werden.

Der Eingang zur Area 51. Einfach weiterlaufen ist nicht zu empfehlen.

Eigentlich ist es als Spass gedacht. Denn keiner wird wohl wirklich ernsthaft glauben, die „Nellis Air Force Base“ überrennen zu können. Doch diese Facebookseite hat nun auch viele Alien-Fans und Alien-Gläubige angezogen, die diesen Plan in die Tat umsetzen wollen. Denn, wer am Eingang der „Area 51“ steht, könnte meinen, es ist ein leichtes Unterfangen einfach loszurennen. Denn ein Tor gibt es nicht, auch keinen Schlagbaum, kein Panzer steht da, keine bewaffneten Soldaten patroullieren. Lediglich Warnschilder weisen darauf hin, dass man nicht weitergehen darf. Allerdings ist das Gelände weitläufig gesichert. Bewegungsmelder sind im Sand entlang der Staubstrasse vergraben und kündigen jeden Besucher schon Meilen vor dem eigentlichen Tor an. Dazu kommen Kameras, die jeden Schritt und Tritt genauestens verfolgen.

Auch hat die Air Force bereits erklärt, „Nellis Air Force Base“ sei eine militärische Einrichtung, die gesichert sei. Und eine Sprecherin der amerikanischen Luftwaffe machte unmissverständlich klar: „The U.S. Air Force always stands ready to protect America and its assets.“ Heisst, wer die Warntafeln missachtet, wer wirklich das Projekt „Storm Area 51“ umsetzen will, der kann sich auf was gefasst machen. Wie das nun aussehen würde, falls da wirklich Hunderttausende von Menschen auf einmal loslaufen, das lässt sich wohl nur erahnen. Von daher werde ich mal am 20. September mit Jörg sprechen, der in Rachel, Nevada, direkt am Extraterrestrial Highway lebt. Denn eine halbe Million Menschen wird man nicht einfach übersehen können….und schon gar nicht stoppen können.

Ist Las Vegas noch zeitgemäß?

Hyper, Hyper in Downtown Las Vegas.

1987 war ich das erste Mal in Las Vegas. Danach noch mehrmals. Gerade bin ich mal wieder hier, für eine Nacht. Heute geht es für ein Interview weiter zur Area 51. Gestern Abend traf ich gute Freunde, danach lief ich noch etwas durch Downtown Las Vegas, schaute mir die Leute an, schlurfte durch die Casinos, aber irgendwie wollte diesmal der Funken nicht überspringen. Ist Las Vegas eigentlich noch zeitgemäß?

Eine sich immer weiter ausbreitende zwei Millionen Einwohner Stadt mitten in der Wüste. Hoher Wasser- und Energieverbrauch, unglaubliche Müllberge, Flugzeuge landen im Sekundentakt, bringen Jahr für Jahr weit über 40 Millionen Touristen hierher. Von den Süchtigen unter den Brücken, in den Kasinos und an den Buffets will ich gar nicht erst reden. Auch nicht davon, wie hier Frauen nahezu überall als reine Sexobjekte dargestellt werden. Da ist die Frage durchaus berechtigt, ob diese Glanz- und Glimmer Metropole in dieser Form und in dieser Zeit noch eine Berechtigung hat. All das, über was in den täglichen Nachrichtensendungen gesprochen wird, sei es der Klimawandel, die Wasserknappheit, die neue Armut, die Sucht, all das scheint hier unbeachtet zu sein und schlichtweg übergangen zu werden.

Ich will hier niemandem seinen Spass nehmen, seine Unterhaltung einschränken. Jeder soll das finden, was er möchte, und dennoch, an Las Vegas scheinen die Fragen der Zeit vorbei gegangen zu sein. Natürlich ist mein kurzer Blick keine tiefe Analyse auf die „Sin City“, es ist eine Momentbetrachtung. Es gibt hier sicherlich viel zu sehen, zu entdecken und zu finden. Aber „what happens in Vegas, stays in Vegas“, scheint nicht nur für bestimmte Handlungen zu gelten. Hier kann man die Sau mal für eine oder zwei Nächte rauslassen, die Welt da draußen, jenseits des Vegas Horizonts vergessen, hier braucht man kein schlechtes Gewissen zu bekommen. Kack auf Klima, Kultur, Kriegsspielereien. Ich glaube, ich muss hier wirklich mal länger herkommen und mehr über Las Vegas jenseits der grellen Kasinolichter und der überlauten Beschallung in Downtown und am Strip erfahren. Ich bin bei allen Fragen wirklich neugierig auf das geworden, was sich hier hinter den Kulissen abspielt.

Terrorgefahr im Wüstensand

Wer nach Black Rock City fährt, lässt den Alltag hinter sich. Es ist ein einwöchiges Utopia, was da im Wüstensand von Nevada entsteht. Kunst, Kultur, Anderssein, Selbstverwirklichung und Selbstdarstellung, ein Zusammensein, ein Miteinander ohne Geld, in dem geteilt und aufeinander zugegangen wird. Bislang, doch das soll sich ändern.

Natürlich gibt es auch Kritikpunkte am alljährlichen Burning Man Event, doch die Organisatoren haben endlich erkannt, das etwas getan werden muss, um dieses einzigartige Treffen der Burners in seiner Grundform und mit den gesetzten Werten zu erhalten.

Da passt so gar nicht rein, was nun in einem 372seitigen Umweltbericht des „Bureau of Land Management“ (BLM) veröffentlicht wurde. Die Behörde, die die Aufsicht über „Federal Land“ hat, damit also auch die Aufsicht über die Black Rock Desert in Nevada, wo das Burning Man Fest stattfindet, will nun unglaubliche Auflagen durchsetzen. Darunter auch die Terrorabwehr. Burning Man sei zu einem Ziel geworden, so heisst es. Die internationale Popularität, die mangelnde Kontrolle der Besucher, die fehlende Absicherung nach draussen, all das würde es leicht machen, dort einen Anschlag in welcher Form auch immer duchzuführen. Gefordert werden deshalb feste Zäune, die das riesige Areal umgrenzen, dazu eine eigene private Sicherheitsfirma, die jeden Besucher und jedes Vehikel genauestens kontrollieren soll. Die Kosten für Burning Man würden explodieren, die Ticketpreise noch weiter ansteigen.

Nach der Massenschiesserei auf ein Country Musikfestival in Las Vegas glaubt man bei BLM nun also auch sich im Wüstensand auf etwas vorbereiten zu müssen, was wohl im Jahr 2019 zur Normalität geworden ist. Alles und jeder ist zu einem Anschlagsziel geworden. Angst regiert das Leben. Ein Zaun und verstärkte Kontrollen sollen also die vermeintliche Sicherheit bieten, die es nicht gibt, nicht geben kann. Black Rock City soll also in eine Reihe mit Paris, London, Berlin, Madrid, New York und Las Vegas gestellt werden. Das Schild am Eingang von Burning Man „Welcome Home“ wird damit zum Rückspiegel zu den Orten, aus denen man kam. Ade Utopia! Dem Alltag unserer Zeit kann man damit auch für eine Woche nicht mehr entkommen.

Burning Man im Wandel

Ein tonnenschwerer Bär mit einem Fell aus Cent Stücken.

Viermal schon habe ich mich auf den langen Weg von Oakland nach Black Rock City gemacht. Es sind nicht nur die paar Hundert Meilen Freeway und dann ein schmaler Highway, der einen zu „Burning Man“ führt, es ist auch die Vorbereitung, der Ticketkauf, die Planung, die Platzsuche, das Aufbauen des Camps und die Teilnahme an diesem wohl einzigartigen Fest in der Wüste von Nevada, das diese Reise zu mehr als nur einer Autofahrt macht.

Angefangen hat alles Ende der 80er Jahre mit ein paar Dutzend Leuten an Baker Beach in San Francisco, bis der Park Service den Feiernden erklärte, dort dürfe das eigentlich nicht stattfinden. Also schaute man sich um und fand in der Nähe von Gerlach ein im Sommer ausgetrocknetes Seebett, das sich ideal für die Pläne dieser einwöchigen Community eignen würde. „Burning Man“ ist Geschichte. Aus den anfänglichen paar Dutzend Männern und Frauen wurde eine weltweite Bewegung. Heute unternehmen alljährlich bis zu 70.000 Menschen diesen langen Treck aus der Zivilisation in ein selbstgestaltetes Utopia im Wüstensand. „Burning Man“ ist Party, ist Anderssein und es ist auch, wie es mir einmal jemand beschrieben hat, die größte Galerie der Welt. Hier kann (fast) alles ausgelebt, dargestellt, verwirklicht werden.

Doch seit einigen Jahren gibt es die Vorwürfe, dass „Burning Man“ immer mehr Hipster, Techies, Reiche und „Influenzer“ (beklopptes Wort) anzieht, die auf der Playa eigentlich gegen die Grundprizipien der „Burning Man Culture“ arbeiten. Mit Gesichts- und Alterskontrolle bei Parties, Themencamps und auf „Mutant-Vehicles“, mit klimatisierten und eingezäunten Zelten, die von eigenem „Personal“ aufgebaut wurden. Mit Produktpräsentationen auf der Playa von sogenannten Youtube und Instagram „Influencern“. Der Höhepunkt der antiklimatischen BM Verhaltensweisen waren sicherlich Google Mitarbeiter, die sich per FedEx frischen Hummer einfliegen ließen.

In der Zentrale von BM hat man nun genug und will das ändern. Marian Goodell, die CEO der gemeinnützigen Organisation, hat nun erklärt, man wolle einiges ändern. Nachdem ihr Team einen 55seitigen Bericht mit Missständen vorlegte, war klar, etwas muss getan werden. Nun setzt man beim Ticketverkauf an, um sicherzugehen, dass wieder der eigentlich Geist von „Burning Man“ durch die Wüste weht. Wer kommen will, soll und, ja, muss teilnehmen, sich vorbereiten, planen, sein Camp aufbauen. Black Rock City soll eben nicht ein Freaky Las Vegas, ein Glitzer Hollywood, ein einwöchiges Fantasia werden. Vielmehr sollen die Wurzeln dieser eigenwilligen, eigenartigen und einmaligen Community bewahrt und gestärkt werden. Dieses Jahr wird es für mich nicht klappen, aber ich hoffe im nächsten Jahr wieder den langen Weg von Oakland nach Black Rock City antreten zu können.

Der Mann in der Wüste brennt bald wieder

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Das „Burning Man“ Festival hat wieder begonnen. Seit letzte Nacht sind die Tore geöffnet, Zehntausende zieht es in die Wüste von Nevada, nordöstlich von Reno. Und gleich am ersten Tag gab es einen „White Out“, einen Sandsturm, der über Stunden anhielt, den feinen Staub auf der Playa aufwirbelte und alles einstaubte. Die Folge war, dass nichts mehr ging auf dem Gelände, das Eingangstor geschlossen werden musste und sich eine Endlosschlange von Burnern bildete.

BMIR – Burning Man Information Radio

Wie in jedem Jahr gibt es eine Webcam (siehe oben), die rund um die Uhr Live-Bilder vom Festival übermittelt. Gerade nachts sehr beeindruckend, was da in dieser einen Woche im Wüstensand vor sich geht. Dazu gibt es Radiostationen nur für diese sieben Tage, die live von der Playa senden. Und das sind Piratensender, die sich nicht an Regeln und Gesetze der Aufsichtsbehörde FCC halten müssen. Sie senden und sprechen über und spielen was sie wollen…das was zu höre ist, ist meist sehr unterhaltsam. Hier ist beispielsweise Burning Man Information Radio, BMIR, das Programm gibt einen guten Eindruck, wie schräg, schrill, schön „Burning Man“ sein kann. Ein 24 Stunden Informations- und Unterhaltungsprogramm für Burner vor Ort und weltweit vom Rande der Playa.

 

America the beautiful

3500 Kilometer liegen hinter mir. Fast einmal quer durchs Land. Durch Nordkalifornien nach Nevada, den Bundesstaat von West nach Ost durchfahren, dann Richtung Norden durch Idaho, rüber nach Montana, entlang des Yellowstone National Parks. Montana durchkreuzt, den langen Freeway in North Dakota abgefahren, bei Fargo dann auf den Highway Richtung Minnesota eingeschwenkt. Bei Duluth nach Wisconsin rein, von dort noch weiter nördlich bis zur Upper Penninsula von Michigan. Das alles nur mit ein paar „Power Naps“ geschafft.

Eine Endlosfahrt durch Amerika.

Eine lange, endlos erscheinende Autofahrt durch ein Land, das mir auch noch nach 22 Jahren fremd und gleichzeitig neu ist und dennoch faszinierend bleibt. Amerika ist ein wunderschönes Land, in das es sich lohnt zu reisen. Nicht nur nach New York, Florida, Las Vegas und Kalifornien. Wer die USA verstehen lernen möchte, der muss ins Landesinnere fahren. Nach Elko, Bozeman, Bismarck, Duluth, Houghton und viele andere Kleinstädte auf dem Weg von West nach Ost.

Auf dieser Fahrt durch die unvereinigten Staaten von Amerika hörte ich B5 Aktuell, Deutschlandfunk, NPR, Al Jazeera, BBC, das Smartphone macht es möglich. Und alle berichteten von Donald Trump und seinem Treffen mit Vladimir Putin in Helsinki. Berichte, Analysen, Reaktionen. Donald Trump der seltsame, selbstverliebte, unkonventionelle, rüpelhafte Präsident der USA. Und dann diese Bilder von diesem weiten, offenen, wunderschönen Land. Menschen, an allen Tank- und „Dog Business“ Stopps, die freundlich, interessiert, humorvoll waren. Ich war überrascht, dass ich im Landesinneren nicht auf Unmegen an Trump Aufkleber und MAGA-Hüten stieß. Diese Fahrt durch Amerika führte mir auch wieder mal vor Augen, warum ich dieses Land auch nach 22 Jahren noch liebe.

Am Ende wird alles zu Asche

Das Burning Man Festival     

Larry Harvey ist tot. Der Gründer und „Chief Philosophical Officer“ des alljährlichen Kreativfestivals „Burning Man“ in der Wüste von Nevada starb am Samstag in San Francisco. Am 4. April erlitt er einen massiven Schlaganfall, von dem er sich nicht mehr erholte. Harvey wurde 70 Jahre alt.

1986 hatte alles zur Sonnwendfeier an Baker Beach in San Francisco begonnen. Damals wurde der erste „Man“ aus Holz verbrannt, eine 2,70 Meter hohe Figur. Nach ein paar Jahren musste man umziehen, da Baker Beach zum Golden Gate Nationalpark gehört und die Park Ranger das Feuer und die immer größer werdende Menschenmenge nicht so toll fanden. In der Black Rock Desert von Nevada fand man eine neue Heimat, eine weitläufige, nicht endenwollende, raue Landschaft, offen und leer wie eine zu füllende Leinwand. Mir sagte mal jemand, Burning Man sei die größte Galeriefläche der Welt, und die zu füllen ist jedes Jahr eine neue Aufgabe, wenn die Zeit gekommen ist.

An Larry Harvey wird m diesjährigen Tempel gedacht werden.

Die Vision dafür hatte Larry Harvey, der aus einer Schnapsidee ein nichtkommerzielles 30 Millionen Dollar Unternehmen formte, eine Stiftung zur Unterstützung von öffentlicher Kunst gründete und die zumeist Native American Gemeinden um die Black Rock Desert herum unterstützte. „Burning Man“ ist ein einzigartiges Fest. Ja, es hat sich über die Jahre verändert. Viel wurde über die hohen Ticketpreise und die mittlerweile abgetrennten Superreichencamps mit klimatisierten Zelten, privaten Sterneköchen und Luxus im Wüstensand geschrieben. Und doch, „Burning Man“ hat dank der Gründungsriege um Larry Harvey immer auch den Grundgedanken, die Grundprinzipien beibehalten. Community und Kreativität standen und stehen an vorderster Stelle.

Mit Larry Harvey verliert „Burning Man“ den Über-Burner. In diesem Jahr wird es sicherlich am Festival einiges geben, was an ihn erinnern wird. Ganz sicher im Tempel. Dieser religiöse, dieser spirituelle Ort am Rande des riesigen Areals ist etwas ganz besonderes. Dort findet man einen Ruhepunkt, geniesst die Stille, leise Musik, Gebete, Gesänge, sieht die Fotos, liest die vielen, vielen Anekdoten, Berichte, Beschreibungen von Verstorbenden – Menschen und Tieren. Einer davon ist nun Larry Harvey. Am Ende der Woche wird auch der Tempel in einem gewaltigen Feuer aufgehen. In den Flammen, so hofft man, werden auch die Trauer und der Schmerz vergehen. Zurück bleiben sollen Erinnerungen. Auf dem Message Board der „Burning Man“ Seite schrieb heute eine Frau ein paar sehr passende Worte zum Abschied: Thank you Larry and safe journey…