Letzter Tanz für den Wolf

Farmer und Rancher verlangten es schon lange, nun also haben sie sich scheinbar durchgesetzt.  In einem vorab bekannt gewordenen Papier des amerikanischen Innenministeriums heißt es, dass der Wolf von der Liste der geschützten Tiere genommen werden wird. 6000 Wölfe im Gebiet der nördlichen Rocky Mountains und der großen Seen seien genug, um die Tiergattung zu schützen. Eine Ausweitung, wie ursprünglich noch angedacht, auch an die Westküste oder in die New England Staaten sei nicht mehr vonnöten.

Dem Wolf geht es also an den Pelz. Mit dem Durchsetzen dieser neuen Richtlinie würden in den 48 Bundesstaaten zwischen New York und Kalifornien die Raubtiere erneut zum Abschuß freigegeben werden. Nur eine kleine Gruppe von mexikanischen Wölfen, verwandt mit dem nordamerikanischen Grauwolf, die im Südwesten der USA leben, würden auch weiterhin auf der Schutzliste bleiben.

Viehzüchter begrüßten diesen Entscheid aus Washington, Wissenschaftler und Tierschützer hingegen sind alarmiert. John Vucetich, Wolfexperte und Biologe an der Michigan Tech University, erklärte, es sei noch viel zu früh für so einen Schritt. Die 6000 Wölfe im Land würden gerade mal 15 Prozent ihres ursprünglichen Territoriums besiedeln. Die Entscheidung sei also nun vielmehr eine politische, denn damit würde die weitere Ausbreitung garantiert verhindert werden. Washington beuge sich damit der starken Farmlobby, meinte Vucetich.

Und die hat Blut geleckt und will nun noch mehr. Auch im Südwesten der USA sollten alle Wölfe von der Schutzliste genommen werden, auch der mexikanische Wolf. Die dortige Population ist gerade mal 75 Wölfe stark.

Kritiker der neuen Linie betonten, dass das Rettungsprogramm für die Wölfe zwischen 1991 und 2011 rund 120 Millionen Dollar gekostet habe. Der Farmlobby hat dies nie gepasst. Viehzucht ließe sich nicht mit dem Schutz für Wölfe vereinen. Nun soll also wieder das Jagdgewehr geladen, Fallen gestellt und Gift ausgestreut werden dürfen. Die Rancher bekommen ihren Weg. Und das, obwohl das eigentliche Ziel noch gar nicht erreicht ist, das langfristige Überleben einer fast ausgerotteten Tierart zu garantieren.