Zwei sind nicht mehr dabei

Carly Fiorina und Chris Christie sagen zum Abschied leise Servus. Foto: Reuters/AFP.

Fiorina und Christie sagten zum Abschied leise Servus. Foto: Reuters/AFP.

Ich hatte auf drei getippt, nun haben sich am Mittwoch nur zwei weitere Kandidaten aus dem Rennen verabschiedet. Ben Carson glaubt noch immer an Wunder. Chris Christie, Gouverneur von New Jersey und auch die ehemalige CEO von Hewlett-Packard, Carly Fiorina, hingegen strichen die Segel. Genug ist genug. Fiorinas Abgang war klar, bei Christie stellte sich am desaströsen Wahlabend in New Hampshire die Frage, ob er über seinen eigenen Schatten springen kann. Er kann und sein Ausscheiden hilft vor allem Jeb Bush und John Kasich. Alle drei Gouverneure buhlten um die gleichen Wähler. Die kommenden Wahlen in South Carolina und Nevada werden zeigen müssen, wer von diesen beiden den langen Atem gegen Donald Trump haben wird.

Trump ist derzeit obenauf, sein gewaltiger Sieg in New Hampshire, setzte für die Partei ein deutliches Zeichen. Gespalten wie sie derzeit erscheint, mit nach wie vor sechs Kandidaten im Rennen, wird sie die Kandidatenkür des Immobilieninvestors nicht stoppen können. Doch selbst wenn auch noch Bush oder Kasich aussteigen sollten, sind da noch Cruz und Rubio, die sich für die Heilsbringer Amerikas halten. So läßt sich ein Donald Trump mit seiner nichtssagenden Kampagne stoppen.

Bei den Demokraten beginnt nun der Kampf um die Stimmen der Minderheiten, die der Afro-Amerikaner und der Latinos. Der „Black Caucus“ im Kongress, die Vereinigung der afro-amerikanischen Abgeordneten auf demokratischer Seite, haben sich nun auf Hillary Clinton festgelegt. Doch das heißt gar nichts, denn in Umfragen wird immer deutlicher, dass gerade junge und Erstwähler unter den Schwarzen Bernie Sanders unterstützen. Sanders marschierte in den 60er und 70er Jahren für Gleichberechtigung, gegen Rassismus und Segregation, wurde dafür sogar verhaftet. Der alte Mann aus Vermont spricht nicht nur von einer politischen Revolution, er kann auch mit Anekdoten aus seinem Leben begeistern. Hillary Clinton wird nun einen offensiveren Wahlkampf führen und dabei aufpassen müssen, dass sie die Wähler von Sanders nicht verprellt. Denn die Chancen, dass der Senator aus Vermont am Ende der strahlende Sieger sein wird, sind gering. Hillary wird es wohl schaffen, doch sie braucht für den Einzug ins Weiße Haus eine geschlossene Partei hinter sich. Und das geht nur mit den Millionen Unterstützern von Bernie Sanders.

Der Clown und die Gehirntoten

Die Daily beschimpft Trump als Clown und seine Wähler als gehirntot.

Die Daily beschimpft Trump als Clown und seine Wähler als gehirntot.

Was für ein Wahlausgang! Donald Trump gewinnt erwartungsgemäß und auch Bernie Sanders zeigt, was eine demokratische Harke ist. Hillary Clinton erhielt in New Hampshire einen ziemlichen Dämpfer. Bei den Republikanern wurde das Feld noch einmal kräftig durchgewirbelt. John Kasich ist obenauf, Ted Cruz glaubt an sich selbst, Jeb Bush dümpelt weiter vor sich hin. Marco Rubio sieht sich mißverstanden. Chris Christie sollte nun aufhören. Bei Carly Fiorina und Ben Carson fragt man sich, warum sind die beiden überhaupt noch im Rennen?

Die Huffington Post beschreibt Trump als rassistischen, sexistischen und fremdenfeindlichen Demagogen.

Die Huffington Post beschreibt Trump als rassistischen, sexistischen und fremdenfeindlichen Demagogen.

Nun geht es weiter nach South Carolina, da könnten die Karten neu gemischt werden. Spannend wird da vor allem die Wahl bei den Demokraten sein. Hillary Clinton liegt in den Umfragen bei Afro-Amerikanern und Latinos vor Bernie Sanders. Diese Wählerschaft gab es in Iowa und New Hampshire kaum, doch in South Carolina sind diese beiden Wählergruppen gut vertreten und könnten die Wahl maßgeblich mitentscheiden. Aus diesem Grund reist Bernie Sanders am Mittwochmorgen nach New York, um dort den Bürgerrechtler Al Sharpton zu treffen. Sanders erhofft sich so, Zuspruch der „Black Community“ in den USA zu bekommen.

Unterdessen greifen einige der amerikanischen Medien den republikanischen Wahlsieger des Abends, Donald Trump, heftigst an. Die New York Daily News macht mit dem „Clown Trump“ auf und fragt, ob die Wähler in New Hampshire Gehirntote seien. Die Huffington Post hingegen erklärt ganz klar: WTF („What The Fuck“) rassistischer, sexistischer, fremdenfeindlicher Demagoge gewinnt New Hampshire“. Nun beginnt der harte Teil des Wahlkampfes, Tiefschläge sind ab jetzt erlaubt.

 

Hier noch ein Interview, das ich am Abend einem Privatsender in der Schweiz gegeben habe:

Sanders und Trump gewinnen die Wahl. Überraschung für dich?

Nein, das war vorher schon klar, es ging eigentlich nur darum, wie hoch beide gewinnen. Donald Trump schaffte genau das, was in den Prognosen genannt wurde. Bernie Sanders liegt mit derzeit über 20 Prozent vor Hillary Clinton. So deutlich hat das wohl keiner erwartet.

Bernie Sanders hat doch deutlich vor Clinton gewonnen. Wie kam es dazu?

Bernie Sanders hatte sich auf New Hampshire konzentriert und er ist aus dem Nachbarstaat Vermont. Die Wählerschaft in der Gegend ist weitaus mehr auf seiner Linie, glaubt seiner Message. Und die kommt einfach an. Interessant vor allem auch, dass Sanders mehr als die Hälfte der weiblichen Wähler für sich gewinnen konnte.

Wie kann Clinton die jungen Wähler mobilisieren?

Also, Iowa und New Hampshire waren nur der Beginn dieses Wahlkampfes, das sind vor allem „weiße“ Bundesstaaten. In South Carolina sieht das schon ganz anders aus. Da gibt es mehr Afro-Amerikaner, mehr Latinos. Das sind vor allem die Wähler, die jetzt umkämpft sind. Clinton sieht sich bei ihnen vorne, sie wird sich in den kommenden Wochen darauf konzentrieren, danach geht es um die jungen und Neuwähler.

Was heisst das Ergebniss von New Hamphire jetzt für die weiteren Vorwahlen bei den Demokraten?

Das Ergebnis ist eine klare Ansage an Hillary Clinton, dass es nicht leicht wird. Man sieht schon jetzt, dass sie politisch nach links rückt, um Sanders Wähler zu gewinnen. Bernie Sanders wird ihr einen harten Zweikampf liefern, vor allem auch, weil er von Millionen von Amerikanern finanziell unterstützt wird. Die haben durchschnittlich gerade mal 27 Dollar gespendet, darauf kann er nun bauen. Er hat kein Super PAC im Rücken, keine großen Geldgeber.

Trump fährt nach dem zweiten Platz in Iowa jetzt einen Erfolg ein. Warum?

Trump hatte sich kaum auf Iowa konzentriert, dort wenig Wahlkampf gemacht. Er wollte New Hampshire gewinnen. Das war für ihn die Testwahl und er hat nun deutlich gezeigt, dass er so leicht nicht wegzukriegen ist. Damit hat die republikanische Partei nun ein sehr großes Problem.

Was ist der John Kasich auf dem zweiten Platz für ein Mann?

Kasich ist eigentlich mehr so ein Mitte-Rechts-Mann, durchaus wählbar, erfolgreich als Gouverneur in Ohio. Wichtig war bei dieser Wahl, wer von den drei Gouverneuren, also John Kasich, Chris Christie und der Ex-Gouverneur Jeb Bush die Nase vorn hat. Kasich geht nun gestärkt nach vorne, er hat die besten Aussichten.

Was heisst Trumps Erfolg für den weiteren Wahlverlauf?

Ganz klar, Trump macht weiter und bestimmt den Wahlkampf in den Reihen der Republikaner. Die sind derzeit so gespalten, dass es keine einheitliche Front gegen den Milliardär gibt. Und das hilft eben Trump, der eigentlich mit keiner klaren politischen Aussage Wahlkampf führt.

Was meinst du, wird jemand der Republikaner Cruz, Bush oder Rubio jetzt das Handtuch schmeissen?

Ich denke auf den hinteren Plätzen wird sich was tun, also Ben Carson, Carly Fiorina könnten aussscheiden, für sie ist das Rennen quasi gelaufen. Und Chris Christie, der Gouverneur von New Jersey muß sich jetzt eingestehen, abgeschlagen hinter Kasich und Bush, dass es keinen Sinn mehr macht.  Gerade auch, weil Christie viel Zeit und Geld in New Hampshire investiert hat. Das hat sich nicht ausgezahlt. Sinnvoll wäre es jetzt für ihn, wenn er sich zurück zieht und einen der anderen Kandidaten unterstützt, im Kampf gegen Trump.

Ein seltsamer Wahlkampf

Sieben Kandidaten standen heute Abend auf der Bühne in Manchester, New Hampshire. Drei Gouverneure, zwei Senatoren, ein Immobilieninvestor und ein Neurochirurg. Ein paar von ihnen machen Sinn, ein paar überhaupt keinen und dann sind da noch diejenigen, vor denen man sich nur fürchten kann.

Es läuft auf einen Dreikampf zwischen Cruz, Trump und Rubio hinaus. Foto: AFP.

Es läuft bei den Republikanern auf einen Dreikampf zwischen Ted Cruz, Donald Trump und Marco Rubio hinaus. Foto: AFP.

Die Wahl in New Hampshire wird ein Wendepunkt sein. Einige der Kandidaten haben bereits angekündigt, wenn sie hier nicht besser abschneiden, werden sie sich zurückziehen. Und das sind gerade jene, die am meisten Sinn machen. John Kasich, Gouverneur von Ohio und Chris Christie, Gouverneur von New Jersey. Und auch Jeb Bush, ehemaliger Gouverneur von Florida, wird bei einem Scheitern in New Hampshire sehr genau überlegen müssen, ob er noch weitermachen will und kann. Alle drei überzeugen immer mehr in den Debatten, verweisen auf ihre Bundesstaaten, auf ihre Politik und Erfolge dort. Sie bauen auf das, was sie erreicht haben. Doch irgendwie kommt das beim Wähler nicht an.

In dem Umfragen hat bislang keiner der drei einen großen Sprung nach vorne machen können, und das, obwohl gerade Kasich und Christie viel Zeit und Geld in New Hampshire investiert haben. Wenn sie am Dienstag nicht deutlich aus dem Mitläuferfeld ausbrechen können, ist für sie das Rennen gelaufen. Allein John Kasich hat in New Hampshire 100 „Town Hall Meetings“ abgehalten. Das ist nur hier möglich, woanders im weiten Land ist sowas undenkbar. Und nach der Stimmabgabe in New Hampshire geht es Schlag auf Schlag weiter.

Nach diesem Urnengang werden weitere Kandidaten ausscheiden, das steht fest. Und wie es jetzt aussieht, könnte das ganze auf einen Dreikampf zwischen Ted Cruz, Marco Rubio und Donald Trump hinauslaufen. Damit stände wohl endgültig fest, dass die republikanische Partei nur noch ein Schatten ihrer selbst ist. Von Einheit, Geschlossenheit und der Bereitschaft dieses tief gespaltene Land wieder zusammen zu führen ist man dann Jahre entfernt. Auf Amerika kämen harte Zeiten zu.

Nur einer ist gegen die Todesstrafe

In all den Jahren als Korrespondent in den USA, habe ich ein Thema immer wieder aufgegriffen; die Todesstrafe. Vielleicht liegt es daran, dass das kalifornische Staatsgefängnis von San Quentin mit seiner „Death Row“ fast vor meiner Haustür liegt und ich Häftlinge im dortigen Todestrakt persönlich kenne. Doch vor allem liegt es wohl daran, dass im amerikanischen Strafvollzug all die Ungerechtigkeiten, all die Probleme, all die Fehler der amerikanischen Gesellschaft zu finden sind. Rassismus, soziale Ungleichheit, eine verschrobene Justiz, ein kaputtes Wahlsystem, fehlende soziale Einrichtungen, ein hohes Gewaltpotenzial…. ich könnte weiter ausholen. Und dann sind da genügend Fälle, die deutlich machen, dass im Namen des Volkes Unschuldige in den USA hingerichtet wurden.

Hillary Clinton und Bernie Sanders am Abend in New Hampshire. Foto: AFP.

Hillary Clinton und Bernie Sanders am Abend in New Hampshire. Foto: AFP.

Aus all diesen Gründen und noch vielen mehr lehne ich die Todesstrafe ab. Sie kann nicht gerecht sein. Für mich, der seit 20 Jahren hier drüben lebt, und nun seit ein paar Jahren auch in den USA als Bürger wählen darf, ist es immer wieder erstaunlich, wie weit verbreitet die „Rübe ab“-Mentalität, das Eintreten für die Höchststrafe bei Politikern verbreitet ist. Und ich rede hier nicht nur von Republikanern, sondern auch von Demokraten.

Im derzeitigen Wahlkampf sind auf republikanischer Seite alle Kandidaten für die Todesstrafe. Bei den Demokraten erklärte heute Abend Hillary Clinton in einer Fernsehdebatte auf MSNBC, dass sie bei bestimmten Fällen die Todesstrafe unterstütze. Also, ein Ja mit Einschränkungen. Aber eben ein Ja. Genau so ein Ja, wie es auch Barack Obama im Wahlkampf vertrat. Auch Bill Clinton war für die Todesstrafe.

Nur Bernie Sanders, der Senator aus Vermont, ist da anderer Meinung, er sagte: die Todesstrafe sei falsch, eben weil sie nicht gerecht sein kann und weil Unschuldige in den USA hingerichtet wurden. Da ist jemand, der Klartext redet, ohne Rücksicht auf Verluste. Der keinen Negativwahlkampf führen will, der komplizierte Sachverhalte anspricht, sie erklärt, seinen Standpunkt vertritt. Doch vor allem ist da einer, der ehrlich ist. Er redet für niemanden, nur für sich selbst.

Gestern im „Town Hall Meeting“ wurde Sanders gefragt, ob er religiös im Sinne von organisierter Religion sei. Sanders überlegte kurz und meinte dann, seine Religion sei hinzuschauen, wenn Kinder in den USA in Armut leben, wenn heimkehrende Veteranen obdachlos seien, wenn die Einkommensschere in diesem Land immer weiter auseinander geht. Das zu Erkennen treibe ihn an. Was daran „populistisch“ sein soll, kann ich nicht sagen. Vor allem nicht in einem Land wie den USA. Doch als „Populisten“ bezeichnete DIE ZEIT-Herausgeber Josef Joffe Bernie Sanders in der aktuellen Ausgabe auf der Titelseite und nannte ihn in einem Satz mit Donald Trump und Ted Cruz. Auch eine Meinung, Herr Joffe, die ich mit einem leichten Kopfschütteln einfach mal so stehen lassen möchte.

Trump wird es nicht

Donald Trump hier, Donald Trump da. In den Umfragen liegt er weit vor seinen Mitkonkurrenten. Der Spiegel hat dem Donald sogar eine Titelstory gewidmet. Alle reden schon von einem Präsidenten Trump. Doch daraus wird nichts. Und das aus einem ganz einfachen Grund. Donald Trumps Unterstützer sind keine Wähler, darauf läuft es jedoch am Ende hinaus.

Alles nur aus Liebe zu den USA. Foto: Reuters.

Alles nur aus Liebe zu den USA. Foto: Reuters.

Die Umfragen laufen immer gleich ab. Als Republikaner registrierte Wähler werden telefonisch gefragt, für wen sie denn stimmen würden, wenn am kommenden Dienstag Wahltag wäre. Die meisten der 500 Ausgesuchten gaben dann immer Trump an. Danach jubeln die einen, weinen die anderen, und wieder andere erklären, das kann doch alles gar nicht stimmen. Was bei diesen Umfragen meist hinten runter fällt ist die Tatsache, dass jemand am Telefon viel erzählen kann, wenn der Abend lang ist. In Wählerstimmen muß sich das nicht unbedingt ausdrücken. Und da hat Donald Trump ein riesiges Problem, wie nun genauere Untersuchungen seiner Unterstützer zeigen.

Trumps „Supporter“ bestechen vor allem dadurch, dass sie nicht wählen gehen. Ein Großteil von ihnen hat nicht an den letzten vier Wahlen teilgenommen. Die Hauptaufgabe des Donald wird also nun sein, die lautstarke Gruppe in seinen Veranstaltungen, die ihn quasi schon als Heilsgott preisen, zu den Wahlurnen zu bringen. Das ist nicht einfach, denn am Boden ist Trump nicht so verwurzelt und organisiert wie das andere Kandidaten sind. Der Milliardär ist zwar auf allen Titelseiten, in allen Talk Show Sendungen, auf allen Frequenzen zu finden, zu sehen, zu hören, doch draußen im Land fehlt es ihm an „Bodentruppen“, die von Tür zu Tür gehen, seine Unterstützer zu Wählern machen.

Aus diesem Grund sind die anderen Kandidaten (noch) relativ gelassen, auch wenn Donald Trump in den Umfragen die Schallmauer durchbrochen zu haben scheint. Ted Cruz, Marco Rubio, Jeb Bush, sie alle haben ihre Basis in Iowa, New Hampshire und den anderen Bundesstaaten, ihre Unterstützergruppen, die auch wählen werden. Donald Trump muß am Montag liefern, ansonsten wird sein Kartenhaus aus Häme und Hass schnell zusammen brechen. „You’re fired“ könnte schon sehr bald ihm gelten.

Da warens nur noch vier

Rick Perry hat die Faxen dicke. Der Texaner war eigentlich DER Kandidat der Republikaner. Mit viel Palaver und hohen Erwartungen stieg er im Sommer ins Rennen ein. Doch dann kam alles anders. Seine Fernsehdebatten waren unter aller Kanone, seine Kommentare nicht haltbar und in Wählerumfragen drückte sich das deutlich aus. Fünfter in Iowa, Sechster in New Hampshire mit noch nicht einmal einem Prozentpunkt am Wahlabend. Er baue auf South Carolina, tönte Perry. Doch auch da schlappt er hinter den anderen Kandidaten her. Keine Chance, nun also zieht er nur zwei Tage vor der Wahl in South Carolina die Reissleine. Das wars, Tschüss, bis denne und ich bin dann mal wieder in Texas.

Sowieso sieht alles danach aus, als ob die Vorwahlen ein abgekartetes Spielchen sind. In Iowa „gewann“ am Wahlabend Mitt Romney mit nur acht Stimmen Vorsprung. Nun „tauchten“ weitere Stimmzettel auf, die Rick Santorum zum Sieger machen. Doch die GOP in Iowa sagt, es ist ein Unentschieden. Warum? Ähm, es fehlen noch weitere Stimmzettel aus ein paar Bezirken. Hallo! Wenn das nicht nach Schiebung aussieht. Wie schwer ist es eigentlich Wahlstimmen einzusammeln und auszuwerten? Wahlzettel ausgeben, Kreuz machen, Wahlzettel einsammeln, nach Wahlschluß alle Zettelchen auswerten. Vielleicht sollte hier drüben mal jemand vom Unschlittplatz 7 einen Crashkurs „Wahlen für Anfänger“ anbieten.

Romney also nun vorne, South Carolina fest im Blick. Doch der smarte Frontrunner gerät immer mehr unter Druck. Die Geschäfte des Kandidaten und seine Steuerzahlungen stehen von allen Seiten unter Beschuß. Romney hat wohl gerade mal einen Steuersatz von 15 % auf seine Investitionen zahlen müssen und erklärte, sonst habe er kaum Einnahmen gehabt. Bis auf die rund 400.000 Dollar an Sprecherhonoraren. Peanuts, ich weiß. So eine Äußerung kommt aber nicht so gut beim Wahlvolk an, dass hier und da und dort sparen muß. Romney will nun alles offenlegen, sagt er….nachdem er seine Steuererklärung für 2011 abgegeben hat. Im April, dann sind auch die Vorwahlen vorbei.

Jon Huntsman sagt „zàihuì“

Der nächste zieht den Hut. Jon Huntsman, der noch vor wenigen Tagen nach seinem dritten Platz in New Hampshire ausrief „auf geht’s nach South Carolina“ ist raus aus dem Rennen ums Weiße Haus. Kein Geld, keine breite Unterstützung und auch die jüngsten Umfrageergebnisse in den nächsten Vorwahlstaaten sahen düster für ihn aus. Huntsman, ganz der Realist, zieht damit die Konsequenz. Die richtige. Mit seiner heutigen Pressekonferenz verabschiedet er sich und bringt sich damit auch für zukünftige Aufgaben in Position. Mit seiner Erfahrung als Gouverneur von Utah, als Diplomat und seinen Kenntnissen des asiatischen Raumes ist er für jeden Präsidenten eine Bereicherung. Huntsman, der nun auf Romney setzt, könnte durchaus eine Rolle in dessesn Schattenkabinett übernehmen.

Jon Huntsman paßte von Anfang an nicht in das Schaulaufen der GOP Kandidaten. Er war besonnen, realistisch und hatte im Vergleich zu den anderen Mitstreitern internationale Erfahrung. Der Ex-Diplomat hatte den Blick von außen auf die USA, wußte, welche Rolle Amerika auf der Weltbühne spielt und vor allem, wie sein Land in anderen Teilen der Welt gesehen wird. Doch mit Erfahrung, Wissen und Kenntnissen kommt man bei den Wählern nicht unbedingt an. Markige Sprüche sind ihm fern, er hätte wohl niemals das Urinieren auf tote Talibankämpfer durch US Soldaten als „dumme Jungen Idee“ abgetan, wie es der texanische Gouverneur Rick Perry formulierte.

Huntsmans Wahlkampf lief von Anfang an schief. Zwar hofften viele auf seine Kandidatur, erwarteten sich von ihm einen kühlen, erfahrenen, weltoffenen Mann im Rennen. Doch schon bei der ersten Pressekonferenz hatte sein eigenes Team falsche Pressekarten ausgegeben, statt Jon hieß es da John Huntsman. Kein gutes Zeichen für einen Wahlkampf der perfekt laufen muß.

Mit Jon Huntsman zieht sich der Kandidat zurück, der als einziger aus der politischen Mitte heraus Wahlkampf führte. Auch Demokraten schätzten und schätzen ihn, er wäre wählbar gewesen. Doch die GOP ist in der Hand von lautstarken Interessengruppen, Tea Party, Evangelikale, Fundamentalisten. Für einen wie Huntsman ist da kein Platz. Er zieht die Bremse, steigt aus und wartet ab, was seine nächste Aufgabe im öffentlichen Dienst für sein Land sein wird.

Auf nach South Carolina

New Hampshire war ein Klacks für Mitt Romney. Ohne Probleme rollte sein Tourbus durch den Bundesstaat und sammelte mal schnell die meisten Wählerstimmen ein, bevor es über den I95 runter nach Süden geht. Mit einem breiten Lächeln präsentierte sich der gegelte Mitt am Abend seinen Anhängern und der Fernsehnation. Die Frisur sitzt. Romney ist nun der sichere Frontrunner. Ron Paul, Newt Gingrich und Rick Perry hatten sich noch im Vorfeld der Stimmenabgabe auf den einstigen Gouverneur von Massachusetts eingeschossen, genutzt hat es jedoch nichts.

Ron Paul lag weit hinter Romney auf Platz 2, danach noch weiter abgeschlagen Jon Huntsman, der seit Monaten New Hampshire beackerte und sich hier viel erhoffte. Beide werteten das Ergebnis jedoch als stark, überzeugend und unterstützend für ihre jeweilige Kampagne. Na ja! Huntsman wird spätestens in South Carolina am 21. Januar wieder auf den Boden der Tatsachen zurück geholt werden. Dann ist es auch Zeit für ihn aus dem Rennen auszuscheiden. Ron Paul wird weiter machen. Klar, er wäre nicht Ron Paul, wenn er jetzt schon die Brocken hinschmeissen würde.

Newt Gingrich träumte am Dienstagabend von einem republikanischen Kongress und Senat und einer Gingrich Administration im Weißen Haus. Träume sind Schäume, Gingrichs Seifenblasenphantasien kommen zumindest so gar nicht beim Wähler an. Er mag einfach Mitt Romney nicht, ätzt immer wieder gegen ihn und bleibt wohl im Rennen, um sicher zu gehen, dass der wahrscheinliche GOP Präsidentschaftskandidat geschwächt in den Kampf gegen Obama zieht. Das ist auch Parteiarbeit.

Rick Santorum, der noch vor ein paar Tagen in Iowa mit nur acht Stimmen hinter Mitt Romney lag, lief in New Hampshire auch unter ferner liefen. Aber immer schön im Pullunder lächelnd gratulierte er dem Wahlsieger. Es wird schon gemunkelt, dass Romney eventuell Santorum als Vize-Präsidentschaftskandidaten ins Team holt, um so für die christlich-fundamentalistische Basis der Partei wählbar zu sein. Der Pullunder würde dann endlich wieder als Modeerscheinung auf die internationale Politikbühne zurück kehren. Genscher läßt grüßen.

Und Rick Perry, der schaffte nichts in New Hampshire. Der Texaner führte dort überhaupt keinen Wahlkampf und konzentriert sich derzeit voll auf South Carolina. Hier wird sich alles für ihn entscheiden….wobei es eigentlich schon entschieden ist. In den Umfragen schlappt er im einstelligen Bereich rum, keine guten Aussichten für den Wahlabend am 21. Januar.

Auf nach New Hampshire

Am Dienstag steht New Hampshire auf dem Wahlkalender und das Ding ist durch. Mitt Romney führt in den Umfragen uneinholbar. Das liegt nun sicherlich nicht daran, dass der ehemalige Gouverneur von Massachusetts so gut und überzeugend ist, sondern eher daran, dass die Mitkonkurrenten nichts auf der Pfanne haben, um es mal so auszudrücken. Rick Santorum, der noch vor ein paar Tagen mit acht Stimmen weniger den zweiten Platz in Iowa einnahm, krebst in New Hampshire auch nur unter ferner liefen rum. Etwas Zuwachs hat er zwar, aber das ist nicht ausschlaggebend fürs Ergebnis am Dienstag. Newt Gingrich sackt weiter ab und äzt nur rum. Alle sind verantwortlich, nur er, der frühere Sprecher des Kongresses nicht. Der Texaner Rick Perry macht in New Hampshire erst gar nicht groß Wahlkampf, taucht auch deshalb in den Umfragen mit nur einem Prozent auf. Er baut auf die Wahl danach in South Carolina, ein „Southern State“, in dem er sich viel ausrechnet. Dort wird die Zukunft von Kandidat Perry entschieden werden…und die sieht nach Ausscheiden aus, denn auch in South Carolina ist Perry, der hier noch vor kurzem in den Umfragen führte in einstellige Prozentzahlen abgerutscht.

Und natürlich ist da auch noch Ron Paul. Dessen Unterstützer sollen nun ein unsägliches Video gegen Jon Huntsman veröffentlicht haben. Aber die ganze Geschichte und das Endprodukt sehen so was von bescheuert aus, dass man sich nicht vorstellen kann, dass Ron Paul auch nur im geringsten davon wußte oder es irgendwie unterstützte. Doch das Video hat dem Kandidaten Schaden zugefügt. Paul mußte sich dafür erklären und verlor wichtige Prozentpunkte in den Umfragen. Ach ja, Jon Huntsman, er wird wohl auch nach New Hampshire die Segel streichen. Seine Kandidatur ist so gut wie vorbei. Er galt als Hoffnungsträger der GOP, konnte aber nie bei den Wählern punkten. Es läuft gut für Mitt Romney, eben weil die anderen nichts zu melden haben.

Ein rosa Wochenende mit Sonnenschein

Die Nachricht am Freitag verbreitete sich blitzartig. Der Senat im Bundesstaat New York stimmte nach langer Debatte endlich der sogenannten „Homo Ehe“ zu, also der Ehe gleichgeschlechtlicher Partner. Und am Wochenende wurden in Queens und Brooklyn, im Village und auf Long Island Heiratspläne gemacht. Ab dem 24. Juli wird New York zum Mekka der heiratswilligen Schwulen und Lesben im ganzen Land. Zwar kann man(n) auch schon legal in Connecticut, Iowa, Massachusetts, New Hampshire, Vermont  und Washington, D.C heiraten, doch New York ist über Nacht zum Vorreiter der Gay-Bewegung geworden, im Kampf um Gleichberechtigung. Der Bundesstaat New York hat mit seinen 22 Millionen Einwohnern soviele wie die anderen Bundesstaaten gemeinsam. Die politische Entscheidung in New York hat deshalb auch politische Auswirkungen.

Und das spürte man auch gleich am Wochenende in Kalifornien und San Francisco. Am Gay Pride Weekend. Zehntausende kamen zur jährlichen Parade auf der Market Street, um zu zeigen, das die Gay Community präsent und aktiv ist. Doch im Mittelpunkt stand die Entscheidung aus New York. Es wurde gefeiert und getanzt, gesungen und gejubelt. Hier in San Francisco hofft man auf einen positiven Effekt. Denn schon vor Jahren hatte San Francisco quasi im Alleingang die Homo-Ehe eingeführt, wurde jedoch von den Gerichten ausgebremst. Die Entscheidung liegt nun noch immer beim kalifornischen Verfassungsgericht. Damals erklärte mir Bürgermeister Gavin Newsom, dass man die Ehe gleichgeschlechtlicher Partner nicht aufhalten könne. Es sei eine Frage der Gleichberechtigung. Der Kampf um die „Gay Marriage“ sei gleichzusetzen mit der Bürgerrechtsbewegung der 60er Jahre.

Der Bürgermeister von New York City Michael Bloomberg sieht schon die Kassen klingeln und hat bereits angekündigt, New York City zur besten Hochzeitsstadt der Welt zu machen.