The sound of New Orleans

Der Klang einer Stadt ist manchmal nur schwer zu beschreiben. Und manchmal ist es doch so einfach. Zu San Francisco gehört „If you’re going to San Francisco“ und schon sieht man vor sich die Bilder der Golden Gate Bridge. Oakland war lange Jazz Stadt, doch wird heute vor allem als Hip Hop City an der Westküste gesehen. Los Angeles kann man gut mit den Soundtracks der Traumfabrik Hollywood beschreiben, na klar ist da auch Hip Hop und natürlich die 80er „Hair Bands“. Seattle ist Grunge. Und New York ist alles, Jazz, Rock, Punk, Elektro, Rap.

Der Sound of New Orleans, hervorragende neue CD.

Der Sound of New Orleans, hervorragende neue CD.

Und nun liegt „New Orleans Brass Bands“ vor mir. Eine absolut passende musikalische Umschreibung dieser einmaligen Stadt. Die Leichtigkeit der Musik wurde hier beeindruckend festgehalten. Gleich mehrere Bands spielen auf und laden den Hörer richtiggehend zu einem Rundgang ein. Es sind die alten Herren der „Liberty Brass Band“ und der „Treme Brass Band“ und dazu noch die Nachwuchskapelle der „Hot 8 Brass Band“. Sie alle sprechen die selbe Sprache.

Der Sound der Brass Bands steht für ein Zusammensein. Feiern, Gemeinschaft, Trauerveranstaltungen. Die Musik drückt all das und noch viel mehr aus. Es ist eine emotionale Sprache, die man liebt oder mit der man so gar nichts anfangen kann. Für mich hat sich der Sound von New Orleans auch erst spät mit der Fernsehserie „Treme“ eröffnet. Zuvor war die Stadt nur eine Stadt von vielen. Mardis Gras und Partymeile, ja, ich wollte mal hin, doch irgendwie hat es nie geklappt. Dann kam Hurricane Katrina und danach die Hitfernsehserie auf HBO und ich wußte, ich wollte New Orleans unbedingt erleben. Bislang hat es leider nicht geklappt, doch diese CD ist ein Grund mehr, endlich mal Nägel mit Köpfen zu machen.

Veröffentlicht ist „New Orleans Brass Bands“ auf Smithsonian Folkways Recordings.

Alle sind gleich, nur Weiße sind gleicher

Während die Republikaner einen angst und bange Wahlkampf führen, wollen sich die Demokraten ins rechte Licht rücken. Sie gehen auf Stimmenfang auf dem Rücken von Michael Brown, dem 18jährigen, unbewaffneten Jugenlichen aus Fergusson, der von mehreren Polizeikugeln erschossen wurde. Direkt in Ferguson versuchen die Demokraten schwarze Wähler zu registrieren. In den USA muss man sich als Wähler in Listen eintragen lassen, um an Wahlen teilzunehmen. Das machen nicht viele. Bei der letzten Wahl im April 2014 wurde der Bürgermeister von Ferguson mit gerade mal 1314 Stimmen wiedergewählt. Die Wahlbeteiligung lag bei nur 12 Prozent.

Bei einer Protestveranstaltung greift ein Jugendlicher mit einer Fahnenstange den schwarzen Anwalt und Bürgerrechtler Ted Landsmark an. Das Foto wurde 1976 mit dem Pulitzer Prize ausgezeichnet.

Bei einer Protestveranstaltung greift ein Jugendlicher mit einer Fahnenstange den schwarzen Anwalt und Bürgerrechtler Ted Landsmark an. Das Foto von Stanley Forman wurde 1976 mit dem Pulitzer Prize ausgezeichnet.

Die Demokraten sehen nun ihre Chance. Nicht nur in Ferguson, sondern auch in anderen Städten. Doch die Vorfälle in Ferguson werden im Wahlkampf ausgenutzt. Zweidrittel der Bevölkerung dieser nun bekannten Kleinstadt in Missouri sind Afro-Amerikaner, nur eine verschwindende Minderheit von ihnen ging wählen. Der Bürgermeister ist ein Weißer, fünf der sechs Stadträte sind Weiße. Daneben sind viele der weiteren gewählten Amtsinhaber Weiße. Damit geht die Präsidentenpartei nun auf Stimmenfang, so, als ob die tödlichen Schüsse auf Michael Brown mit einem schwarzen Bürgermeister und einer schwarzen Mehrheit im Stadtrat verhindert hätten werden können.

Man muß sich schon fragen, wer hinter solchen irrsinnigen Wahlkampfkampagnen steckt. Denn auch schwarze Bürgermeister, Staatsanwälte, Polizeichefs und Ratsmitglieder, ja sogar ein schwarzer Präsident, konnten bislang in den USA den alltäglichen Rassismus nicht austreiben. Weder in Ferguson, noch in Oakland, nicht in San Francisco, Chicago, Detroit, New Orleans und vielen anderen Städten und Gemeinden. Die Vorkommnisse in Ferguson haben nur einmal mehr veranschaulicht, dass in Amerika einiges im argen liegt. Der politische Wille, dies radikal und grundlegend anzugehen, fehlt jedoch. Und das in beiden Parteien. Es bleibt also dabei: Alle sind gleich in Amerika, nur Weiße sind gleicher.

 

Der Hunde Super Bowl

Der Super Bowl, das Endspiel um die amerikanische Football Meisterschaft, ist das größte und meistgesehene Sportereignis in den USA. Die Werbespots in den zahlreichen Pausen des Spiels sind sündhaft teuer und begehrt, weil riesige Einschaltquoten erreicht werden. Die Halbzeitunterhaltung ist ein Höhepunkt der Musikindustrie, von Paul McCartney bis Aerosmith, sie alle haben hier schon live gespielt. Und man denke an „Nippelgate“, als Janet Jackson unfreiwillig und für den Bruchteil einer Sekunde einem Millionenpublikum die Spitze ihrer Brust zeigte. Amerika steht an diesem Tag still, die Shopping Malls sind fast leer, es gibt sogar Versuche, den Tag danach zum Feiertag zu erklären, denn „der Kater“ ist das meistgesehene „Tierchen“ danach.

Doch egal, wer am kommenden Sonntag in New Orleans Champion wird, die San Francisco 49er oder die Baltimore Ravens, die Sieger stehen schon jetzt fest. Seit zehn Jahren sendet der Fernsehsender „Animal Planet“ zeitgleich zum großen Sportereignis den sogenannten „Puppy Bowl“. Zwei Stunden lang wird ein Spielfeld in Miniatur gezeigt, darauf kleine Hunde, die hin und her rennen, übereinander fallen, spielen. All die Vierbeiner sind aus Tierheimen. Mit den verschiedensten Kameraeinstellungen werden die Hunde aus allen Perspektiven gezeigt. Da gibt es eine „Water Bowl“ Kamera, die unterhalb des gläsernen Wassernapfs angebracht ist, dann eine Lippenkamera, die in einigen Beissspielzeugen befestigt ist und somit zum besonderen Einsatz kommt. Das ganze wird auch noch als Footballspiel moderiert.

Jedes Jahr schauen Millionen von Amerikanern dem „Puppy Bowl“ zu, gerade jene, die keine Lust auf das große Endspiel haben. Und, so wird Interesse für Tieradoptionen geschaffen. Die Tierheime im ganzen Land merken einen deutlichen Anstieg an Besuchern und Adoptionen nach der Ausstrahlung dieses tierischen Vergnügens. Und das, obwohl die meisten gezeigten „Puppies“ schon längst vermittelt wurden, denn die Aufzeichnung von „Puppy Bowl“ fand schon vor Monaten statt.

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Ich seh‘ den Sternenhimmel

Mitt Romney freut sich noch, dass er nun nach der Vorwahl in Texas auch die offizielle Delegiertenzahl für die republikanische Präsidentschaftskandidatur erreicht hat. Doch allzu groß braucht die Freude nicht werden, denn in den Sternen funkelt es schon gewaltig, Obama wird Präsident bleiben. Auf einer Astrologen Konferenz in New Orleans begründeten gleich fünf „Sternengucker“, warum der Amtsinhaber auch im Amt bleiben wird.

Zum einen ist die Sonne im Einklang mit dem Sternzeichen des Widder, das, so die Astrologin Nina Gryphon aus Chicago, belegt, dass Obama da bleibt, wo er ist. Der aus Denver angereiste Experte Chris Brennan erklärte, sowohl Romney wie auch Obama würden in den nächsten Monaten zur Höchstform auflaufen, allerdings werde der Demokrat auch noch, anders als sein republikanischer Herausforderer, nach der Wahl im Zenit seines Schaffens sein. Ein Hinweis also darauf, dass Obama die Wahl gewinnen werde.

Die Konferenz in New Orleans wurde als eine der weltweit wichtigsten Astrologentreffen angekündigt….von daher kann sich Barack mal nun ganz entspannt zurücklehnen und des nächtens den Hubert Kah Klassiker „ich seh‘ den Sternenhimmel“ vor sich hin summen.

Von der Sprachlosigkeit

Als Journalist erlebt man vieles, was man lange, sehr lange mit sich rumschleppt. Man sieht Dinge, die einen nicht mehr verlassen. Man spricht mit Menschen, hört ihre Geschichten, ihre Erlebnisse, versucht zu verstehen. Manchmal geht das, manchmal geht es nur zum Teil, manchmal geht es gar nicht. Man schreibt, berichtet, versucht das in Worte zu fassen, mitzuteilen, irgendwie verständlich zu machen, was Erich Kästner mal sehr treffend als so fürchterlich beschrieben hat, „daß man darüber nicht schweigen darf und nicht sprechen kann“. Man kommt in solche Situationen und weiss nicht, wie man da wieder heil raus kommt.

Als Journalist habe ich schon über viele „Stories“ berichtet. Ich habe über den „Job“ viele Menschen kennen gelernt, die zu Freunden wurden. Ich habe bei Interviews gelacht, bis ich nicht mehr konnte. Journalist sein ist ein wunderschöner Beruf. Doch es sind eben gerade diese intensiven Geschichten, die man mit sich rumträgt, die einen nicht mehr verlassen. Bernard Offen, Überlebender des Holocaust, den ich nach einem Interview in San Francisco wieder bei den Feierlichkeiten zur Befreiung des Konzentrationslagers Dachau traf. Er lud mich ein, mit ihm und der amerikanischen Reisegruppe zu Abend zu essen. Am Tisch unterhielten wir uns, sie berichteten und ich hörte einfach nur zu. Und dann rollte einer nach dem anderen den Ärmel nach oben und zeigte mir seine Tätowierung auf dem Unterarm. Ich habe mich noch nie so geschämt Deutscher zu sein.

Manche Besuche im Todestrakt von San Quentin gehören auch auf diese Liste des Unbeschreiblichen. Dort habe ich mehrmals mit Häftlingen gesprochen, deren Hinrichtung angesetzt war. Man ist um Worte verlegen, gerade am Ende eines solchen Gesprächs. Es gibt immer wieder Interviews und Gespräche mit Menschen, die einen nicht mehr loslassen. Ehemalige deutsche Internierte im Zweiten Weltkrieg in den USA, die noch immer auf ein Schuldeingeständnis jenes Landes warten, in das sie flüchteten. Alte Männer, die wissen, sie haben nicht mehr viel Zeit.

Da sind Dinge, die man sieht, die man versucht in Worte zu fassen. Die Bilder von den Terrorangriffen des 11. Septembers, als Menschen aus den brennenden World Trade Center Türmen in den sicheren Tod sprangen. Man sah sie, aber man berichtete nicht darüber. Die Toten in Juarez, Mexiko, mit Kugeln durchsiebt, geschändet und niedergemetzelt, die dort zum abendlichen Stadtbild gehören. Die Berichte und die Bilder des Genozids in Ruanda, ein „Thema“ in das ich irgendwie hinein stolperte. Ich saß Schwester Milgitha in Kaduha gegenüber und hörte ihr nur zu. Danach trat ich nach draussen, atmete ganz tief durch und merkte, was für eine Last Worte sein können.

Und Sie fragen sich nun, was das alles mit diesem Blogeintrag zu tun hat? Ja, eigentlich wollte ich hier „nur“ über den Film „Dark Water Rising“ berichten, den ich gerade auf DVD gesehen habe. Ein Film über die Rettungsversuche nach den Hurricanes Katrina und Rita, die New Orleans verwüsteten. Die Regierung rettete die Menschen, die Haustiere wurden zurück gelassen. Nur wenige tausend überlebten. Dieser Film zeigt die Organisationen und Freiwilligen, die nach New Orleans kamen, von Haus zu Haus gingen und die Tiere retteten, die man finden konnte und die noch am Leben waren. Diese Bilder brachten für mich die anderen Bilder hoch und ich war froh, dass ich 2005 nicht nach New Orleans ging, um über das Ausmass der Katastrophe, das Unvermögen der amerikanischen Regierung und der offiziellen Stellen zu berichten. Und vor allem nicht über das, was man hier sehen kann. Doch schauen Sie selbst, der gesamte Film liegt auch als youtube Video vor:

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