Terror-Trump greift an

"Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist der "greatest" im ganzen Land. Foto: AFP.

„Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist der „greatest“ im ganzen Land. Foto: AFP.

Er baut auf die Angst. Donald Trump nutzt das jüngste Terrorattentat in New York sofort und gnadenlos aus. Als die selbstgebaute Bombe im Stadtteil Chelsea hochging, noch keinerlei Informationen über Täter oder Hintergrund bekannt waren, erklärte Trump in einer Wahlveranstaltung, dass es ein Terrorangriff gewesen sei. Die Menge buhte und der Donald erklärte, nur er allein könne Amerika retten.

In gleich mehreren Tweets griff er seitdem seine demokratische Kontrahentin an, so, als ob unter einer Trump-Administration der Terror ein Ende finden würde:

„Unter der Führung von Obama & Clinton haben die Amerikaner mehr Angriffe daheim erlebt, als Siege im Ausland. Zeit, den Spielplan zu ändern!“

„Mehr als 10.000 Flüchtlinge aus Syrien kommen. Viele junge Männer, kaum geprüft.“

„Wiedereinmal war jemand, der uns als ok dargestellt wurde, ein Terrorist, der unser Land & seine Bewohner zerstören will – wie kam er durch das System?“

„Hillary Clintons Schwäche als Außenministerin hat Terroristen überall auf der Welt ermutigt.“

Donald Trump ist von sich als Retter, als Heilsbringer überzeugt. Es fehlt nur noch, dass er sich selbst als von Gott gesandt darstellt. Er werde Amerika wieder „great“ machen, das heißt, aufräumen, das Militär stärken, Verhandlungen auf internationaler Ebene bedeuten für ihn Schwäche zeigen. Amerika müsse wieder die führende Nation sein, bedeutet, alle anderen müssen nach der Nase Amerikas, in dem Fall Donald Trumps Zinken tanzen.

Der Mann ist von sich überzeugt, ist selbstverliebt. Eigentlich täglich sitze ich da, schaue mir die Interviews mit ihm auf FOXNews an, lese die Artikel über ihn in diversen Zeitungen und auf Nachrichtenplattformen und frage mich, wie man nur so ein Riesenego haben kann? Klar, jeder, der auf dieser politischen Bühne spielt, muß von sich überzeugt sein. Doch einen wie Trump hat selbst Amerika noch nicht gesehen. Ganz sicher schütteln sie in Hollywood den Kopf, denn in Tinseltown wäre eine Story wie diese noch nicht einmal als Comedy umgesetzt worden. Unglaublich, was derzeit in den USA passiert.

 

 

 

 

Nach über 30 Jahren kommt die Tour

Nena in ihrer Hamburger Küche     
Ihr erstes USA Konzert findet in San Francisco statt.

Ihr erstes USA Konzert findet in San Francisco statt.

Platz 2 in den Billboard Charts und das mit einem deutschsprachigen Song. Das Lied verkaufte sich allein in den USA über eine Million Mal. „99 Luftballons“ machte das Hagener Mädchen Nena zum Weltstar. Na ja, nicht ganz, denn eigentlich gilt sie außerhalb des deutschsprachigen Raumes als „One-Hit-Wonder“. Gerade in den USA mag es daran liegen, dass Nena mit ihrer Band nie über den großen Teich kam, auch damals nicht, als der Anti-Kriegs-Song zur Hochzeit des Kalten Krieges die amerikanischen Hitparaden eroberte.

Es heißt, damals hätte ein DJ eines großen Senders in Los Angeles auf einer Reise nach Deutschland die Single gehört, gekauft und mitgebracht. Und damals in den 80ern durften DJs noch selbst ihre Playlisten bestimmen. Der weltoffene Mischpultmeister spielte also „99 Luftballons“ und die Hörer klingelten an, was das denn für ein neuer und ungewöhnlicher Sound sei. Und so kam das Lied aus Hagen in die Rotation des großen LA-Senders. Da andere Stationsmanager ihren Praktikanten auftrugen hinzuhören, was da bei der Konkurrenz im Programm läuft und immer wieder läuft, wurde Nena schnell auch bei anderen Sendern gespielt. Der Rest ist Geschichte. „99 Luftballons“ wurde 1983/84 zum Hit in den Vereinigten Staaten und wird noch heute, allerdings auf Englisch, auf zahlreichen Stationen gespielt, die Programme für die Menschen 40+ formatieren. Neben „99 Red Balloons“ haben auch die guten alten NDW-Klassiker „Der Kommissar“, „Major Tom“ und „Da Da Da“ auf Englisch im US-Radiogeschäft überlebt.

Nun, nach über 30 Jahren kommt Nena endlich in die USA. Die ersten Konzerte, drei an der Zahl, in San Francisco, Los Angeles und New York City. Eigentlich sollte sie in San Francisco im Bimbo’s spielen, doch der Raum war zu klein. Nun tritt Nena zum ersten Mal überhaupt in den USA am 30. September im „Regency Ballroom“ auf. Gestern wurde ich dafür zu einem telefonischen Pressegespräch mit Nena eingeladen. Das lief dann so ab, dass ich eine Nummer wählen musste, dann einen Code eingeben und drei weitere Journalisten warteten mit mir auf die Zuschaltung von Nena aus Hamburg. Die meldete sich aus ihrer Küche, lachend, wie man sie kennt. Jeder von uns durfte „nur“ zwei Fragen stellen und auf Englisch. Als letzter kam ich dran:

„Nena, „99 Red Balloons“ was a big hit in the US. Over here, people think you are a one-hit-wonder. Do you regret or do you think you missed a chance not to tour over here back than?“

Nena zur verpassten Chance     

„Your musical colleague, Hebert Grönemeyer, recently toured as well  for the first in the US. He also released an English language album. Are you also testing the waters, like he did, are there any plans for you to release an album over here?“

Nena zu Plattenplänen     

 

Lasst mich Euer Führer sein

Donald Trump kandidiert nun also wirklich. Und das ist erstaunlich, denn eigentlich traut man es ihm gar nicht zu, dass er mit Absicht in eine Sackgasse rast, in der er am Ende nicht mehr so leicht die Kurve kratzen kann. In diesem Fall fährt er seine Karre sogar mit Vollgas gegen die Wand am Ende der Straße, quasi nach dem Motto, danach muß es ja weiter gehen. Und das mit 180 Km/h. Trump scheint ernsthaft zu glauben, dass er sich entweder die Wahlen kaufen kann oder, dass die Amerikaner wirklich so dumm sind, einen Politclown ins Weiße Haus zu wählen. Ok, ich weiß, was nun viele sagen werden: George W. Bush. Aber selbst „W“ hatte im Vergleich zu Trump noch politisches Feingefühl.

„Ich werde eine große Mauer bauen, und niemand baut Mauern besser als ich…an unserer südlichen Grenze. Und ich werde Mexiko dafür zahlen lassen.“ Sowas hätte selbst Bush nicht gesagt. Doch solche Sprüche kamen in der sehr unterhaltsamen, doch durchgehend peinlichen Auftaktrede des republikanischen Möchtegernpräsidenten, die er gestern in seinem Trump Tower in New York City gehalten hat.

Donald Trump zeigt eine Liste seiner Reichtümer. "Ich bin stolz drauf!"

Donald Trump zeigt eine Liste seiner Reichtümer. „Ich bin stolz drauf!“

Nein, er müsse nicht angeben, meinte Donald Trump. „Because you know what? I don’t have to brag.“ Einer wie Trump ist einfach nur stolz auf seinen Reichtum, den er da am Dienstag mit 8,737 Milliarden Dollar angibt. Deshalb sagt er auch von sich: „I’m really rich.“ Um dann gleich nachzuschieben: „I’m proud of my net worth. I’ve done an amazing job.“ Und falls es die da hinten in der hintersten Reihe nicht gehört haben: I’m really proud of my success. I really am.“ Wer sagt bitte so etwas von sich selbst bei der Ankündigung amerikanischer Präsident zu werden? Ach ja, Donald Trump.

In seiner wirklich vielbeachteten Rede hat er 195 mal das Wort „Ich“ benutzt. „Mein“ oder „Mich“ 50 mal und „Ich habe“ und „Ich würde“ nochmals 12 mal. Das sind insgesamt 257 Eigenreferenzen. Das steht dann im Vergleich zu gerade sieben Erwähnungen von „Amerika“ und „Amerikanisch“. Kein Wunder also, dass eigentlich niemand der Konkurrenten, auf demokratischer Seite sowieso nicht, aber auch nicht auf republikanischer Seite gut weg kommt. Alles nur Versager und Nullnummern für Trump. „Wir brauchen derzeit einen wirklich großen Führer. Wir brauchen jemanden an der Spitze, der „The Art of the Deal“ geschrieben hat“. Die Frage ergibt sich von selbst, wer das Buch geschrieben hat…Donald Trump. Falls also „Big D“ gewählt werden sollte – Gott bewahre uns davor -, aber falls es dennoch so weit kommen sollte, dann würden wohl aus den „Vereinigten Staaten von Amerika“ die „Vereinigten Staaten von Donald Trump“ werden. „You’re fired“, ja, dann würde ich wohl auch meinen Job verlieren.

 

 

Barack, Mitt und die stürmische Sandy

Sandy     

Der Monstersturm Sandy braust über die Ostküste, haufenweise Reporter stehen knie- und hüfthoch im Wasser, um über das herannahende Grauen zu berichten und Mitt Romney wird am Dienstag präsidial in Ohio (!) eine „Fluthilfe“ Veranstaltung durchführen. Amerika steht Kopf „in the eye of the storm“. Sandy könnte die Wahl am kommenden Dienstag entscheiden, wenn die Bundesbehörden, allen voran die Katastrophenhilfe FEMA, erneut versagen würden, wie sie das 2005 nach Katrina in New Orleans taten.

Präsident Barack Obama hat erst einmal alle Wahlkampfveranstaltungen abgesagt, um sich auf seine Aufgabe als Präsident im Katastrophenfall zu konzentrieren. Vieles hängt davon ab, was nun in den nächsten Tagen geschieht, wie er reagiert, wie er mit den einzelnen Bundesstaaten zusammen arbeiten wird, deren Gouverneure zum Teil Republikaner sind, wie seine Behörden funktionieren. Dazu ein aktueller Audiobericht.

Amerika erinnert sich

9/11….der 11. September 2001 hat tiefe Wunden in Amerika hinterlassen. Die Narben heilen nur langsam. Mehr als 3000 Opfer der Anschläge, ihre Familien und Freunde, die vielen Helfer, mehr als fünf Millionen Soldatinnen und Soldaten, die in den letzten zehn Jahren im Krieg gegen den Terror an den verschiedenen Schauplätzen eingesetzt wurden. Amerika ist tief betroffen von dem, was vor 11 Jahren passierte. 9/11 wirkt nach. Und doch, an diesem Tag im September rutscht Amerika zusammen. Ob Demokrat oder Republikaner, ob Wahlkampf oder nicht, man erinnert sich, gedenkt der Opfer und dankt den Frauen und Männern in Uniform. Der 11. September ist zum eigentlichen Feiertag Amerikas geworden.

Präsident Obama hat in seiner jüngsten „Radio Address“, seiner wöchentlichen Radioansprache an die Gemeinsamkeiten der Amerikaner an diesem Tag erinnert.

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Gute Presse für die Deutschen

Kraftwerk ist wohl die deutscheste aller deutschen Bands. Im Ausland, und gerade in den USA, steht die Düsseldorfer Formation für das Qualitätssiegel „Made In Germany“, wie keine andere teutonische Kapelle. Perfektion, Innovation, Kühle, Distanziertheit, Genauigkeit, Pünktlichkeit. Hier spielen Musiker, nein Maschinisten, wie sie sich selbst nennen, in perfekter Abstimmung. Bei einem Kraftwerk Konzert wird klar, warum eine ihrer erfolgreichsten und wichtigsten Platten der Musikgeschichte „MenschMaschine“ heißt. Das Roboterimage paßt zum Bild der Deutschen.

Nun sind sie in New York. Acht Abende lang, morgen findet das letzte Konzert im Museum of Modern Art statt. Jeder Auftritt ist vor nur 450 Menschen. Auf dem Schwarzmarkt gingen die Karten für rund 2000 Dollar weg. Jeder Gig ist ein faszinierendes Zusammenspiel aus 3-D Videoproduktionen und einer Surroundsound Installation. Das MoMA ist der ideale Ort für diese Live-Performances. Musik, Sound, visuelle Impressionen….das ist wahre Kunst.

Und die Presse jubelt. Selten hat die New York Times so ausführlich über die Konzerte einer deutschen Band gejubelt. Im öffentlich-rechtlichen Rundfunk NPR wird in einer der populärsten Magazinsendungen „All Things Considered“ ausführlich über die Konzerreihe und die Bedeutung der Düsseldorfer auf andere Musiker und Genres berichtet. Die Kritiker sind sich einig, Kraftwerk verdienen eine eigene Umlaufbahn im Musikolymp. Hier einige Medienlinks:

High-Design Fans Come Primed for a Retro Future (New York Times)

Kraftwerk Diary Day One: Electronic Pioneers Play 1974’s ‚Autobahn‘ (Rolling Stone)

Klaus Biesenbach On Kraftwerk’s Performances At MoMA (Huffington Post)

Kraftwerk In New York: Decades Of Influence On Display (WBUR – NPR)

Kraftwerk Keeps Catching Up With Its Past (New York Times)

Kraftwerk In New York: Decades Of Influence On Display (National Public Radio)

Man, Alive to Machine Possibilities (New York Times)

 

Washington rappelt

Ungewöhnlich und ein Schocker für die Ostküste. Um 13:51 Uhr Ortszeit bebte die Erde unweit der Hauptstadt Washington DC. Der Erdstoß wurde sogar in New York City gefühlt. Die Flughäfen der Region wurden geschlossen, das Pentagon und viele öffentliche Einrichtungen wurden geräumt.

Die amerikanische Ostküste erlebt immer wieder kleinere Erdstöße, aber keinen in dieser Größe von 5.9 auf der Richterskala. Im Vergleich zu Kalifornien oder Alaska ist auch niemand im Osten des Landes auf Erdbeben vorbereitet. Zur Zeit des Bebens war gerade eine Pressekonferenz im Pentagon im Gange. Einige ältere Reporter erinnerten sich bei dem Stoß an den 11.9.2001. Es war nicht das erste Beben in dieser Woche in den USA, bereits gestern rappelte die Erde in Colorado und New Mexico.

Auch die Medien berichteten sofort über das „Earthquake“ und stellten gleich die Verbindung mit 9/11 her. Ich hoffe nur, dass nun keiner auf die Idee kommt, Obama auch dafür verantwortlich zu machen. Er ist im Urlaub und überläßt die Amerikaner hilflos der kontinentalen Plattentektonik.

9/11 – 10 Jahre danach

Osama bin Laden ist tot. Das war das Ziel von Präsident George W. Bush, der in den Ruinen des World Trade Centers schwor, den Oberterroristen zu jagen und zu fangen. „Dead or Alive“, wie man so schön im Wilden Westen sagt, fügte Bush hinzu. Osama ist tot, doch so richtig will die Partystimmung nicht aufkommen. Nichts ist mit Friede, Freude, Eierkuchen in Washington DC.

Warum auch? Das Terrornetzwerk Al-Qaida hat den Krieg gegen die USA gewonnen, und das auf ganzer Flur. Zwar reden die USA noch immer von militärischen Gewinnen gegen die Taliban und gegen Al-Qaida im Irak, in Afghanistan und in Pakistan, doch schon lange ist klar, Amerika hat den „War on Terror“ verloren. Das ist seit dieser Woche nicht mehr zu übersehen. Mit dem Schlachtruf von George W. Bush und den Kriegen im Irak und Afghanistan, dem militärischen Einsatz in Pakistan haben sich die USA selbst an die Wand drücken lassen. Ein kleiner Gegner hat den Riesen Amerika ausgeknockt. Die USA sind pleite, ihre Kreditwürdigkeit in Frage gestellt. Die Kriege haben die amerikanischen Steuerzahler in den letzten zehn Jahren rund vier Billionen Dollar gekostet plus Zinsen und Zinses-Zinsen, denn das Geld wurde auf Pump verballert. Diese Zahl hat das Eisenhower Research Project an der Brown University zusammengerechnet. Darin enthalten sind die direkten Kosten der Militäreinsätze, aber auch die Versorgung von verletzten und verwundeten Soldaten und die Langzeitpflege von kriegsgeschädigten Veteranen.

Doch diese gewaltige Zahl von vier Billionen Dollar beinhaltet noch nicht einmal alle Kosten verbunden mit dem „War on Terror“. Seit dem 11. September 2001 drehen die USA am Rad. Die Terroranschläge sind zu einem Totschlagargument geworden, mit dem in Amerika alles verändert werden konnte und kann. Die Bürgerrechte wurden eingeschränkt, Kommunen und Bundesstaaten sparten hier, um öffentliche Gelder da in die „Sicherheit“ der Bürger zu investieren. Die Vereinigten Staaten bröckeln und das sprichwörtlich. Die gesamte Infrastruktur in den USA leidet unter dem Mangel an finanziellen Mitteln, die woanders gegen einen vermeintlichen Gegner eingesetzt werden. Die Straßenverhältnisse in Kalifornien sind katastrophal, öffentliche Parks werden geschlossen, Büchereien dicht gemacht, in den Schulen und an Universitäten wird auf Sparflamme unterrichtet.

Und dann ist da noch der moralische Sieg der Terroristen. Nicht die Täter der verheerenden Anschläge vom 11. September 2001 leben in Angst und Schrecken, es sind die Amerikaner, die seit zehn Jahren hinter jedem Busch einen Attentäter vermuten. An Flughäfen wird man als normaler Passagier wie ein potenzieller Bombenbastler behandelt. Alte, Gebrechliche, Schwerbehinderte, Kleinkinder werden abgetastet, als würden sie zum heiligen Krieg aufrufen. Moslems in den USA erleben seit zehn Jahren einen täglichen Spießrutenlauf. Wer von ihnen in einem Flughafen ein Gebet für eine sichere Reise spricht, läuft Gefahr verhaftet zu werden und einen Großalarm auszulösen. „We are at war“, eine Nation im Krieg. Damit wird alles erklärt, alles entschuldigt, jedes Argument gegen die offizielle Linie der Regierung vom Tisch gewischt. Sogar die Forderung, dass Präsident Barack Obama endlich seine Wahlversprechen einlösen soll, wie zum Beispiel die Schließung des Gefangenenlagers Guantanamo Bay und anderer geheimer CIA Gefängnisse, wird mit dem Totschlagargument beiseite geschoben.

Auch außenpolitisch haben sich die USA mit der Bush-Doktrin geschadet. Amerika hat den Status einer Supermacht verloren, ist nicht mehr der Kämpfer für Frieden, Freiheit und Demokratie. Die USA stehen heute für Kalkül, militärische Macht und draufhauen mit aller Gewalt. Seit dem Beginn des „War on Terror“ sind, so das Eisenhower Research Project der Brown University, 225.000 Menschen durch den Krieg gestorben. Soldaten, ihre Gegner und Zivilisten. Auch diese Kosten wurden nicht berechnet, können nicht berechnet werden. Wie errechnet man Trauer für unschuldige Opfer, wie errechnet man Hass gegen die USA, wie errechnet man Rachegefühle gegen ein Land?

Die USA haben ihren „War on Terror“ verloren. Mit Saddam Hussein und Osama bin Laden sind ein paar bekannte Köpfe gerollt, doch von einer Befriedung der Regionen, von einer Befreiung, von einer Demokratisierung kann nicht die Rede sein. Und nun auch noch das, Amerika ist pleite. Wer jetzt noch von „Mission accomplished“ spricht, hat die Zeichen der Zeit nicht erkannt, träumt weiter von „God’s country“, von „the mighty, the greatest nation in the world“.

 

 

Ein rosa Wochenende mit Sonnenschein

Die Nachricht am Freitag verbreitete sich blitzartig. Der Senat im Bundesstaat New York stimmte nach langer Debatte endlich der sogenannten „Homo Ehe“ zu, also der Ehe gleichgeschlechtlicher Partner. Und am Wochenende wurden in Queens und Brooklyn, im Village und auf Long Island Heiratspläne gemacht. Ab dem 24. Juli wird New York zum Mekka der heiratswilligen Schwulen und Lesben im ganzen Land. Zwar kann man(n) auch schon legal in Connecticut, Iowa, Massachusetts, New Hampshire, Vermont  und Washington, D.C heiraten, doch New York ist über Nacht zum Vorreiter der Gay-Bewegung geworden, im Kampf um Gleichberechtigung. Der Bundesstaat New York hat mit seinen 22 Millionen Einwohnern soviele wie die anderen Bundesstaaten gemeinsam. Die politische Entscheidung in New York hat deshalb auch politische Auswirkungen.

Und das spürte man auch gleich am Wochenende in Kalifornien und San Francisco. Am Gay Pride Weekend. Zehntausende kamen zur jährlichen Parade auf der Market Street, um zu zeigen, das die Gay Community präsent und aktiv ist. Doch im Mittelpunkt stand die Entscheidung aus New York. Es wurde gefeiert und getanzt, gesungen und gejubelt. Hier in San Francisco hofft man auf einen positiven Effekt. Denn schon vor Jahren hatte San Francisco quasi im Alleingang die Homo-Ehe eingeführt, wurde jedoch von den Gerichten ausgebremst. Die Entscheidung liegt nun noch immer beim kalifornischen Verfassungsgericht. Damals erklärte mir Bürgermeister Gavin Newsom, dass man die Ehe gleichgeschlechtlicher Partner nicht aufhalten könne. Es sei eine Frage der Gleichberechtigung. Der Kampf um die „Gay Marriage“ sei gleichzusetzen mit der Bürgerrechtsbewegung der 60er Jahre.

Der Bürgermeister von New York City Michael Bloomberg sieht schon die Kassen klingeln und hat bereits angekündigt, New York City zur besten Hochzeitsstadt der Welt zu machen.

Sex sells

Dieses Werbeplakat für eine Solariumkette wurde in Auburn, Kalifornien, mit schwarzen Planen verhangen und darauf geschrieben: „No Porn In Our Community“. Also, eine Frau in Unterwäsche mit Cowboy Stiefeln ist Pornographie. Auch schön! Man muß dazu sagen, dass dieses leicht beschürzte Plakat anscheinend nur in Auburn, einer 14.000 Einwohner Gemeinde im Großraum Sacramento, einigen aufgestoßen ist. Woanders blickte die Blondine ungehindert auf vorbeifahrende und träumende Kalifornier.

Was in Auburn wohl schon als Verfall der Sitten gilt, ist in New York nicht mal eine Meldung wert. Hier im Big Apple muß man schon anderes auffahren, um in die Schlagzeilen zu kommen. Das genau hat eine Frau getan, die vor dem Verfassungsgericht des Bundesstaates klagte. Sie meinte, ein Gesetz aus dem Jahr 1992, das Männern erlaube oben ohne herumzulaufen, aber Frauen genau dies verbiete sei verfassungswidrig. Und die Justiziare auf der Richterbank stimmten dem zu, aus welchem Grund auch immer. Nun also ist es rechtens als Frau „topless“ durch die Straßen von New York City zu laufen, wie das Bild aus der „Village Voice“ belegt.

Amerikaner suchen sowieso immer mehr den Blick in den Ausschnitt, um „the top of the mountain“ zu erhaschen. Einschlägige Restaurantketten mit locker und leicht bekleideten jungen Damen wie „Hooters“ oder „Tilted Kilt“ boomen quer durch die USA. „Hooters“ macht pro Jahr einen Umsatz von rund einer Milliarde Dollar. „Tilted Kilt“ vergrößerte sich innerhalb von fünf Jahren von drei auf 80 Restaurants. Als Grund für diesen Zuwachs wird das gute Essen, die gepflegte Bar, viele Fernsehbildschirme mit Sportübertragungen…und – ja – enge Oberteile und kurze Röcke bei „sexy waitresses“ genannt. Amerika ist schon komisch!!!