Der Klang von damals

Zwischen 1925 und 1955 wurden auf 107 Stationen in den Vereinigten Staaten von Amerika jiddische Radioprogramme ausgestrahlt. Die Hochzeit war in den 30er und 40er Jahren, als immer mehr Radiostationen on-air gingen und die jüdischen Gemeinden in den USA anwuchsen. Ein Kulturschatz, der nie richtig ergründet und archiviert wurde, fast vergessen schien, doch von einem Sammler in New York durch Zufall entdeckt und zum Teil neu veröffentlicht wurde.

Henry Sapoznik ist Autor, Radio- und Plattenproduzent, Gründer des “Yiddish Radio Project” und ein Sammler alter jüdischer Aufnahmen. Für ihn steht fest, dass diese Art von Radioprogrammen nur in den USA stattfinden konnte. “Wie in allen Ländern kontrolliert die Regierung die Radiolizensen, aber hier wurden sie verkauft. Daraus entstand eine Art Marktplatz, der auch kleinere Stationen on-air brachte. Das lief dann so, das jemand eine Lizenz kaufte und Sendezeit an andere vermietete, die für ihre zwei Stunden dann eine eigene Finanzierung finden mussten.”

Die amerikanische Radiolandschaft ist etwas besonderes, denn neben den kommerziellen Sendern und Programmen, gibt es auch Stationen, die zum einen Sendezeit verkaufen, zum anderen sogenannte “Community stations”, eine Art offene Kanäle mit Programmen, die meist von Freiwilligen produziert werden. Sie werden “cultural producers” genannt, Kulturproduzenten. Das sind dann teils fremdsprachige oder kulturelle Programme, die im Mainstream Hörfunk keinen Platz finden. Und die jüdischen Sendungen von damals fielen genau in diese Kategorie. “Viele der jiddischen Programme waren so aufgebaut, dass sie einen tiefer in die Community brachten, betonten, wer man als Hörer und als Mitglied der religiösen, sozialen und nationalen Gemeinschaft war. Die Programme waren keine Western, keiner Gangster Shows, keine “Mystery” Shows. Die Programme waren vor allem Unterhaltung. Besonders Musikshows, jiddisches Gesangstheater, dazu so Schlager und religiöse Musik”, umschreibt Sapoznik die Sendungen.

Mitte der 80er Jahre hatte Henry Sapoznik für das “YIVO Institute for Jewish Research” in New York gearbeitet und gründete dort ein Sound-Archiv. Vor allem Klezmer Musik wurde archiviert. Und bei seiner Suche nach Schellackplatten stieß er immer wieder auf Aluminium Platten, sogenannte Instagram Discs. “Die wurden hergestellt, weil die Sender dokumentieren können mussten, was sie gesendet hatten. Falls es Beschwerden gab, hatte man so eine Kopie der Show, aber diese Discs waren eben nur für eine kurze Zeit gedacht.”

Aluminium Platten als Belegexemplare, auf denen Radiosendungen und Klangaufnahmen, Live-Auftritte und Radiowerbung festgehalten wurden. Nirgends sonst gab es ein Klangarchiv für diese Sendungen, schon gar nicht bei den einzelnen Radiostationen. Der Großteil von ihnen, so Sapoznik, wurde wahrscheinlich während der Kriegsjahre vernichtet, denn Aluminium war ein wichtiges Material. “Niemand wiederholte eine Sendung, das gab es damals nicht. Alles war live, deshalb wurden diese Discs als Altmetall von den Stationen abgegeben. Und einige Kopien überlebten nur deshalb, weil ein paar Leute sie aufhoben, die in den Sendungen vorkamen, sie produzierten oder als Sponsor auftraten.”

Auf diesen Platten, die Sapoznik auszugsweise neu veröffentlichte, ist mitreißendes Radio zu hören, das auch eine wichtige Epoche des jüdischen Lebens gerade in New York dokumentierte. “Die Sprache in den Shows war wie eine Fremdsprache in Amerika. Da gab es Yiddish, wie es von den Juden aus der alten Welt gesprochen wurde. Da waren Leute, die ganz bewusst Yiddish und Englisch in ihrer Sprache vermischten.” Unter den Produzenten dieser Sendungen war auch Nahum Stutchkoff, ein im heutigen Polen geborener jüdischer Autor und Schauspieler, der u.a. das umfassendste jiddische Wörterbuch “Ojzer fun der jidischer schprach” schrieb, das je veröffentlicht wurde. In zahlreichen jiddischen Theaterstücken und Radiosendungenn machte er von sich reden.

Das besondere an Henry Sapozniks CD-Veröffentlichungen für das “Yiddish Radio Project” und seine Arbeit über die jüdischen Radiosendungen ist, dass er zeigen kann, welche Bedeutung diese Hörfunkprogramme für die jüdischen Gemeinden in den USA hatten. Die meisten dieser “Kulturprogramme” – fremdsprachig oder mit anderem ethnischen Hintergrund – wurden nie archiviert. Mit dem Verkauf eines Senders, mit dem Ausscheiden eines Moderators ging auch immer ein Stück der hörbaren Kultur, der Vielseitigkeit im “melting pot” USA verloren. Diese historischen jiddischen Radioprogramme machen jedoch deutlich, wie reich die Vereinigten Staaten von Amerika waren und auch noch sind.

Nazis in den USA

20.000 Anhänger des German-American Bund kamen im Februar 1939 in den Madison Square Garden.

Am 20. Februar 1939 war der Madison Square Garden Schauplatz eines gewaltigen Nazi-Aufmarsches. Es war als „Pro American Rally“ angekündigt, doch hier marschierte der BUND, eine von Deutschland aus gesteuerte US Nazi-Organisation, die im ganzen Land aktiv war. Die Machtdemonstration in New York City sollte die Amerikaner beeindrucken und sie für die Politik Hitlers gewinnen. Doch es hatte Konsequenzen für alle Deutschen, die in den USA lebten.

 

Die deutschen Vereine zwischen New York und San Francisco waren nach der Anti-Deutschen Stimmung in den Jahren 1914 bis 1918 kaum wieder erstarkt, hatten wieder zueinander gefunden, waren erneut im öffentlichen Leben von San Francisco mit Festen, Umzügen und Veranstaltungen präsent, als mit der Machtübernahme Hitlers 1933 eine deutliche Zeitenwende eingeläutet wurde. Gerade die politischen Vereine, wie der Arbeiterbildungsverein San Francisco waren davon betroffen. In der vereinseigenen Tiv Halle kam es immer wieder zu heftigen, kontroversen Diskussionen. Einige wenige Mitglieder applaudierten dem starken Führer und betonten, Deutschland brauche genau so einen Mann in dieser schwierigen Zeit. Doch der Großteil der Vereinsmitglieder stand zu seinen “roten Wurzeln” und verwies in den Diskussionen auch darauf, was in Deutschland mit Sozialdemokraten, Sozialisten, Kommunisten und organisierten Arbeitervertretern passierte. Ein ideologischer Bruch ging durch die eigenen Reihen. Befeuert wurde der auch von organisierten Auslandsdeutschen, die ihre Befehle direkt aus Berlin erhielten.

Knute Berger ist Journalist in Seattle, für das Newsmagazin “Crosscut”, er hat intensiv über die Aktivitäten der Nazis in den 1930er Jahren an der Westküste recherchiert: „Mir wurde gesagt, dass es einen Generationenschnitt gab. Jene Deutsche, die vor dem ersten Weltkrieg gekommen waren, waren nicht unbedingt für Hitler. Einige der Jüngeren glaubten an diese Idee des neuen Deutschlands an die wirtschaftlichen Fortschritte, die gemacht werden. Da gab es sicherlich einen Bruch.“

Karl Hartmann kam kurz nach dem Ende es zweiten Weltkrieges nach San Francisco und war langjähriger Präsident des Arbeiterbildungsvereins. Er lernte noch viele der alten Mitglieder kennen und hörte, was sie über diese schwierige Zeit im Verein berichteten: „Das war auch das Ende vom Arbeiterbildungsverein, von seiner Blütezeit. Denn von ’33 an, da ist das nur noch ein Vegetieren gewesen. Da haben ja die meisten Angst gehabt. Ein Freund von mir, ich weiss, der war beim BUND, der war immer stolz, dass er im Madison Square Garden reinmarschiert ist, in seinem weißen Hemd und der Hakenkreuzbande. Genau wie bei der SA. Ich fragte ihn, wie viele seid ihr denn gewesen und er: 20.000. Ich sag, du hast doch einen Vogel. 20.000, sagt er, glaub es oder nicht, was denkst du, wie wir marschiert sind, was da los war.“

Bereits im Mai 1933 gab Rudolf Hess Heinz Spanknöbel den Auftrag in den USA eine Nazi-Organisation aufzubauen. Spanknöbel kam 1929 als Pastor der Adventisten in die USA. Er gründete die “Freunde des Neuen Deutschland”, die dann im März 1936 in den “Amerikadeutschen BUND” übergingen. Deren Bundesführer wurde Fritz Julius Kuhn, der in 20er Jahren in die USA kam und 1934 amerikanischer Staatsbürger wurde. Kuhn versuchte, die deutschen Vereine in den USA zu einen und auf Kurs für Hitler-Deutschland zu bringen. Mit Paraden und Massenveranstaltungen wollte man die Deutschen begeistern. Und nicht nur in New York marschierte der BUND ganz im Sinne der Nazis auf. Auch in San Francisco war man aktiv. Unterstützung bekamen sie direkt aus dem Deutschen Generalkonsulat, wie Knute Berger berichtet: „In den späten 30ern, ungefähr 1937, gab es einen Generalkonsul in San Francisco, der auch noch weitere Kollegen in anderen Westküstenstädten hatte. Er hieß Manfred Freiherr von Killinger und war ein erklärter Nazi der ersten Stunde. Er unterstützte die engen Verbindungen zwischen Nazi-Deutschland und dem Deutsch-Amerikanischen Bund. Einige warfen ihm vor, das zu aggressiv betrieben zu haben. Das San Francisco Konsulat war auch für die Spionage im gesamten Westen der USA bis nach Salt Lake und runter an die mexikanische Grenze zuständig. Und man warb für Gruppen wie den Bund, die “Silver Shirts” und in Mexiko die “Gold Shirts”, alles Braunhemden. Das jedoch führte zu Widerstand. Von Killinger wurde vorgeworfen zu weit zu gehen und den Bund in eine Richtung zu drängen, was dazu führte, die Loyalität vieler Deutsch-Amerikaner zu hinterfragen und den Bund nicht als kulturelle sondern als politische Gruppe zu sehen.“

Lange Zeit schauten die Amerikaner dem offenen Treiben der Nazis einfach zu. Zu sehr glaubte man an die größere Gefahr durch die Unterwanderung der Kommunisten. Die marschierenden BUND Anhänger, ihre Jugendlager ganz im Sinne der HJ, auch in den Oakland Hills wurde gecampt, wurden einfach nicht richtig ernst genommen. In San Francisco wuchs jedoch der Widerstand gegen die Aktivitäten des BUND und des Generalkonsuls und Hitlervertrauten von Killinger. Gerade auch, weil die deutsche Gemeinde in der Stadt groß und einflussreich war. Das Deutsche Haus im Zentrum, unweit der City Hall gelegen, war vielen ein Dorn im Auge. Sie fragten sich, was spielt sich eigentlich hinter den Mauern dieses Gebäudes wirklich ab. Die Musiker Gewerkschaft in San Francisco, die “American Federation of Musician’s Local Six”, verabschiedete in ihrer Sitzung vom 9. Juni 1938 die folgende Resolution. Interessant dabei ist, dass viele der Mitglieder der Musikergewerkschaft, darunter auch ihr Präsident Walter A. Weber, selbst Immigranten aus Deutschland waren.

Angesichts dessen: In Europa gibt es mehrere Länder, deren Systeme direkt unserer Theorie von Demokratie entgegen stehen, in denen Arbeitnehmervertretungen aufgelöst und verboten wurden und Eigentum beschlagnahmt wurden; und
Angesichts dessen: In etlichen dieser Länder wird gegenwärtig eine Kampagne geführt, die auf religiöser Intoleranz, Rassenhass und Verbitterung basiert; und
Angesichts dessen: In San Francisco soll während des Memorial Day Wochenendes ein Treffen des Deutsch-Amerikanischen Bundes, einer Nazi Organisation in diesem Land stattfinden; und
Angesichts dessen: Organisationen wie die “American Legion”, “Veterans of Foreign Wars”, verschiedene jüdische und andere religiöse Gruppen haben gegen dieses Treffen der Embryo “Sturmtruppen” protestiert und ihre Ablehnung veröffentlicht; und
Angesichts dessen: Der San Francisco Gewerkschaftsbund hat eine Stellungnahme veröffentlicht, in der es heißt, man ist gegen jegliche Form von ausländischen “isms”, die eine Bedrohung für unsere amerikanische Demokratie sind, deshalb soll es sein
Beschluss: Der San Francisco Gewerkschaftsbund spricht sich gegen dieses Treffen aus und erneuert seinen Eid für den Kampf um den Erhalt der amerikanischen Demokratie; und weiterhin
Beschluss: Dass Kopien dieser Resolution an die Presse von San Francisco weitergegeben werden.

Die Deutschen in der San Francisco Bay Area versuchten gegenzusteuern, zu zeigen, dass sie zwar deutsche Wurzeln haben, ihre Sitten und Gebräuche pflegen, aber dennoch Amerikaner sind. Im Protokoll der Sitzung der Hermann Söhne, einer einflussreichen und alten Loge deutscher Einwanderer, heisst es vom 12. Mai 1941:

“Resolution: Eine der ersten Handlungen der Grossloge war die Annahme der folgenden Resolution, die für sich selbst spricht:
Be it resolved that we, the Order of Hermann Sons, an American Organization, in existence One Hundred years do hereby reaffirm our support of our Federal Government, our Constitution and our American way of life.
Be it further resolved that our Order condemns all un-American activities and pledges its united support in stamping out such activities.
Be it further resolved that we, the members of the Order of Hermann Sons, using our rights as free men and women citizens of the United States of America, respectfully protest against any actions which may involve us in the present European conflict, thus endangering our freedom and peace.
Be it further resolved that copies of the foregoing resolution be forwarded to the members of Congress and to the press.

Wichtig dabei zu erwähnen ist, dass die Hermann Söhne ihre Veranstaltungen immer auf Deutsch abhielten und auch ihre Protokolle auf Deutsch verfassten. Hier jedoch wurde ganz bewusst eine Ausnahme gemacht, das Englische gewählt, um deutlich zu machen, wo man sich als deutscher Immigrant in den USA positioniert.

Mit dem Angriff der Japaner auf den Militärstützpunkt Pearl Harbor und der anschließenden deutschen Kriegserklärung gegen die USA vier Tage später, am 11. Dezember 1941, änderte sich das Leben für die Deutschen im ganzen Land, vor allem jedoch in den Küstenregionen. Mit Hilfe eines Gesetzes, das bis ins Jahr 1798 zurückreicht, könnten bei der Gefahr einer Invasion Amerikas, die Staatsbürger von verfeindeten Nationen verhaftet und für die Dauer des Krieges interniert werden. Im Bundesanzeiger, dem Federal Register, ließ Roosevelt die verstärkte Kontrolle von Japanern, Italienern und Deutschen verkünden. Dabei berief er sich auf das 143 Jahre alte Gesetz. Die Japaner und Japan-Amerikaner traf es deutlich stärker als die Deutschen. Weit über 100.000 wurden interniert. Doch das FBI verhaftete in den Folgemonaten auch Tausende von Deutschen, insgesamt etwa 12.000, die in den USA, in Mexiko und sogar Mittelamerika lebten und brachte sie in Internierungslager in die USA, darunter Crystal City, Texas, Fort Lincoln, North Dakota und auch Pacifica, südlich von San Francisco. Die Bewegungsfreiheit von Deutschen am Golden Gate wurde eingeschränkt, tägliche Kontrollen zur Normalität. Erneut brach eine Hysterie im ganzen Land aus. Im Staatsgefängnis von San Quentin wurde sogar von den Gefangenen ein massives Stahlnetz konstruiert, dass vor die Golden Gate Bridge gehangen wurde, um so eine Abwehr gegen deutsche U-Boote zu bieten.

Professor William Insel von der San Francisco State University, der viel über die Immigranten in San Francisco geforscht hat, beschreibt die Loyalitätsfrage in jenen Tagen so: „Ich habe das einmal von einem Italiener gehört, der 1889 in Piedmont, Italien geboren wurde, als 11jähriger nach San Francisco kam, 1915 nach seinem Studienabschluss als Rechtsanwalt Amerikaner wurde. Während des Zweiten Weltkrieges wurde er vom FBI überprüft, denn man warf ihm vor ein faschistischer Agent zu sein. Das Tenney Kommittee, die kalifornische Version der Anti-Amerikanischen Aktivitäten, fragte ihn, ob er Amerikaner oder Italiener sei. Und er antwortete, “schauen Sie, ich denke über Amerika und Italien genau so wie ich über meine Frau und meine Mutter denke. So lange meine Frau und meine Mutter sich vertragen, so lange muss ich nicht an sie denken. Aber wenn sie sich streiten, oder schlimmer, wenn sie nicht mehr miteinander reden und zu Feinden werden, dann halte ich zu meiner Frau, nicht zu meiner Mutter. Denn meine Frau ist heute und in Zukunft.” Das war seine Erklärung, wie er sich im Zweiten Weltkrieg verhalten würde, nach dem 10. Dezember 1941, als Italien den USA den Krieg erklärte. Und dieser Frage mussten sich auch deutsche Einwanderer im ersten Weltkrieg und einige auch im zweiten Weltkrieg stellen.“

Die deutschen Gemeinden und Vereine haben sich nie mehr so richtig von dieser zweiten Anti-Deutschen Bewegung in den USA erholt. Man zog sich zurück, pflegte die Sprache, die Kultur, die gemeinsamen Feste. Doch politisch traten sie nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges nicht mehr auf. Damit verschwand auch der Einfluss und die Bedeutung der deutschen Immigranten in den USA.

Die „Red Card“ für Trump

Foto: AFP.

Die „Green Card“ Lotterie hat sich eingespielt. Seit 1990 haben so Menschen aus aller Welt, unabhängig von Einkommen und Status, die Möglichkeit eine Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis in den USA zu bekommen. Man gibt seinen Namen und sein Herkunftsland an, einmal umgerührt und dann werden Namen aus den Töpfen gezogen. Einige Länder, aus denen im Laufe eines Jahres bereits eine bestimmte Anzahl an Einwanderern kamen, dürfen nicht teilnehmen. Das Ziel dabei ist, eine möglichst breite Immigration in die USA zu ermöglichen. weiter lesen

Trump verprasst das Geld

Präsident Donald Trump verdient gut an seinem Privatclub „Mar-a-Lago“ in Palm Beach, Florida. Foto: Reuters.

Donald Trumps Präsidentschaft kommt dem Steuerzahler nicht gerade billig. Seitdem er Präsident ist, reist er an diesem Wochenende bereits zum dritten Mal in seinen Privatclub Mar-a-Lago in Palm Beach, Florida. Sein „Winter White House“, wie er es nennt. Allein die drei Trips kosten nach Schätzungen 10 Millionen Dollar. Denn neben der Anreise, müssen Secret Service Beamten untergebracht, das Anwesen weiträumig abgesichert werden. Ein schwieriges Unterfangen, denn Mar-a-Lago ist ein Resort der Reichen mit ständig wechselnden Besuchern. Es ist nicht dauerhaft abgeschottet wie Camp David. Sogar die Küstenwache kreuzt vor dem Privatclub, dessen Anmeldegebühr sich nach der Wahl Trumps von 100.000 Dollar auf 200.000 Dollar erhöht hat. Hinzu kommt ein nicht gerade geringer jährlicher Mitgliedsbeitrag von derzeit 14.000 Dollar.

Die Stadt Palm Beach hat bereits offiziell angefragt, ob sie in Zukunft die Kosten für die Abstellung der lokalen Polizei von Washington erstattet bekommt. Auch New York City würde gerne zusätzliche finanzielle Hilfen aus der Hauptstadt bekommen, denn dort muß Trump Tower rund um die Uhr gesichert werden. Die First Lady Melania und der jüngste Sohn der „First Family“, Barron, leben weiterhin dort. Kosten pro Tag 500.000 Dollar. Das kommt zusätzlich zum Umbau und Sicherheitsmaßnahmen nach dem Wahlsieg Trumps. Auch mieten das Verteidigungsministerium und der Secret Service Räume im Trump Tower an, um die Sicherheit des Präsidenten garantieren zu können. Donald Trump verzichtete zwar spendabel auf sein Gehalt, verdient derzeit aber gut daran, Präsident zu sein.

Doch der amerikanische Steuerzahler muß nicht nur diese Rechnungen begleichen. Am Samstag werden die Trump Söhne Eric und Donald Junior in den Vereinigten Arabischen Emiraten erwartet, um dort den neuesten Trump-Golfplatz und das dazugehörige Resort zu eröffnen. Mit dabei der Secret Service, der auch diese Familienmitglieder auf privat-geschäftlichen Reisen beschützen muß. Mehrere 100.000 Dollar werden für solche Einsätze veranschlagt.

Barack Obama wurde regelmäßig von den Republikanern im Kongress für seine Privatreisen und die anfallenden Sicherheitskosten kritisiert. Insgesamt haben die Trips von Obama in den acht Jahren seiner Amtszeit rund 97 Millionen Dollar gekostet. Trump und seine Familie werden in den kommenden vier Jahren, so die Organisation Judicial Watch, Hunderte von Millionen Dollar an Steuergeldern für Reisen des Präsidenten und seiner Familie und die Sicherung all der Anwesen verbraten. Aber alles gut, so die Sprecherin des Weißen Hauses Stephanie Grisham. „Er ist nicht auf Urlaub, wenn er nach Mar-a-Lago fliegt. Der Präsident arbeitet nonstop an jedem Tag der Woche, egal, wo er gerade ist.“ Wie sang Pipi: „2 x 3 macht 4 – widdewiddewitt und 3 macht 9e ! Ich mach‘ mir die Welt – widdewidde wie sie mir gefällt …“

 

Clinton haut den Trump

Klar, es sieht nach deutlichen Siegen von Hillary Clinton und Donald Trump aus. Doch so klar ist das gar nicht. Zumindest, wenn man sich die Wählerzahlen einmal genauer ansieht. Hillary Clinton liegt bei etwa einer Million Wählerstimmen. Donald Trump hat weniger als die Hälfte. Auch Bernie Sanders liegt in der New Yorker Wählergunst noch weit vor dem Milliardär.

Aber diese harten Zahlen interessieren das Trump-Lager so gar nicht. Sie erklärten am Dienstagabend, die Chancen ständen gut, dass im November nach über 30 Jahren endlich wieder ein Republikaner New York gewinnen könnte. Man muß sich ernsthaft fragen, ob die da im Trump-Tower zu viel Schampus schlürfen.

Bernie Sanders hat die Demokraten ganz neu aufgestellt. Foto: Reuters.

Bernie Sanders hat die Demokraten ganz neu aufgestellt. Foto: Reuters.

Bernie Sanders war an diesem Abend vom Ausgang der Wahl zurecht enttäuscht. Er hatte sich sicherlich mehr erhofft, zumindest eine deutlich knappere Niederlage. Daraus wurde nichts, damit sind seine Hoffnungen auf einen Sieg gegen die Über-Demokratin Clinton in weite, sehr weite Entfernung gerückt. Eine Chance Hillary Clinton noch einzuholen besteht nach der Klatsche in New York nicht mehr. Doch er wird wohl weitermachen, auch wenn er sich überraschend einen Tag Auszeit daheim in Vermont gönnen will.

Für Bernie Sanders geht es um mehr, als nur um seine Person. Er hat mit seinem Wahlkampf eine Massenbewegung in den USA und vor allem in der demokratischen Partei entfacht. Ein bedeutender Teil der Demokraten will wieder über urdemokratische Themen reden, sie einfordern, sie zur Wahl stellen. Das erinnert etwas an die Grundwertediskussion innerhalb der deutschen Sozialdemokraten. Die SPD sollte durchaus einmal einen genaueren Blick auf den amerikanischen Wahlkampf, besonders auf den des Senators aus Vermont wagen. Wie er neue Wähler gewinnt und alte zurück in die Partei holt ist mehr als beeindruckend.

 

Ted Cruz und die New Yorker Werte

Ted Cruz hat nun ein Problem. Monatelang hat er gegen Donald Trump gewettert, ihn beschimpft, ihn niedergemacht, immer und immer wieder ihn als den Kandidaten abgetan, der für die „New York Values“ stehe. Also für Liberalismus, für Abrtreibung, Homo-Ehe, Multikulti, demokratischen Sozialismus. Doch seine Worte beißen Ted Cruz nun in seinen eigenen Allerwertesten. Denn der Wahlkampf kommt nun nach New York, einem der bevölkerungsreichsten Bundesstaaten in den USA. Und das bedeutet, hier gibt es viele Delegiertenstimmen zu gewinnen, die Cruz unbedingt braucht, um den aus New York kommenden Milliardär zu schlagen.

Donald Trump und auch John Kasich haben die Worte von Cruz aber nicht vergessen. Trump erinnerte sein Publikum auf einer Wahlkampfveranstaltung in Queens daran, dass der Texaner so gar nicht gut auf New York und seine Menschen zu sprechen ist. Und auch John Kasich buhlt im „Empire State“ um Wählerstimmen mit einem Werbespot, in dem die Freiheitsstatue und das World Trade Center gezeigt werden und spielt dabei auch die abschätzigen Kommentare von Ted Cruz ein.

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Ted Cruz wollte am Freitag ungestört in New York City Wahlkampf betreiben, doch daraus wurde nichts. Demonstranten warteten schon auf ihn, erkärten, er habe nichts in dieser Stadt zu suchen. Auf seine Anti-NYC-Worte angesprochen, meinte Cruz, er stehe nach wie vor dazu. Trump stehe für Werte, die nichts mit der konservativen Bewegung in der republikanischen Partei zu tun haben. Kein bißchen bereue er seine Aussagen. „Wenn man wissen will, was liberale Werte der Demokraten sind, dann muß man nur dem Scheckbuch von Donald Trump folgen“, erklärte der von sich überzeugte Texaner in Anspielung auf die Spenden Trumps. Cruz macht also weiter in New York, weiter mit seinen Verbalangriffen gegen den führenden Donald. Vor allem bei orthodoxen Juden und fundamentalistischen Krichengruppen will er Stimmen gewinnen.

Der Wahlkampf in New York City wird zum „Ultimate Fighting“-Ring der Republikaner. Donald Trump mit einem Heimvorteil, John Kasich als quasi ebenfalls attackierter Nachbar und ein Ted Cruz, der im Big Apple kaum punkten und vielmehr so richtig einen auf die Mütze bekommen wird. Von der Seitenlinie betrachtet, kann man da nur sagen, der amerikanische Wahlkampf bleibt unterhaltsam spannend!

Ein Tag, den man nicht vergisst

Heute war ich mit meinem Hund im Wald laufen. Ich war frustriert und genervt, wollte unbedingt Energien abbauen. Und dann verlor ich auch noch den Autoschüssel, also zurück auf dem gleichen Weg und glücklicherweise fand ich ihn. Käthe kuckte mich an und ich sie und wir liefen wieder los. Ich dachte daran, wie das vor 14 Jahren war.

Am 11. September 2001 klingelte mich morgens Antenne Thüringen aus dem Bett. „Was ist denn bei Euch los?“, fragte mich der Redakteur. Keine Ahnung, meinte ich, ich habe noch geschlafen. „Dann mach mal den Fernseher an“. Erst sah ich den qualmenden Turm des World Trade Centers im Live-TV und dann kam der zweite Flieger. Die Welt veränderte sich in diesem Moment.

Ich ging die Treppe hoch ins Gästezimmer und weckte eine Freundin, die gerade hier zu Besuch war. „Du mußt das sehen“, meinte ich nur. Sie zog sich ihren weißen Bademantel über, kam runter in die Küche und setzte sich an den Tisch. Ich sehe sie noch heute da sitzen. Fassungslos, die Kaffeetasse in der Hand, immer wieder den Kopf schüttelnd. „Das gibt es doch nicht!“

Für mich begannen ein paar stressige Wochen. Bericht nach Bericht für die verschiedensten Sender. In den Anfangstagen nach der neuen Zeitrechnung schlief ich gerade mal ein paar Stunden, wenn das Wachbleiben gar nicht mehr ging. Ich bekam Mails und Anrufe von Freunden und Bekannten, die mir sagten, ich solle den Amerikanern erklären, dass man in Deutschland sehr an sie denke. Es waren ehrliche Gefühle der Verbundenheit.

Warum ich all das hier schreibe? Ich habe in meinen 47 Jahren zwei Ereignisse bewußt erlebt, die geschichtlich einschneidend waren. Und ich kann mich bei beiden daran erinnern, wo ich war, was ich gedacht habe, was in mir vorging. Es war der Fall der Mauer in Berlin, es waren die Terroranschläge des 11. Septembers. Beides hat die Welt verändert. Alles war danach anders. Hier die Hoffnung und die Freude, dass mit dem Abbau von Grenzen die Welt zusammen rücken würde. Dort die Taubheit und das Bewußtsein darüber, dass nichts mehr so bleiben wird, wie es war. Fassungslos war ich am 9. November und auch am 11. September. Es waren solch große Ereignisse, bei denen man umgehend spürte, das alles, was man da sieht und erlebt weitreichende Folgen haben wird.

In den USA spricht man von einer Zeitenrechnung vor und nach dem 11. September 2001. Das ist traurig, das ist aber so. Ich bin nur froh, dass ich Amerika noch entspannter kennenlernte. Denn so werde ich nicht vergessen, was man hier im Namen der nationalen Sicherheit aufgegeben, verloren, ja, fast vergessen hat.

Pilot klagt gegen Airline

Captain Clayton Osbon nach seiner Verhaftung im März 2012.

Der JetBlue Flugkapitän Clayton Osbon nach seiner Verhaftung im März 2012.

Vor genau drei Jahren drehte Clayton Osbon durch. Er war Pilot und Sicherheitsexperte bei der Airline JetBlue. Am 27. März 2012 passierte es dann. Schon verstört ging er als Kapitän ins Cockpit eines Fluges von New York nach Las Vegas. Mitten im Flug rastete er aus, rannte durchs Flugzeug, schrie wirres Zeug über Jesus und Al Qaida, die Passagiere gerieten in Panik. Osbon wurde überwältigt, der Co-Pilot machte eine Notlandung in Amarillo, Texas. Osbon wurde von FBI Agenten verhaftet, die Nachrichtensender unterbrachen ihre aktuellen Sendungen, denn es lag der Verdacht auf eine terroristische Motivation vor. Schnell wurde jedoch klar, dass der Kapitän psychische Probleme hatte.

In der Woche der Germanwings Katastrophe und nur wenige Stunden vor Ablauf der Frist reichten die Anwälte von Clayton Osbon an einem Gericht in Manhattan eine Schadensersatzklage in Höhe von 16 Millionen gegen JetBlue ein. Vorgeworfen wird der Airline, dass sie die Zeichen einer psychischen Problemlage ihres Mitarbeiters nicht erkannt habe. Eine Kopfverletzung im Kindesalter habe dazu geführt, dass „seine Fähigkeit einfachste Dinge durchzuführen extrem eingeschränkt war. Sie (die Kopfverletzung) führte zu Halluzinationen und zu extremen Gefühlen von Paranoia und religiösem Eifer“.

Schon lange vor dem Zwischenfall sei der Kapitän aufällig gewesen, doch die Fluggesellschaft habe nicht gehandelt und reagiert, so die Anwälte Osbons. Damit habe JetBlue den eigenen Piloten, die Crew und die Passagiere des Fluges unnötig in Gefahr gebracht. Gerade in der Woche des Germanwings Absturzes hat dieses Klage in New York besonderes Aufsehen erregt. Der Ausgang ist noch ungewiss.

 

 

„Je Suis…“?

Am Wochenende standen in den frühen Morgenstunden Menschen im Nürnberger Hauptbahnhof Schlange, um eine der wenigen Ausgaben des französischen Satiremagazins „Charlie Hebdo“ zu ergattern. Die Auflage von mehreren Millionen ist europaweit vergriffen. Diese massive Solidaritätsbekundung gilt als Zeichen für die Meinungs- und Pressefreiheit. Doch ist das wirklich so? Seien wir mal ehrlich, viele verstehen die provokanten und verletzenden Karikaturen gar nicht und wenn, dann würden sie sie wohl auch als maßlos übertrieben, humorlos und unverschämt ansehen.

Das ruandische Hetzblatt Kangura.

Im ruandischen Hetzblatt Kangura wurde zum Mord an den Tutsi aufgerufen.

Die uneingeschränkte Meinungsfreiheit ist uns heilig. Das ist für mich, nicht nur weil ich selbst als Journalist arbeite, ein Grundrecht. Jeder sollte das sagen können, was er möchte, ohne in Gefahr zu geraten, von Extremisten erschossen oder anderweitig hingerichtet zu werden. Doch gibt es diese uneingeschränkte Meinungsfreiheit überhaupt, die in diesen Tagen so hochgehalten wird, die Millionen von Menschen auf die Straßen bringt, die Regierungschefs Arm in Arm in einer Pariser Seitenstraße vor die Kameras führt? Wann zeigt man sich solidarisch, wann blickt man lieber weg?

FOXNews ist ein konservativer Nachrichtenkanal in den USA, der durchaus als Sprachrohr der Republikaner gesehen werden kann. Nicht nur, dass hier regelmäßig für amerikanische Kriegseinsätze und ein hartes iinternationales Durchgreifen geworben wird. Auf FOXNews kommen durchaus auch Leute zu Wort, die voller Verschwörungstheorien sind, die den Präsidenten als Sozialisten, als Nazi, als dumm bezeichnen. Oftmals auch noch mit einem rassistischen Unterton. Was wäre, wenn Extremisten die Redaktionsräume des Senders in New York stürmten und einige Journalisten und Moderatoren erschießen würden? Je Suis FOX?

Was wäre, wenn Extremisten in den Büros der saudischen Zeitung „Al-Riyadh“ ein Blutbad anrichteten. Einem Blatt, das den offiziellen Kurs Saudi Arabiens widergibt, das regelmäßig gegen Israel hetzt, das Diskriminierungen gegen Homosexuelle, Frauen, Ausländer verteidigt, das für die Scharia Gesetzsprechung eintritt. Je Suis Al-Ryadh?

Oder gehen wir 21 Jahre zurück nach Ruanda. Damals hetzten Journalisten des Radiosenders „Radio-Télévision Libre des Mille Collines“ (RTLM) gegen die Tutsi Minderheit, beschimpften sie als „Kakerlaken“, die umgebracht werden müssen, forderten die radikalen Interahamwe Milizen auf, liberale Hutu und Angehörige der Tutsi abzuschlachten. Genauso das Blatt „Kangura“, in dem übelste Hassparolen, auch in Karikaturen, verbreitet wurden. RTLM und Kangura Journalisten wurden zum Teil auch von der „Konrad-Adenauer-Stiftung“ und von der „Deutschen Welle“ ausgebildet. Was wäre passiert, wenn die Büros des Senders und der Zeitung von Bewaffneten gestürmt und die anwesenden Mitarbeiter umgebracht worden wären?  Je Suis RTLM, Je Suis Kangura?

Wohl kaum. Und nein, ich vergleiche nicht die Hetzparolen von RTLM mit den Karikaturen von Charlie Hebdo. Ich versuche auch nicht zur Gewalt aufzurufen oder sie zu rechtfertigen. Niemand sollte wegen „Freedom of Speech“ umgebracht werden. Ich frage nur, was ist Meinungsfreiheit, was ist Pressefreiheit? Ist es am Ende nicht eine Illusion zu glauben, jeder habe das Recht alles zu sagen, alles zu veröffentlichen? Machen wir uns da nicht was vor? Und wann zeigt man sich solidarisch? Ich habe keine Antworten darauf.

Amerika im Krieg

Die Polizeimarken getöteter Polizisten in den USA.

Die Polizeimarken getöteter Polizisten in den USA.

Es war kein gutes Jahr für die amerikanischen Polizeieinheiten. Ferguson, New York, Oakland, überall im Land gab es massive Zwischenfälle, die zeigten, in den Polizeireihen stimmt etwas nicht. Einige wenige machtbesessene und rassistische Cops, falsche Ausbildung, Überbelastung, fehlende Zusammenarbeit und Kommunikation mit den Bürgern, man weiß gar nicht, wo man anfangen soll, um das Klima in den Städten und Gemeinden zu verbessern. Amerika hat ein Problem im Inneren. Länder wie Nordkorea, China und Iran zeigen mit Häme und ausgestreckten Fingern auf das Land der unbegrenzten Möglichkeiten, das auch 50 Jahre nach der Bürgerrechtsbewegung scheinbar noch keine Gleichberechtigung kennt.

Und doch, da sind auch zwei Zahlen, die aufhorchen lassen, die verdeutlichen, dass all das nicht einfach nur ein Problem Polizei gegen Bürger ist. 126 Polizisten starben 2014 im Einsatz. 50 (!) davon wurden erschossen. Kaltblütig, eben weil sie Polizisten waren. Das ist eine Zahl, die viel aussagt über ein Land, in dem ein hohes Maß an Gewalt akzeptiert, toleriert, ja sogar unterstützt wird. Nach dem Amoklauf in der Sandy Hook Grundschule glaubten viele, jetzt würde sich was ändern, jetzt wäre Amerika bereit strengere Waffengesetze zu verabschieden, den Zugang zu Schußwaffen stärker zu reglementieren. Nichts geschah, nichts wird geschehen.

50 erschossene Polizisten im Jahr 2014 sind das Ergebnis einer stupiden Diskussion darüber, ob die Gründungsväter der amerikanischen Verfassung wirklich meinten, dass jeder Amerikaner ein Grundrecht auf Waffenbesitz hat. Was 1788 auf Papier ratifiziert wurde sah sicherlich nicht vor, dass mein Nachbar eine Wumme wie das Mitglied eines Spezialkommandos in Afghanistan im Schrank haben darf. Oder, dass es Stadtteile in den USA gibt, in denen herbeigerufene Polizisten schlichtweg „out powered“ sind, heißt, ihre Knarren sind nichts gegen die Maschinenpistolen und -gewehre in den Händen von skrupellosen Kriminellen.

Jedes Jahr sterben in den USA weit über 30.000 Menschen durch Schußwunden. Die Hälfte davon sind Morde, die andere Hälfte Selbstmorde. 50 erschossene Polizisten sind auf diesem Leichenberg nur eine geringe Zahl. Eine kleine Meldung in den Nachrichten. Doch man sollte diese Zahl vielleicht anders betrachten. Zwischen 2002 und 2014 sind beim Militäreinsatz in Afghanistan 54 deutsche Bundeswehrsoldaten ums Leben gekommen. In einem Kriegsgebiet mit Selbstmordattentätern, Sprengsätzen, Raketenangriffen, Hinterhälten. Man erwartet in einem Kampfeinsatz der Bundeswehr, dass Soldaten sterben werden. 54 Bundeswehrangehörige in 12 Jahren ist eine traurige Bilanz. 50 erschossene Polizisten in einem Jahr ist Krieg im eigenen Land. Wer das nicht sehen will betreibt Augenwischerei.