Die „Red Card“ für Trump

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Die „Green Card“ Lotterie hat sich eingespielt. Seit 1990 haben so Menschen aus aller Welt, unabhängig von Einkommen und Status, die Möglichkeit eine Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis in den USA zu bekommen. Man gibt seinen Namen und sein Herkunftsland an, einmal umgerührt und dann werden Namen aus den Töpfen gezogen. Einige Länder, aus denen im Laufe eines Jahres bereits eine bestimmte Anzahl an Einwanderern kamen, dürfen nicht teilnehmen. Das Ziel dabei ist, eine möglichst breite Immigration in die USA zu ermöglichen. weiter lesen

Trump verprasst das Geld

Präsident Donald Trump verdient gut an seinem Privatclub „Mar-a-Lago“ in Palm Beach, Florida. Foto: Reuters.

Donald Trumps Präsidentschaft kommt dem Steuerzahler nicht gerade billig. Seitdem er Präsident ist, reist er an diesem Wochenende bereits zum dritten Mal in seinen Privatclub Mar-a-Lago in Palm Beach, Florida. Sein „Winter White House“, wie er es nennt. Allein die drei Trips kosten nach Schätzungen 10 Millionen Dollar. Denn neben der Anreise, müssen Secret Service Beamten untergebracht, das Anwesen weiträumig abgesichert werden. Ein schwieriges Unterfangen, denn Mar-a-Lago ist ein Resort der Reichen mit ständig wechselnden Besuchern. Es ist nicht dauerhaft abgeschottet wie Camp David. Sogar die Küstenwache kreuzt vor dem Privatclub, dessen Anmeldegebühr sich nach der Wahl Trumps von 100.000 Dollar auf 200.000 Dollar erhöht hat. Hinzu kommt ein nicht gerade geringer jährlicher Mitgliedsbeitrag von derzeit 14.000 Dollar.

Die Stadt Palm Beach hat bereits offiziell angefragt, ob sie in Zukunft die Kosten für die Abstellung der lokalen Polizei von Washington erstattet bekommt. Auch New York City würde gerne zusätzliche finanzielle Hilfen aus der Hauptstadt bekommen, denn dort muß Trump Tower rund um die Uhr gesichert werden. Die First Lady Melania und der jüngste Sohn der „First Family“, Barron, leben weiterhin dort. Kosten pro Tag 500.000 Dollar. Das kommt zusätzlich zum Umbau und Sicherheitsmaßnahmen nach dem Wahlsieg Trumps. Auch mieten das Verteidigungsministerium und der Secret Service Räume im Trump Tower an, um die Sicherheit des Präsidenten garantieren zu können. Donald Trump verzichtete zwar spendabel auf sein Gehalt, verdient derzeit aber gut daran, Präsident zu sein.

Doch der amerikanische Steuerzahler muß nicht nur diese Rechnungen begleichen. Am Samstag werden die Trump Söhne Eric und Donald Junior in den Vereinigten Arabischen Emiraten erwartet, um dort den neuesten Trump-Golfplatz und das dazugehörige Resort zu eröffnen. Mit dabei der Secret Service, der auch diese Familienmitglieder auf privat-geschäftlichen Reisen beschützen muß. Mehrere 100.000 Dollar werden für solche Einsätze veranschlagt.

Barack Obama wurde regelmäßig von den Republikanern im Kongress für seine Privatreisen und die anfallenden Sicherheitskosten kritisiert. Insgesamt haben die Trips von Obama in den acht Jahren seiner Amtszeit rund 97 Millionen Dollar gekostet. Trump und seine Familie werden in den kommenden vier Jahren, so die Organisation Judicial Watch, Hunderte von Millionen Dollar an Steuergeldern für Reisen des Präsidenten und seiner Familie und die Sicherung all der Anwesen verbraten. Aber alles gut, so die Sprecherin des Weißen Hauses Stephanie Grisham. „Er ist nicht auf Urlaub, wenn er nach Mar-a-Lago fliegt. Der Präsident arbeitet nonstop an jedem Tag der Woche, egal, wo er gerade ist.“ Wie sang Pipi: „2 x 3 macht 4 – widdewiddewitt und 3 macht 9e ! Ich mach‘ mir die Welt – widdewidde wie sie mir gefällt …“

 

Clinton haut den Trump

Klar, es sieht nach deutlichen Siegen von Hillary Clinton und Donald Trump aus. Doch so klar ist das gar nicht. Zumindest, wenn man sich die Wählerzahlen einmal genauer ansieht. Hillary Clinton liegt bei etwa einer Million Wählerstimmen. Donald Trump hat weniger als die Hälfte. Auch Bernie Sanders liegt in der New Yorker Wählergunst noch weit vor dem Milliardär.

Aber diese harten Zahlen interessieren das Trump-Lager so gar nicht. Sie erklärten am Dienstagabend, die Chancen ständen gut, dass im November nach über 30 Jahren endlich wieder ein Republikaner New York gewinnen könnte. Man muß sich ernsthaft fragen, ob die da im Trump-Tower zu viel Schampus schlürfen.

Bernie Sanders hat die Demokraten ganz neu aufgestellt. Foto: Reuters.

Bernie Sanders hat die Demokraten ganz neu aufgestellt. Foto: Reuters.

Bernie Sanders war an diesem Abend vom Ausgang der Wahl zurecht enttäuscht. Er hatte sich sicherlich mehr erhofft, zumindest eine deutlich knappere Niederlage. Daraus wurde nichts, damit sind seine Hoffnungen auf einen Sieg gegen die Über-Demokratin Clinton in weite, sehr weite Entfernung gerückt. Eine Chance Hillary Clinton noch einzuholen besteht nach der Klatsche in New York nicht mehr. Doch er wird wohl weitermachen, auch wenn er sich überraschend einen Tag Auszeit daheim in Vermont gönnen will.

Für Bernie Sanders geht es um mehr, als nur um seine Person. Er hat mit seinem Wahlkampf eine Massenbewegung in den USA und vor allem in der demokratischen Partei entfacht. Ein bedeutender Teil der Demokraten will wieder über urdemokratische Themen reden, sie einfordern, sie zur Wahl stellen. Das erinnert etwas an die Grundwertediskussion innerhalb der deutschen Sozialdemokraten. Die SPD sollte durchaus einmal einen genaueren Blick auf den amerikanischen Wahlkampf, besonders auf den des Senators aus Vermont wagen. Wie er neue Wähler gewinnt und alte zurück in die Partei holt ist mehr als beeindruckend.

 

Ted Cruz und die New Yorker Werte

Ted Cruz hat nun ein Problem. Monatelang hat er gegen Donald Trump gewettert, ihn beschimpft, ihn niedergemacht, immer und immer wieder ihn als den Kandidaten abgetan, der für die „New York Values“ stehe. Also für Liberalismus, für Abrtreibung, Homo-Ehe, Multikulti, demokratischen Sozialismus. Doch seine Worte beißen Ted Cruz nun in seinen eigenen Allerwertesten. Denn der Wahlkampf kommt nun nach New York, einem der bevölkerungsreichsten Bundesstaaten in den USA. Und das bedeutet, hier gibt es viele Delegiertenstimmen zu gewinnen, die Cruz unbedingt braucht, um den aus New York kommenden Milliardär zu schlagen.

Donald Trump und auch John Kasich haben die Worte von Cruz aber nicht vergessen. Trump erinnerte sein Publikum auf einer Wahlkampfveranstaltung in Queens daran, dass der Texaner so gar nicht gut auf New York und seine Menschen zu sprechen ist. Und auch John Kasich buhlt im „Empire State“ um Wählerstimmen mit einem Werbespot, in dem die Freiheitsstatue und das World Trade Center gezeigt werden und spielt dabei auch die abschätzigen Kommentare von Ted Cruz ein.

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Ted Cruz wollte am Freitag ungestört in New York City Wahlkampf betreiben, doch daraus wurde nichts. Demonstranten warteten schon auf ihn, erkärten, er habe nichts in dieser Stadt zu suchen. Auf seine Anti-NYC-Worte angesprochen, meinte Cruz, er stehe nach wie vor dazu. Trump stehe für Werte, die nichts mit der konservativen Bewegung in der republikanischen Partei zu tun haben. Kein bißchen bereue er seine Aussagen. „Wenn man wissen will, was liberale Werte der Demokraten sind, dann muß man nur dem Scheckbuch von Donald Trump folgen“, erklärte der von sich überzeugte Texaner in Anspielung auf die Spenden Trumps. Cruz macht also weiter in New York, weiter mit seinen Verbalangriffen gegen den führenden Donald. Vor allem bei orthodoxen Juden und fundamentalistischen Krichengruppen will er Stimmen gewinnen.

Der Wahlkampf in New York City wird zum „Ultimate Fighting“-Ring der Republikaner. Donald Trump mit einem Heimvorteil, John Kasich als quasi ebenfalls attackierter Nachbar und ein Ted Cruz, der im Big Apple kaum punkten und vielmehr so richtig einen auf die Mütze bekommen wird. Von der Seitenlinie betrachtet, kann man da nur sagen, der amerikanische Wahlkampf bleibt unterhaltsam spannend!

Ein Tag, den man nicht vergisst

Heute war ich mit meinem Hund im Wald laufen. Ich war frustriert und genervt, wollte unbedingt Energien abbauen. Und dann verlor ich auch noch den Autoschüssel, also zurück auf dem gleichen Weg und glücklicherweise fand ich ihn. Käthe kuckte mich an und ich sie und wir liefen wieder los. Ich dachte daran, wie das vor 14 Jahren war.

Am 11. September 2001 klingelte mich morgens Antenne Thüringen aus dem Bett. „Was ist denn bei Euch los?“, fragte mich der Redakteur. Keine Ahnung, meinte ich, ich habe noch geschlafen. „Dann mach mal den Fernseher an“. Erst sah ich den qualmenden Turm des World Trade Centers im Live-TV und dann kam der zweite Flieger. Die Welt veränderte sich in diesem Moment.

Ich ging die Treppe hoch ins Gästezimmer und weckte eine Freundin, die gerade hier zu Besuch war. „Du mußt das sehen“, meinte ich nur. Sie zog sich ihren weißen Bademantel über, kam runter in die Küche und setzte sich an den Tisch. Ich sehe sie noch heute da sitzen. Fassungslos, die Kaffeetasse in der Hand, immer wieder den Kopf schüttelnd. „Das gibt es doch nicht!“

Für mich begannen ein paar stressige Wochen. Bericht nach Bericht für die verschiedensten Sender. In den Anfangstagen nach der neuen Zeitrechnung schlief ich gerade mal ein paar Stunden, wenn das Wachbleiben gar nicht mehr ging. Ich bekam Mails und Anrufe von Freunden und Bekannten, die mir sagten, ich solle den Amerikanern erklären, dass man in Deutschland sehr an sie denke. Es waren ehrliche Gefühle der Verbundenheit.

Warum ich all das hier schreibe? Ich habe in meinen 47 Jahren zwei Ereignisse bewußt erlebt, die geschichtlich einschneidend waren. Und ich kann mich bei beiden daran erinnern, wo ich war, was ich gedacht habe, was in mir vorging. Es war der Fall der Mauer in Berlin, es waren die Terroranschläge des 11. Septembers. Beides hat die Welt verändert. Alles war danach anders. Hier die Hoffnung und die Freude, dass mit dem Abbau von Grenzen die Welt zusammen rücken würde. Dort die Taubheit und das Bewußtsein darüber, dass nichts mehr so bleiben wird, wie es war. Fassungslos war ich am 9. November und auch am 11. September. Es waren solch große Ereignisse, bei denen man umgehend spürte, das alles, was man da sieht und erlebt weitreichende Folgen haben wird.

In den USA spricht man von einer Zeitenrechnung vor und nach dem 11. September 2001. Das ist traurig, das ist aber so. Ich bin nur froh, dass ich Amerika noch entspannter kennenlernte. Denn so werde ich nicht vergessen, was man hier im Namen der nationalen Sicherheit aufgegeben, verloren, ja, fast vergessen hat.

Pilot klagt gegen Airline

Captain Clayton Osbon nach seiner Verhaftung im März 2012.

Der JetBlue Flugkapitän Clayton Osbon nach seiner Verhaftung im März 2012.

Vor genau drei Jahren drehte Clayton Osbon durch. Er war Pilot und Sicherheitsexperte bei der Airline JetBlue. Am 27. März 2012 passierte es dann. Schon verstört ging er als Kapitän ins Cockpit eines Fluges von New York nach Las Vegas. Mitten im Flug rastete er aus, rannte durchs Flugzeug, schrie wirres Zeug über Jesus und Al Qaida, die Passagiere gerieten in Panik. Osbon wurde überwältigt, der Co-Pilot machte eine Notlandung in Amarillo, Texas. Osbon wurde von FBI Agenten verhaftet, die Nachrichtensender unterbrachen ihre aktuellen Sendungen, denn es lag der Verdacht auf eine terroristische Motivation vor. Schnell wurde jedoch klar, dass der Kapitän psychische Probleme hatte.

In der Woche der Germanwings Katastrophe und nur wenige Stunden vor Ablauf der Frist reichten die Anwälte von Clayton Osbon an einem Gericht in Manhattan eine Schadensersatzklage in Höhe von 16 Millionen gegen JetBlue ein. Vorgeworfen wird der Airline, dass sie die Zeichen einer psychischen Problemlage ihres Mitarbeiters nicht erkannt habe. Eine Kopfverletzung im Kindesalter habe dazu geführt, dass „seine Fähigkeit einfachste Dinge durchzuführen extrem eingeschränkt war. Sie (die Kopfverletzung) führte zu Halluzinationen und zu extremen Gefühlen von Paranoia und religiösem Eifer“.

Schon lange vor dem Zwischenfall sei der Kapitän aufällig gewesen, doch die Fluggesellschaft habe nicht gehandelt und reagiert, so die Anwälte Osbons. Damit habe JetBlue den eigenen Piloten, die Crew und die Passagiere des Fluges unnötig in Gefahr gebracht. Gerade in der Woche des Germanwings Absturzes hat dieses Klage in New York besonderes Aufsehen erregt. Der Ausgang ist noch ungewiss.

 

 

„Je Suis…“?

Am Wochenende standen in den frühen Morgenstunden Menschen im Nürnberger Hauptbahnhof Schlange, um eine der wenigen Ausgaben des französischen Satiremagazins „Charlie Hebdo“ zu ergattern. Die Auflage von mehreren Millionen ist europaweit vergriffen. Diese massive Solidaritätsbekundung gilt als Zeichen für die Meinungs- und Pressefreiheit. Doch ist das wirklich so? Seien wir mal ehrlich, viele verstehen die provokanten und verletzenden Karikaturen gar nicht und wenn, dann würden sie sie wohl auch als maßlos übertrieben, humorlos und unverschämt ansehen.

Das ruandische Hetzblatt Kangura.

Im ruandischen Hetzblatt Kangura wurde zum Mord an den Tutsi aufgerufen.

Die uneingeschränkte Meinungsfreiheit ist uns heilig. Das ist für mich, nicht nur weil ich selbst als Journalist arbeite, ein Grundrecht. Jeder sollte das sagen können, was er möchte, ohne in Gefahr zu geraten, von Extremisten erschossen oder anderweitig hingerichtet zu werden. Doch gibt es diese uneingeschränkte Meinungsfreiheit überhaupt, die in diesen Tagen so hochgehalten wird, die Millionen von Menschen auf die Straßen bringt, die Regierungschefs Arm in Arm in einer Pariser Seitenstraße vor die Kameras führt? Wann zeigt man sich solidarisch, wann blickt man lieber weg?

FOXNews ist ein konservativer Nachrichtenkanal in den USA, der durchaus als Sprachrohr der Republikaner gesehen werden kann. Nicht nur, dass hier regelmäßig für amerikanische Kriegseinsätze und ein hartes iinternationales Durchgreifen geworben wird. Auf FOXNews kommen durchaus auch Leute zu Wort, die voller Verschwörungstheorien sind, die den Präsidenten als Sozialisten, als Nazi, als dumm bezeichnen. Oftmals auch noch mit einem rassistischen Unterton. Was wäre, wenn Extremisten die Redaktionsräume des Senders in New York stürmten und einige Journalisten und Moderatoren erschießen würden? Je Suis FOX?

Was wäre, wenn Extremisten in den Büros der saudischen Zeitung „Al-Riyadh“ ein Blutbad anrichteten. Einem Blatt, das den offiziellen Kurs Saudi Arabiens widergibt, das regelmäßig gegen Israel hetzt, das Diskriminierungen gegen Homosexuelle, Frauen, Ausländer verteidigt, das für die Scharia Gesetzsprechung eintritt. Je Suis Al-Ryadh?

Oder gehen wir 21 Jahre zurück nach Ruanda. Damals hetzten Journalisten des Radiosenders „Radio-Télévision Libre des Mille Collines“ (RTLM) gegen die Tutsi Minderheit, beschimpften sie als „Kakerlaken“, die umgebracht werden müssen, forderten die radikalen Interahamwe Milizen auf, liberale Hutu und Angehörige der Tutsi abzuschlachten. Genauso das Blatt „Kangura“, in dem übelste Hassparolen, auch in Karikaturen, verbreitet wurden. RTLM und Kangura Journalisten wurden zum Teil auch von der „Konrad-Adenauer-Stiftung“ und von der „Deutschen Welle“ ausgebildet. Was wäre passiert, wenn die Büros des Senders und der Zeitung von Bewaffneten gestürmt und die anwesenden Mitarbeiter umgebracht worden wären?  Je Suis RTLM, Je Suis Kangura?

Wohl kaum. Und nein, ich vergleiche nicht die Hetzparolen von RTLM mit den Karikaturen von Charlie Hebdo. Ich versuche auch nicht zur Gewalt aufzurufen oder sie zu rechtfertigen. Niemand sollte wegen „Freedom of Speech“ umgebracht werden. Ich frage nur, was ist Meinungsfreiheit, was ist Pressefreiheit? Ist es am Ende nicht eine Illusion zu glauben, jeder habe das Recht alles zu sagen, alles zu veröffentlichen? Machen wir uns da nicht was vor? Und wann zeigt man sich solidarisch? Ich habe keine Antworten darauf.

Amerika im Krieg

Die Polizeimarken getöteter Polizisten in den USA.

Die Polizeimarken getöteter Polizisten in den USA.

Es war kein gutes Jahr für die amerikanischen Polizeieinheiten. Ferguson, New York, Oakland, überall im Land gab es massive Zwischenfälle, die zeigten, in den Polizeireihen stimmt etwas nicht. Einige wenige machtbesessene und rassistische Cops, falsche Ausbildung, Überbelastung, fehlende Zusammenarbeit und Kommunikation mit den Bürgern, man weiß gar nicht, wo man anfangen soll, um das Klima in den Städten und Gemeinden zu verbessern. Amerika hat ein Problem im Inneren. Länder wie Nordkorea, China und Iran zeigen mit Häme und ausgestreckten Fingern auf das Land der unbegrenzten Möglichkeiten, das auch 50 Jahre nach der Bürgerrechtsbewegung scheinbar noch keine Gleichberechtigung kennt.

Und doch, da sind auch zwei Zahlen, die aufhorchen lassen, die verdeutlichen, dass all das nicht einfach nur ein Problem Polizei gegen Bürger ist. 126 Polizisten starben 2014 im Einsatz. 50 (!) davon wurden erschossen. Kaltblütig, eben weil sie Polizisten waren. Das ist eine Zahl, die viel aussagt über ein Land, in dem ein hohes Maß an Gewalt akzeptiert, toleriert, ja sogar unterstützt wird. Nach dem Amoklauf in der Sandy Hook Grundschule glaubten viele, jetzt würde sich was ändern, jetzt wäre Amerika bereit strengere Waffengesetze zu verabschieden, den Zugang zu Schußwaffen stärker zu reglementieren. Nichts geschah, nichts wird geschehen.

50 erschossene Polizisten im Jahr 2014 sind das Ergebnis einer stupiden Diskussion darüber, ob die Gründungsväter der amerikanischen Verfassung wirklich meinten, dass jeder Amerikaner ein Grundrecht auf Waffenbesitz hat. Was 1788 auf Papier ratifiziert wurde sah sicherlich nicht vor, dass mein Nachbar eine Wumme wie das Mitglied eines Spezialkommandos in Afghanistan im Schrank haben darf. Oder, dass es Stadtteile in den USA gibt, in denen herbeigerufene Polizisten schlichtweg „out powered“ sind, heißt, ihre Knarren sind nichts gegen die Maschinenpistolen und -gewehre in den Händen von skrupellosen Kriminellen.

Jedes Jahr sterben in den USA weit über 30.000 Menschen durch Schußwunden. Die Hälfte davon sind Morde, die andere Hälfte Selbstmorde. 50 erschossene Polizisten sind auf diesem Leichenberg nur eine geringe Zahl. Eine kleine Meldung in den Nachrichten. Doch man sollte diese Zahl vielleicht anders betrachten. Zwischen 2002 und 2014 sind beim Militäreinsatz in Afghanistan 54 deutsche Bundeswehrsoldaten ums Leben gekommen. In einem Kriegsgebiet mit Selbstmordattentätern, Sprengsätzen, Raketenangriffen, Hinterhälten. Man erwartet in einem Kampfeinsatz der Bundeswehr, dass Soldaten sterben werden. 54 Bundeswehrangehörige in 12 Jahren ist eine traurige Bilanz. 50 erschossene Polizisten in einem Jahr ist Krieg im eigenen Land. Wer das nicht sehen will betreibt Augenwischerei.

Amerika ist rassistisch

Jetzt ist es eben Eric Garner. Die Namen lassen sich austauschen. Ein weiterer unbewaffneter Schwarzer, der nach einem Polizeieinsatz verstarb. Auch wenn der republikanische Kongressabgeordnete für New York, Peter King, erklärt, die NYPD schütze eigentlich junge Afro-Amerikaner und der Fall Eric Garner sei kein rassistischer Vor-, sondern ein tragischer Zwischenfall. „Wenn er kein Asthma und kein Herzproblem und nicht übergewichtig gewesen wäre, dann wäre er höchstwahrscheinlich nicht davon gestorben“, meinte King. Das heißt, wenn ich das richtig verstehe, Schwarze mit Asthma, Herzproblemen und Übergewicht sollten in Zukunft noch mehr aufpassen und sich vor allem auf keine Konfrontationen mit der Polizei einlassen. Das ist auch eine Sicht der Dinge.

Präsident Barack Obama betonte erneut, Amerika habe ein Polizeiproblem. Viele Communities trauten den Beamten in Uniform nicht. Das sei zu lösen. Der Bundesjustizminister Eric Holder will sich den Fall Garner genauer ansehen und prüfen lassen, ob da Bürgerrechte verletzt wurden.

Ein Einzelfall? Ganz sicher nicht. Wir sind 50 Jahre nach der Bürgerrechtsbewegung in den USA. 2015 jähren sich die Unruhen im Stadtteil Watts von Los Angeles, die Gründung der Black Panther Partei in Oakland, Massenproteste gegen offenen und versteckten Rassismus in den USA. Jahrzehntelang tat man in den USA so, als ob alles paletti sei. Eine Klassengesellschaft, aufgeteilt nach Hautfarbe, das gibt es doch nicht. Nicht in den USA. Man verwies auf Gesetze, die Gleichbehandlung und Förderung von Minderheiten versprechen. Die tumultigen 60er Jahre liegen lange hinter uns, wurde immer wieder betont, so, als ob man sich selbst davon überzeugen wollte.

Tatsache ist jedoch, Amerika ist ein gespaltenes Land. Nicht nur in Demokraten und Republikaner. Nicht nur in reich und arm. Sondern eben auch in weiß und schwarz. Erst gestern Abend erzählte mir ein Bekannter, ein 63jähriger Architekt und eben  Afro-Amerikaner, dass er oft und ohne Grund von der Polizei kontrolliert wurde und wird. Ein Professor in San Francisco kann das nur bestätigen (die NZ berichtete). Selbst in seinem Büro und vor seinem eigenen Haus wurde er schon von Polizisten mit diesem gewissen Unterton befragt und kontrolliert. Auch Todesstrafengegner verweisen immer auf die Tatsache, dass man in den USA zum Tode verurteilt wird, wenn man arm und/oder farbig ist.

Amerika hat ein Problem. Ein ziemlich großes sogar. Die Polizei geht massiver gegen Afro-Amerikaner vor. Das belegen Aussagen von Schwarzen, von Weißen. Das belegen Statistiken, die zeigen, dass Afro-Amerikaner für geringe Delikte verhaftet und verurteilt werden, für die Weiße einen „Slap on the wrist“ oder einen „Pass“ bekommen. Was in der derzeitigen Diskussion nach den Todesfällen in Ferguson und New York fehlt, ist der Ansatz einer grundlegenden Debatte in den USA. Die Polizei muß derzeit ihren Kopf für die Versäumnisse einer ganzen Gesellschaft hinhalten, obwohl die Polizeieinheiten nur ein Spiegelbild der Gesellschaft sind. Dass es Fehlverhalten der Polizei gibt, ist unbestritten. Dass manche Polizisten ihre Uniform für unnötige Machtdemonstrationen nutzen, steht außer Zweifel. Doch die Beamten haben auch einen schweren Job, tagtäglich fahren sie in schußsicherer Weste in den Einsatz, wissen nie, ob da nicht ein Bekloppter mit einem Sturmgewehr auf sie wartet. Sie nun alleine für die mangelnde Gleichheit in den USA verantwortlich zu machen ist, wie ein Pflaster auf die Schnittwunde eines Krebspatienten zu kleben.

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Noch nicht alt genug zum Rauchen

Healdsburg ist eine schöne Kleinstadt, rund 80 Autominuten nördlich von San Francisco. Im Zentrum ein kleiner Park mit Bänken, einem Brunnen, einem Pavillon. Gewaltige Redwoods recken sich neben Palmen dem Himmel entgegen. Hier in Healdsburg scheint das Leben langsamer zu laufen, Passanten sitzen herum, genießen einen Kaffee, plauschen ein bisschen, bevor sie in einer der kleinen Boutiquen oder in eines der zahlreichen Restaurants verschwinden. Healdsburg legt viel Wert auf seinen Ruf, eine gesunde Stadt zu sein.

Healdsburg Plaza ist schon lange rauchfrei.

Healdsburg Plaza ist schon lange rauchfrei.

Daher verwundert es nicht, dass das Rauchen in der Kleinstadt erschwert wird. Schon jetzt darf man in öffentlichen Parks, wie dem Plaza im Zentrum, nicht mehr rauchen. Vor Geschäftseingängen nur noch im Abstand von etwa acht Metern, heißt, um sicher zu gehen, müßte man sich mitten auf die Straße stellen, was auch nicht ganz ungefährlich ist. Da könnte ein Raucher dann durch „Second Hand Smoke“ unter die Räder kommen. Zigarrenclubs und Hookah Bars sind total verpönt. Nun geht der Stadtrat der 12000 Seelengemeinde noch einen Schritt weiter. Das Alter für Tabakkäufer jeglicher Art wird nach oben gesetzt. Man muß nun in Healdsburg 21 sein, um sich die Fluppe leisten und anstecken zu können. Damit ist Healdsburg die erste Stadt in Kalifornien und erst die zweite Stadt nach New York in den USA, die radikal gegen junge Raucher vorgeht. Im Stadtrat von Healdsburg wurde der Antrag mit 4:1 angenommen, angeführt wurde, dass 9 von 10 Rauchern bereits in jungen Jahren mit dem Paffen anfangen. Und Tabakverkäufer müssen jedes Jahr eine neue Lizenz für 450 Dollar beantragen. Healdsburg will also gesunde rauch(freie) Zeichen setzen.

Alles gut und schön, wäre da nicht die Tatsache, dass Healdsburg im Zentrum des Sonoma Wine Countries liegt. Dutzende von Weingütern haben um den zentralen Platz ihre „Tasting Rooms“, in denen man den durchaus leckeren, aber hochprozentigen kalifornischen Wein kosten kann. Oftmals gibt es dann auch noch gute Angebote, die Kiste zum halben Preis. Natürlich darf man hier auch erst ab 21 probieren und so ein Glas Wein soll ja gesundheitsförderlich sein, zumindest wird das immer wieder behauptet. Doch viele der Sonoma Besucher belassen es nicht beim einen „gesunden“ Gläschen. Aber was soll’s, davon lebt die Region.

Seltsam bei solchen Gesetzen, und seien sie nur auf der lokalen Ebene, ist für mich immer die Tatsache, dass man in den USA als 13 oder 14jähriger vor Gericht als Erwachsener behandelt werden kann. Dass man als 17jähriger, mit Einwillung der Eltern, für sein Land in den Krieg ziehen, für sein Land „fallen“ darf. In all diesen Fällen ist man als Jugendlicher, als junger Mann, als junge Frau alt genug, um Entscheidungen zu treffen, seien sie auch noch so ungesund, unsozial, fatal. Doch beim Rauchen und beim BushCoorsMiller Wasserbiergenuß hat der Spaß ein Ende. Dann, ja dann, ist ein junger Mensch nicht alt genug, um eine kluge, durchdachte und bewußte Entscheidung zu treffen. Amerika ist seltsam.