Totgesagte haben Flügel

„Totgesagte haben Flügel“ singen die Münchner Megaherz in einem Song. Und das traf am Dienstag wohl auf Rick Santorum zu. Da wurde er schon abgeschrieben und dann gewinnt er die republikanischen Vorwahlen in Minnesota, Missouri und Colorado. Megaharte Breitseite für die Kontrahenten Mitt Romney und Newt Gingrich. Santorum is back and in full force. Der Saubermann im GOP Lager zieht mit seiner Message gegen Obamacare, gegen Abtreibung, gegen Homo-Ehe, gegen Waffenkontrolle, gegen…. immer mehr Konservative an.

In Minnesota und Colorado fiel vor allem die geringe Wahlbeteiligung auf. In Missouri dagegen war die Wahl eigentlich für die Tonne, denn hier gab es keine Delegiertenstimmen zu gewinnen.

An diesem Wahlabend gibt es durch den Wahlsieg von Rick Santorum gleich zwei große Verlierer. Der gegelte und immer ein bißchen arrogant wirkende Mitt Romney, der nach seinem Sieg in Florida schon vom sicheren Einkauf Weißes Haus träumte. Und Newt Gingrich, der sich seit South Carolina als der einzig wahre konservative Kandidat im Rennen präsentierte und nun mitansehen muß, dass ein anderer diese Rolle im „Heartland“ Amerikas erfolgreich übernimmt.

Rick Santorum hat nun mit der Wahl in Iowa schon vier republikanische „Primaries“ gewonnen. Er kann durchaus darauf verweisen, dass er der einzige Kandidat ist, der das konservative Amerika anspricht, da wo christliche Werte zählen, wo man sich keinen Wahlsieg erkaufen kann. Santorum ist im Moment obenauf und das, obwohl er insgesamt gerade mal die Hälfte der Wählerstimmen auf sich vereinen konnte, die Romney hat. Und auch Gingrich hat bereits über 300.000 Stimmen mehr erhalten als Santorum. Das ist ja das Irre bei amerikanischen Wahlen, nicht wer die meisten Wählerstimmen erhält wird Kandidat (oder wie im Jahr 2000 Präsident), sondern der, der den geschicktesten Wahlkampf führt und die Resourcen am klügsten einsetzt.

Romney und Gingrich haben nun Probleme. Es wird immer deutlicher, dass Mitt Romney die republikanische Basis mit seinem Wahlkampf nicht erreicht. Man glaubt dem früheren Gouverneur von Massachusetts einfach nicht, dass er ein Konservativer ist, der für christliche Werte steht. Und „Former Speaker of the House“ Newt Gingrich verliert immer mehr an Boden. Er ist zwar konservativ aber hat aufgrund seiner langen politischen Jahre in Washington zu viele Leichen im Keller. Und auch er kommt bei der christlichen Basis nicht an, die sich fast geschlossen hinter Santorum vereint hat. Ron Paul ist auch noch da, aber ohne finanzielle Mittel, ohne breite Unterstützung, ohne irgendwelche nennenswerte Erfolge. Abgeschlagen am Ende.

Die niedrige Wahlbeteiligung bei diesen Vorwahlen sollte allerdings der GOP Führung zu denken geben, denn damit wird deutlich, dass eigentlich kein Kandidat die Parteireihen schließen kann. Egal wer es am Schluß sein wird, in einen Kampf ums Weiße Haus wird ein angeschlagener und schwacher GOP Kandidat ziehen.

Romney der Marathonmann

Mit 47 Prozent der Stimmen hat Mitt Romney die Vorwahl in Florida für sich entschieden. Weit dahinter kommt Konkurrent Newt Gingrich mit 32 Prozent auf den zweiten Platz, Rick Santorum mit 13 Prozent auf Rang Drei und zum Schluß noch Ron Paul mit sieben Prozent. Die beiden letzten hatten allerdings in Florida überhaupt keinen Wahlkampf geführt.

Ein deutlicher Sieg des ehemaligen Gouveneurs von Massachusetts und ein Comeback nach seinem Absturz in South Carolina. Doch was bedeutet dieser Wahlausgang? Eigentlich nicht viel. Bislang sind gerade mal 115 Delegiertenstimmen für den republikanischen Parteitag vergeben worden. Romney kann davon 84 auf sich verbuchen. Doch zu einer Nominierung für die GOP braucht er über 1000 Delegierte hinter sich. Also es ist noch ein langer Weg bis Tampa, wo der diesjährige Wahlparteitag der Republikaner stattfinden wird. Im Marathonjahr 2012 sind wir gerade mal bei Kilometerstand 5, Romney hat in Florida lediglich eine Steigung als erster überwunden. Doch er sieht topfit aus und ist weiterhin der Favorit.

Es geht also weiter. Gingrich konzentriert sich derzeit auf die Südstaaten, um im konservativen Lager zu punkten. Er hat auch bereits angekündigt, dass er sich nicht zurückziehen werde. Er will dem Liberalen aus Massachusetts nicht das Feld überlassen. Und auch Santorum und Paul wollen weiter kämpfen. Die alles entscheidende Wahl wird der sogenannte „Super Tuesday“ am 6. März sein. Bis dahin ist alles noch offen.

Romney wird also noch einige Millionen ausgeben müssen. Und sicher ist derzeit gar nichts. Klar, der Supermillionär wird am Ende vorne stehen, doch, was durchaus passieren könnte ist, dass er nach der Vergabe aller Delegiertenstimmen keine absolute Mehrheit gegenüber seinen Kontrahenten Gingrich, Santorum und Paul hat. Falls die, wie angekündigt, bis zum bitteren Ende im Rennen bleiben sollten, könnte dieser Fall eintreten. Ein Desaster für das politische Establishment der Grand Old Party.

Wer nervt mehr?

Romney oder Gingrich….das ist hier die Frage. Santorum und Paul sind nur noch Statisten im Nominierungswahlkampf ihrer Partei. Und die beiden Hauptakteure hauen sich die Brocken um die Ohren, da fragt man sich schon, wie man überhaupt einen der beiden wählen kann. Obamas Team muß für die Novemberwahl nicht mehr viel machen, sondern nur noch einmal diese Fernsehdebatten ansehen, dann hat man schon genug Munition für die bevorstehende Schlacht zusammen.

Gingrich kommt als arrogant, machtgeil, unmoralisch und korrupt daher. Romney als Superreicher, der in Sachen Geldverdienen über Leichen geht. Hier der Ehebrecher, dort der Mormone. Die christliche Basis kratzt sich nur am Kopf und fragt sich, wie es so weit hat kommen können. Kein Kandidat überzeugt die Partei, hinter keinem wird die gesamte Partei stehen. Obama, wenn er sich nicht ganz blöd anstellt, kann den Umzugswagen wieder abbestellen. Was noch vor ein paar Monaten wie eine Amtszeit für den Präsidenten aussah, ist nun vom Tisch.

Das heißt nicht, dass Obama so toll und klasse und überhaupt der beste Präsident sei. Nein, das Problem ist, derzeit gibt es in der amerikanischen Politik keine Alternative zu ihm. Das hat man auch wieder am Donnerstagabend in der letzten Floridadebatte der GOP Kandidaten gesehen. Die Wähler zeigen sich geschockt vom desolaten Zustand der republikanischen Partei, von den sogenannten Führungskräften dort oben auf der Bühne, von den Kleinkriegen, von der Orientierungslosigkeit, von der Weltfremdheit. Gingrich redet im Angesicht eines gewaltigen Schuldenberges von einer Mondstation, Romney meint nach Bekanntwerden weiterer Privatkonten in der Schweiz, ach ja, da waren ja noch ein paar Millionen geparkt. Nicht so schlimm, solche Probleme hat doch jeder. Farmer Jim aus Montana, Krankenschwester Laura aus Oklahoma packen sich nur noch an den Kopf. Gingrich oder Romney…Und diese beiden Schlawiner sollen Amerika wieder auf Vordermann bringen? Armes Amerika!

 

Romney gegen Gingrich

Eigentor für Newt Gingrich. In einer Fernsehdebatte in Florida meinte Gingrich, er werde seine „Einheitssteuer als die Mitt Romney Steuer“ umschreiben, in Anspielung auf dessen 15 Prozent Steuersatz. Romney nahm die Steilvorlage gerne auf und wandte sich an Gingrich: „Ist Ihr Steuersatz auf Kapitaleinnahmen 15 Prozent oder Null Prozent?“. Gingrich antwortete: „Null Prozent“. „Unter diesem Plan hätte ich in den letzten zwei Jahren überhaupt keine Steuern gezahlt“, bemerkte der Mulitmillionär Romney mit einem Lächeln und verwies darauf, dass er nur Kapitalsteuer gezahlt habe.

Nach dem Wahldesaster am Samstag setzt Mitt Romney nun auf eine Frontalattacke auf seinen stärksten Opponenten Newt Gingrich. In Fernsehspots warf er dem ehemaligen Sprecher des Kongresses kriminelle Handlungen vor. „Während Familien in Florida alles in der Immobilienkrise verloren, machte Newt Gingrich dabei einen Reibach“, eine direkte Verbindung zu Gingrichs Lobby Arbeit für die halbstaatliche Hypothekenbank „Freddie Mac“. Seit Samstag ist klar, der Wahlkampf wird noch blutig.

Auf nach Florida

Newt Gingrich muß man nicht mögen. Für so jemanden wie ihn wurde die Bezeichnung Unsympath kreiert. Aber man muß dem früheren Sprecher des US Kongresses zugute halten, dass er ein Aufstehmännchen ist. Schon dreimal wurde Gingrich in diesem Wahlkampf für politisch tot erklärt, doch er ist wieder da, wie man am Samstag in South Carolina sehen konnte.

Mit einem deutlichen Sieg über den Mann mit den großen Dollartaschen, Mitt Romney, rückte sich Gingrich wieder ins Rampenlicht. Ellbogen links, Ellbogen rechts…und da steht er. Romney und Santorum neben ihm wie begossene Pudel. Die christlich-konservativen Wähler in South Carolina, so formulierte es ein politischer Beobachter vor dem Urnengang, hatten die Wahl zwischen einem Ehebrecher und einem Mormonen. Und sie votierten für den Ehebrecher, obwohl ABC News noch zwei Tage vor dem Wahlgang ein Interview mit Gingrichs Ex-Frau ausstrahlte, in der diese die moralische Führungsstärke des Kandidaten anzweifelte. Ein deutliches Zeichen für Romney, der nach wie vor für einen Großteil der republikanischen Basis nicht wählbar ist, eben weil er dem „religiösen Kult“ der Mormonen angehört. Das ist Amerika im Jahr 2012.

Mitt Romney hatte eine katastrophale Woche hinter sich. Erst erklärte die GOP in Iowa, dass er dort doch nicht gewonnen habe, dann machte er einen Eiertanz um seine Steuererklärungen der vergangenen Jahre, die er erst im April (nach den Vorwahlen) veröffentlichen wolle. Und dann kam auch noch raus, dass der Multimillionär und frühere Gouverneur von Massachusetts gerade mal 15 Prozent Steuern auf seine Einnahmen zahlt. Ach ja, da waren auch noch die Konten auf den Cayman Islands. Keine gute Woche für Mitt, am Samstag erhielt er die Quittung dafür.

Und Pullunderträger Rick Santorum, der war auch irgendwo im Wahlkampf, aber weit hinten. Die offene Unterstützung der meisten religiösen Führer im Land nutzte ihm nichts. Irgendwie sieht er einfach zu brav und unerfahren aus. Santorums Tage in diesem Wahlkampf sind gezählt. Gerade auch wenn man daran denkt, was nun noch kommt. Als nächstes steht am 31. Januar Florida an, dort müssen sich die Kandidaten in einem bevölkerungsreichen Staat beweisen. Es wird eine teure Schlacht mit Fernseh- und Radiospots. Romney hat das Geld, Gingrich auch, Santorum eiert hinterher. Ron Paul kann überall im Land auf seine Basis bauen, doch oben mitreden wird er nicht mehr. Paul ist bereits abgehakt, man läßt ihn einfach freundlicherweise noch reden.

Nun wird es richtig schmutzig. Angriffe gegen die einzelnen Kandidaten werden kommen. Der einzige, der sich dabei lachend zurück lehnen kann ist Präsident Barack Obama. Denn die GOP Kandidaten schwächen sich derzeit mit den unzähligen und unsäglichen Tiefschlägen nur selbst. Egal wer von ihnen am Ende durchkommt, im Hauptfight ums Weiße Haus wird ein angeschlagener GOP Kandidat gegen Amtsinhaber Obama antreten.

Auf nach South Carolina

New Hampshire war ein Klacks für Mitt Romney. Ohne Probleme rollte sein Tourbus durch den Bundesstaat und sammelte mal schnell die meisten Wählerstimmen ein, bevor es über den I95 runter nach Süden geht. Mit einem breiten Lächeln präsentierte sich der gegelte Mitt am Abend seinen Anhängern und der Fernsehnation. Die Frisur sitzt. Romney ist nun der sichere Frontrunner. Ron Paul, Newt Gingrich und Rick Perry hatten sich noch im Vorfeld der Stimmenabgabe auf den einstigen Gouverneur von Massachusetts eingeschossen, genutzt hat es jedoch nichts.

Ron Paul lag weit hinter Romney auf Platz 2, danach noch weiter abgeschlagen Jon Huntsman, der seit Monaten New Hampshire beackerte und sich hier viel erhoffte. Beide werteten das Ergebnis jedoch als stark, überzeugend und unterstützend für ihre jeweilige Kampagne. Na ja! Huntsman wird spätestens in South Carolina am 21. Januar wieder auf den Boden der Tatsachen zurück geholt werden. Dann ist es auch Zeit für ihn aus dem Rennen auszuscheiden. Ron Paul wird weiter machen. Klar, er wäre nicht Ron Paul, wenn er jetzt schon die Brocken hinschmeissen würde.

Newt Gingrich träumte am Dienstagabend von einem republikanischen Kongress und Senat und einer Gingrich Administration im Weißen Haus. Träume sind Schäume, Gingrichs Seifenblasenphantasien kommen zumindest so gar nicht beim Wähler an. Er mag einfach Mitt Romney nicht, ätzt immer wieder gegen ihn und bleibt wohl im Rennen, um sicher zu gehen, dass der wahrscheinliche GOP Präsidentschaftskandidat geschwächt in den Kampf gegen Obama zieht. Das ist auch Parteiarbeit.

Rick Santorum, der noch vor ein paar Tagen in Iowa mit nur acht Stimmen hinter Mitt Romney lag, lief in New Hampshire auch unter ferner liefen. Aber immer schön im Pullunder lächelnd gratulierte er dem Wahlsieger. Es wird schon gemunkelt, dass Romney eventuell Santorum als Vize-Präsidentschaftskandidaten ins Team holt, um so für die christlich-fundamentalistische Basis der Partei wählbar zu sein. Der Pullunder würde dann endlich wieder als Modeerscheinung auf die internationale Politikbühne zurück kehren. Genscher läßt grüßen.

Und Rick Perry, der schaffte nichts in New Hampshire. Der Texaner führte dort überhaupt keinen Wahlkampf und konzentriert sich derzeit voll auf South Carolina. Hier wird sich alles für ihn entscheiden….wobei es eigentlich schon entschieden ist. In den Umfragen schlappt er im einstelligen Bereich rum, keine guten Aussichten für den Wahlabend am 21. Januar.

Auf nach New Hampshire

Am Dienstag steht New Hampshire auf dem Wahlkalender und das Ding ist durch. Mitt Romney führt in den Umfragen uneinholbar. Das liegt nun sicherlich nicht daran, dass der ehemalige Gouverneur von Massachusetts so gut und überzeugend ist, sondern eher daran, dass die Mitkonkurrenten nichts auf der Pfanne haben, um es mal so auszudrücken. Rick Santorum, der noch vor ein paar Tagen mit acht Stimmen weniger den zweiten Platz in Iowa einnahm, krebst in New Hampshire auch nur unter ferner liefen rum. Etwas Zuwachs hat er zwar, aber das ist nicht ausschlaggebend fürs Ergebnis am Dienstag. Newt Gingrich sackt weiter ab und äzt nur rum. Alle sind verantwortlich, nur er, der frühere Sprecher des Kongresses nicht. Der Texaner Rick Perry macht in New Hampshire erst gar nicht groß Wahlkampf, taucht auch deshalb in den Umfragen mit nur einem Prozent auf. Er baut auf die Wahl danach in South Carolina, ein „Southern State“, in dem er sich viel ausrechnet. Dort wird die Zukunft von Kandidat Perry entschieden werden…und die sieht nach Ausscheiden aus, denn auch in South Carolina ist Perry, der hier noch vor kurzem in den Umfragen führte in einstellige Prozentzahlen abgerutscht.

Und natürlich ist da auch noch Ron Paul. Dessen Unterstützer sollen nun ein unsägliches Video gegen Jon Huntsman veröffentlicht haben. Aber die ganze Geschichte und das Endprodukt sehen so was von bescheuert aus, dass man sich nicht vorstellen kann, dass Ron Paul auch nur im geringsten davon wußte oder es irgendwie unterstützte. Doch das Video hat dem Kandidaten Schaden zugefügt. Paul mußte sich dafür erklären und verlor wichtige Prozentpunkte in den Umfragen. Ach ja, Jon Huntsman, er wird wohl auch nach New Hampshire die Segel streichen. Seine Kandidatur ist so gut wie vorbei. Er galt als Hoffnungsträger der GOP, konnte aber nie bei den Wählern punkten. Es läuft gut für Mitt Romney, eben weil die anderen nichts zu melden haben.

Die Reise ins Oval Office

Als Michelle Bachmann ins Rennen ums Weiße Haus einstieg, bekam ich einen Anruf von einem Schweizer Radiosender. Bachmann sei Schweizerin, ich solle unbedingt was machen. Es stellte sich raus, dass ihr Mann Schweizer Vorfahren hatte und die auch schon vor Generationen ausgewandert waren. Also, war nichts mit dem regionalen Bezug. Und nun, mit dem Ausscheiden der wild daher plappernden Michelle, wird es wohl auch in naher Zukunft nicht zum Hissen der helvetischen Flagge im Weißen Haus kommen.

Bachmann also draußen, überraschend kam das Ausscheiden nicht. Wobei ich fest damit gerechnet hatte, dass auch Rick Perry seinen Cowboyhut nimmt. Zumindest hieß es am Wahlabend in Iowa aus Kreisen des Texaners, dass er nach Hause reise, um den Wahlkampf neu zu überdenken. Was das heißt ist immer klar, die Realität hat den Wunschtraum eingeholt. Doch Perry bleibt im Rennen und wird nun angreifen. Er sieht seine Chance in South Carolina, einem „Southern State“, in dem der Texaner mit seiner Message punkten will. Wenn das nichts wird, ist auch er draußen.

Nächste Woche steht New Hampshire an. Das sind die alles-oder-nichts Wahlen für Jon Huntsman und Newt Gingrich. Huntsman hat in den letzten Wochen alles auf diesen Bundesstaat gesetzt, ist rauf und runter, kreuz und quer getingelt, hat Hunderte von Händen geschüttelt, um seine Message rüber zu bringen. Doch bislang kommt er in den Umfragen nicht in die Pötte. Nach wie vor liegt er da im einstelligen Bereich. New Hampshire wird für ihn das Ende der Fahnenstange bedeuten.

Gingrich hingegen kocht derzeit. Vor der Wahl in Iowa wurde er massiv über Fernseh- und Radiospots angegriffen, und zwar nicht direkt von anderen Kandidaten, sondern von Drittgruppen. Der ehemalige Sprecher des Kongresses machte Mitt Romney dafür verantwortlich, gratulierte ihm noch nicht einmal nach dessen Sieg in Iowa und schwor Rache. Der Kampf wird nun ohne Bandagen weiter geführt.

Was der gefühlte Sieg von Rick Santorum allerdings deutlich machte, ist die Stimmungslage in der Partei. Die Republikaner erleben gerade einen Richtungskampf. Mit dem Ausscheiden von Michelle Bachmann und dem baldigen Ende des Kandidaten Rick Perry, könnte Santorum noch einmal einen kräftigen „Push“ bekommen. Das würde dann endgültig den Rechtsruck der GOP bedeuten. Und das wiederum könnte gerade Barack Obama in den Kram passen, der so einen Wahlkampf gegen eine fundamentalistisch-konservative Übernahme des Weißen Hauses führen würde.

Und Ron Paul, der Dritte in Iowa? Der texanische Abgeordnete bleibt im Rennen, egal was da kommen mag. Seine Anhänger und auch er wissen, dass er es nie bis zur offiziellen Kandidatur der Partei schaffen wird. Aber Ron Paul wirbelt die eigenen Reihen auf, spricht unbequeme Themen an und setzt damit seine Mitstreiter und die GOP unter Druck. Er hat seinen Platz im Wahlkampf gefunden und das bis wohl kurz vor dem Ende der Vorwahlen. Es bleibt spannend.

Morgen ist Wahltag…gähn!

Morgen ist Wahl in Iowa. Die republikanischen Iowarer oder Iowanesen bestimmen dann, wen sie am liebsten im Weißen Haus sehen wollen. Und wenn man sich die politische Berichterstattung der letzten Monate zu Gemüte führt, dann ist dieser Bundesstaat im Herzen Amerikas ganz wichtig. Also, die drei Millionen Bürger bestimmen kräftig mit. Eigentlich irre, denn so wichtig ist Iowa nun auch wieder nicht. Jedenfalls nicht aus kalifornischer Sicht. Die paar Hanseln und Greteln, die den GOP Kandidaten bestimmen, werden, meiner Meinung nach, etwas zu wichtig genommen.

Die letzte Umfrage ist auch vielsagend. Da liegt Mitt Romney mit 25 (!) Prozent knapp vor Ron Paul. Rick Santorum liegt rund zehn Prozentpunkte dahinter, gefolgt von Newt Gingrich. Also ein überzeugender Kandidat ist auf weiter Flur nicht zu sehen. Und irgendwann ganz hinten kommt auch noch Michelle Bachmann, die sich nun als die „Iron Lady“ präsentiert. Amerika brauche Frauenpower. Ok, aber bitte nicht so!

Sowieso drehen die Kandidaten in den letzten Stunden am Rad. Santorum erklärt, er würde als Präsident die nuklearen Einrichtungen des Iran bombardieren. Mitt Romney vergleicht Präsident Obama mit Kim Kardashian. Dessen Wahlversprechen in Iowa erinnerten ihn an das Eheversprechen des Reality TV-Stars „Bis das der Tod Euch scheidet“ (Kardashian ließ sich nach 72 Stunden Ehe scheiden). Und Newt Gingrich wirft seinem Rivalen Romney vor, dass sich dieser den Weg ins Weiße Haus erkaufen will. Der gegelte Mitt hat das Scheckbuch dafür, Newt blickt etwas neidisch darauf.

Jeder der Kandidaten hofft auf den Überraschungssieg, auf die vielen Wähler und Wählerinnen, die sich noch nicht entschieden haben und mobilisiert seine Unterstützer. Morgen also Iowa, in der kommenden Woche geht es schon weiter nach New Hampshire und dann wird sich das Kandidatenfeld lichten…zum Glück.

Iowa und was dann?

Wenn am Sonntag endlich der 1. Januar auf dem Kalender steht, dann hat das auch was gutes. Dann nämlich kann man sagen in DIESEM Jahr finden Wahlen in den USA statt. Seit 12 Monaten schon dreht sich in den amerikanischen Medien alles darum, was dieser oder jener Kandidat zu sagen oder nicht zu sagen hat. Mal  ist der vorne, mal die, und dann wieder der. Da dreht man irgendwann voll am Rad bei all dem Warmduschergeplänkel.

Der Vorwahlkampf der Republikaner scheint nun, nur wenige Tage vor der ersten offiziellen Abstimmung in Iowa, gelaufen zu sein. Mitt Romney liegt vorne. Und das mit sicherem Abstand, da wird sich nicht mehr viel bewegen. Klar, die Anhänger von Ron Paul hoffen auf den Überraschungserfolg am Dienstag, kann auch durchaus drin sein, doch Paul hat danach nicht mehr viel zu bieten. Er hat eine engagierte Basis, die kämpft und sich einsetzt, Klinken putzt und überall, wo man es nicht erwartet Flugblätter verteilt. Und selbst Sohnenmann Rand Paul ruft für den Vater bei konservativen Radio Talk Sendungen an und „erschleicht“ sich Sendezeit für den Daddy. Aber all das wird nichts helfen. Ron Paul ist nicht wählbar für die breite Basis in der republikanischen Partei.

Alles läuft also auf Mitt Romney raus. Er wird der Kandidat der GOP werden, eben auch, weil die anderen im Rennen straucheln wie Newt Gingrich, hinterher hinken wie Michelle Bachmann oder ihnen ganz die Luft ausgegangen ist wie Herb Cain. Romney strahlt noch immer. Er hatte vor vier Jahren schon einmal einen Testlauf und hat aus seinen Fehlern gelernt. Er will Präsident werden. Es sei mal dahingestellt, ob er das am Ende auch wird, aber die Kandidatur seiner Partei hat er in der Tasche, wenn er keine dummen Fehler macht und sich wirklich keine tief verscharrten Leichen in seinem Keller befinden.

Das GOP Kandidatenfeld ist schwach. Keiner der Anwärter überzeugt die gesamte Basis. Was man vor vier Jahren mit Barack Obama und Hillary Clinton im demokratischen Lager gesehen hat, Begeisterung, genau das fehlt heute bei den Republikanern. Jeder der Kandidaten schleppt sich ab mit seinem „Baggage“, seinem Zentnergepäck, das einfach mit ihm oder ihr mitkommt. Selbst Romney, der führende Frontrunner, muß sich immer wieder für seine Politikentscheidungen als Gouverneur in Massachusetts erklären und entschuldigen. Die „social conservative“ Basis fragt, wie er so vehement gegen das verhasste „Obamacare“ sein kann, aber selbst ein ähnliches Gesundheitssystem als Gouverneur eingeführt hat? Was für viele für ihn spricht ist, dass Romney ein Washington Außenseiter und ein erfolgreicher Geschäftsmann ist. Und Romney hat tiefe Taschen. Den anderen Kandidaten gehen die „Bucks“ aus, der smarte Mitt holt da lächelnd die nächste Rolle Hundertdollarnoten aus der Jackentasche.

Iowa ist gelaufen, eine Woche danach geht es nach New Hampshire. Und dort wird sich das Kandidatenfeld massiv verdünnen. Denn wer am Anfang nicht aus den Startlöchern kommt, hat keine Chance mehr. Wir können uns also schon mal auf den teuersten amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf zwischen Barack Obama und Mitt Romney einstellen. Geschätztes Preisschild: 1,5 Milliarden Dollar. Apropos Obama, derzeit kursiert eine Meldung, dass es einen Wechsel im Team Obama geben wird. Vize-Präsident Joe Biden soll ins Außenministerium wechseln, Hillary Clinton als Vize-Präsidentschaftskandidatin antreten. Das wäre ein „smarter Move“ für Obama. Biden liebt die Außenpolitik, Hillary würde Seriosität mit ins Weiße Haus bringen und schon einmal die Basis für einen eventuellen Wahlkampf 2016 legen.