Staatlich akzeptierter Terrorismus

Rund dreitausend Menschen starben bei den Terroranschlägen des 11. Septembers 2001. Amerika reagierte umgehend, griff Afghanistan und den Irak an, verschärfte die Sicherheitsbestimmungen im Land, veränderte die Visa-Bestimmungen, investierte weit über eine Billion Dollar für den „War on Terror“. Niemand dürfe ungestraft Amerika angreifen und Amerikaner töten, hieß es. Auch wenn US Bürger in Übersee entführt oder ermordet werden, schlägt der Staat mit aller Gewalt und gezielt zurück. Ronald Reagan, George Bush, Bill Clinton, George W. Bush, Barack Obama…sie alle rächten den Mord an amerikanischen Staatsbürgern mit Spezialkommandos, Bombardierungen, Drohnenangriffen.

Bei dieser Bereitschaft zum sofortigen Reagieren muß man sich fragen, warum Amerika im eigenen Land nur zuschaut. Seit 2001 sind weit über 180.000 Amerikaner in den USA ermordet worden. Jedes Jahr sterben mehr als 16.000 Bürgerinnen und Bürger eines gewaltsamen Todes. Hinzu kommen Tausende von Menschen, die sich mit Schußwaffen selbst umbringen und noch mehr Amerikaner, die durch Knarren schwer verletzt werden. Der Staat schaut zu, blickt weg, geht zum Alltag über. Und da gehören eben Handfeuerwaffen und Gewehre dazu, wie das Amen in der Kirche.

Nun wird debattiert und diskutiert, was getan werden kann und getan werden muß, um solche Massaker zu verhindern. Und es wird wieder nichts passieren. Der Amoklauf von Newtown wird nicht der letzte bleiben. Die hohe Mordrate in den USA wird oftmals so erklärt, dass das weiße Amerika nicht handelt, weil der Großteil der Opfer Schwarze und Latinos sind. Doch dieses Argument, auch wenn es zum Teil richtig ist, trifft nicht voll, denn die Amokläufe in den USA treffen zumeist die weißen Vorstädte, wie eben zuletzt in Newtown. Nun wurden Kleinkinder in einer Grundschule getroffen. Man ist schockiert, sprachlos, wütend. Doch der Zugang zu den Handfeuerwaffen, wie sie auch vom Täter in Newtown benutzt wurden, wird sicherlich nicht erschwert werden. Amerika lebt mit seinen vermeintlichen und in der Verfassung garantierten Freiheiten genauso, wie mit der immer wiederkehrenden Betroffenheit nach Wahnsinnstaten.