Am Tag als die CIA sprach

Am Tag, als die CIA ihren Bericht zur Lage der Menschenrechte vorlegt, und eigentlich jedes Land kritisiert ohne den USA selbst den Spiegel vorzuhalten, kommt aus dem Bundesstaat Mississippi die Meldung, dass der Tanzabend zum Jahresabschluss abgesagt wurde. Nun kann man sich fragen, was ein Tanzabend in Fulton, Mississippi mit dem bescheuerten Minarettverbot in der Schweiz oder der Überwachung von Scientology Mitgliedern in Deutschland oder der Verhaftung von Regimegegnern im Iran zu tun hat.

Constance McMillenAm Mittwoch hat der Schulddistrikt von Itawamba, in dem Fulton liegt, den Jahresabschlusstanzabend abgesagt. Der Grund ist nicht, dass kein Geld da ist, wie es derzeit oft vor kommt. Nein, die Party wurde gestrichen, weil eine 18jährige mit ihrer Freundin kommen wollte. Constance McMillen ist lesbisch und wollte diesen Abschluss mit ihrer Freundin begehen, ebenfalls eine Schülerin an der High School. Doch das ist laut dem Schuldistrikt unerwünscht. Im Februar schickte die Schulbehörde an alle Schüler eine Mail, in der es hiess, dass man zum Tanzabend nur einen Partner des anderen Geschlechts mitbringen dürfe. McMillen fragte nach und bat um die Erlaubnis mit ihrer Freundin kommen zu dürfen. Das wurde nicht erlaubt. Die 18jährige wandte sich an die ACLU, die American Civil Liberties Union, eine Rechtsvertretung in Fragen der Bürgerrechte. Die schickte einen Brief an die Behörde, in dem erklärt wurde, Constance McMillen habe das verfassungsmässige Recht mit ihrer Partnerin zu kommen.

Die Verantwortlichen der Schulbehörde des Bezirks überlegten hin und her und sagten schliesslich am Mittwoch die Veranstaltung ganz ab. „Aufgrund der jüngsten Störungen für den Bildungsablauf“ sah man sich zur Absage gezwungen. Man hoffe jedoch, dass von privater Seite eine Alternativveranstaltung organisiert werde. Man muss dem Distrikt zugute halten, dass er im Norden Mississippis liegt, also im sogenannten „Bible Belt“, dem konservativen Bibelgürtel im Süden der USA. Falls der Distrikt gegenüber der ACLU eingeknickt wäre, hätte es mit Sicherheit einen Sturmlauf besorgter Eltern gegegben. Einige der gewählten Vertreter der Schulbehörde wären dann wohl nicht wiedergewählt worden. Nun also versucht man mit der Absage des Tanzabends den Kopf aus der Schlinge zu ziehen. McMillen muss wie alle Jugendlichen auf das Tanzvergnüngen verzichten. Die 18jährige wird zur verhassten Person auf dem Schulgelände, aber alles ist wieder ok….nicht wahr? Wie war das nochmal mit dem Eintreten für Bürgerrechte und die Gleichheit aller in der Verfassung?

Amerika und Nord-Korea

Auf der Suche nach nordkoreanischen Nachrichtensendungen zum Clinton Besuch stiess ich auf eine prächtige Seite: Die offizielle Webseite der Volksrepublik (DPRK). Na, da jubeln die Altkommunisten und Stalinisten, die Freunde der „Achse-des-Bösen“ und Anti-Amerikaner. Denn hier präsentieren sich die Steinzeitideologen um den „Dear Leader“, den kleinen Mann im hellbraunen Kackanzug.

Neben der offiziellen Landesgeschichte, gibt es auch Songs aus Nord-Korea zu hören. Wow, da haut es einem im Land von „American Idol“ voll um. Hit folgt auf Hit, schade nur, dass man die Lieder nicht scratchen darf. Aber dafür würde man wahrscheinlich im Land mit Arbeitslager bestraft werden. Man kann auf der Seite auch Mitglied im Freundeskreis der Volksrepublik werden (Gibt es wirklich Freunde Nord-Koreas?). Allerdings muss sich der Bewerber mit den Zielen der „Korean Friendship Association“ (KFA) einverstanden erklären. Ah, hier ist der Haken an der Mitgliedschaft, die kostenlos ist.

Aber am interessantesten ist der „Shop“ für den Freund des wohl seltsamsten Regimes zwischen hier und dort. Von revolutionären Kaffeetassen bis zum Mousepad mit Propagandabildchen ist alles zu haben. Sogar Golfshirts und Kissen mit nettem Schlachtruf sind zu haben. Und da es sich bei der Firma, die diese Werbematerialien erstellt, um eine amerikanische handelt, kann man also beruhigt auf die real existierende nordkoreanisch-amerikanische Verbundenheit hinweisen. Schön vor allem, dass man problemlos mit seiner Kreditkarte zahlen darf…natürlich nur in harten Dollars und Euros, denn den „Won“ nehmen sie noch nicht einmal im eigenen Propagandaladen an.