Die schöne Seite Amerikas

Am Freitag war ich zu einer Podiumsdiskussion über die Situation von Korrespondenten im Trump-Zeitalter eingeladen. Es war eine interessante Debatte, in der wir über das veränderte Klima in Washington und in den USA sprachen. Für mich hat sich da eigentlich nicht so viel geändert, denn seit meinen Anfängen als USA Korrespondent habe ich versucht, meine eigene kleine Nische zu finden. Ich habe weder Kontakte in Washington DC noch einen Zugang zum Silicon Valley gleich hier vor meiner Haustür. Von daher hatte ich unter George W. Bush keine Krise, unter Barack Obama keine Hoffnung und nun unter Donald Trump keine Kopfschmerzen. Alles bleibt beim Alten.

Was ich am Freitag allerdings betonte war, dass sich die Einstellung bei vielen Redaktionen in Deutschland geändert hat. Es geht meist nur noch um Trump, Sende- und Artikelplätze werden fast ausschließlich nur noch mit Nachrichten von und über den 45. Präsidenten gefüllt. Positive USA Berichterstattung, Beiträge über Kultur, Entwicklungen, Szenen, das Leben in den USA kommt kaum noch vor. Und ja, ich ertappe mich auch selbst dabei, wie ich nach jedem allmorgendlichen Twitter-Gewitter von „DT“ Themen anbiete oder einen Blogbeitrag schreibe.

Ein Ort zum Verweilen in Mendocino County.

Auf dem Rückflug von München nach San Franciso sass ich neben einem jungen Paar, die mich siezten und meinten, sie werden nun in zehn Tagen Kalifornien abfahren. Alles im Schnelldurchlauf: San Francisco, Highway 1, Santa Barbara, Los Angeles, dann rüber nach Las Vegas, von dort noch einen Abstecher zum Yosemite Nationalpark, bevor es von San Francisco wieder losgeht. Ich meinte nur, das wird stressig, man sollte sich aber auch mal Zeit für den Norden Kaliforniens nehmen. Allein das „Wine Country“ von Sonoma- und Napa Valley und die Küstenregion sind wunderschön, entspannend und sehr empfehlenswert.

Erst gestern war ich auf einer kleinen alljährlichen Feier auf einem Weingut in der Nähe von Hopland, Mendocino County. Ein traumhafter Ort, ein wunderbares Event und dazu die sehr bekömmlichen Tropfen von Topel, einem meiner Lieblingswinzer der Region. Es war leider eine Art „Goodbye Party“, ein Kapitel geht zu Ende, gefeiert wurde dennoch. Und zum Schluss nach einigen Danksagungen, Tränen und viel Beifall die Worte von Donnis Topel: „Let’s celebrate. Go Warriors. And Fuck Trump“. Auch das ist (mein) Kalifornien.

Rot ist der Wein

Kalifornien ist mehr als nur Strand, Hollywood, Silicon Valley und Körperkult. „It’s Barrel tasting weekend“! Wein vom Fass gab es, und das zu genüge. Zwar hatte ich kein offizielles Ticket erworben, aber einige mir bekannte Winzer luden mich dennoch zur Weinprobe auf ihre kommenden Weine ein: Zinfandel, Petite Sirah, Cabernet, Claret u.a.

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Leichte Entwarnung in Kalifornien

Seit Wochen schon fegt ein Wintersturm nach dem anderen über Nordkalifornien. Regen, Schnee, Überschwemmungen, Glatteis, alles was dazu gehört und wie es eben auch für diese Jahreszeit sein sollte. Und selbst Südkalifornien bekommt etwas vom feuchten Wetter ab.

Nach Jahren der Dürre steigen die Wasserpegel wieder im „Golden State“. Vor einem Jahr waren 97 Prozent des Bundesstaates im Ausnahmezustand. Die Reservoirs waren leer, die Pegel in den Seen, Flüssen und auch beim Grundwasser sackten weiter ab. In vielen Gemeinden kam kein Wasser mehr aus den eigenen Brunnen. Gouverneur Jerry Brown hatte schon zuvor den Wassernotstand ausgerufen und damit alle Privathaushalte und Businessadressen zum Einsparen verpflichtet.

Ein Jahr später hat sich in weiten Teilen Kaliforniens die Situation etwas verbessert, Grund zum Durchatmen. 42 Prozent des Bundesstaates fallen nicht mehr unter die Dürre Kategorie. Das ist die positive Nachricht in diesen Tagen. Die schlechte ist, dass der Boden das viele Wasser gar nicht aufnehmen kann. Überschwemmungen, Schlammlawinen und auch die Tatsache, dass vor allem Nordkalifornien den Niederschlag abbekommt und es nur wenig in Südkalifornien regnet. Aber dennoch freut man sich hier über den Regen….auch  mein Hund, die es liebt und genießt tagtäglich auf unseren Spaziergängen durch die Pfützen zu rennen, ein Matschfest sondergleichen.

Rain drops keep falling on my head

Seltener Anblick in diesen Tagen. Die Golden Gate Bridge im Regen.

Seltener Anblick. Die Golden Gate Bridge im Regen.

Man freut sich wie Bolle. Der US Wetterdienst hat angekündigt, dass die Chancen für Regen in der kommenden Woche gut stehen. Regen, Gottessegen für Nordkalifornien! Bei 50 % liegt die Wahrscheinlichkeit für Niederschlag am Mittwochabend in San Francisco. Nun heißt es warten und hoffen, denn auf Regen warten sie alle. Die Pegel von Flüssen, Seen und Reservoirs sind so niedrig wie noch nie, die Wälder ausgetrocknet, die Brandgefahr erheblich. Sogar Bären, Pumas und Kojoten ziehen in von Menschen besiedelte Gebiete auf der Suche nach Wasser. Und nun soll es regnen, Yippieh!

Wahrscheinlich wird es genau zum Berufsverkehr am Mittwochabend regnen, und dann mit Sicherheit ein Verkehrschaos in der San Francisco Bay Area hervorrufen, Kalifornier können nämlich bei Regen nicht fahren…aber das ist dieses mal dann ganz egal. Hauptsache Petrus öffnet die Schleusentore.

Bärige Zeiten

1984 wurden in Kalifornien 4080 Schwarzbären gezählt. Zehn Jahre später waren es schon 17,800 und 2008 wuchs die Anzahl der Schwarzbären auf 37,518 an. Früher wanderten die Bären einfach für einen Snack zu Campingplätzen, traten mal kurz gegen einen Abfallbehälter und frassen die Reste auf. Das ist nun vorbei. Wer schon einmal in den kalifornischen National- oder Stateparks war, der wird die „bear proved“ Mülleimer gesehen haben.

schwarzbaerDoch die steigende Bärenbevölkerung hat nach wie vor Appetit. Fast in jedem County von Kalifornien trifft man nun auf Schwarzbären. Und nicht nur das, die bis zu 300 Pfund schweren Tiere sind vom Knacken der Mülleimer auf Hauseinbrüche umgestiegen. Immer mal wieder kommen Bewohner nach Hause und finden Mutterbär mit ihren Kleinen im Garten oder auch im selbst Haus vor. Dort leeren sie Vorratskammern und Kühlschränke und gehen nicht gerade behutsam vor.

Gerade in Wald nahen Gebieten in Nordkalifornien, wie der Lake Tahoe Area, ist das Bärenproblem riesig geworden. Die Beschwerdeanrufe bei lokalen Behörden und Polizeidienststellen stiegen in den letzten Monaten drastisch an. Die Bären haben in diesem Jahr früher als gewohnt ihre Überwinterungsplätze verlassen. Normalerweise sieht man sie erst im Mai/Juni, doch dieses Jahr waren sie schon im März auf den Beinen. Bewohner fordern nun den Schutz vor den Bären.

Das Problem ist aber auch hausgemacht. Früher lebten Grizzlies in Kalifornien, die darauf achteten, dass die Schwarzbären nicht in ihre Gegenden kommen. Doch der letzte Grizzly ist schon vor langer Zeit dem Jäger vor die Flinte gelaufen, die Schwarzbären können sich nun ausbreiten wie sie wollen. Und auch der Trend raus aus den Ballungsgebieten und in die freie Natur zu ziehen, fördert die Konfrontation mit den Felligen. Darüberhinaus wächst die Population der Schwarzbären, immer mehr Jungtiere werden gesichtet. Das alles könnte zu einem noch grösseren Problem werden.

Return of the Wolverine

WolverineEin Wolverine (Gulo gulo), oder wie er auf Deutsch heisst, ein Vielfrass ist in Nordkalifornien aufgetaucht. Das Männchen wurde in der Nähe von Truckee entdeckt. Und das ist eine Überraschung, denn eigentlich wurde vor rund 90 Jahren dem letzten Wolverine in Kalifornien das Fell über die Ohren gezogen, er wurde Opfer der Pelzindustrie. Einige Wolverines leben heute noch zwei Bundesstaaten weiter in Gebieten von Idaho, das ist aber rund 1300 Kilometer entfernt. Normalerweise wandern Wolverines rund 35 Kilometer pro Tag. Doch Buddy, wie er getauft wurde, scheint wohl auf seiner Wanderung die Rockies, die Blue Mountains im Nordosten von Oregon und den Lassen National Park durchquert zu haben, um bis in die Tahoe Gegend zu gelangen.

Der einsame Wolverine, das grösste seiner Art aus der Familie der Marder, ist anscheinend auf der Suche nach einem Weibchen. Wissenschaftler, die das Verhalten des Tieres beobachten, vermerkten, dass er seinen maskulinen Duft verbreite, um auch mal wieder etwas „Action“ zu bekommen. Bislang ergebnislos, denn in der Truckee Gegend wurden schon seit Ewigkeiten kein Wolverines mehr gesichtet. Einige Beobachter meinten auch scherzhaft, man sollte Buddy lieber Randy nennen, was auch fuer „geil“ im Englischen steht. Denn wer solch eine Wanderung hinter sich hat, der hat einen riesigen Hormonstau.

Bislang rätselt man noch, wie nun genau der fellige Zeitgenosse hier gelandet ist. Ob gewandert oder gekidnappt, Tatsache ist, er fühlt sich scheinbar wohl, wenn auch etwas einsam in Truckee.

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Kalifornien, kein Platz für Touristen

….jedenfalls nicht für jene, die sich gerne die Naturparks ansehen und Campen gehen. Aufgrund des riesigen Schuldenberges tanzt nun der Rotstift Polka in Sacramento. Und das heisst, überall soll gespart werden. Ein Vorschlag ist radikal bei den State Parks zu kürzen. Das wird dramatische Auswirkungen haben, denn von den 279 Parks in Kalifornien, die mit staatlichen Geldern aus Sacramento unterhalten werden, müssten 223 für die Öffentlichkeit geschlossen werden, das sind 80 Prozent der Parks in diesem Bundesstaat.

Kürzungen heisst, jeder, der in den Parks arbeitet, würde entlassen werden. Das reicht von Park Rangern bis zu Umweltwissenschaftlern und sogar Reinigungspersonal. Allein im Umfeld von San Francisco wären davon 25 Parks betroffen. Ausflugsziele, wie Strände und Redwood Wälder.
Fragt sich nur, ob solche Sparmassnahmen wirklich was bringen, wenn am Ende Einnahmen ausbleiben, die Ausflügler und Touristen in die Parks und die umliegenden Gemeinden bringen.