Irgendwas läuft hier schief

Donald Trump und Kim Jong Un. Kim sei „ein Freund“ von Trump, so der amerikanische Präsident. Wiedereinmal zeigt er damit seine Nähe zu Diktatoren und Despoten, die nichts von Menschenrechten, Pressefreiheit, demokratischen Wahlen und Gleichberechtigung halten. Trump hofiert einen Mann, nennt ihnen einen Freund, der sein eigenes Volk verhungern lässt, Hunderttausende politische Gegner und ihre Angehörigen für Jahre und Jahrzehnte in Straf- Arbeits- und Umerziehungslagern vegetieren lässt.

Echte Freunde – Donald Trump und Kim Jong Un. Foto: Reuters.

Und dann sind da die wahren „Volksfeinde“, die „enemy of the people“, auch Journalisten genannt, die Donald Trump das Leben schwer machen. Irgendwie scheint die Welt auf dem Kopf zu stehen, wenn Tyrannen in Nordkorea, in der Türkei, in Saudi Arabien, wenn rechte Populisten in Ungarn, Polen, England umworben werden, wenn der amerikanische Präsident nationalistische und rechtsextreme Propaganda bereitwillig verbreitet und gleichzeitig die Grundfesten der westlichen Demokratien aushebelt. Was stimmt hier nicht mehr?

In Pakistan und Indien droht ein offener Krieg, in Jemen verhungern Millionen von Menschen, an allen Ecken und Enden der Erde ist der Klimawandel zu spüren und Donald Trump träumt lieber von einem Friedensnobelpreis und verkehrt die Welt.

Am Montag hatte ich ein Interview mit dem Soziologen und Bestsellerautoren Francis Fukuyama in seinem Büro auf dem Campus der Stanford Universität. Für Fukuyama ist nicht das große Problem, dass Donald Trump in diesem eher fragwürdigen amerikanischen Wahlsystem gewählt wurde, sondern mehr, dass nach wie vor ein Drittel der Wähler zu Trump stehen und seine Politik gut finden. Sie verteidigen somit eine Steuerentlastung für Milliardäre genauso, wie einen unsinnigen Mauerbau an der Grenze zu Mexiko. Und sie verteidigen seine Unterminierung von demokratischen Instanzen, wie der Presse, dem FBI, den Gerichten, dem Kongress. Mit diesem Vorgehen und seinen Lobeshymnen auf Diktatoren, wie Kim Jong Un, scheint Trump deutlich machen zu wollen, dass er durchaus Sympathien für diese Art des Regierungsstils hat. Es könnte, so Trump, alles so einfach sein. Im Namen des Vaters, des Sohnes und des heiligen Trumps.

 

Amerika zwischen den Küsten

In Oakland und der Bay Area zu leben heißt, man lebt auf einer politischen Insel. Donald Trump erreichte bei den Wahlen 2016 in den meisten Distrikten meiner Wahlheimat einstellige Ergebnisse und lag oftmals noch hinter der Kandidatin der Grünen Partei, Jill Stein. Wer mutig ist und auffallen will in Oakland, Berkeley oder San Francisco läuft mit einer „MAGA“ Mütze durch die Straße. In meiner Nachbarschaft hat ein älterer Herr einen NRA-Aufkleber auf seinem Auto, schon allein das ist Gesprächsstoff unter Nachbarn.

Wellenlos mit Johnny Cash über den See.

Doch San Francisco/Oakland und selbst Kalifornien sind nicht die USA. Wer Amerika verstehen will, muss von den Küsten weg fahren, rein ins Land, dorthin, wo über Jahrzehnte das Mittelwellenradio mit Sendungen von Rush Limbaugh, Farm Talk oder Gun Talk die Tagesgespräche bestimmte. Auf einer jüngst in der New York Times veröffentlichten Landkarte mit den genauen Wahlergebnissen der Präsidentenwahl von 2016 kann man sehen, dass das Land weitgehendst rot ist, also republikanisch. Demokratische Blautöne gibt es vor allem in den Küstenmetropolen und in Universitätsstädten wie Butte, Montana, Madison, Wisconsin, oder auch hier oben in Houghton, Michigan. Und damit will ich nicht sagen, dass unstudierte Amerikaner vor allem Donald Trump gewählt haben. Vielmehr, dass Universitätsstädte vielleicht auch mehr für ein kritisches Denken und Weltoffenheit stehen.

Gestern Abend beim Kayaken über den kleinen See, an dem ich gerade bin, dachte ich genau darüber nach. Johnny Cash spielte ein paar Songs, der perfekte Soundtrack für diesen Versuch des Amerikaverstehens. Und hier in der Einöde, der Wildnis, der Abgeschiedenheit ist Washington, der Handelskrieg, Iran und Nordkorea, „Pussy Grabbin'“ und selbst die Mauer an der mexikanischen Grenze ganz weit, weit weg. Hier gibt es andere Probleme, die nicht von Washington und nicht von Präsident Trump gelöst werden können, auch wenn hier vereinzelt Schilder am Rand des Highways stehen „Support the UP – Logging & Mining“. Die regionale Wirtschaft wird man durch mehr Baumfällen und Bergbau nicht ankurbeln können. Wie die San Francisco Bay Area eine politische Insel fernab von Amerika ist, ist auch diese Region eine Insel im amerikanischen Kosmos. Weit weg von der Scheinrealität, die uns über CNN, FOXNews und andere vorgegaukelt wird.

Beim Versuch dieses riesige Land auf dem kleinen See zu verstehen wurde mir einfach klar, dass Amerika nicht zu verstehen ist. Es gibt nämlich nicht nur dieses eine Amerika. Es ist ein Land der Immigranten, die oftmals ihre Herkunft, die Sprache und die Kultur ihrer Eltern pflegen. Es ist ein Land der verschiedenen Interessen, die hier problemlos ausgelebt werden können. Es ist ein Land der vielen kleinen Inseln in einem stürmischen Meer. Nichts und niemand wird die Staaten von Amerika vereinen können. Was das Ziel vielleicht sein könnte ist, dass die gesellschaftlichen Gräben in diesem Land nicht tiefer werden. Und das allein wäre schon ein riesiger Erfolg.

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Er regiert nur für sie

Man stelle sich vor, Bundeskanzlerin Angela Merkel würde behaupten, ihre Unterstützer seien die klügsten, stärksten, am härtesten arbeitenden und loyalsten, die Deutschland je gesehen hätte. Wie lange würde es wohl dauern, bis ein Aufschrei durchs Land gehen würde?

Anders ist das in den USA. Es scheint, man hat sich an die Entgleisungen von Präsident Donald Trump schon gewöhnt, der in diesem Tweet mal wieder ganz deutlich macht, dass er nicht der Präsident aller Amerikaner ist, sondern vielmehr nur für seine politische Basis regiert. Und das sind nach wie vor rund 28 Prozent der Wählerinnen und Wähler. Trump kann auf seine Unterstützer bauen, die seinen „MAGA“ und „America First“ Rufen blind folgen, seine Tweets als „präsidial“ verehren, keine Kritik an diesem eher unkonventionellen Präsidenten zulassen.

Amerika war schon lange gespalten, auch schon vor Donald Trump. Doch mit dem New Yorker Geschäftsmann und Selbstdarsteller in Amt und Würden haben sich die Gräben im Land noch weiter vertieft. Und nicht nur das, sie sind unüberbrückbar geworden. Warfen viele in der republikanischen Partei dem Amtsvorgänger Barack Obama Unerfahrenheit und Naivität vor, schwärmen sie nun von Trump davon, wie er unvorbereitet und ohne Feingefühl auf der internationalen Bühne agiert. Er gehöre nicht zum Washington Establishment, sei ein politischer Außenseiter, spreche die Sprache des Volkes (bitte welches Volkes?). So wird jedes Fettnäpfchen entschuldigt, in das Trump absichtlich hineinstapft.

Der Iran-Deal unter Obama war in den Augen Trumps und seiner Unterstützer der schlimmste Deal aller Zeiten, der Nordkorea Deal hingegen sei ein Meilenstein für den Weltfrieden. Trump huldigte in der vergangenen Woche Diktator Kim Jong-Un als „talentiert“, „klug“, „witzig“, als jemanden, der sein Land liebt. „Die großen Gewinner“ seines Deals, so Trump, seien die vielen Internierten in Nordkorea (!). Das ist schon sehr gewagt und zeigt nicht gerade geschichtliches oder diplomatisches Feingefühl. Der Handschlag mit Kim Jong-Un wurde gefeiert, als Obama Kubas Präsident Raúl Castro die Hand reichte, wetterten die Republikaner, Obama denke nicht an die vielen politischen Häftlinge und das Unrecht auf dem Inselstaat. Obamas Verbeugung vor Königen wurde angegriffen, Trumps Salut eines nordkoreanischen Generals verteidigt.

Trump ist genau das und macht genau das, was die Republikaner Obama vorwarfen. Doch nun wird eben genau das gefeiert, was zuvor noch angeprangert wurde. „Unsere Verbündeten trauen uns nicht, unsere Feinde fürchten uns nicht und die Welt weiß nicht, wo Amerika steht“. Dieser Satz könnte die aktuelle Situation um Donald Trump beschreiben, tut sie aber nicht. Vielmehr stammt dieser Satz  von Marco Rubio aus dem Jahr 2015 und sollte die Politik Obamas umschreiben. Von Rubio hat man bezüglich Trump bislang wenig gehört.

 

Die schönen Strände Nordkoreas

Donald Trump schaut sich die Bilder der nordkoreanischen Raketentests an und denkt dabei an „wunderschöne Hotels“, die man an die Strände Nordkoreas bauen könnte. Überrascht wäre wohl niemand, wenn bekannt werden würde, dass Trump in seinem Vieraugengespräch mit Kim Jong Un seine „Dienste“ angeboten hätte. Schöne glitzernd-güldene Trump Hotels an den Beaches von „North Korea“ hochzuziehen. Donald Trump baut schon mal vor für die Zeit nach dem Weißen Haus.

So stellt sich Donald Trump die Strände Nordkoreas vor, natürlich mit einem Trump Hotel.

Und genau so macht es seine Familie, die mit dem Namen Trump und der Nähe zum Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika viel Geld machen. Die beiden Söhne Eric und Donald Trump Jr. jetten um die Welt, eröffnen neue Hotels und Golfplätze und geben auch schon mal politische Vorträge, sie wissen ja, was der Papa denkt. Und dafür werden sie gut entlohnt. Der Name ist in diesen Tagen Gold wert. Und auch Tochter Ivanka und ihr Mann Jared Kushner verdienen als unbezahlte Berater des Präsidenten nebenbei ganz gut. Mindestens 82 Millionen Dollar hat das Paar im Jahr 2017 eingenommen. Natürlich ging dabei alles mit rechten Dingen zu, versichert das Weiße Haus. Irgendwelche Interessenskonflikte, ethische Probleme habe es selbstverständlich nicht gegeben, heißt es aus der Trump-Administration.

Kein Problem ist auch, dass die Mode- und Schmuckkollektion von Ivanka Trump auch weiterhin in Fabriken in Bangladesch, Indonesien und China hergestellt wird. Der Vater im Oval Office weiß ja, dass die Tochter sich sehr für Frauenrechte einsetzt, da kann man schon mal ein MAGA-Auge zudrücken. Außerdem verdient Ivanka ja nach wie vor an ihrer Firma, und das „Taschengeld“ für die Präsidentenberaterin will der Papa ja nicht streichen. Ganz zu schweigen davon, dass sie ja im Weißen Haus umsonst arbeitet.

Die Trumps machen richtig Kohle mit der Verbindung von Familienunternehmen und „White House“. Bedenken gibt es da keine. Viel schlimmer war da schon, dass Barack Obama seinerzeit Gäste im „Lincoln Bedroom“ des Weißen Hauses unterbrachte. Das war vor ein paar Jahren noch ein Riesenskandal, die Republikaner riefen Korruption, Ausverkauf, Gefährdung der Demokratie. Heute hört man so was nicht mehr, Donald Trump kann als Präsident und Interessensvertreter des Trump-Imperiums schalten und walten wie er will. Er ist Republikaner und hat darüberhinaus auch die Christliche Rechte hinter sich, also quasi kann er mit dem Segen der Bibel-Fundamentalisten im Land regieren.

Er macht es einem nicht leicht

In diesen Tagen hatte ich zwei Redaktionen vorgeschlagen einen Beitrag über Donald Trumps politische Erfolge zu schreiben und zu produzieren. Ich wollte über die niedrige Arbeitslosenquote, die ersten positiven Anzeichen der Steuerreform auf die amerikanische Wirtschaft, den außenpolitischen Erfolg auf der koreanischen Halbinsel, Trumps eingehaltene Wahlkampfversprechen berichten, doch keine Redaktion nahm das Thema an.

Trump macht es einem als Journalisten auch nicht leicht. Gerade heute zeigt sich das wieder. In seiner morgendlichen Tweetflut schreibt er von der Freilassung der drei inhaftierten Amerikaner in Nordkorea, die bereits auf der Rückreise in die USA seien. Eigentlich ein Grund zum Jubeln. Auch, dass Trump es wohl mit seinen Drohungen, Verbalangriffen und Verbalausfällen geschafft hat, den nordkoreanischen Machthaber Kim Jong-un an den Verhandlungstisch zu bringen. Ja, dass Trump wohl – zumindest – mitverantwortlich für das koreanische Tauwetter ist. Auch darüber kann man neutral-positiv berichten.

Doch dann haute er einen Tweet raus, den man nur als undemokratisch, pressefeindlich, ja, unamerikanisch bezeichnen kann. Darin wettert er mal wieder gegen die von ihm verhassten „Network News“, ausgenommen natürlich FOXNews. Der Höhepunkt am Schluss, Trump fragt, ob man nicht die Akkreditierungen der White House Korrespondenten entziehen soll, die sich nicht als Hofschreiber betätigen möchten.

Donald Trump macht es einem als Korrespondenten wirklich nicht einfach. Sein unkonventioneller Regierungsstil, seine „Hau-drauf“ Art ohne Rücksicht auf die Folgen, seine konstanten Lügen, Falschaussagen und Halbwahrheiten (seit Amtsantritt über 3000 an der Zahl), seine Provokationen und Irritationen, seine Hofierung von politischen Rechtsaußengruppen und fundamentalistisch-christlichen Kräften, all das und mehr macht Donald Trump nicht gerade zu einem Sympathieträger im Amt. Aber ich muss ihn auch nicht mögen, um fair über ihn berichten zu können. Doch wenn ein amerikanischer Präsident immer wieder aufs Neue die Grundfesten dieser Demokratie in Frage stellt, angreift und offen kritisiert, dann ist es nicht leicht objektiv zu bleiben und zwischen all dem Getöse über die durchaus positiven Erfolge seiner Administration zu berichten.

 

Kim, Donald und die Außerirdischen

Kim Jong-un will seine Nuklearanlagen abbauen, Donald Trump wird für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen, es herrscht wieder Frieden im (Korea) Land. Es sieht wie ein durchschlagender diplomatischer Erfolg des amerikanischen Präsidenten aus. Am Ende, so scheint es, hat er mit seinen Drohgebärden und seinen Beschimpfungen vom „Rocket Man“ die weißen Tauben über der Halbinsel aufsteigen lassen.

Doch ganz so ist dem wohl nicht. Das zumindest behauptet Paul Dale Roberts, seines Zeichens „Esoteric Detective“ für Halo Paranormal Investigations – HPI International. Und Paul kenne ich, mit ihm war ich mal auf Geisterjagd in einem alten Gasthaus nordöstlich von Sacramento. Bis in die frühen Morgenstunden warteten wir auf eindeutige Zeichen, doch ausser „Orbs“ (diffus erscheinende, leuchtende, mehr oder weniger kreisrunde Scheiben in fotografischen Aufnahmen), klemmenden Holztüren, knarzenden Böden und von einigen Teilnehmern gefühlte kühle Lüftchen tat sich nicht viel. Auch auf meinen Audio-Aufnahmen waren später zum Bedauern von Paul keine Stimmen zu hören, die da nicht hingehörten oder nicht jemandem zuzuschreiben waren.

„The truth is out there“. Foto: Reuters.

Aber zurück zum Fähnchendreher Kim Jong-un, der erst auf der Bombe reiten wollte, um dann das ganze Atomprogramm seines Landes einzustampfen. Und nein, es war nicht der Donald, der den jungen Kim zum Umdenken gebracht hat, es waren die Außerirdischen, die schon lange über das Atomarsenal weltweit wachen. Das zumindest sagt der investigate Detektiv von HPI International in seinem jüngsten Beitrag. „Der Glaube, dass wir die Kontrolle über die Erde haben ist nur Fantasie. Höhere Mächte, größer als wir, kontrollieren den Planeten. Deshalb hat der nordkoreanische Präsident diese komplette Wende gemacht und setzt auf den Frieden und nicht mehr auf Atomwaffen. Der nordkoreanische Präsident wurde darüber unterrichtet, dass er keine Macht bezüglich Nuklearwaffen hat.“

Und weiter heißt es: „Wo auch immer auf einer Militärbasis Nuklearwaffen gelagert werden, findet man UFOs. Außerirdische werden NIEMALS zulassen, dass wir Atomwaffen benutzen. Außerirdische haben zu viel auf der Erde investiert. Sie haben ihre eigenen Basen hier auf der Erde und werden nicht erlauben, dass Atomwaffen diese Basen und die Arbeiter darauf vernichten.“ Für Paul Dale Roberts ist daher auch klar, wenn die Sprache auf Syrien kommt: „Wenn die Russen uns im Falle eines Vergeltungsschlags gegen Syrien drohen und Präsident Donald Trump nur mit den Schultern zuckt und dennoch Ziele in Syrien bombardieren lässt, dann macht er das, weil er weiß, die Russen können eh nichts dagegen unternehmen. Sie werden von der selben höheren Macht kontrolliert wie wir. Diese Kontrolle liegt bei den Außerirdischen.“

Sind das nun Fake News oder Hirngespinste oder einfach eine „Meinung“, die man durchaus kundtun sollte? Ich teile Pauls Idee einfach mal, man weiß ja heutzutage schon gar nicht mehr, wo die Wahrheit beginnt und wo aus der Wahrheit eine Halbwahrheit und schließlich eine Lüge wird.

 

 

 

„Battleground Korea“ – so klingt Krieg

„Thank you dear god for victory in Korea“ singt Jimmie Osborne. Ein Lied aus dem Jahr 1950, das heute wohl kaum noch jemand kennt. Es ist eines von über 100 Country-, Blues-, Pop- und Gospel-Titel, die Bear Family Records für die Box „Battleground Korea – Songs and Sounds of America’s forgotten war“ zusammen getragen hat. Darunter sind viele obskure Songs, patriotische Lieder, Aufrufe, sich zum Kampf im fernen Korea zu melden. Musiker wie The Louvin Brothers, Fats Domino, Jean Shephard, B.B. King, Gene Autry und Dutzende anderer Künstler werden präsentiert. Umrahmt wird dieser Koreakrieg-Soundtrack von historischen Audioaufnahmen, wie Reden, Radioreportagen, Interviews und „Public Service Announcements“.

Bear Family Records ist mit dieser Box erneut ein Glanzlicht auf dem Plattenmarkt geglückt. Die vier CDs kommen mit einem umfangreichen Buch, in dem nicht nur der dreijährige Kriegsverlauf erklärt wird, sondern auch auf die Musiker, die Songs, das damalige Leben in den USA, der Heimatfront, eingegangen wird. Wie immer hat man sich im Hause Bear Family viel Zeit für diese Veröffentlichung genommen, Berichte, Fakten und viele, viele Bilder zusammen zu getragen.

Auf „Battleground Korea – Songs and Sounds of America’s forgotten war“ wird Geschichte erneut hörbar gemacht. Vor ein paar Jahren veröffentlichte das Label seine große und vielumjubelte Vietnam Krieg Box „Next Stop is Vietnam“. Nun folgt der Fokus auf die militärische Auseinandersetzung, die in den USA ins Vergessen geraten ist, die von vielen kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges offen abgelehnt wurde. Hier in den USA sieht man nur noch wenige Kriegsveteranen mit einer Mütze, einer Jacke oder einem Aufkleber auf dem Auto „Korean War Veteran“. Die Zeitzeugen sterben aus. Und doch, wie die jüngsten politischen Entwicklungen zeigen, der Koreakrieg ist auch nach 65 Jahren Waffenstillstand aktueller denn je. Die Bear Family Box kommt also zur rechten Zeit.

Die Frage ist lediglich, wer damit erreicht werden kann, erreicht werden soll? In einem Zeitalter, in dem minderwertige mp3 Files, soziale Medien, Schlagzeilen und Kurznachrichten den Alltag bestimmen, kann man sich nur wundern, wer sich die Zeit nehmen wird, in diese historische Klangreise einzutauchen, das umfassende Buch zu lesen, die Lieder auf sich wirken zu lassen. Das geht nicht im Schnelldurchlauf, nicht über ein Smartphone, nicht im Vorbeigehen, nicht in einem Tweet. Geschichtsverständnis braucht Zeit, das belegt diese Sammlung.

Es ist der Verdienst dieses kleinen Indie-Labels aus Holste-Oldendorf, immer wieder mit solch umfangreichen, beeindruckenden, wichtigen und historischen Boxen zu überzeugen. Einige davon verkaufen sich sicherlich nicht gut, wie mir Bear Familien Oberhaupt Richard Weize nach der Veröffentlichung von „Beyond Recall“ erklärte,  und dennoch lässt sich das Label nicht von seinem Kurs abbringen. Warum auch, Bear Family Records ist eines der wichtigsten Labels im Veröffentlichen von historischen Boxsets und musikalischem Dokumentieren, gerade im Country und Folk Bereich.

Ich sitze hier an einem sonnigen Samstagmorgen in Oakland in meinem Sessel und höre zu. Reportagen und Lieder, blättere dabei in dem Buch, sehe die vielen Fotos. Es ist bewegend, macht nachdenklich, die Koreakrieg Box ist lebendige Geschichte, ein Hörgenuss sondergleichen und mehr als empfehlenswert. Es ist ein wichtiges Zeitdokument in unserer schnelllebigen und viel zu leicht vergessenden Welt.

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Friedensnobelpreis für Trump?

Auf einem großen deutschen Online Portal habe ich am Morgen diesen Satz zum angedachten Treffen zwischen Donald Trump und Kim Jong Un gefunden: „Der mächtigste Mann der Welt, Trump, ist offenbar so eingeschüchtert vom Atomarsenal der Regionalmacht, dass er sich persönlich Zeit für Verhandlungen mit dem nordkoreanischen Machthaber nimmt.“ Wie die Autorin und der Autor zu diesem Schluß kommen, ist zumindest fragwürdig.

Donald Trump meets Kim Jong Un. Foto: Reuters.

Donald Trump ist sicherlich nicht vom Atomarsenal des nordkoreanischen Machthabers eingeschüchtert. Ganz im Gegenteil, Trump liebt das Rampenlicht mehr als alles andere. Ein Treffen mit „Rocket Man“, dem jüngsten Kim, würde ihm eine großartige Bühne bieten, um sich international als Macher und Friedensstifter ins rechte Licht zu rücken. Was ihm ja immer wieder aufgestoßen ist und ihn auch nach wie vor stört, ist das Ansehen Barack Obamas im Ausland. Trump würde gerne international besser dastehen wollen, als sein Vorgänger. Aus diesem Grund stürzte er sich auch gleich nach Amtsübernahme auf die Friedensverhandlungen im Nahen Osten, machte das zur Chefsache und entsandte seinen Schwiegersohn Jared Kushner, um die Palästinenser und die Israelis wieder an den Verhandlungstisch zu bekommen. Und Trump möchte auch die Spannungen auf der koreanischen Halbinsel lösen.

Ja, Donald Trump würde nur zu gerne für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen werden. Frieden im Nahen Osten, Frieden zwischen Nord- und Südkorea wären da eine sichere Sache. Doch Trump lebt in seiner „Alternativen Realität“, in der er nur sich und seine Entscheidungen sieht. Die Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt Israels begründet er damit, dass er so einen schwierigen Verhandlungspunkt vom Verhandlungstisch der Palästinenser und den Israelis genommen hat. Er schafft Tatsachen, die (nur) in seinen Augen dem Friedensprozess helfen.

Ähnlich ist es für ihn mit Nordkorea. Monatelange Drohungen gegen das Regime von Kim Jong Un, militärisches Muskelspiel und wirtschaftliche Sanktionen haben Trump nun in die Rolle des Friedensstifters geführt. Von „Angst“ oder „Einschüchterung“ kann hier überhaupt keine Rede sein. Trump sieht sich als der starke Mann, als derjenige, der mit seiner Politik der Provokation Erfolg hat. Er glaubt wirklich, dass er alleine die Probleme der Welt lösen, mit seiner „America First“ Linie, alle anderen Staaten bevormunden kann.

Trump ist beratungsresistent. Der Posten des südkoreanischen Botschafters ist noch immer nicht besetzt. Der Sonderbeauftragte für Nordkorea hat die Brocken hingeschmissen, ein Nachfolger wurde noch nicht benannt. Nun versucht man in Washington ein Treffen zwischen Donald Trump und Kim Jong Un vorzubereiten, dessen Ablauf und Ausgang noch völlig ungewiss ist. Wenn es denn wirklich überhaupt dazu kommen sollte. Denn weder Kim noch Trump sind für ihre feinfühligen Schritte auf dem diplomatischen Parkett bekannt. Eingeschüchtert ist keiner der beiden Regierungschefs.


Es brennt an allen Fronten

In gerade mal zweieinhalb Stunden schaffte es Donald Trump am Dienstag im eigenen Land die Grundfesten der Demokratie weiter auszuhöhlen und international die Lunte an gleich zwei Megakrisen zu halten. In gleich mehreren Tweets vollführte er den Rundumschlag gegen alles und jeden. Der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika will Medien, die ihm nicht passen, die keine Hofberichterstattung veranstalten, die kritisch über ihn und seine Adminstration berichten „auszeichnen“. Es geht ihm um „Unehrlichkeit“ und „schlechte Berichterstattung“ der „Fake News Medien“. Auf einer Veranstaltung am kommenden Montag will er seine „Preisträger“ verkünden. Was kommen wird ist klar, eine Schmusekurs mit FOXNews, Breitbart und Washington Times und eine Anprangerung der New York Times, der Washington Post, von CNN, NBC, ABC und CBS. Trump macht damit einen auf Erdogan. Der Schulterschluss zwischen King Donald und Sultan Recep.

Schon zuvor hatte Trump ausgeholt und das internationale Parkett für seine Verbalattacken genutzt. Erst die Palästinenser und dann Nordkorea. Er droht mit Kürzungen von Geldern und ganz offen mit einem nuklearen Schlag gegen das Kim-Regime. Trump zündelt auf dem Globus mal hier, mal da. Die Folgen sind noch nicht abzusehen, aber, dass dieser Kurs ein friedliches Ende finden wird, daran glauben in den USA immer weniger Menschen.

Donald Trump wird zum gefährlichsten Mann in Amerika, gerade weil er unkalkulierbar und populistisch regiert. Trump ist der Präsidenten seiner „Red States“ und sieht sich nicht als Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika. Er regiert für seine Basis, die ihm zujubelt, egal, was für unlogische, gefährliche und schlichtweg falsche Entscheidungen er auch treffen mag. Die Frage, die ich mir immer öfters stelle ist, wie werden die USA nach diesem Präsidenten aussehen, der ein Land in kürzester Zeit zerlegt, verändert, unüberbrückbar spaltet? Ich kann, ich will es mir gar nicht vorstellen.

Trump der große Verschlimmbesserer

Der Mann mit dem großen Ego ist zurück. Eigentlich war er gar nicht weg. Donald Trump hat zuerst seinen eigenen Außenminister mit ein paar Tweets diskreditiert, in dem er dessen Versuche direkte Gespräche mit Nordkorea zu führen als Zeitverschwendung abtat. „Little Rocket Man“, wie Trump den nordkoreanischen Machthaber Kim Jong-un nennt, verstehe nur eine Sprache, die der deutlichen militärischen Drohungen. Danach kamen seine Vorgänger dran, Demokraten wie Republikaner. Alles Hohlköpfe in Trumps Augen, nur er, der Mann mit der Tolle, kann Amerika und die Welt retten.

Trump brüskiert Rex Tillerson und dessen diplomatische Offensive. Tillerson kann eigentlich nach diesem sonntäglichen Eklat nicht länger Außenminister bleiben. Er ist angezählt, auch wenn Trump in seinem Tweet erklärt, Tillerson sei „our wonderful Secretary of State“.

Für Trump scheint zu gelten, wie kann ich eine verbockte Situation noch schlimmer machen und mich dabei als toller MAGA-Patriot darstellen? Das schafft er immer wieder. Zuletzt mit der Debatte um kniende Footballspieler vor NFL Spielen während der Nationalhymne. Nicht einmal, nicht zweimal meldet sich der „Tweeter in Chief“ zu Wort, nein, Trump haut Dutzende von Kurznachrichten raus und spaltet damit nur noch mehr eine Gesellschaft, die sowieso schon seit langem in Grabenkämpfe verwickelt ist.

Der Präsident will gar nicht Präsident aller Amerikaner sein. Klar, das ist sowieso unmöglich. Doch Trump versucht noch nicht einmal eine Hand zum Dialog auszustrecken. Das zeigt er nun wieder mit Nordkorea. Anstatt seinen Außenminister seine Arbeit tun zu lassen, spuckt Donald Trump auf dessen zarte diplomatische Versuche Nordkorea zum Einlenken zu bringen. Damit schafft es Trump nicht nur die eigenen Leute vor den Kopf zu schlagen, er bringt die USA und damit die Welt näher an einen militärischen Konflikt. Einen militärischen Konflikt, dessen Ausmaß nicht einzuschätzen, vor allem nicht zu gewinnen ist. Mit Trump im Amt, das steht fest, ist die Welt unsicherer geworden.