Wer blickt da noch durch?

Ein Heft mit allen Kandidaten und Entscheidungen für den Wahltag.

Ein Heft mit allen Kandidaten und Entscheidungen für den Wahltag.

Im Briefkasten lag die Informationsbroschüre für die kommende Wahl. Ein Magazin großes und dickes Heft, in dem Kandidaten und Bürgerentscheide aufgelistet sind. Am ersten Dienstag im November ist es dann so weit, ich soll meine Stimmen für den Gouverneur, einige Kabinettsmitglieder in Kalifornien, Abgeordnete in Sacramento und Washington, den Generalstaatsanwalt, den Bevollmächtigten für die Versicherungsaufsicht, für das öffentliche Schulwesen, jemanden der sich „Controller“ nennt usw. abgeben.

Dann kommen da noch einige Namen und Entscheidungen auf der lokalen Ebene hinzu. Bürgermeister, Stadträte, jemand, der in einem Verkehrsgremium sitzt, ein anderer in der Schulaufsicht, ein Kassenprüfer und einer fürs Wasserwerk. Ja Himmelherrgott, wie soll ich denn wissen, ob derjenige Zahlen addieren oder eine Ahnung von sauberem Trinkwasser hat? Dazu dann die politischen Entscheidungen, die auf mehreren Seite dargelegt werden und von riesigen Krediten für das Transportwesen bis hin zur Rolle der Ethikkommission in der Stadt reichen. Ich frage mich echt, wie man das durcharbeiten will und soll.

Ich lebe in Oakland. Oakland ist eine schöne Stadt, die ihren schlechten Ruf eigentlich nicht verdient hat. Hier tut sich kulturell sehr viel, hier wurde kalifornische Geschichte geschrieben, hier eröffnen die besten Restaurants und vor allem, hier ist das Wetter besser, als auf der anderen Seite der Bay. Doch dann gibt es da so etwas wie „Ranked-Choice Voting“, ein absoluter Kappes. Was das heißt ist, man hat drei Stimmen und wählt mit der ersten Stimme seinen Bürgermeister Kandidaten oder Kandidatin, der oder die einem am ehesten zusagt. Mit der zweiten und dritten Stimme folgen dann die Kandidaten, die man auch ok findet, die man aber nicht unbedingt haben will. Die Idee dahinter ist, dass man mit dieser Mehrfachstimmenabgabe eine Stichwahl vermeidet. Denn wenn kein Kandidat die absolute Mehrheit bekommt, werden die Zweit- und Drittstimmen ausgewertet. Das heißt, wie es dummerweise auch bei der letzten OB Wahl passierte, der Kandidat mit den meisten Erststimmen muß nicht unbedingt als Sieger aus dem Wahltag hervorgehen. Seit vier Jahren hat Oakland eine Bürgermeisterin, Jean Quan, die mit nur 25 Prozent und neun Prozent weniger Erststimmen ins Amt gehievt wurde. Ein absoluter Irrsinn, aber in Oakland normal. Interessant ist auch, dass das Wahlsystem von Bezirk zu Bezirk, von Stadt zu Stadt anders sein kann. „Ranked-Choice Voting“ ist nicht so verbreitet, aber natürlich findet man es in Oakland. Klar, wo sonst!

Diesmal wird wieder so gewählt, Ausgang ungewiss. 15 Kandidaten und Kandidatinnen sind im Rennen. Man kann nur hoffen, dass nicht wieder so etwas passiert, wie vor vier Jahren. Nochmal eine Amtszeit von  Jean Quan wäre eine absolute Katastrophe. Die Kandidatin Libby Schaaf ist derzeit im „City Council“, dem Stadtrat. Sie hat die Unterstützung von Gouverneur Jerry Brown bekommen, der selbst hier gleich um die Ecke wohnt. Sie ist zugänglich, offen für Fragen und findet Antworten. Schaaf sieht die Probleme, so wie sie sind. Arbeitslosigkeit, Kriminalität, ein marodes öffentliches System. Sie malt keine Luftschlösser und verspricht auch keine unhaltbaren Lösungen. Wer in Oakland kandidiert, gewählt wird und Erfolg haben will, muß die Fähigkeit besitzen Koalitionen schließen zu können, andere zu überzeugen, die Stadt vor eigene Interessen zu stellen. Libby Schaaf hat glaube ich das Zeug dazu. Ich drück die Daumen für meine Wahlheimatstadt Oakland.

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