Leben mit Tieren

Zwei kleine Affen in einem kahlen Stahlkäfig.

Zwei kleine Affen in einem kahlen Stahlkäfig.

Wieder zurück in N’Djamena. Eine lange Autofahrt vom Süden. Erst Holperpiste, dann Asphaltstrasse, dann Asphaltstrasse mit Schlaglöchern. Es zog und zog sich. Der Süden des Landes ist grün. Stundenlang fuhren wir an Reisfeldern vorbei, durch kleine Dörfer, durch ein paar größere Städte.

Rinder, Ziegen, Schafe weideten an der Straße, Schweine und Hühner streunten frei in Dörfern, abgemagerte Hunde liefen scheu und verängstigt durch die Gegend. Hier und da ein Esel und ein Pferd, meist angeleint oder die Hufen eng zusammengeschnürt, damit sie nicht weglaufen können. In den Dörfern und den Städten wurde am Straßenrand geschlachtet. Einige Tiere standen fast direkt daneben, wurden vom Schlachter abgetastet, nur ein paar Meter weiter war dann schon die Braterei.

Tiere sind hier Nutztiere. Sie werden auf Mopeds und Fahrrädern transportiert wie ein Sack Reis, Kopf nach unten, eng gebunden, damit sie sich nicht rühren können. Auf den Kleinbussen lagen sie oben auf dem Dach, um so zum und vom Markt transportiert zu werden. Es gibt hier keine Massentierhaltung, die Tiere laufen meist fast frei herum. Und doch ist es für einen westlichen Besucher nicht leicht, die Behandlung der Tiere mitanzusehen. Ich weiß, ich bin in einem Entwicklungsland. Hier herrschen andere Regeln, hier gibt es eine andere Kultur, auch eine andere Kultur des Miteinander zwischen Mensch und Tier. Und was maße ich mir überhaupt ein Urteil an, wenn allein in Deutschland jährlich 60 Millionen Schweine und 200 Millionen Hühner „verbraucht“ werden. Gehalten auf engstem Raum in engen Massentierhaltungsfabriken, abgesegnet und abgenickt vom Gesetzgeber in Berlin und Brüssel.

Zwei Riesenschildkröten im Käfig gleich neben den Affen.

Zwei Riesenschildkröten im Käfig gleich neben den Affen.

Hier ist alles offener. Hier sieht man das Tier, die Schlachtung, das Blut. Es ist da, vor einem, man blickt hin. Vielleicht ist diese Art des Umgangs sogar besser, zumindest ist das Schnitzel auf dem Teller dann nicht einfach nur ein Stück Fleisch, gekauft im Supermarkt, wie 500 Gramm Zucker. Zuvor sah man das Tier grasen, hörte es muhen, blöken, meckern, schreien, kriegte mit, wie es zerlegt wurde.

Ich halte mich also hier mit Urteilen bei der hiesigen Fleischproduktion und -verarbeitung zurück. Ich esse kein Fleisch, nichts was mich anschauen kann, schon seit fast 30 Jahren nicht mehr. Das macht mich nicht besser, das ist einfach so, meine Entscheidung, darüber brauche ich nicht zu diskutieren. Was mir aber wirklich aufstößt ist die Behandlung von Tieren. Wenn Hunde getreten, nach ihnen Steine geschmissen werden. Oder wenn Affen und Schildkröten, wie in dem Hotel, in dem ich hier untergebracht war, in einem kleinen, kahlen Käfig im Hof „gehalten“ werden. Artgerecht ist etwas anderes. Ich verstehe es nicht, werde es auch nie verstehen, wie man Tiere so behandeln kann. Bei all dem Leid, dem Elend, der Not, der Armut, der Ungerechtigkeit, die ich hier gesehen habe und sehe, das hätte es nicht auch noch gebraucht.